Literaturgeschichtlich relevant, aber etwas uninteressant.
Carmilla – Die Vampirin von Joseph Sheridan Le Fanu ist ein kurzes Buch, das besonders in der Herbstzeit zum Lesen einlädt. Es handelt sich um einen stimmungsvollen Schauerroman der alten Schule. Leider ist es dem Buch bei mir nicht gelungen, die gewünschte Atmosphäre vollständig zu entfalten. Dafür wirkten einige Kapitel zu unzusammenhängend und die Handlung stellenweise etwas überhastet erzählt. Dennoch kann ich das Buch für die dunkleren Monate empfehlen – und sei es nur, um einen der wichtigsten Vampirromane vor Dracula kennenzulernen. Von den häufig erwähnten Themen gleichgeschlechtlicher Liebe hatte ich mir etwas mehr erhofft. Zwar wird eine romantische Anziehung zwischen den beiden weiblichen Hauptfiguren angedeutet, im Vordergrund steht jedoch eher ein problematisches Machtgefälle. Carmilla manipuliert die deutlich jüngere Protagonistin, überschreitet wiederholt deren Grenzen und bedient sich Methoden, die man heute durchaus als Gaslighting bezeichnen könnte. Dadurch wirken manche Szenen überraschend verstörend und unangenehm. Auch klassische Vampiraction ist eher selten. Wer viele Begegnungen mit Vampiren oder eine actionreiche Handlung erwartet, könnte daher enttäuscht werden. Dennoch besitzt der Roman einige gelungene Schauermomente, die seine düstere Grundstimmung unterstreichen. Insgesamt ein literaturgeschichtlich interessantes Werk mit einigen starken Momenten, das mich atmosphärisch jedoch nicht vollständig überzeugen konnte.





























































