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Ein Literaturklassiker, der mich faszinierte, herausforderte und manchmal etwas sehr in die Länge gezogen war
Die Odyssee – Ein zeitloses Epos zwischen Bewunderung und Widerspruch Es gibt Bücher, die liest man einfach. Und es gibt Bücher, die man nicht nur liest, sondern mit denen man sich auseinandersetzt. Homers Odyssee gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Obwohl das Epos zu den ältesten Werken der europäischen Literatur zählt, begegnet man ihm bis heute in Schule, Universität und Popkultur. Viele Motive, die uns heute selbstverständlich erscheinen – die lange Heimreise des Helden, die List als Waffe, die Reise in die Unterwelt oder die Prüfung der eigenen Identität – haben hier ihren Ursprung. Für mich war die Odyssee letztlich ein 4-von-5-Sterne-Buch. Nicht, weil ich jede Seite geliebt hätte, sondern weil ich den enormen historischen Wert, die erzählerische Kraft und den Einfluss dieses Werkes anerkenne, auch wenn ich mit einigen Aspekten deutlich gehadert habe. Ein Blick in die Entstehungszeit Die Odyssee entstand vermutlich im 8. Jahrhundert v. Chr. und wird traditionell Homer zugeschrieben. Ob Homer tatsächlich eine historische Einzelperson war oder vielmehr der Name für einen Sänger beziehungsweise eine lange mündliche Erzähltradition ist, darüber diskutiert die Forschung bis heute. Das Epos gehört zur archaischen Epoche Griechenlands und war ursprünglich nicht zum stillen Lesen gedacht. Es wurde von Sängern vorgetragen und über Generationen mündlich weitergegeben, bevor es schriftlich festgehalten wurde. Dadurch erklären sich viele stilistische Eigenheiten: Wiederholungen, feste Formeln, ausführliche Reden und immer wiederkehrende Beiworte wie „der listenreiche Odysseus“ oder „die helläugige Athene“. Was heutigen Leserinnen und Lesern manchmal langatmig erscheint, erfüllte damals eine wichtige Funktion für Vortrag und Erinnerung. Die Geschichte – mehr Heimkehr als Abenteuer Vor Beginn des Hörbuchs hatte ich eine ganz andere Vorstellung vom Aufbau der Odyssee. Ich ging davon aus, dass nahezu das gesamte Werk aus den berühmten Irrfahrten des Odysseus bestehen würde. Das stimmt jedoch nur teilweise. Die Abenteuer mit den Kyklopen, Kirke, den Sirenen, Skylla und Charybdis oder Kalypso nehmen zwar einen wichtigen Platz ein, machen aber überraschend wenig vom gesamten Werk aus. Ein großer Teil beschäftigt sich stattdessen mit Ithaka: mit Telemachos, Penelope, den Freiern und der Frage, wie ein König nach zwanzig Jahren seine Heimat und seine Ordnung zurückerobert. Diese Struktur fand ich überraschend – und rückblickend auch gelungen. Die Heimkehr ist eben nicht mit der Ankunft beendet. Sie muss erst errungen werden. Bemerkenswert ist außerdem der Aufbau des Werkes. Die Odyssee besteht aus 24 Gesängen, die jeweils einen eigenen erzählerischen Abschnitt bilden. Besonders überrascht hat mich der Beginn des Epos. Statt Odysseus sofort auf seiner Irrfahrt zu begleiten, widmen sich die ersten Gesänge zunächst ganz Telemachos. Man erlebt, wie sein Sohn nach zwanzig Jahren ohne Vater aufgewachsen ist, wie sehr das Verschwinden des Königs das Leben auf Ithaka verändert hat und wie er beginnt, selbst Verantwortung zu übernehmen. Diese sogenannte Telemachie legt den Grundstein für die spätere Handlung und macht deutlich, dass Odysseus’ Abwesenheit nicht nur ihn selbst, sondern seine gesamte Familie geprägt hat. Erst danach rückt Odysseus selbst in den Mittelpunkt der Erzählung. Schreibstil und Erzählweise Der Schreibstil ist sicherlich der