Die zweite Schwester
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Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Chan Ho-kei wurde 1975 in Hongkong geboren, wo er bis heute lebt. Er hat als Programmierer, Computerspiele-Entwickler und Manga-Lektor gearbeitet. Für seine Short Storys wurde er mit dem Mystery Writers of Taiwan Award ausgezeichnet, für seinen ersten Roman gewann er den wichtigsten chinesischen Krimipreis.
Beiträge
Nach dem Selbstmord ihrer 15 jährigen Schwester begibt sich Nga-Yee mit Hilfe des Hackers N auf die Suche nach den Gründen und der Person, die sie in den Selbstmord trieb. Gerade die Themen rund um sexuelle Belästigung und (Cyber-)mobbing sind keine Neuen aber teils erschreckend realistisch beschrieben. Das Buch bleibt die komplette Dauer über spannend und gerade zum Beginn der zweiten Hälfte bekommt die Geschichte eine sehr interessante Wendung, wo es initial schwer wird weiter mit der Protagonistin mitzugehen. Aufgelöst wird es dann aber gut. Kritikpunkte sind dann letztendlich doch die Länge, für knappe 600 Seiten gibt dann die Geschichte doch ein bisschen zu wenig her, als auch Hacking Themen, die dann auf Dauer etwas zu einfach fehlerfrei funktionieren.
Bei Kriminalromanen haben ich einen sehr eigenwilligen Geschmack, würde ich sagen. Es ist selten klassisch oder Mainstream und so bin ich auf den Krimi von Chan Ho-Kei gestoßen. Bei dem Buch handelt es sich um einen Mix aus Detektivstory, Cyberthriller und Gesellschaftsroman. Der chinesische Autor erzählt zunächst die Geschichte einer Familie, die vom Unglück gezeichnet ist und deren Kinder, zwei Töchter, früh zu Vollwaisen werden. Dabei gibt es viele Andeutungen zu Problemen in der Gesellschaft und das behält der Autor auch im Laufe des Buches bei. Was bedeutet, dass man schnell einen Blick für das derzeitige Hong Kong bekommt, wo der Roman spielt. An der Stelle haben wir den Gesellschaftsroman über China und weiter geht es mit dem detektivischen Teil: Siu-Man beginnt Selbstmord zu Beginn des Buches und ihre Schwester Nga-Yee ist sich sicher, dass mehr hinter der Sache steckt und möchte Ermittlungen in die Wege leiten. Ohne Beweise natürlich schwer, daher engagiert sie den Hacker N. So kommen wir zum Cyberthriller und einem sehr eigenwilligen “Helden”. Ein exzentrischer Einsiedler, der nur einen Fall annimmt, wenn er interessant genug ist. Und siehe da, er nimmt ihn an… und es stellt sich die Frage, was ist an einem vermutlichen Selbstmord so interessant? Der Roman ist mit seinen fast 600 Seiten wahrlich nicht schlank und als ich es in den Händen hielt, hatte mich die Wucht zunächst auf Abstand gehalten. Als ich jedoch die ersten paar Kapitel gelesen hatte, war ich so tief in der Geschichte drinnen, dass die Seiten sich von selbst haben blättern lassen. Und auch wenn ich es mal zur Seite gelegt hatte, so musste ich immer wieder an die Charaktere denken. Ich wollte wissen, was das Geheimnis ist. Der Clou an der Sache ist, immer wenn ich dachte “Ich weiß es, es ist so offensichtlich was hier passiert.”, kam eine Wendung. Immer wieder. Und wieder. Daher packt einen das Buch, trotz vielen Seiten, unaufhörlich und kaum hat man sich versehen, ist man am Ende und hofft, dass der Autor doch bitte ein weiteres Buch über dieses Traumpaar schreibt. Sprachlich gesehen ist der Kriminalroman hier ein Volltreffer (Übersetzerin: Sabine Längsfeld), da es leicht zu lesen ist, trotz allem ein gewisses Niveau zeigt und die Exkurse in die Cyberkriminalität waren interessant. Wobei ich da nicht immer sehr aufmerksam mitgelesen hatte. An sich waren sie sehr zugänglich geschrieben, der Autor gab sich viel Mühe, bzw. Ermittler N gab sich viel Mühe der unbedarften Nga-Yee, die Dinge zu erklären, die er tut. Mich interessierte das jedoch nur bis zu einen gewissen Grad. Womöglich könnte ich den Buch einen Punkt abziehen, weil die Erklärungen teilweise tief, aber das kann jemand anderen erst recht gefallen. Neben der wendungsreichen Geschichte, waren die Charaktere ebenso aufregend, besonders unser zynischer Ermittler N. Ich konnte ihn mir schon nach wenigen Beschreibungen und Dialogen ganz genau vorstellen. Der Autor zeichnet seine Figuren nämlich sehr treffend, sodass sich bei mir schnell ein Kopfkino abspielte. Es tauchen noch zahlreiche weitere Personen im Laufe der Handlung auf, die ebenso gut dargestellt werden und mit jeder Seite fühlt sich die Tragweite von Siu-Mans Selbstmord oder Mord? Der Kriminalroman von Ho-Kei kommt auf jeden Fall zu meinen TOP 10 Büchern aus dem Jahr 2021 und ich freue mich schon auf weitere Bücher von ihm. Seinen anderen Roman “Das Auge von Hong Kong” habe ich schon bestellt! Eine aufregende Detektivgeschichte mit modernen Hacker-Szenario aus dem lebendigen und dich besiedelten Hongkong. Ein eigenbrötlerischer Ermittler mit unglaublichen Fähigkeiten und eine Frau, die mit Technik wenig am Hut, aber das Herz am rechten Fleck und ihn ergänzt! Gemixt wird alles mit einer guten Portion kritischen Gesellschaftsblick auf Hongkong, modernen Themen, Problemen und Ironie! Ein richtiger Genuss!
