Gut Einführung, aber ideologisch
JJ Bolas erzählt viele interessante Anekdoten aus seinem eigenen Leben als kongolesisch-britischer Geflüchteter in London. Diese Geschichten über Rassismus, Basketball Gang-Kultur und den persönlichen Kampf mit Emotionen und Männlichkeitsdruck führen zu einer positiven Identifikation mit dem Autor. Man kann sich gut in ihn und seine Gedanken hineinfühlen. Gut ist ebenso, dass es viele wichtige Informationen zu Themen wie emotionaler Unterdrückung bei Männern, Slut-Shaming, Victim-Blaming, Auswirkungen von Pornografie und Männlichkeit in verschiedenen Kulturen gibt. Bola zeigt empathisch, dass das herrschende System auch Männer verletzt, etwa durch höhere Suizidraten und fehlende emotionale Ausdrucksmöglichkeiten. Das Buch eignet sich gut als Einstieg für junge Männer und Frauen, die noch nie über diese Fragen nachgedacht haben. Für eine Vertiefung muss man dann weitere Bücher lesen. Allerdings hat das Buch deutliche problematische Seiten. Bola verwendet den Begriff Sexarbeit und rahmt Prostitution weitgehend neutral bis positiv. Das ist ein Begriff, der von Teilen der Sexindustrie und auch Zuhältern gefördert wird. Dieser Begriff verharmlost Menschenhandel, denn Prostitution ist die älteste Form der Sklaverei und kein Beruf. Zudem kritisiert er US-Interventionen wie im Irak sehr einseitig. Er blendet aus dass Saddam Hussein ein brutaler Diktator war der Massenmorde begangen hat und dass der Sturz des Regimes für die Kurden eine echte Befreiung darstellte. Solche Nuancen fehlen weitgehend. Besonders schwach ist die Behandlung von Muslimen in Europa. Bola thematisiert hauptsächlich Diskriminierung und Rassismus, ignoriert aber weitgehend reale Integrationsprobleme und die Aktivitäten von Gruppen wie der Muslimbruderschaft, Milli Görüs, den Grauen Wölfen oder der IRGC. Hier kann das Buch als naiv bezeichnet werden und das ist gefährlich! Zusammengefasst ist Mask Off mit seinem starken persönlichen Bezug eine solide Einstiegslektüre. Dennoch ist das Buch stark ideologisch geprägt und reproduziert viele antiimperialistische Standardpositionen.






























