
Wenn der Kopf um die Welt fliegt
Ich dachte, ich kenn mich aus. Aristoteles, Kant, bisschen Descartes zum Angeben – reicht doch, oder? Falsch gedacht. Baggini hat mir mit diesem Buch eine philosophische Weltreise serviert, die mir mehr als einmal den Kompass verdreht hat – im besten Sinne. Statt sich nur im Abendland die Weisheiten um die Ohren zu hauen, hebt er ab nach China, Indien, Japan, Afrika, Australien und in die arabische Welt. Und das nicht mit dem Zeigefinger, sondern mit einer Neugier, die ansteckender ist als Philosophie-Kaffeehausgeplauder am Samstagabend. Was ich besonders mochte: Es ist keine staubige Professorenvorlesung zwischen Buchdeckeln, sondern eher wie ein intellektueller Backpackertrip mit einem Typen, der gerne fragt, statt alles besser zu wissen. Dabei stolpert man von Konfuzius zu den Vedanta-Lehren, von Sufis zu Aborigines – und merkt plötzlich, wie sehr man selbst eigentlich in seinem westlichen Denkzelt hockt. Klar, manchmal wird’s ein bisschen holprig, vor allem wenn Baggini versucht, komplexe Konzepte in wenigen Sätzen zu erklären – da kriegt das Hirn dann eine leichte Seitenlage. Aber hey, ein bisschen Denksport schadet ja nicht. Besonders cool: Seine Gespräche mit echten, lebenden Philosophen – kein Elfenbeinturm, sondern echte Stimmen mit echten Fragen. Ich hab gelacht, gestaunt, manchmal auch geblinzelt wie ein Esel vorm Berg, aber selten so sympathisch global gedacht. Wer Philosophie mag, aber keine Angst vor neuen Denkrichtungen hat, sollte sich diesen Ritt nicht entgehen lassen. Ein Stern Abzug, weil ich mir noch mehr Tiefe bei manchen Themen gewünscht hätte. Aber sonst: starkes Ding – und definitiv ein Buch, das man nicht ins Regal stellt, sondern weiterempfiehlt.
