12. Juni
Bewertung:5

3 Perspektiven

Mit „Geschwister“ liefert Moa Herngren ein kluges, emotionales und unglaublich fesselndes Familiendrama, das mich von der ersten bis zur letzten Seite komplett in seinen Bann gezogen hat. Nach dem Tod des Vaters müssen sich die Geschwister Ulrika, Andrea und Rasmus gemeinsam mit ihrer Mutter Lotten neu sortieren. Doch der Versuch, den Nachlass zu regeln, öffnet eine emotionale Büchse der Pandora: Lang verdrängte Traumata, Geheimnisse und angestaute Konflikte kommen ans Licht. Das Geniale an diesem Roman ist der Aufbau: 3 Kapitel, 3 Geschwister, 3 Wahrheiten. Herngren zeigt meisterhaft, dass es in einer Familie nie die eine Realität gibt, sondern alles vom jeweiligen Blickwinkel abhängt. Die tiefen Verletzungen und die lebenslange Rivalität zwischen Erstgeborenen und Nesthäkchen werden hier extrem scharfsinnig seziert. Der präzise, ruhige Schreibstil der Autorin sorgt für eine unterschwellige, subtile Spannung. Jeder Satz sitzt. Schritt für Schritt setzt sich das Puzzle dieser Familiengeschichte zusammen, wodurch sich der Blick auf die Figuren immer wieder verändert. Es ist eine feinfühlige Erzählung über das schwierige Aufarbeiten der Vergangenheit, über verpasste Chancen und den steinigen Weg zur Versöhnung. Für mich ist es der bisher beste Roman von Moa Herngren – ein tiefgründiges Buch, das durch seine ehrlichen und realen Kommunikationsmuster noch lange nachwirkt. Eine absolute Kauf- und Leseempfehlung!

Geschwister
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