Punkt, der mich am meisten herausgefordert hat. Es gibt Passagen von großer erzählerischer Kraft. Gerade die Abenteuer unterwegs entwickeln eine beeindruckende Atmosphäre und haben eine Bildgewalt, die bis heute nachwirkt. Daneben stehen jedoch viele Stellen, die sich für mich unnötig in die Länge ziehen. Immer wieder werden Abstammungslinien erklärt, lange Reden gehalten oder erfundene Lebensgeschichten erzählt, obwohl der eigentliche Zweck längst klar ist. Besonders auffällig war für mich, dass Homer erstaunlich wenig beschreibt. Landschaften, Kleidung, Häuser oder Schiffe werden oft nur sehr knapp geschildert. Die Welt entsteht fast ausschließlich durch Gespräche und Handlungen. Das unterscheidet die Odyssee deutlich von vielen modernen Romanen oder auch von späteren Klassikern wie Tolkiens Der Herr der Ringe, die ihre Welten viel ausführlicher ausmalen. Gerade als Hörbuch funktionierte das Werk für mich deshalb deutlich besser als ich es mir beim Lesen vorgestellt hätte. Dennoch blieb für mich der Eindruck, dass manche Wiederholungen und langen Monologe aus heutiger Sicht hätten gekürzt werden können. Odysseus – Held mit Ecken und Kanten Was mir gut gefallen hat, ist die Figur des Odysseus selbst. Er ist kein makelloser Held. Er ist klug, erfinderisch und mutig, gleichzeitig aber stolz, manchmal überheblich und nicht selten selbst für seine Probleme mitverantwortlich. Seine größte Stärke ist nicht seine Körperkraft, sondern seine List. Gerade diese Widersprüchlichkeit macht ihn interessant. Er ist weder ein Heiliger noch ein einfacher Held, sondern eine Figur, die Fehler macht und daran wächst. Ebenso gelungen fand ich die Entwicklung Telemachos’. Zu Beginn wirkt er noch unsicher und fast überfordert. Er ist ohne seinen Vater aufgewachsen, kennt ihn nur aus Erzählungen und muss plötzlich lernen, Verantwortung für Haus und Familie zu übernehmen. Im Laufe der Handlung gewinnt er immer mehr Selbstvertrauen. Er widerspricht den Freiern, trifft eigene Entscheidungen und entwickelt sich vom zögerlichen jungen Mann zu einem glaubwürdigen Erben seines Vaters. Gerade diese Entwicklung gehört für mich zu den stärksten Charakterbögen des gesamten Werkes. Frauenbilder – zwischen Stärke und Idealbild Aus heutiger Sicht fällt allerdings auf, wie unterschiedlich Männer und Frauen gezeichnet werden. Die Männer besitzen meist mehrere Facetten. Sie dürfen klug sein, Fehler machen, scheitern, kämpfen und sich entwickeln. Viele Frauen erscheinen dagegen deutlich eindimensionaler. Vor allem Penelope hat mich zwiegespalten zurückgelassen. Ihre Treue und ihre Klugheit verdienen Anerkennung. Gleichzeitig wird ihre Trauer über zwanzig Jahre hinweg immer wieder so stark betont, dass sie stellenweise kaum noch als eigenständige Persönlichkeit erscheint. Ihre wiederholten Todeswünsche empfand ich irgendwann eher ermüdend als berührend. Aus einer heutigen feministischen Perspektive wirkt dieses Frauenbild deutlich von seiner Entstehungszeit geprägt. Das überrascht zwar nicht – schließlich wurde das Werk in einer patriarchalen Gesellschaft verfasst –, dennoch fällt auf, dass viele Frauen vor allem über ihre Beziehung zu Männern definiert werden. Gerade deshalb mochte ich Athene besonders. Sie ist keine Figur, die auf ihre Rolle als Ehefrau oder Mutter reduziert wird. Sie handelt selbstständig, denkt strategisch, greift lenkend ein und begegnet Odysseus oft beinahe auf Augenhöhe. Sie ist klug, unabhängig und entscheidet selbst, wann und wie sie eingreift. Von allen weiblichen Figuren war sie für mich diejenige mit der größten