14. Aug.
Warum Nichtstun allein im Urlaub nicht reicht – und wie man wirklich runterkommt 🛋️🧠🌿
Bewertung:3

Warum Nichtstun allein im Urlaub nicht reicht – und wie man wirklich runterkommt 🛋️🧠🌿

„When I am resting because my body is weak, I need to remember that I’m not wasting the day doing nothing. I am doing exactly what I need to do. I’m recovering.“ Nach vier Wochen Urlaub und viel Nichtstun trotzdem völlig erschöpft? Und sich dann noch ärgern, dass man nicht erholt ist? Story of my life.. Und genau hier setzt „Sacred Rest“ von Dr. Saundra Dalton-Smith an – mit einem Ansatz, der mir direkt eingeleuchtet hat: Erholung ist nicht einfach „Nixtun“, sondern strategisch planbar und höchst individuell. Die Autorin und Ärztin unterscheidet sieben Arten von „Rest“ – Physical, Mental, Emotional, Spiritual, Social, Sensory und Creative Rest – und zeigt, wie Defizite und Ungleichgewichte in einem dieser Bereiche dafür sorgen können, dass man sich trotz Auszeit leer, unerfüllt, unbefriedigt und überholt fühlt. Ein richtig spannender Ansatz, wie ich finde! Dalton-Smith unterscheidet folgende sieben Arten von „Rest“: - Emotionale Erholung – für alle, die ständig für andere da sind: Pflegende, Lehrer, Eltern. Wenn die eigenen Bedürfnisse dauerhaft hinten anstehen, macht das auf Dauer leer. Helfen können hier Gespräche mit Menschen, die wirklich zuhören, Tagebuch schreiben oder Musik machen – alles, was erlaubt, Gefühle ungefiltert zu zeigen. - Sensorische Erholung – für alle, die permanent Reizen ausgesetzt sind: Handynachrichten, E-Mails, Zoom-Calls, während draußen der Presslufthammer läuft. Das Resultat: Gereiztheit und miese Laune. Besser: Handy weg, Laptop zu und raus ins Grüne. Falls das nicht geht: etwas Handwerkliches tun – das beruhigt und kann gleichzeitig das kreative Defizit ausgleichen. - Kreative Erholung – für alle, deren Alltag zu stark durchgetaktet ist: Wer nur nach Plan arbeitet, hat irgendwann keine Ideen mehr. Neue Energie bringen kreative Inputs wie Gedichte schreiben, Ausstellungen besuchen oder einfach in der Natur neue Eindrücke sammeln. - Mentale Erholung – für alle, die dauernd denken, analysieren und entscheiden müssen: Wenn der Kopf nie stillsteht, sinkt die Konzentration. Besser: Aufgaben bündeln, bewusste Pausen einbauen, meditieren oder sich wieder über kleine Dinge freuen. - Soziale Erholung – für alle, die zu viel unter Menschen sind: Vor allem Introvertierte kennen die Erschöpfung nach Dauer-Interaktion. Hilfe bringen stille Zeit für sich oder Treffen mit Menschen, die nichts fordern – oft sind das enge Freunde, bei denen man einfach „sein“ kann. - Körperliche Erholung – für alle, die sich zu viel oder zu wenig bewegen: Wer körperlich hart arbeitet, braucht Schlaf und Ruhe. Aber auch „Schreibtischtäter“ profitieren von sanfter Bewegung wie Yoga oder Spaziergängen – und wer sich einmal am Tag richtig auspowert, schläft abends oft besser. - Spirituelle Erholung – für alle, die sich nach Verbindung und Sinn sehnen: Für Dalton-Smith stark religiös geprägt, meint es aber grundsätzlich jede Form der Gemeinschaft und Sinnstiftung, die Halt gibt. Die erste Hälfte des Buches fand ich damit wirklich inspirierend. Gerade die Differenzierung dieser „Rest-Typen“ und der Gedanke, dass man je nach Lebensphase, Job, Persönlichkeit und aktueller Belastung sehr unterschiedliche Formen der Erholung benötigt, um sich auch wirklich zu erholen, war für mich ein echter Aha-Moment. Hier liefert Dalton-Smith viele Denkanstöße, die sofort Lust machen, das eigene Erholungsverhalten kritisch zu hinterfragen und zu optimieren. Da gibt es ganz ganz viel selbst zwischen den Zeilen zu entdecken! Der nebenliegende Collegeblock und Post-Its waren hier für mich absolute Pflicht, weil auch so viel Interessantes nur kurz in Nebensätzen angerissen wurde. Leider kippt das Ganze in der zweiten Hälfte komplett. Statt den spannenden Ansatz weiter auszubauen, dominiert plötzlich Gott jede zweite Seite. Als Agnostiker habe ich das nur noch quer gelesen – es wirkte auf mich wie missionarisches Geschwurbel, das den eigentlichen Mehrwert des Buches komplett verwässert. Wer nicht auf der Suche nach spiritueller Erleuchtung ist, dürfte hier ähnlich genervt sein wie ich. Gegen Ende wurde es regelrecht anstrengend, weil man fast pausenlos mit Bibelzitaten zugeballert wird, warum Entspannung so wichtig sei. Nervt unendlich! Hinzu kommt: Manche wirklich interessanten Gedankengänge werden leider nur in 1-2 Sätzen angerissen und nicht vertieft. Besonders bei praktischen Tipps zum Ausgleich des Rest-Defizits in den einzelnen Bereichen hätte ich mir deutlich mehr Substanz als jeweils nur 1-1,5 Seiten gewünscht. Auch in puncto Wissenschaftlichkeit hakt es ein wenig: ja, es kein rein wissenschaftliches Buch, sondern schon eher ein populärwissenschaftliches Buch. Trotzdem nennt die Autorin für jeden ihrer Ansätze immerhin ein paar Forschungsergebnisse, um den Ansatz zu untermauern. Da ist dennoch noch viel Luft nach oben — der Ansatz bietet so viele weitere Ansätze zum Weiterdenken!! Unterm Strich bleibt für mich ein Buch mit einer starken ersten Hälfte und einem schwachen, fast schon predigthaften zweiten Teil. Kein typischer „Stress weg“-Ratgeber, sondern anfangs ein frischer, introspektiver Denkansatz – der dann leider in einer Flut religiöser Phrasen und Bibelzitaten untergeht. ⭐️⭐️⭐️

Sacred Rest
Sacred Restvon Saundra Dalton-SmithFaithwords