19. Mai
Bewertung:2

Leider für mich bisher das schlechteste Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe. Ab einem gewissen Punkt habe ich die ganzen Plot Holes und die Frage nach dem Sinn der Geschichte einfach ignoriert, weil ich das Buch sonst vermutlich abgebrochen hätte. Im Nachhinein wäre das wahrscheinlich die bessere Entscheidung gewesen. Besonders enttäuschend ist das für mich, weil ich mich sehr auf die neue Reihe von J. R. Ward gefreut habe. Sie gehört eigentlich zu den Autorinnen, die einige meiner Lieblingsreihen geschrieben haben, wie die Bourbon Kings- oder Black Dagger-Reihe. Was hier passiert ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Es war nicht alles schlecht, also fangen wir mit dem Positiven an. Ich mochte Sorrel, unsere Protagonistin, eigentlich ganz gerne. Sie ist eine Aussätzige, deren Gabe jeder in ihrem Umfeld fürchtet, weshalb sie von den meisten in ihrem Dorf gemieden wird. Gleichzeitig wird sie aber bei schwierigen Geburten gerufen und hat das Herz einer Heilerin. Auch die Dynamik zwischen den weiblichen Charakteren mochte ich grundsätzlich. Dieses gegenseitige Unterstützen war angenehm zu lesen, auch wenn das typische Fantasy-Klischee von Frauen, die ständig von Männern unterdrückt werden, hier extrem präsent ist. Gefühlt ist fast jeder Mann eine brutale Bestie und fast jede Frau leidet oder wird misshandelt. Aber gut, wir waren ja eigentlich noch beim Positiven. Interessant fand ich außerdem das Mysterium rund um Sorrel und ihre Gabe. Dass sie ihre Fähigkeit über den Blickkontakt einsetzt und sich deswegen hinter einem Schleier verbirgt, hatte definitiv Potenzial. Ehrlich gesagt war genau das auch der Hauptgrund, warum ich überhaupt weitergelesen habe. Leider überwiegen für mich die negativen Punkte deutlich. Die Geschichte fühlt sich oft orientierungslos an und zeitweise weiß man gar nicht mehr, was eigentlich das Ziel der Reise sein soll. Dazu kommt, dass der Charakteraufbau extrem inkonsequent wirkt. Besonders bei Sorrel: Einerseits wird sie als naive Jungfrau vom Land dargestellt, die nie ihr Dorf verlassen hat und beschützt werden muss. Andererseits ist sie in gefährlichen Situationen plötzlich aus dem Nichts Wonderwoman. Auch die Liebesgeschichte hat für mich überhaupt nicht funktioniert. Eher Lust auf den ersten Sniff als Liebe auf den ersten Blick – Merc bläht bei ihrer ersten Begegnung ernsthaft die Nasenflügel auf, kein Witz. Und das, obwohl er ihr Gesicht bis ungefähr zur Hälfte des Buches gar nicht sieht. Von Sorrel aus wirkt das Ganze auch eher pragmatisch nach dem Motto: Wenn ich wahrscheinlich sowieso sterbe, kann ich vorher wenigstens noch mit nem heißen Typen schlafen. Mit jedem neuen Punkt konnte ich das Buch weniger ernst nehmen. Und spätestens bei einer bestimmten Szene bei ca 60 % war ich komplett raus. Dass mir danach immer noch eine große Lovestory verkauft werden sollte, konnte ich einfach nicht mehr nachvollziehen. Dazu werden die Entscheidungen und das Verhalten der Figuren im Verlauf immer absurder, bis ich mich irgendwann wirklich gefragt habe, was ich hier eigentlich lese. Ich bin ehrlich gesagt immer noch etwas geschockt, dass das so durch ein Lektorat gegangen ist. So hart es klingt: Für mich ergibt weder die Handlung Sinn noch das Verhalten der Charaktere oder die Liebesgeschichte. Dabei steckt in der Idee hinter Magie und Worldbuilding eigentlich richtig viel Potenzial -es wurde nur leider kaum etwas daraus gemacht. Ich hatte kurz überlegt, der Reihe trotzdem noch eine Chance zu geben, einfach weil ich die Autorin und ihre anderen Bücher so mag. Nach diesem Band ist das für mich aber ein klares Nein. Da greife ich lieber wieder zu ihren alten Reihen. *Rezension bezieht sich auf die Englische Ausgabe.

Crown of War & Shadow (Kingdoms of the Compass)
Crown of War & Shadow (Kingdoms of the Compass)von J. R. WardPiatkus