Eigenständigkeit und Präsenz. Moral damals und heute Ein weiterer spannender Punkt ist das moralische Weltbild. Viele Dinge, die in Homers Welt selbstverständlich erscheinen – Plünderungen, Kriegsbeute oder die Versklavung von Menschen –, wirken heute selbstverständlich befremdlich. Gerade deshalb fand ich die Odyssee interessant. Sie zeigt nicht unsere Moral, sondern die Werte einer längst vergangenen Zeit. Besonders wichtig sind dort Ehre, Gastfreundschaft, Treue und die Anerkennung der Götter. Viele Konflikte entstehen weniger durch die Frage, ob etwas grundsätzlich richtig oder falsch ist, sondern ob jemand gegen diese Ordnung verstößt. Auch wenn ich viele dieser Werte aus heutiger Sicht kritisch sehe, fand ich es spannend, sie im historischen Kontext kennenzulernen. Fazit Die Odyssee ist kein Buch, das ich wegen seines Tempos oder seiner modernen Figurenzeichnung empfehlen würde. Ich würde sie empfehlen, weil sie eines der Fundamente der europäischen Literatur ist. Viele Geschichten, Motive und Heldenreisen, die wir heute kennen, führen letztlich auf dieses Epos zurück. Auch wenn mich manche Passagen durch ihre Wiederholungen oder ihre Frauenbilder frustriert haben und ich nicht jede erzählerische Entscheidung nachvollziehen konnte, überwiegt am Ende doch die Bewunderung für ein Werk, das seit fast drei Jahrtausenden Menschen fasziniert. Nicht jedes Kapitel hat mir gefallen. Manche Abenteuer fand ich großartig, andere Abschnitte zogen sich für meinen Geschmack deutlich zu sehr. Gerade diese Mischung aus Begeisterung und kritischer Distanz macht meine Lektüreerfahrung aus. Bewertung: 4 von 5 Sternen. Die Odyssee ist kein perfektes Buch. Aber sie ist ein Werk, dessen Einfluss auf die Literatur kaum zu überschätzen ist – und allein deshalb eine Reise wert.
12 Stunden vor
Ein Literaturklassiker, der mich faszinierte, herausforderte und manchmal etwas sehr in die Länge gezogen war
Die Odyssee – Ein zeitloses Epos zwischen Bewunderung und Widerspruch Es gibt Bücher, die liest man einfach. Und es gibt Bücher, die man nicht nur liest, sondern mit denen man sich auseinandersetzt. Homers Odyssee gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Obwohl das Epos zu den ältesten Werken der europäischen Literatur zählt, begegnet man ihm bis heute in Schule, Universität und Popkultur. Viele Motive, die uns heute selbstverständlich erscheinen – die lange Heimreise des Helden, die List als Waffe, die Reise in die Unterwelt oder die Prüfung der eigenen Identität – haben hier ihren Ursprung. Für mich war die Odyssee letztlich ein 4-von-5-Sterne-Buch. Nicht, weil ich jede Seite geliebt hätte, sondern weil ich den enormen historischen Wert, die erzählerische Kraft und den Einfluss dieses Werkes anerkenne, auch wenn ich mit einigen Aspekten deutlich gehadert habe. Ein Blick in die Entstehungszeit Die Odyssee entstand vermutlich im 8. Jahrhundert v. Chr. und wird traditionell Homer zugeschrieben. Ob Homer tatsächlich eine historische Einzelperson war oder vielmehr der Name für einen Sänger beziehungsweise eine lange mündliche Erzähltradition ist, darüber diskutiert die Forschung bis heute. Das Epos gehört zur archaischen Epoche Griechenlands und war ursprünglich nicht zum stillen Lesen gedacht. Es wurde von Sängern vorgetragen und über Generationen mündlich weitergegeben, bevor es schriftlich festgehalten wurde. Dadurch erklären sich viele stilistische Eigenheiten: Wiederholungen, feste Formeln, ausführliche Reden und immer wiederkehrende Beiworte wie „der listenreiche Odysseus“ oder „die helläugige Athene“. Was