Blick ins Buch

Historische Romane

Sommer 1990

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Über das Buch

Mit Neunzehn kehrt ein Schüler zurück nach Hause in einen Staat, der schon keiner mehr ist - nicht mehr DDR, noch nicht Bundesrepublik. Im Sommer 1990 fährt Marko Martin durch seine Heimat, die ihm fremd, gar verhaßt war. Bei seinen Fragen an Bekannte und Unbekannte trifft er auf einen deutschen Ton der Zeit, auf aggressive Verteidigung der Vergangenheit und Larmoyanz in der Gegenwart. Sein Tagebuch dieser Wochen ist ein Zeugnis aus der Phase, als noch keine Ostalgie die einstige Diktatur der Kleinbürger zu einem Hort der Zonenkinder verklärt hatte. Es war der selbe Sommer, in dem Lenin "Good Bye" gesagt wurde. Marko Martins Tagebuch gibt derjenigen Erinnerung einen Ort, die der DDR nicht hinterhertrauert, sondern dem Geruch der Freiheit und Menschlichkeit nachspürt, der in jenem Sommer durch das Land wehte.

Editionen (2)

ISBN9783421058430
VerlagDVA
Erscheinungsdatum31.08.04
Seitenzahl208

Rezensionen & Bewertungen

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1 Rezensionen

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  • mrs_pike
    mrs_pike

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    5,0

    Im August 1990 kehrte der 19jährige Marko Martin zurück in seine sächsische Heimat, die er vor dem Mauerfall per Ausreiseantrag verlassen hatte. Seine Eindrücke und Erlebnisse schreibt er unmittelbar nieder. Heute, viele Jahre später, lesen sich seine Gedanken ganz unmittelbar, oft wütend und enttäuscht, zornig, begeistert und auch melancholisch. Er besucht kluge Intellektuelle, die mitdemonstriert haben ( und später als Stasimitarbeiter enttarnt wurden), läuft durch marode Leipziger Gassen und sein abgelegenes Heimatdorf, ißt in Kneipen, deren Betreiber als ehemalige Stasispitzel vom Dorf gemieden werden, beobachtet Aufbruchstimmung und Verdrängen. Besonders spannend fand ich seine mutige Konfrontation mit einem ehemaligen Lehrmeister, der ihm das Leben damals zur Hölle machte, weil er den Ausreiseantrag gestellt hatte und den Wehrdienst verweigerte. Dessen rechtfertigendenWorte hätten auch 1945 gepasst: nach Vorschrift gehandelt, es war eben so, man hatte es auch nicht leicht. "Sommer 1990" lebt durch die, wie Martin in seinem Nachwort anmerkt, wunderbar an Christa Wolf erinnernde Sprache, trotzdem jugendlich bedenkenlos urteilend und suchend. Ein weiteres literarisches Puzzlestück, um ein Land, das es nicht mehr gibt, aber mich und viele andere geprägt hat, zu verstehen.

    21. Jan. 2026

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