Ach, was ist das schön mal wieder ein deprimierendes Buch über die Folgen des Imperialismus zu lesen, das intensiver nicht hätte sein können. Mustafa Sa'eed erzählt stellvertretend die Geschichte des Sudan, denn am Tag seiner Geburt wird es von Großbritannien besetzt, an seinem Todestag unabhängig. Und es ist eine traurige Geschichte, eine Erzählung über die Sinnsuche eines Charakters - und die Sinnsuche eines Landes. In seinen Studienjahren erlebt Mustafa dann die volle Dröhnung an white guilt und trifft liberale Gönner, die sich um ihn sorgen und weiße Frauen, die verzweifelt dem Exotismus-Fetisch verfallen sind. Im Sudan selbst geht es dann mehr um Frauen schlagen, Frauen beschneiden, Männer beschneiden, Kühe und Kamele, Korruption in der Regierung und ein beschissenes politisches System. Die Figuren, die es bis nach England geschafft haben, taten mir fast noch mehr leid: schweben sie doch irgendwie in einer Art Zwischenraum, weil die Heimat zur Fremde geworden ist, aber die Fremde nicht richtig Heimat. Das Buch lebt von seinen Figuren, ewig nicht mehr so greifbare, realistische Charaktere eine Geschichte besiedeln sehen und der Erzählton von Salih macht das Weitere. <3
19. Mai19. Mai 2020
Season of Migration to the Northvon al-Ṭayyib ṢāliḥHeinemann
