26. Feb.
⭐️⭐️⭐️✨️ Spoiler!
Bewertung:3.5

⭐️⭐️⭐️✨️ Spoiler!

The Age of Innocence oder Blueprint für Miscommunication Ich bin ehrlich, dieses Buch hat mich emotional kaum berührt. Die Charaktere fand ich nur so halb interessant, vieles blieb für mich auf Distanz. Dabei werden eigentlich große Themen angesprochen, Gleichberechtigung, gesellschaftlicher Druck, Scheidung als Skandal und die Doppelmoral der Elite. Aber wirklich gepackt hat es mich nicht. Diese New Yorker Oberschicht hält sich für moralisch überlegen und kultiviert, schaut auf Europa herab, obwohl sie selbst europäische Wurzeln hat. Gleichzeitig verhalten sie sich unglaublich engstirnig. Viel Fassade, viel Kontrolle und wenig echte Freiheit. Inhaltlich dachte ich mir oft, es wäre einfach nichts passiert, wenn Archer und Ellen einmal klar ausgesprochen hätten, dass sie Gefühle füreinander haben. Dieses permanente Andeuten, Zögern und Ausweichen war wahnsinnig frustrierend. Archer heiratet May, obwohl er innerlich längst woanders ist, und ich fand das ziemlich egoistisch. Nur weil man verlobt ist, muss man doch nicht in eine Ehe gehen, wenn man eine andere liebt. Aber fairerweise bleibt er ihr treu. Trotz innerer Kämpfe. Selbst nach Mays Tod bleibt Ellen am Ende nur ein Traum. Und genau das ist wohl die eigentliche Tragik, nicht fehlende Liebe, sondern fehlender Mut. Ich hätte dem Buch eigentlich 3 Sterne gegeben. Aber Edith Wharton war 1921 die erste Frau, die den Pulitzer Prize for Fiction gewonnen hat, und sie wurde dreimal für den Nobelpreis für Literatur nominiert. Das war ein riesiger Durchbruch für Frauen in der Literatur. Dafür und für die gesellschaftliche Bedeutung des Romans gibt es von mir 3,5 Sterne. PS Wenigstens hat mein Exemplar eines der schönsten Cover überhaupt.

The Age of Innocence (Barnes & Noble Classics Series)
The Age of Innocence (Barnes & Noble Classics Series)von Edith WhartonBarnes & Noble Classics
27. Dez.
Bewertung:3

Langsam aber sicher nähert sich meine Liste dem Ende. Das ist sehr gut, denn Anfang Oktober habe ich meine Prüfung dazu. Heute schreiben wir den 19.9.2020. Das nur zur Info, weil diese Rezension mit großer Wahrscheinlichkeit erst erscheinen wird, wenn ich die Prüfung schon abgelegt habe. In diesem Buch geht es um Archer, der bald die junge May heiraten soll. May ist in etwa genau so, wie man Frauen aus vielen Klassikern kennt. Sehr traditionell, will alle glücklich machen und befolgt jede Regel, die ihr von der Gesellschaft auferlegt wird. Die perfekt Hausfrau also. Ellen ist da das genaue Gegenteil: Sie lässt sich gerade von ihrem Ehemann schreiben, ist sehr modern und lässt sich von niemandem etwas vorschreiben. Sie lebt ihr Leben so, wie sie es für richtig hält und keiner kann ihr da reinreden. Das müsste Archer eigentlich abschrecken - tut es aber nicht. Ihm gefällt das total und er verliebt sich in sie. Ellen ist einfach seine absolute Traumfrau. Wir folgen in diesem Buch der Frage, für wen Archer sich entscheiden wird. Für die brave May oder die mysteriöse Ellen? Ich fand dieses Buch vor allem wegen dem Dilemma interessant, in dem Archer da steckt. Er muss sich zwischen May und Ellen und damit zwischen seiner gesellschaftlichen Pflicht und seiner Leidenschaft entscheiden. Anstrengend fand ich, dass es in diesem Buch sehr, sehr viele gesellschaftliche Verpflichtungen gab, so wie halt wahrscheinlich auch in den realen USA, die die Autorin miterlebt hat. Das sorgte bei mir dafür, dass ich mich total eingeengt fühlte - was vielleicht auch das Ziel der Autorin war. Vielleicht wollte sie ja echt das Korsett an gesellschaftlichen Regeln aufzeigen, das jeden Menschen eingeschränkt hat, der nicht unbedingt zum Ausgestoßenen werden wollte. Allein schon die Frage, wie lang man zwischen der Verlobung und der eigentlichen Hochzeit warten sollte... Könnt ihr euch vorstellen, dass das bei uns noch eine Rolle spielt? Also ich wirklich nicht. Mit dem Schreibstil hatte ich Probleme, was aber wahrscheinlich hauptsächlich mit meinen Englischkenntnissen zusammenhängt. Ich denke eigentlich, dass ich ganz gut Englisch kann und vor allem im Lesen auch gewaltig viel Übung habe - hier bin ich trotzdem an meine Grenzen gelangt. Mein Fazit? Ein spannendes Buch über den Konflikt zwischen gesellschaftlicher Norm und Leidenschaft. Leider aber für mich fast zu schwierig.

The Age of Innocence (Barnes & Noble Classics Series)
The Age of Innocence (Barnes & Noble Classics Series)von Edith WhartonBarnes & Noble Classics