Traumpfade

Traumpfade

Hardcover
2.716
AnthropologieSchöpfungsmythosGrosse Werke. Grosse Stimmen.Klassiker

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Beschreibung

Traumpfade, Songlines: das sind die unsichtbaren labyrinthischen Wege, die den australischen Kontinent durchqueren und entlang denen die Ahnen der Ureinwohner wanderten, die mit ihren Liedern die Welt erschlossen. Bis heute dürfen die Traumpfade nicht überschritten werden, und es kommt zum Konflikt zwischen zwei Welten, wenn eine Eisenbahngesellschaft ihre Landvermesser ausschickt. In seinem Reisebuch, das Ideenroman, Abenteuergeschichte, Satire auf den Fortschrittswahn und geistige Autobiographie zugleich ist, schildert Bruce Chatwin eine Reise durch Australien. Der Roman ist durchzogen von grandiosen Landschaftsbeschreibungen, leuchtenden Details und Reflexionen, die alle in ein Hohelied auf den Menschen münden.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Hardcover
Seitenzahl
400
Preis
25.60 €

Autorenbeschreibung

Bruce Chatwin, 1940 in Sheffield geboren, arbeitete zunächst als Kunstsachverständiger bei Sotheby`s, später als Journalist und freier Schriftsteller. Er starb 1989 in Nizza. Bei Hanser erschienen u. a. Utz (Roman, 1989), Traumpfade (Roman, 1990), Was mache ich hier (Reiseberichte, 1991), Wiedersehen mit Patagonien (zusammen mit Paul Theroux, 1992), Auf Reisen (Photographien und Notizen, 1993), Der Traum des Ruhelosen (1996), Verschlungene Pfade (1999), Auf dem schwarzen Berg (Roman, 2002), Der Vizekönig von Ouidah (Roman, 2003) sowie Der Nomade (Briefe 1948 - 1988, 2014).

