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Konnte mich nicht überzeugen
England, 16. Jahrhundert. Sie ist ein einfaches Bauernmädchen, ihre Tage sind geprägt von harter Arbeit und Hunger. Ihr Leben scheint vorbestimmt, bis ihre außergewöhnliche Gabe entdeckt wird … Viel Positives habe ich gehört und gelesen über dieses Buch, dass es eine literarische Wucht hat, eine ganz große feministische Geschichte über eine starke, außergewöhnliche Frau ist. Ok, eigentlich sollte ich ja mittlerweile über genug Leseerfahrung verfügen, um bei solchen Lobeshymnen hellhörig zu werden. Aber ich hab mich verführen lassen und bin hier leider ziemlich reingefallen. Zum Inhalt lässt sich nicht viel sagen, denn der fasst sich in einem Satz zusammen: Bauernmädchen mit außergewöhnlicher Stimme gibt sich als Junge aus um Chorknabe zu werden. Mehr passiert nicht und so ein seltenes Thema ist das im Bereich historischer Romane nun auch nicht, dass sich Frauen als Männer ausgeben. Zumal Ellyn/John während des ganzen Buches auch nicht auf große Schwierigkeiten trifft, alles läuft immer ganz easy, weil sie einfach ihr altes Unterkleid permanent anbehält. Selbst die Periode lässt sich in einem Schlafsaal voller Jungs einfach vertuschen. Ok. Die fehlende Handlung wollte die Autorin dann wohl mit einem gezwungen ‚literarischen‘ Schreibstil kompensieren, dreiviertel des Buches sind quasi so geschrieben, wie die Autorin meint, dass ein ungebildetes Bauernmädchen im 16. Jahrhundert denkt und redet. Größtenteils also in Fäkal- und Vulgärsprache (das am häufigsten gebrauchte Wort im Buch ist ‚Scheiße‘). Das ist gewöhnungsbedürftig und ich wollte das Buch dann eigentlich schon nach 10 Seiten vom Kindle löschen. Hab dann aber doch irgendwie durchgehalten. Ellyns Sprache ändert sich dann mit der Zeit ein wenig, als sie Lesen und Schreiben lernt, mehr oder weniger eklig bleibt das Ganze aber trotzdem. Die wenigen anderen handelnden Personen, vor allem die Chorknaben, reden übrigens ganz normal in moderner Sprache. Und wenn man sich an dieses merkwürdige Stilmittel gewöhnt hat, erkennt man auch, dass der Roman ansonsten nicht viel literarische Tiefe zu bieten hat. Dafür dann aber noch zwei ziemliche grobe historische Schnitzer: die Idee der ‚Flacherde‘ kam erst im 18./19. Jahrhundert auf, seit der Antike weiß man, dass die Erde eine Kugel ist und selbst die Kirche hatte damit nie ein Problem. Ebenso wurde eine ‚Unterschrift‘ mit Daumenabdruck in Europa erst dann üblich, als man Fingerabdrücke vergleichen konnte (spätes 19. Jahrhundert), davor wäre es ja auch vollkommen sinnlos gewesen. Wieder einmal denke ich mir da, wenn ich als Autorin nicht mal Bock auf eine fünf Minuten Wikipedia-Recherche habe, dann schreib ich vielleicht besser keinen historischen Roman. Letztlich habe ich das Buch dann aber doch beendet, es hat ja zum Glück nur knapp über zwei Stunden gebraucht. Denn da sich auf vielen Seiten nur ein oder zwei Sätze befinden kommt der Roman im Endeffekt auf nicht mehr als 120 bis 150 Seiten …

7 Tage vor
Konnte mich nicht überzeugen
England, 16. Jahrhundert. Sie ist ein einfaches Bauernmädchen, ihre Tage sind geprägt von harter Arbeit und Hunger. Ihr Leben scheint vorbestimmt, bis ihre außergewöhnliche Gabe entdeckt wird … Viel Positives habe ich gehört und gelesen über dieses Buch, dass es eine literarische Wucht hat, eine ganz große feministische Geschichte über eine starke, außergewöhnliche Frau ist. Ok, eigentlich sollte ich ja mittlerweile über genug Leseerfahrung verfügen, um bei solchen Lobeshymnen hellhörig zu werden. Aber ich hab mich verführen lassen und bin hier leider ziemlich reingefallen. Zum Inhalt lässt sich nicht viel sagen, denn der fasst sich in einem Satz zusammen: Bauernmädchen mit außergewöhnlicher Stimme gibt sich als Junge aus um Chorknabe zu werden. Mehr passiert nicht und so ein seltenes Thema ist das im Bereich historischer Romane nun auch nicht, dass sich Frauen als Männer ausgeben. Zumal Ellyn/John während des ganzen Buches auch nicht auf große Schwierigkeiten trifft, alles läuft immer ganz easy, weil sie einfach ihr altes Unterkleid permanent anbehält. Selbst die Periode lässt sich in einem Schlafsaal voller Jungs einfach vertuschen. Ok. Die fehlende Handlung wollte die Autorin dann wohl mit einem gezwungen ‚literarischen‘ Schreibstil kompensieren, dreiviertel des Buches sind quasi so geschrieben, wie die Autorin meint, dass ein ungebildetes Bauernmädchen im 16. Jahrhundert denkt und redet. Größtenteils also in Fäkal- und Vulgärsprache (das am häufigsten gebrauchte Wort im Buch ist ‚Scheiße‘). Das ist gewöhnungsbedürftig und ich wollte das Buch dann eigentlich schon nach 10 Seiten vom Kindle löschen. Hab dann aber doch irgendwie durchgehalten. Ellyns Sprache ändert sich dann mit der Zeit ein wenig, als sie Lesen und Schreiben lernt, mehr oder weniger eklig bleibt das Ganze aber trotzdem. Die wenigen anderen handelnden Personen, vor allem die Chorknaben, reden übrigens ganz normal in moderner Sprache. Und wenn man sich an dieses merkwürdige Stilmittel gewöhnt hat, erkennt man auch, dass der Roman ansonsten nicht viel literarische Tiefe zu bieten hat. Dafür dann aber noch zwei ziemliche grobe historische Schnitzer: die Idee der ‚Flacherde‘ kam erst im 18./19. Jahrhundert auf, seit der Antike weiß man, dass die Erde eine Kugel ist und selbst die Kirche hatte damit nie ein Problem. Ebenso wurde eine ‚Unterschrift‘ mit Daumenabdruck in Europa erst dann üblich, als man Fingerabdrücke vergleichen konnte (spätes 19. Jahrhundert), davor wäre es ja auch vollkommen sinnlos gewesen. Wieder einmal denke ich mir da, wenn ich als Autorin nicht mal Bock auf eine fünf Minuten Wikipedia-Recherche habe, dann schreib ich vielleicht besser keinen historischen Roman. Letztlich habe ich das Buch dann aber doch beendet, es hat ja zum Glück nur knapp über zwei Stunden gebraucht. Denn da sich auf vielen Seiten nur ein oder zwei Sätze befinden kommt der Roman im Endeffekt auf nicht mehr als 120 bis 150 Seiten …
7 Tage vor






