Kein Thriller, aber ein echtes Gedankenexperiment
Die Stimme der Kraken ist ein schwer zu beschreibendes Buch. Die Bezeichnung „Öko-Thriller“ passt für mich allerdings überhaupt nicht. Auch empfand ich den Handlungsbogen stellenweise als sehr langsam und müßig, aber nie als langweilig. Manchmal war ich sogar etwas verwirrt, in welchem der drei Handlungsstränge ich mich gerade befinde. Diese werden nicht gekennzeichnet, und teilweise wechseln Schauplätze innerhalb eines Handlungsstrangs ohne Vorankündigung. Auch wenn sich das bisher eher negativ anhört, fand ich das Buch insgesamt wirklich spannend. Es ist ein Buch, das zum Nachdenken und Hinterfragen anregt. Für mich war es eine düstere Zukunftsvision darüber, was passieren könnte, wenn wir mit unserer Welt und unseren technologischen Entwicklungen so weitermachen wie bisher, ohne uns als Gesellschaft und Menschen weiterzuentwickeln. Besonders spannend fand ich dabei die Auszüge aus dem fiktionalen Buch, das die Protagonistin selbst geschrieben hat. Viele der Fragen, die mich während des Lesens beschäftigt haben, werden genau in diesen Passagen angeregt. Besonders hängen geblieben ist mir dabei folgender Satz: „Endlich hat die Wissenschaft begonnen zuzugeben, dass die Natur, in die wir eingesponnen sind, ebenfalls kommuniziert, Werte hat, nach etwas strebt. Wir haben endlich die ersten Schritte dahinter unternommen, das Leben wirklich wahrzunehmen – nicht aus der Entfernung, als seine Herren, sondern in Verbundenheit, indem wir es als Teil unserer selbst anerkennen.“ (Seite 210) Er bringt für mich sehr gut auf den Punkt, worum es in diesem Buch eigentlich geht: unsere Beziehung zur Natur, zu anderen Lebensformen und letztlich auch zu uns selbst. Gleichzeitig stellt das Buch immer wieder die Frage, was Bewusstsein eigentlich ausmacht und was uns letztlich zu Menschen macht. Anders als viele andere Romane lebt “Die Stimme der Kraken” für mich nicht davon, dass man sich besonders stark in die Figuren hineinversetzt. Stattdessen beobachtet man ihre unterschiedlichen Positionen und Weltanschauungen und fragt sich ständig, welcher davon man selbst am ehesten zustimmt oder wo man zwischen ihnen steht. Wer Lust auf ein solches Gedankenexperiment hat, wird mit diesem Buch vermutlich glücklich werden. Wer dagegen einen klassischen Thriller sucht, bei dem man miträtseln kann, sollte seine Erwartungen entsprechend anpassen.
