Bereits das erste Buch von Chan Ho-Kei war ein Highlight für mich und die Schwester steht diesem in nichts nach! Auch hier wissen wir erneut nicht, worauf wir uns einlassen. Bis ganz zum Schluss ist nichts so, wie es scheint. Gemeinsam mit Chan Ho-Kei begeben wir uns auf eine Tauchgang in die Abgründe der menschlichen Seele und unserer Gesellschaft. Denn was hier in Hong Kong angesiedelt ist, kann genauso auch bei uns passieren. Triggerwarnung: Wer sympathische Helden sucht, sollte dieses Buch nicht lesen. Keine der Figuren ist sympathisch oder bietet hohes Identifikationspotential (falls doch, wird es interessant). Aber das ist so gewollt und gewünscht. Während andere Autoren es vielleicht nicht geschafft hätten, einen Leser mit solchen Figuren zum Weiterlesen zu animieren, schafft Ho-Kei es spielerisch, genau deswegen Interesse zu wecken und die Spannung zu steigern. Dieser Autor geht einfach gerne andere Wege. Deswegen wird man beim Lesen immer wieder überrascht. Es werden falsche Fährten gelegt und mehr als einmal wurde mir erst hinterher klar, weshalb diese Figur so, und jene so reagiert hat. All dies macht "Die zweite Schwester" zu einem neuerlichen Lesevergnügen der besonderen Art. Ein Lesevergnügen, das bei einem oft ein unangenehmes Gefühl auslöst, erfahren wir doch auch, wie verletzlich wir sind. Chan Ho-Kei hat sich definitiv in die Ränge eines Lieblingsautoren hochgeschrieben und ich hoffe, dass die nächsten Bücher in dieser Qualität weitergeführt werden.
Beschreibung
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Chan Ho-kei wurde 1975 in Hongkong geboren, wo er bis heute lebt. Er hat als Programmierer, Computerspiele-Entwickler und Manga-Lektor gearbeitet. Für seine Short Storys wurde er mit dem Mystery Writers of Taiwan Award ausgezeichnet, für seinen ersten Roman gewann er den wichtigsten chinesischen Krimipreis.
Beiträge
Nach dem Selbstmord ihrer 15 jährigen Schwester begibt sich Nga-Yee mit Hilfe des Hackers N auf die Suche nach den Gründen und der Person, die sie in den Selbstmord trieb. Gerade die Themen rund um sexuelle Belästigung und (Cyber-)mobbing sind keine Neuen aber teils erschreckend realistisch beschrieben. Das Buch bleibt die komplette Dauer über spannend und gerade zum Beginn der zweiten Hälfte bekommt die Geschichte eine sehr interessante Wendung, wo es initial schwer wird weiter mit der Protagonistin mitzugehen. Aufgelöst wird es dann aber gut. Kritikpunkte sind dann letztendlich doch die Länge, für knappe 600 Seiten gibt dann die Geschichte doch ein bisschen zu wenig her, als auch Hacking Themen, die dann auf Dauer etwas zu einfach fehlerfrei funktionieren.
