Blick ins Buch

Romane

Sandberg

4,1(10)
Sprache
Deutsch
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Über das Buch

Die rebellische Dominika mit dem dunklen Teint und der »Zigeunermähne« ist eine Außenseiterin. In der Klasse fühlt sie sich zu den Mitschülern hingezogen, die anders sind: zu Dimitri, dem Sohn griechischer Exilanten, und zu Malgosia, ihrer lesbischen Freundin. Das Leben im »Sandberg«, der heruntergekommenen Plattenbausiedlung am Rande einer westpolnischen Kleinstadt, ödet sie an: der Dreck, der Suff; ihre Mutter, die von einem Schwiegersohn aus Castrop-Rauxel träumt; die von Kirche und Konsumwahn manipulierten Nachbarsfrauen. Was geht sie das an? Wie kommt sie überhaupt hierher? Geliebt fühlt sich Dominika nur von ihren Großmüttern – Halina, die im »Deutschenhaus« in der Altstadt wohnt, und Zofia, die sich 1943 das Leben nehmen wollte. Eines Tages, als sie bei Zofia im Garten unter dem Walnußbaum sitzt, taucht ein Historiker aus Kalifornien auf, der die Spur eines jüdischen Freundes verfolgt und wie beiläufig ins Gespinst der Lebenslügen hineinsticht, aus dem Dominika sich befreien will. Joanna Bator, die wohl stärkste neue Stimme der polnischen Literatur, erzählt in einer reichen, sinnlichen Sprache und mit giftiger Ironie von den Träumen, Ängsten und Hoffnungen einer von Krieg und Flucht traumatisierten Generation und von der Rebellion und Freiheitssehnsucht ihrer Kinder.

Editionen (2)

ISBN9783518422229
VerlagSuhrkamp
Erscheinungsdatum14.03.11
Seitenzahl492

Rezensionen & Bewertungen

10 Bewertungen

2 Rezensionen

4,1

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  • carosbuecher
    carosbuecher

    47 Follower

    5,0

    Wałbrzych über die Jahrzehnte: Eine triste Stadt in Niederschlesien; unter der es Kohle gibt und in die Bergarbeiter nach dem zweiten Weltkrieg aus den ehemaligen Ostgebieten Polens, dem heutigen Weißrussland und der Ukraine, gebracht werden; an deren Rand Piaskowa Góra errichtet wird, eine Plattenbausiedlung, in die bald schon das Ehepaar Chmura zieht. Wir begleiten nicht nur Wałbrzych auf seinem Weg durch den Sozialismus, sondern vor allem Jadzia und die anderen Frauen in ihrer Familie auf eben jenem Weg aus Tristesse, Verlust, Enttäuschung und Hoffnung auf einen Schwiegersohn (und Waschmittel) aus der BRD. In der Familie Chmura/Strąk warten schwere Lebenswege auf die Frauen, die nur einen geringen Bildungsgrad aufweisen und trotzdem sie am Rande des Geschehens bleiben, sehen wir alle politischen Wandlungen an ihnen, wenn sie auch meistens nur "erleiden" statt aktiv gestalten. Ihre Männer scheitern, sterben früh und tragen grundsätzlich nur dazu bei, ihr Leben zu erschweren. All diese Trostlosigkeit und Tristesse wird in solch eine zauberhafte Sprache verpackt, sodass man sich urplötzlich und unbemerkt auf einmal in einem polnischen Plattenbau (der, je höher das Stockwerk, immer schiefere Wände und unpassendere Nischen für Wandschränke aufweist) zu Hause fühlt. Unbedingt mehr von Joanna Bator! Ich warte nun sehnlichst auf das nächste auf Deutsch erscheinende Buch im März.

    31. Mai 2024

  • norinka
    norinka

    172 Follower

    5,0

    ein aussergewöhnlich gutes Buch, wie alle Bücher von Joanna Bator

    2. Juli 2023

Autorin / Autor

Über Joanna Bator

Joanna Bator, 1968 geboren, publizierte in wichtigen polnischen Zeitungen und Zeitschriften und forschte mehrere Jahre lang in Japan. Die deutsche Übersetzung ihres Romans Sandberg durch Esther Kinsky war ein literarisches Ereignis. Seither gilt Joanna Bator als eine der wichtigsten neuen Stimmen der europäischen Literatur. Für Dunkel, fast Nacht (2012) wurde sie mit dem NIKE, dem wichtigsten Literaturpreis Polens, ausgezeichnet. Joanna Bator ist Hochschuldozentin und lebt in Japan und Polen.

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