Ein anderer Takt

Ein anderer Takt

Paperback
4.313
GerechtigkeitRassismusUsaSüdstaaten

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Beschreibung

"Der vergessene Gigant der amerikanischen Literatur" The New Yorker

Die kleine Stadt Sutton im Nirgendwo der Südstaaten. An einem Nachmittag im Juni 1957 streut der schwarze Farmer Tucker Caliban Salz auf seine Felder, tötet sein Vieh, brennt sein Haus nieder und macht sich auf den Weg in Richtung Norden. Ihm folgt die gesamte schwarze Bevölkerung des Ortes. William Melvin Kelleys wiederentdecktes Meisterwerk Ein anderer Takt ist eines der scharfsinnigsten Zeugnisse des bis heute andauernden Kampfs der Afroamerikaner für Gleichheit und Gerechtigkeit.

Fassungslos verfolgen die weißen Bewohner den Exodus. Was bringt Caliban dazu, Sutton von einem Tag auf den anderen zu verlassen? Wer wird jetzt die Felder bestellen? Wie sollen die Weißen reagieren? Aus ihrer Perspektive beschreibt Kelley die Auswirkungen des kollektiven Auszugs. Liberale Stimmen treffen auf rassistische Traditionalisten. Es scheint eine Frage der Zeit, bis sich das toxische Gemisch aus Wut, Verzweiflung und Hilflosigkeit entlädt. Mal mit beißendem Sarkasmus, mal mit überraschendem Mitgefühl erzählt hier ein schwarzer Autor vom weißen Amerika. Ein Roman von beunruhigender Aktualität.

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Klassiker
Format
Paperback
Seitenzahl
304
Preis
18.50 €

Autorenbeschreibung

William Melvin Kelley wurde 1937 in New York geboren. Mit vierundzwanzig Jahren veröffentlichte er seinen bis heute gefeierten Debütroman A Different Drummer. Nach mehrjährigen Aufenthalten in Paris und auf Jamaika kehrte er mit seiner Familie 1977 nach New York zurück und unterrichtete am Sarah Lawrence College Kreatives Schreiben. Für seine Romane, Kurzgeschichten, Essays und Filme wurde Kelley vielfach ausgezeichnet. Er starb 2017 in Harlem.

Beiträge

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Alle
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>>Die kleine Stadt Sutton im Nirgendwo der Südstaaten. An einem Nachmittag im Juni 1957 streut der schwarze Farmer Tucker Caliban Salz auf seine Felder, tötet sein Vieh, brennt sein Haus nieder und macht sich auf den Weg in Richtung Norden. Ihm folgt die gesamte schwarze Bevölkerung des Ortes.<< „Ein anderer Takt“ von William Melvin Kelley ist ein Buch, was mich literarisch absolut begeistert hat! Neben der eigentlichen Geschichte des Autors ist in dieser neuen Auflage ein sehr ausführliches Vorwort von Kathryn Schulz und ein kleines Portrait, geschrieben von Jessica Kelley, Kelley's Tochter zu lesen. Beide zusätzlichen Beiträge runden das ganze Werk meiner Meinung nach wunderbar ab und bieten einen sehr detaillierten Blick auf den Autor, sein Leben und seine Werke. Unter anderem natürlich auf „Ein anderer Takt“. Was man ganz klar vorab sagen muss, Kelley hat einen sehr eigenen Schreibstil. Er schmückt vieles aus, braucht ein Weilchen um auf den eigentlichen Punkt zu kommen und dennoch empfand ich es nicht als zähe Leselängen. Vielmehr hatte ich das Gefühl in seine beinahe schon poetische Erzählung immer tiefer einzutauchen, was mich ehrlich beeindruckt und nicht zuletzt auch sehr begeistert hat! Kelley greift hier das Thema rund um Rassismus auf und zeigt hier geschrieben aus der Sicht der „Weißen“, wie zeitlos das Thema doch ist. Sein Debütroman hat für mein Empfinden unheimlich viel Wortkraft und wirkt dennoch auf seine Art schlicht, kühl und tiefsinnig. Fazit: Für mich war diese neue Auflage von William Melvin Kelley „Ein anderer Takt“ ein absoluter literarischer Leckerbissen!

5

In einem fiktiven Bundesstaat im Süden der USA entschließt sich 1957 die gesamte afroamerikanische Bevölkerung von heute auf morgen, den Staat zu verlassen und in dem Norden zu ziehen. Die weiße Bevölkerung sieht dieser Entwicklung fassungslos zu. Ich hatte tatsächlich noch nie etwas von William Melvin Kelley gehört. Als der READO-Algorithmus mir diesen, seinen Debütroman, vorschlug, habe ich ihn mir zugelegt und bin auf ein Meisterwerk gestoßen! Die hier beschriebene Alternativwelt, in der die afroamerikanische Bevölkerung sich selbst ermächtigt und entscheidet, nicht mehr unter Unterdrückung zu leben, ist packend , rätselhaft und faszinierend. Die Ereignisse werden in jedem Kapitel aus der Sicht einer anderen Figur wiedergeben (ausschließlich von Weißen), was eine tolle Entscheidung ist, die nach und nach Erklärungen bietet, aber immer die Außensicht beibehält, was eine Ratlosigkeit forciert, die schließlich im bitteren Ende explodiert. "Ein anderer Takt" war zwar mein erster, aber bestimmt nicht mein letzter Kelley.

