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„Mit drei Jahren ist man ein Marsianer. Es ist sehr aufregend, aber beängstigend, ein eben erst auf der Erde gelandeter Marsianer zu sein. Man beobachtet Noch-nicht-Dagewesenes, Undurchschaubares. Man hat keinen Schlüssel. Anhand von Beobachtungen allein muß man Gesetze erfinden: das aristotelische Verfahren rund um die Uhr, was um so anstrengender ist, wenn man von den Griechen nie gehört hat.“ Dieses kleine Buch war mein erstes von Amélie Nothomb, und ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht! Bisher hatte ich nur Gutes über die Autorin und ihre (vielen!) Bücher gehört und dachte, dass es womöglich nichts für mich sein könnte, aber ich wurde positiv überrascht. Die ersten drei Jahre ihres Lebens beschreibt Nothomb in einer wunderbaren, leichten Art und Weise, voller Witz und Erstaunlichkeiten. Ihre ersten zwei Jahre verbringt sie als göttliche Röhre, einzig und allein den Nahrungsaufnahme- und Verdauungstätigkeiten gewidmet, verschwendet keine Bewegung, keinen Laut an die Außenwelt, bis sie von einer Köstlichkeit namens Schokolade ins Leben gerufen wird. Plötzlich ist sie da, richtig da, ihr Bewusstsein kommt zu Tage, das Leben nimmt Gestalt an und es gibt plötzlich einen Sinn: „Ohne mich ist diese Schokolade gar nichts. Aber in meinen Mund gesteckt, wird sie Freude. Sie braucht mich.“ Mit dieser Erkenntnis beginnt sie, sich zu regen und aus ihrer Starre herauszukommen. Sie beginnt ihre kleine Welt, ihr Zuhause, zu erkunden, und legt eine Gedankenfülle an den Tag, die mich teilweise an die „Hallo Mister Gott, hier spricht Anna“-Romane erinnert hat. Sie beginnt Gesetzmäßigkeiten zu erkennen, wenn auch zunächst nicht so, wie sie eigentlich sind; Bei ihrem ersten Strandausflug hat sie Angst vor dem Wasser, aber das Wasser natürlich auch, es wagt sich immer ein paar Stücke vor, nur um sich dann wieder ängstlich zurückzuziehen. Dieses Buch hat sehr viele witzige Stellen, aber natürlich gibt es auch Ernsthaftigkeit: Etwas später erfährt sie, dass ihr Vater nicht immer in Japan arbeiten wird und ein Umzug an einen anderen Ort, in ein anderes Land, früher oder später unausweichlich ist. Für Amélie bricht eine Welt zusammen. Sie beschließt, jeden Moment in ihrem geliebten Japan festzuhalten, sich schöne Erinnerungen zu schaffen und diese um sich schlingen wie einen Mantel: „Von nun an wird in deinem Leben alles geweiht sein. Die Augenblicke, die es wert sind, sollen mit einem Hermelinmantel bekleidet und in der Kathedrale deines Schädels gekrönt werden. Deine Gefühle werden Dynastien bilden.“ Alles in allem kann ich dieses Buch jedem nur ans Herz legen. ❤ Ich werde definitiv noch mehr von ihr lesen, die nächsten beiden autobiographischen Werke sind schon bestellt. 4/5 Sternen.
1. Okt. 2024
„Mit drei Jahren ist man ein Marsianer. Es ist sehr aufregend, aber beängstigend, ein eben erst auf der Erde gelandeter Marsianer zu sein. Man beobachtet Noch-nicht-Dagewesenes, Undurchschaubares. Man hat keinen Schlüssel. Anhand von Beobachtungen allein muß man Gesetze erfinden: das aristotelische Verfahren rund um die Uhr, was um so anstrengender ist, wenn man von den Griechen nie gehört hat.“ Dieses kleine Buch war mein erstes von Amélie Nothomb, und ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht! Bisher hatte ich nur Gutes über die Autorin und ihre (vielen!) Bücher gehört und dachte, dass es womöglich nichts für mich sein könnte, aber ich wurde positiv überrascht. Die ersten drei Jahre ihres Lebens beschreibt Nothomb in einer wunderbaren, leichten Art und Weise, voller Witz und Erstaunlichkeiten. Ihre ersten zwei Jahre verbringt sie als göttliche Röhre, einzig und allein den Nahrungsaufnahme- und Verdauungstätigkeiten gewidmet, verschwendet keine Bewegung, keinen Laut an die Außenwelt, bis sie von einer Köstlichkeit namens Schokolade ins Leben gerufen wird. Plötzlich ist sie da, richtig da, ihr Bewusstsein kommt zu Tage, das Leben nimmt Gestalt an und es gibt plötzlich einen Sinn: „Ohne mich ist diese Schokolade gar nichts. Aber in meinen Mund gesteckt, wird sie Freude. Sie braucht mich.“ Mit dieser Erkenntnis beginnt sie, sich zu regen und aus ihrer Starre herauszukommen. Sie beginnt ihre kleine Welt, ihr Zuhause, zu erkunden, und legt eine Gedankenfülle an den Tag, die mich teilweise an die „Hallo Mister Gott, hier spricht Anna“-Romane erinnert hat. Sie beginnt Gesetzmäßigkeiten zu erkennen, wenn auch zunächst nicht so, wie sie eigentlich sind; Bei ihrem ersten Strandausflug hat sie Angst vor dem Wasser, aber das Wasser natürlich auch, es wagt sich immer ein paar Stücke vor, nur um sich dann wieder ängstlich zurückzuziehen. Dieses Buch hat sehr viele witzige Stellen, aber natürlich gibt es auch Ernsthaftigkeit: Etwas später erfährt sie, dass ihr Vater nicht immer in Japan arbeiten wird und ein Umzug an einen anderen Ort, in ein anderes Land, früher oder später unausweichlich ist. Für Amélie bricht eine Welt zusammen. Sie beschließt, jeden Moment in ihrem geliebten Japan festzuhalten, sich schöne Erinnerungen zu schaffen und diese um sich schlingen wie einen Mantel: „Von nun an wird in deinem Leben alles geweiht sein. Die Augenblicke, die es wert sind, sollen mit einem Hermelinmantel bekleidet und in der Kathedrale deines Schädels gekrönt werden. Deine Gefühle werden Dynastien bilden.“ Alles in allem kann ich dieses Buch jedem nur ans Herz legen. ❤ Ich werde definitiv noch mehr von ihr lesen, die nächsten beiden autobiographischen Werke sind schon bestellt. 4/5 Sternen.
1. Okt. 2024