Beiträge

6
Alle
3.5

Reportage über die Aboriginie-Mythologie und mehr

Wenn man sich mit den Klassikern der Reiseliteratur beschäftigt, landet man zwangsläufig früher oder später bei Bruce Chatwin, dem Autor der beiden Weltbestseller „Traumpfade“ und „Patagonien“. Manche Leser weigern sich aus Prinzip, sich mit den Hintergründen eines Autors zu beschäftigen, um sich vom Werk selbst nicht ablenken zu lassen. Aber das Leben Chatwins ist durchaus bemerkenswert und schlägt sich zudem in seinen Büchern mit stark autobiographischer Note immer wieder nieder. 1940 in England geboren, hören sich die weiteren Meilensteine des Bruce Chatwin an, wie die Biografie eines Ernest Hemingway für Arme: permanente Ortswechsel während des Krieges, abgebrochene Studien in Architektur und Archäologie, Botenjunge bei Sotheby’s, dort aber nach vier Jahren Direktor der Abteilung für impressionistische Kunst, Anstellung bei der Sunday Times, zuerst als Kunstberater, dann als Reisejournalist (eine Position zu der er sich selbst ernannte, indem vor einer Sudan-Reise einfach ein Telegramm zur Info an die Redaktion schickte). 1983 und 1984 unternahm Chatwin zwei Reisen in das Innere Australiens, die als Grundlage des Romans „Traumpfade“ dienten, der in weiten Teilen faktisch eine modifizierte Reportage in Ich- Form ist. Über etwa zwei Drittel des Buches schildert Chatwin das Leben und die Situation der Aboriginies in der Zeit seiner Reise. Dieser Teil macht sicherlich den Ruhm des Bruce Chatwin aus, da er ein ganz hervorragendes Stimmungsbild erschafft - wer schon einmal in Australien und vor allem im Outback war, wird dies umgehend bestätigen. Der Leser sieht sofort die Kulisse mit der roten Erde, der ausgetrockneten Landschaft und den träge vor ihren Hütten und blechernen Wohnmobilen im dürftigen Schatten vor sich hindösenden Ureinwohnern. Dazu verwendet er keine farbintensiven Adjektive oder blumige Attribute, sondern er ist eher der Graphiker, der mit wenigen Kohle-Strichen treffsichere Skizzen erstellt. In dieses Bühnenbild baut Chatwin das zentrale Thema ein - die Gründungs- und Abstammungsmythen der Aboriginies, die er aus der Urbevölkerung trotz deren Verschlossenheit und Wortkargheit herauslocken und erfahren konnte, nicht zuletzt durch seine eigene Ruhe, Introvertiertheit und durch Verzicht auf bedrängende Invasivität. Einfach durch Geduld, Abwarten, Einfühlen und anscheinend unendlich viel Zeit. Die Schöpfungsgeschichte der australischen Aboriginies ist eine totemistische. In ihrer Genesis erschufen sich die Ahnen selbst aus Lehm und begannen durch das Land zu wandern. Ihren Weg erschufen sie sich durch Töne. Indem sie sangen und dadurch Schritt für Schritt und Ton bei Ton Dinge am Weg benannten, entstand ihre Welt und gleichzeitig eine Landkarte, die für jeden Clan über Jahrtausende spezifisch war und ihre eigene Identifikation erschuf. Dabei waren sie immer Teil der gesamten Natur um sie herum und diese wiederum Teil ihrer Familie, ihres Clans. Ein „Ding“ diente aber immer als Leitmarker, als Spezifikum. Das konnte ein Stein, eine Pflanze oder ein Tier sein, wie zum Beispiel das Wallaby beim Wallaby-Clan. Diese Traumpfade oder besser „Songlines“ sind auch heute noch fester Bestandteil der Aboriginie-Kultur. Und zudem Gegenstand anhaltender Dispute zwischen der australischen Regierung und der Urbevölkerung, da die Administration sich die längste Zeit weigerte, bei ihren Bau- und Umsiedelungsplänen auf die Songlines in irgendeiner Form (wie auch auf so vieles andere) Rücksicht zu nehmen. Sehr gut sind auch die Passagen in diesen ersten beiden Teilen des Buches, in den Chatwin die Parallelen zur Genesis anderer, auch westlicher Kulturen aufzeigt. Das letzte Drittel des Romans besteht fast ausschließlich aus kurzen Notizen, Zitaten und Beobachtungen, was das Lesen eher schwierig, manchmal sogar fast unverständlich macht, da die Botschaften mitunter eher kryptisch sind. Durchgehend erkennbar ist einzig das Bekenntnis Charwins zum Nomadentum, das er als seine einzig akzeptable Lebensform definiert und bei sich auch fast schon genetisch verankert sieht, da mindestens die Hälfte der Männer in seiner Familie „horizontsüchtige Wanderer“ waren, „deren Gebeine in allen Winkeln der Welt verstreut“ liegen. Diese „Unruhe der Seele“ trieb ihn sein restliches Leben an, welches sicher extrem intensiv, aber durch den Tod an AIDS mit 49 Jahren genauso sicher viel zu kurz war. Gerne werden Bücher über die Kulturen von Ureinwohnern zu flammenden Plädoyers für deren Interessen hochstilisiert. Manche versuchen dies auch bei Chatwins Buch Traumpfade. Wenn man jedoch seine Biographie vor Augen hat und den Tenor des Buches auf sich wirken lässt, spürt man, dass dies Mitte der 80er Jahre nur ein partielles Anliegen des Autors war. Ganz in Hemingway´scher Tradition schimmert da eher ganz oft der Reisereporter und Abenteurer durch, der in seiner ganz eigenen Gelassenheit und Wahrnehmung vor allem einem frönt - dem Entdecken neuer Kulturen durch ein bekennendes Nomaden-Leben. Aber das muss ja auch nicht schlecht sein.

3

Irgendwie faszinierend- ein bisschen wirr, ein bisschen irre...

Chatwin beschreibt seine Reise in den Outback von Australien und seine Kontakte zu den Aborigines Grundsätzlich findet man in diesem Buch viel Interessantes: die Mythen und Geschichten der Aborigenes, die Songlines, die ungeschönte Lebensweise im Outback in den 80ern samt Armut und Alkoholismus, die Lebensfreude der Menschen, die Brutalität... ... aber die Geschichte ist unglaublich wirr. Chatwin erzählt als ob ein Betrunkener Tagebuch schreibt, kommt vom Höckschen aufs Stöckchen, springt in der Handlung, führt Personen nicht ein, erklärt so gut wie nicht und durchsetzt das Ganze mit Traumszenen. Dazu ist das Buch heutzutage einfach nicht mehr politisch korrekt. Wortwahl, Chauvinsmus, Verherrlichung des Alkoholismus... wo fangen wir da an? Es ist ein Zeitdokument und es gibt oft einen guten Einblick in die damalige Welt, ist aber anstrengend zu lesen.

