
Mit neun Jahren durch die unerbittliche Sonora-Wüste (World-Challenge 17|194, neu 🇸🇻)
🏜 Ganz allein („solito“) ohne vertraute Gesichter versucht Javier mit neun Jahren von El Salvador in die USA zu gelangen, um seine Eltern wiederzusehen. Eine „Reise“, die zwei Wochen dauern sollte, zieht sich über beschwerliche zwei Monate. Das Buch erzählt die autobiographische Migrationsgeschichte von Javier Zamora, die mit enormen Risiken verbunden war. Javier bricht auf, in der Hoffnung auf ein besseres, und doch illusorisches Leben. So glaubt er, dass seine Eltern in den USA einen eigenen Pool und mehrere Bedienstete haben. Zamora führt uns eindrücklich durch die einzelnen Stationen: Die wackelige Bootsfahrt über den Pazifik, das ungewisse Warten isoliert in Motels, Angst beim Passieren der Kontrollpunkte. Der Höhepunkt ist die Wanderung durch die Sonora-Wüste und die Konfrontation mit der Migrationspolizei. Zamora beschreibt die Flucht über Stacheldrahtzäune, Wanderungen durch die glühende Sonne und den Verlust von Weggefährten. Dabei erlebt er einerseits Verrat, andererseits jedoch sehr viel Zuneigung von unbekannten Menschen (Chino, Patricia, Carla), die zu seiner Ersatzfamilie werden. Die Erzählperspektive ist besonders interessant: Die kindlichen Beobachtungen werden gepaart mit erwachsenen Einordnungen. Mit jeder Station wird deutlicher, wie absurd jung Javier für diese Reise eigentlich ist. Er ist schüchtern, unsicher und hat eigentlich Angst vor allem. So will er nicht die Toilette benutzen, weil sie ihn ins Meer saugen könnte und er hat Angst, vor den anderen im Schlaf zu pupsen. Im gesamten Buch spricht Javier selten – stattdessen erfahren wir viele Eindrücke, die er hört, sieht und riecht. Biographisch ist das Buch also spannend, literarisch jedoch eher bieder. Zamora schildert oft zu detailreich und wiederholend. Die Emotionalität fehlt – vermutlich auch aus eigener Distanzierung in der Überwindung des Traumas. Viele spanische Wendungen verleihen dem Text zwar mehr Authentizität, jedoch ist das Glossar umständlich und unvollständig. Somit sollte das Buch wegen seines Inhalts und nicht wegen der sprachlichen Qualität gelesen werden. Es ist umso trauriger, zu überlegen, dass die Handlung im Jahr 1999 spielt – und dass Kinder diese Reise heute wohl unter noch grausameren Bedingungen antreten müssen.


