4

„Es ist was, das ich tun muss“ 1957, die beschauliche Kleinstadt Sutton im Süden Amerikas. Die weißen Farmer treffen sich, wie fast immer, in dem kleinen Lebensmittelladen. Die Männer stehen beieinander, trinken Bier und reden über dies und das, als ein Lastwagen, beladen mit Salz nach dem Weg zur Tucker-Farm fragt. Die Männer geben Auskunft und sind erstaunt, was Tucker, der schwarze Farmer, mit so viel Salz vorhat. Sie machen sich kurze Zeit später selber auf den Weg zur Farm. Tucker ist inzwischen dabei, das Salz auf seinem Feld auszubringen, wie eine Saat im Frühjahr. Die angereisten Zuschauer sitzen auf seinem Zaun und diskutieren darum, wie sie den Mann dabei aufhalten könnten, sein Land zu zerstören. Als das Salz ausgebracht ist, geht Tucker in den Stall, holt seine Tiere heraus und erschießt sie. Zum Schluss, zündet er sein Haus an. Zusammen mit seiner Frau und seinem Kind verlässt er, während die Zuschauer immer noch auf seinem Zaun sitzen, zu Fuß die Stadt. Das ist allerdings erst der Anfang. Denn nachdem die Tucker-Familie die Stadt verlassen hat, beginnen sämtliche Afroamerikaner den Landkreis zu verlassen. Die Weißen sehen dabei nur zu und wissen damit nicht umzugehen. In dem Roman kommen mehrere Personen zu Wort. Und immer ist es, als würden die Erzähler etwas verloren haben, dass sie am Ende wiederfinden. Das Verlorene ist, dass sie vergessen haben auf ihre Intuition, auf ihr Bauchgefühl zu hören. Immer machen sie sich Gedanken darum, ob das der richtige Weg wäre und am Ende hängen sie fest, fühlen sich versteinert und unbeweglich. Sie hätten es einfach machen können. „Jeder kann seine Ketten abstreifen“ (Seite 147) Man muss sich nur aus seinen Zwängen befreien… Immer wieder wird der Konflikt Schwarz-Weiß in dem Buch zum Thema. Doch ist es, für mich, nicht das Grundthema. Das Ende finde ich grausam, wie es in diesen Landstrichen üblich war. Aber das beschreibt wieder den Sarkasmus des Autors. Eben noch schrieb er darüber, dass man sich befreien kann, und im nächsten Moment wird man dafür bestraft, dass man es tat. „Vielleicht haben wir den Glauben an uns selbst verloren. Wenn wir etwas tun müssen, tun wir‘s nicht einfach, sondern denken darüber nach; wir denken an all die Leute, die sagen, dass man bestimmte Dinge nicht tun soll. Und wenn wir dann darüber nachgedacht haben, tun wir‘s einfach nicht.“ Ein anderer Takt, ist für mich ein absolut satirischer Roman. Doppeldeutigkeit und schwarzer Humor stehen in jeder Sicht, im Vordergrund. Jessica Kelley, sagte über ihren Vater, dass er für seine experimentelle Prosa und seine satirische Darstellung der Rassenbeziehung in den Vereinigten Staaten bekannt war. William Melvin Kelley, der 1937 auf Staten Island geboren wurde, lebte einige Zeit in New York, Paris und Jamaika, um 1977 wieder in die Staaten zurück zu kehren. Kelley wurde klar, dass die Gerichte in seinem Land Amerika sich niemals vom Staat lösen können. Sie sprechen ihre Urteile in Abhängigkeit zum Staat. Zu diesem Schluss kam er, als er in der erster Reihe den Fall Malcolm X beobachtete. William Melvin Kelley 1937 geboren, schrieb viele Kurzgeschichten und war Dozent für Kreatives Schreiben am Sarah Lawrence College. Aber nicht nur das Schreiben faszinierte ihn. Er war auch ein begeisterter Fotograf und drehte Kurzfilme. A Different Drummer (Ein anderer Takt) veröffentlichte William Melvin Kelley 1962, als seinen Debütroman. Er starb 2017 in Harlem. Eines muss ich noch los werden! Ich habe dieses Buch als Ebook gelesen und habe wieder einmal feststellen müssen, dass Bücher sich anders lesen. Ich habe mir den Roman bei meinem Buchdealer angesehen. Die Sätze lasen sich anders und das Vorwort beim Ebook, war im Papierbuch ein Nachwort. Auch die Seiten sahen wesentlich angenehmer proportioniert aus. Warum das so ist, da habe ich keine Ahnung. Tatsächlich tendiere ich doch mehr zum echten Buch.

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