Bei Kriminalromanen haben ich einen sehr eigenwilligen Geschmack, würde ich sagen. Es ist selten klassisch oder Mainstream und so bin ich auf den Krimi von Chan Ho-Kei gestoßen. Bei dem Buch handelt es sich um einen Mix aus Detektivstory, Cyberthriller und Gesellschaftsroman. Der chinesische Autor erzählt zunächst die Geschichte einer Familie, die vom Unglück gezeichnet ist und deren Kinder, zwei Töchter, früh zu Vollwaisen werden. Dabei gibt es viele Andeutungen zu Problemen in der Gesellschaft und das behält der Autor auch im Laufe des Buches bei. Was bedeutet, dass man schnell einen Blick für das derzeitige Hong Kong bekommt, wo der Roman spielt. An der Stelle haben wir den Gesellschaftsroman über China und weiter geht es mit dem detektivischen Teil: Siu-Man beginnt Selbstmord zu Beginn des Buches und ihre Schwester Nga-Yee ist sich sicher, dass mehr hinter der Sache steckt und möchte Ermittlungen in die Wege leiten. Ohne Beweise natürlich schwer, daher engagiert sie den Hacker N. So kommen wir zum Cyberthriller und einem sehr eigenwilligen “Helden”. Ein exzentrischer Einsiedler, der nur einen Fall annimmt, wenn er interessant genug ist. Und siehe da, er nimmt ihn an… und es stellt sich die Frage, was ist an einem vermutlichen Selbstmord so interessant? Der Roman ist mit seinen fast 600 Seiten wahrlich nicht schlank und als ich es in den Händen hielt, hatte mich die Wucht zunächst auf Abstand gehalten. Als ich jedoch die ersten paar Kapitel gelesen hatte, war ich so tief in der Geschichte drinnen, dass die Seiten sich von selbst haben blättern lassen. Und auch wenn ich es mal zur Seite gelegt hatte, so musste ich immer wieder an die Charaktere denken. Ich wollte wissen, was das Geheimnis ist. Der Clou an der Sache ist, immer wenn ich dachte “Ich weiß es, es ist so offensichtlich was hier passiert.”, kam eine Wendung. Immer wieder. Und wieder. Daher packt einen das Buch, trotz vielen Seiten, unaufhörlich und kaum hat man sich versehen, ist man am Ende und hofft, dass der Autor doch bitte ein weiteres Buch über dieses Traumpaar schreibt. Sprachlich gesehen ist der Kriminalroman hier ein Volltreffer (Übersetzerin: Sabine Längsfeld), da es leicht zu lesen ist, trotz allem ein gewisses Niveau zeigt und die Exkurse in die Cyberkriminalität waren interessant. Wobei ich da nicht immer sehr aufmerksam mitgelesen hatte. An sich waren sie sehr zugänglich geschrieben, der Autor gab sich viel Mühe, bzw. Ermittler N gab sich viel Mühe der unbedarften Nga-Yee, die Dinge zu erklären, die er tut. Mich interessierte das jedoch nur bis zu einen gewissen Grad. Womöglich könnte ich den Buch einen Punkt abziehen, weil die Erklärungen teilweise tief, aber das kann jemand anderen erst recht gefallen. Neben der wendungsreichen Geschichte, waren die Charaktere ebenso aufregend, besonders unser zynischer Ermittler N. Ich konnte ihn mir schon nach wenigen Beschreibungen und Dialogen ganz genau vorstellen. Der Autor zeichnet seine Figuren nämlich sehr treffend, sodass sich bei mir schnell ein Kopfkino abspielte. Es tauchen noch zahlreiche weitere Personen im Laufe der Handlung auf, die ebenso gut dargestellt werden und mit jeder Seite fühlt sich die Tragweite von Siu-Mans Selbstmord oder Mord? Der Kriminalroman von Ho-Kei kommt auf jeden Fall zu meinen TOP 10 Büchern aus dem Jahr 2021 und ich freue mich schon auf weitere Bücher von ihm. Seinen anderen Roman “Das Auge von Hong Kong” habe ich schon bestellt! Eine aufregende Detektivgeschichte mit modernen Hacker-Szenario aus dem lebendigen und dich besiedelten Hongkong. Ein eigenbrötlerischer Ermittler mit unglaublichen Fähigkeiten und eine Frau, die mit Technik wenig am Hut, aber das Herz am rechten Fleck und ihn ergänzt! Gemixt wird alles mit einer guten Portion kritischen Gesellschaftsblick auf Hongkong, modernen Themen, Problemen und Ironie! Ein richtiger Genuss!
Bereits das erste Buch von Chan Ho-Kei war ein Highlight für mich und die Schwester steht diesem in nichts nach! Auch hier wissen wir erneut nicht, worauf wir uns einlassen. Bis ganz zum Schluss ist nichts so, wie es scheint. Gemeinsam mit Chan Ho-Kei begeben wir uns auf eine Tauchgang in die Abgründe der menschlichen Seele und unserer Gesellschaft. Denn was hier in Hong Kong angesiedelt ist, kann genauso auch bei uns passieren. Triggerwarnung: Wer sympathische Helden sucht, sollte dieses Buch nicht lesen. Keine der Figuren ist sympathisch oder bietet hohes Identifikationspotential (falls doch, wird es interessant). Aber das ist so gewollt und gewünscht. Während andere Autoren es vielleicht nicht geschafft hätten, einen Leser mit solchen Figuren zum Weiterlesen zu animieren, schafft Ho-Kei es spielerisch, genau deswegen Interesse zu wecken und die Spannung zu steigern. Dieser Autor geht einfach gerne andere Wege. Deswegen wird man beim Lesen immer wieder überrascht. Es werden falsche Fährten gelegt und mehr als einmal wurde mir erst hinterher klar, weshalb diese Figur so, und jene so reagiert hat. All dies macht "Die zweite Schwester" zu einem neuerlichen Lesevergnügen der besonderen Art. Ein Lesevergnügen, das bei einem oft ein unangenehmes Gefühl auslöst, erfahren wir doch auch, wie verletzlich wir sind. Chan Ho-Kei hat sich definitiv in die Ränge eines Lieblingsautoren hochgeschrieben und ich hoffe, dass die nächsten Bücher in dieser Qualität weitergeführt werden.