3

Chatwin reiste durch das Outback Australiens und verbrachte einige Zeit mit Aborigines und dem russischen Auswanderer Wolschok. Sie gehen dabei den 'Songlines' der Ureinwohner nach. Per Gesang werden die ursprünglichen Karten und Pfade des Landes von Generation zu Generation weitergegeben. Eine unglaublich spannnende und in der heutigen Zeit kaum noch vorstellbare Art der Orientierung und Schaffung der Zugehörigkeit. Er begleitet Aborigines, deren Pfade durch staatliche Baumassnahmen zerstört werden. Das Buch las sich sehr spannend. Leider schweifte Chatwin aber immer wieder radikal ab, das Ende des Buches bestand fast nur noch aus Notizen und Zitaten vorheriger Reise-Erfahrungen. Aus meiner Sicht ebenfalls schade ist, dass Chatwin anscheinend Fiktion und Realität oft etwas mischte. Wäre er konstant bei den Aborigines und deren Geschichten geblieben, hätte es mir noch besser gefallen.

1

Erfahrungen, die der Autor bei seiner Reise nach Australien machte

Ich hatte mir von dem Hörbuch mehr versprochen. Auch 6 CDs erzählt hier der Autor von Begebenheiten seiner Reise in Australien . Nun zieht mich ja so gar kein Interesse Richtung Australien! Ich hatte gehofft, das mir das Buch die Religion und die Mythen der australischen Ureinwohner näher bringt. Das Thema wurde zwar gestreift, aber nicht so ausführlich, wie ich es erhofft habe. Noch dazu kommt, dass das Hörbuch den Eindruck macht, es finge mitten in der Erzählung an und endet dann abrupt. Das kann vielleicht an der Kürzung liegen, aber ich hatte bisher nie, dass ein Hörbuch einfach so plötzlich endet, ohne das bekannte „Sie hörten…. Gelesen von…“ und um welchen Verlag es sich handelt. Dazu kam, dass ich es im Auto gehört hatte und daher immer wieder Pausen während des Hörens hatte. Ulrich von Noethen als Sprecher fand ich hingegen ok.

2

Der Autor schreibt sehr plastisch, man kann sich die Landschaft, von der er schreibt wunderbar vorstellen. Das hat mir sehr gut gefallen. Natürlich muss man beim lesen im Kopf behalten, dass Bruce Chatwin immer wieder Mal vorgeworfen wurde, es mit der Wahrheit nicht ganz genau zu nehmen, was das Beschreiben von Naturvölkern, in diesem Falle die Aborigines, angeht. Sehr langatmig fand ich das lesen von Chatwins Notizen, die in den letzten Kapiteln immer Mal eingestreut sind. Seine Überlegungen zum Normadentum sind sicherlich ein interessantes Thema, weichen aber sehr von der Geschichte ab und machen das lesen etwas mühselig. Sehr gestört hat mich der inflationäre Gebrauch der Worte "Neger" und "Zigeuner". Ja, ich weiß, in den 80gern, als Chatwin das Buch schrieb wurden diese Wörter noch nicht als verwerflich angesehen, in einer Ausgabe von 2007 halte ich sie für unnötig.

3

Interessante Sache das alles mit den Songlines. Chatwin selbst, ich weiss nicht ob es sein Stil ist oder ob es an der Übersetzung liegt, trägt manchmal sehr dick auf. So wird z.B. aus Altenberg bei Wien, wo er Konrad Lorenz besucht hat (und ihm natürlich neue Erkenntnisse gelehrt hat) eine "Stadt in der Steppe, über die heisser Wind weht". Wen er schon aus dem Tullner Becken eine Steppe macht, kann man sich auch Übertreibungen an anderen Stellen gut vorstellen.

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