25. Dez.
Bewertung:4

Dictionnaire Infernal – Die Kinder Luzifers ist ein faszinierendes, aber auch forderndes Buch, das weit über ein klassisches „Dämonenlexikon“ hinausgeht. Der erste Teil, der lexikalisch aufgebaut ist, bietet eine beeindruckende Sammlung von Dämonen, Wesen und Begriffen aus unterschiedlichsten kulturellen und religiösen Kontexten. Gerade diese Vielfalt macht das Werk interessant, kann jedoch auch irritieren: Wer eine rein jüdisch-christliche oder katholische Dämonologie erwartet, wird überrascht sein, da auch Figuren aus slawischen, griechischen oder sogar hinduistischen Mythologien auftauchen. Historisch ist das erklärbar, wirkt aber nicht immer klar eingeordnet. Der zweite Teil, eine Sammlung von Geschichten und Legenden, hinterlässt einen deutlich stärkeren emotionalen Eindruck. Die Erzählungen sind unangenehm, teils verstörend und bewusst so angelegt, dass sie Angst und Unruhe erzeugen. Sie zeigen eindrücklich, wie Dämonenvorstellungen genutzt wurden, um Leid zu erklären, Schuld zuzuweisen und moralische Grenzen zu ziehen. Gerade dieser Teil verlangt dem Leser eine gewisse Distanz ab und ist nichts für rein unterhaltsame Lektüre. Stärken des Buches liegen eindeutig in seiner historischen Bedeutung, seiner Atmosphäre und der dichten Darstellung religiöser Angstbilder. Schwächen zeigen sich in der fehlenden klaren Trennung zwischen Mythologie, religiöser Deutung und kultureller Verzerrung, was ohne Vorwissen zu Missverständnissen führen kann. Insgesamt ist Die Kinder Luzifers ein lesenswertes Werk für historisch und religionsgeschichtlich Interessierte, das zum Nachdenken anregt und bewusst Unbehagen erzeugt. Kein leichtes Buch – aber ein eindrucksvolles.

Dictionnaire Infernale: Die Kinder Luzifers
Dictionnaire Infernale: Die Kinder Luzifersvon Jacques Collin de PlancyIndex Verlag