heutigen Leserinnen und Lesern manchmal langatmig erscheint, erfüllte damals eine wichtige Funktion für Vortrag und Erinnerung. Die Geschichte – mehr Heimkehr als Abenteuer Vor Beginn des Hörbuchs hatte ich eine ganz andere Vorstellung vom Aufbau der Odyssee. Ich ging davon aus, dass nahezu das gesamte Werk aus den berühmten Irrfahrten des Odysseus bestehen würde. Das stimmt jedoch nur teilweise. Die Abenteuer mit den Kyklopen, Kirke, den Sirenen, Skylla und Charybdis oder Kalypso nehmen zwar einen wichtigen Platz ein, machen aber überraschend wenig vom gesamten Werk aus. Ein großer Teil beschäftigt sich stattdessen mit Ithaka: mit Telemachos, Penelope, den Freiern und der Frage, wie ein König nach zwanzig Jahren seine Heimat und seine Ordnung zurückerobert. Diese Struktur fand ich überraschend – und rückblickend auch gelungen. Die Heimkehr ist eben nicht mit der Ankunft beendet. Sie muss erst errungen werden. Bemerkenswert ist außerdem der Aufbau des Werkes. Die Odyssee besteht aus 24 Gesängen, die jeweils einen eigenen erzählerischen Abschnitt bilden. Besonders überrascht hat mich der Beginn des Epos. Statt Odysseus sofort auf seiner Irrfahrt zu begleiten, widmen sich die ersten Gesänge zunächst ganz Telemachos. Man erlebt, wie sein Sohn nach zwanzig Jahren ohne Vater aufgewachsen ist, wie sehr das Verschwinden des Königs das Leben auf Ithaka verändert hat und wie er beginnt, selbst Verantwortung zu übernehmen. Diese sogenannte Telemachie legt den Grundstein für die spätere Handlung und macht deutlich, dass Odysseus’ Abwesenheit nicht nur ihn selbst, sondern seine gesamte Familie geprägt hat. Erst danach rückt Odysseus selbst in den Mittelpunkt der Erzählung. Schreibstil und Erzählweise Der Schreibstil ist sicherlich der Punkt, der mich am meisten herausgefordert hat. Es gibt Passagen von großer erzählerischer Kraft. Gerade die Abenteuer unterwegs entwickeln eine beeindruckende Atmosphäre und haben eine Bildgewalt, die bis heute nachwirkt. Daneben stehen jedoch viele Stellen, die sich für mich unnötig in die Länge ziehen. Immer wieder werden Abstammungslinien erklärt, lange Reden gehalten oder erfundene Lebensgeschichten erzählt, obwohl der eigentliche Zweck längst klar ist. Besonders auffällig war für mich, dass Homer erstaunlich wenig beschreibt. Landschaften, Kleidung, Häuser oder Schiffe werden oft nur sehr knapp geschildert. Die Welt entsteht fast ausschließlich durch Gespräche und Handlungen. Das unterscheidet die Odyssee deutlich von vielen modernen Romanen oder auch von späteren Klassikern wie Tolkiens Der Herr der Ringe, die ihre Welten viel ausführlicher ausmalen. Gerade als Hörbuch funktionierte das Werk für mich deshalb deutlich besser als ich es mir beim Lesen vorgestellt hätte. Dennoch blieb für mich der Eindruck, dass manche Wiederholungen und langen Monologe aus heutiger Sicht hätten gekürzt werden können. Odysseus – Held mit Ecken und Kanten Was mir gut gefallen hat, ist die Figur des Odysseus selbst. Er ist kein makelloser Held. Er ist klug, erfinderisch und mutig, gleichzeitig aber stolz, manchmal überheblich und nicht selten selbst für seine Probleme mitverantwortlich. Seine größte Stärke ist nicht seine Körperkraft, sondern seine List. Gerade diese Widersprüchlichkeit macht ihn interessant. Er ist weder ein Heiliger noch ein einfacher Held, sondern eine Figur, die Fehler macht und daran wächst. Ebenso gelungen fand ich die Entwicklung Telemachos’. Zu Beginn wirkt er noch unsicher und fast überfordert. Er ist ohne seinen Vater aufgewachsen, kennt ihn nur aus Erzählungen und