Wenn das Potenzial zwischen den Seiten stecken bleibt
„Mein Ehemann braucht viel zu lange zum Sterben.“ Mal ehrlich: Wenn ein Buch so anfängt, dann hat es meine Aufmerksamkeit direkt. The Darkness Within Us ist der zweite Band der Reihe und diesmal geht es um Chrysantha statt um Alessandra. Solche Geschwister-Perspektiven mag ich eigentlich total gerne. Man trifft alte Charaktere wieder und bekommt die Welt aus einem anderen Blickwinkel gezeigt. Die ersten 50 Seiten fand ich auch richtig gut. Chrysantha war bissig, clever und herrlich selbstbewusst. Dieses Zitat beschreibt sie eigentlich perfekt: „Nein, aber meine Welt dreht sich um mich, und darum muss ich mich auch um mich selbst kümmern. Sonst tut es keiner.“ Anfangs fand ich das noch witzig. Irgendwann wurde aus selbstbewusst für mich aber einfach nur egozentrisch und anstrengend. Ich verstehe absolut, warum sie die Welt so sieht. In ihrer Gesellschaft werden Frauen benachteiligt und von Männern kontrolliert. Das ist ein zentrales Thema der Geschichte. Aber Crysantha sieht wirklich in jedem Menschen einen Feind. Vor allem Männer bekommen grundsätzlich erst mal die Rolle des Unterdrückers zugeschrieben. Selbst ihre Beziehung zu ihrer Schwester fand ich stellenweise unglaublich anstrengend zu lesen. Die Handlung war für mich das größte Problem. Die ersten 50 Seiten waren stark, die letzten 50 Seiten ebenfalls – alles dazwischen hat sich gezogen wie Kaugummi. Kaum Überraschungen, kaum Twists und vieles hat sich ständig um dieselben Themen gedreht. Ich habe zeitweise sogar das Gefühl gehabt, dass man die ersten 50 Seiten und die letzten 50 Seiten lesen könnte und trotzdem fast alles Wichtige mitbekommen hätte. Die Liebesgeschichte zwischen Chrysantha und Eryx war süß und hat funktioniert, aber sie wird definitiv nicht zu meinen Lieblingspaaren gehören. Dafür habe ich mich jedes Mal gefreut, wenn Alessandra und Kallias aufgetaucht sind. Der Schreibstil war dagegen wieder super: locker, leicht, mit genau dem sarkastischen Humor, den ich schon im ersten Band mochte. Mein Fazit? Die ersten 50 Seiten waren stark. Die letzten 50 Seiten haben nochmal einiges rausgerissen. Alles dazwischen war für mich leider größtenteils zäh, vorhersehbar und stellenweise ziemlich langweilig. Schade eigentlich, denn die Grundidee und Crysanthas Charakter hatten am Anfang wirklich Potenzial. Am Ende mochte ich Band 1 aber deutlich lieber. Und wenn die Nebenfiguren die interessantesten Menschen im Raum sind, sagt das vermutlich schon alles.






















