muss plötzlich lernen, Verantwortung für Haus und Familie zu übernehmen. Im Laufe der Handlung gewinnt er immer mehr Selbstvertrauen. Er widerspricht den Freiern, trifft eigene Entscheidungen und entwickelt sich vom zögerlichen jungen Mann zu einem glaubwürdigen Erben seines Vaters. Gerade diese Entwicklung gehört für mich zu den stärksten Charakterbögen des gesamten Werkes. Frauenbilder – zwischen Stärke und Idealbild Aus heutiger Sicht fällt allerdings auf, wie unterschiedlich Männer und Frauen gezeichnet werden. Die Männer besitzen meist mehrere Facetten. Sie dürfen klug sein, Fehler machen, scheitern, kämpfen und sich entwickeln. Viele Frauen erscheinen dagegen deutlich eindimensionaler. Vor allem Penelope hat mich zwiegespalten zurückgelassen. Ihre Treue und ihre Klugheit verdienen Anerkennung. Gleichzeitig wird ihre Trauer über zwanzig Jahre hinweg immer wieder so stark betont, dass sie stellenweise kaum noch als eigenständige Persönlichkeit erscheint. Ihre wiederholten Todeswünsche empfand ich irgendwann eher ermüdend als berührend. Aus einer heutigen feministischen Perspektive wirkt dieses Frauenbild deutlich von seiner Entstehungszeit geprägt. Das überrascht zwar nicht – schließlich wurde das Werk in einer patriarchalen Gesellschaft verfasst –, dennoch fällt auf, dass viele Frauen vor allem über ihre Beziehung zu Männern definiert werden. Gerade deshalb mochte ich Athene besonders. Sie ist keine Figur, die auf ihre Rolle als Ehefrau oder Mutter reduziert wird. Sie handelt selbstständig, denkt strategisch, greift lenkend ein und begegnet Odysseus oft beinahe auf Augenhöhe. Sie ist klug, unabhängig und entscheidet selbst, wann und wie sie eingreift. Von allen weiblichen Figuren war sie für mich diejenige mit der größten Eigenständigkeit und Präsenz. Moral damals und heute Ein weiterer spannender Punkt ist das moralische Weltbild. Viele Dinge, die in Homers Welt selbstverständlich erscheinen – Plünderungen, Kriegsbeute oder die Versklavung von Menschen –, wirken heute selbstverständlich befremdlich. Gerade deshalb fand ich die Odyssee interessant. Sie zeigt nicht unsere Moral, sondern die Werte einer längst vergangenen Zeit. Besonders wichtig sind dort Ehre, Gastfreundschaft, Treue und die Anerkennung der Götter. Viele Konflikte entstehen weniger durch die Frage, ob etwas grundsätzlich richtig oder falsch ist, sondern ob jemand gegen diese Ordnung verstößt. Auch wenn ich viele dieser Werte aus heutiger Sicht kritisch sehe, fand ich es spannend, sie im historischen Kontext kennenzulernen. Fazit Die Odyssee ist kein Buch, das ich wegen seines Tempos oder seiner modernen Figurenzeichnung empfehlen würde. Ich würde sie empfehlen, weil sie eines der Fundamente der europäischen Literatur ist. Viele Geschichten, Motive und Heldenreisen, die wir heute kennen, führen letztlich auf dieses Epos zurück. Auch wenn mich manche Passagen durch ihre Wiederholungen oder ihre Frauenbilder frustriert haben und ich nicht jede erzählerische Entscheidung nachvollziehen konnte, überwiegt am Ende doch die Bewunderung für ein Werk, das seit fast drei Jahrtausenden Menschen fasziniert. Nicht jedes Kapitel hat mir gefallen. Manche Abenteuer fand ich großartig, andere Abschnitte zogen sich für meinen Geschmack deutlich zu sehr. Gerade diese Mischung aus Begeisterung und kritischer Distanz macht meine Lektüreerfahrung aus. Bewertung: 4 von 5 Sternen. Die Odyssee ist kein perfektes Buch. Aber sie ist ein Werk, dessen Einfluss auf die Literatur kaum zu überschätzen ist – und allein deshalb eine Reise wert.
12 Stunden vor






