Der letzte Leuchtturm

Der letzte Leuchtturm

E-Book
4.022

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Beschreibung

Auf Muckle Flugga, der nördlichsten bewohnten Insel der Shetlands, leben einzig ein Leuchtturmwärter und sein Sohn, der wundersame Ouse. Seit dem Tod seiner Mutter ist Ouse' letzter wahrer Freund der Geist des Schriftstellers Robert Louis Stevenson. Nur im Gespräch mit ihm und in seinem Atelier findet er Zuflucht vor seinem hartherzigen Vater. Als sich ein schwermütiger Autor aus Edinburgh in der einzigen Hütte auf der Insel einmietet, zieht ein Sturm über Muckle Flugga auf. Denn Firth freundet sich nicht nur mit Ouse an, sondern entdeckt auch dessen künstlerisches Talent. Ein Tauziehen zwischen dem Vater und Firth beginnt – und Ouse muss eine Entscheidung fällen, die selbst die Gezeiten auf Muckle Flugga für immer verändern könnte. »Dieses zarte Buch steckt voller Lebensfreude.« KAE TEMPEST »Ein kaleidoskophaftes, sprachlich kühnes Werk voller funkelnder Metaphysik, unterfüttert von der ehrwürdigen Suche nach Freude, Erlösung und der Macht des Ortes.« OCEAN VUONG

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
N/A
Format
E-Book
Seitenzahl
352
Preis
20.60 €

Autorenbeschreibung

MICHAEL PEDERSEN, geboren 1984, ist ein renommierter schottischer Lyriker, Autor, Spoken Word Performer und der derzeitige Poet Laureate von Edinburgh. Zuletzt erschien 2022 das viel besprochene und von der Kritik gefeierte Memoir ›Boy Friends‹ über Trauer und Freundschaften unter Männern sowie 2023 sein Gedichtband ›The Cat Prince &Other Poems‹. ›Der letzte Leuchtturm‹ ist Michael Pedersens Romandebüt.

Beiträge

15
Alle
3

Als Firth am Rand einer Brücke steht und sich entscheidet, seinem Leben doch noch eine letzte Chance zu geben, landet er auf der abgelegenen Shetland-Insel Muckle Flugga. Dort leben Ouse, sein Vater und der Geist des Schriftstellers Robert Louis Stevenson. Was ihn dort erwartet, kann er zu diesem Zeitpunkt noch nicht erahnen. Schnell wird klar, dass sich auf der Insel eine Tragödie abspielt. Ouses Vater hat den Verlust seiner Frau nie verarbeitet. Seine Verbitterung macht ihn unberechenbar und jähzornig, und darunter leidet vor allem sein Sohn. Ouse ist das genaue Gegenteil: viel zu sanft und sensibel, zumindest aus Sicht seines Vaters. Beide sind die letzte Generation der Leuchtturmwärter auf der Insel. Von Anfang an wird man in einen emotionalen Strudel geworfen. Der Vater ist extrem launisch und lässt seine Aggressionen sowohl verbal als auch körperlich an seinem Sohn aus. Auch Firth als Gast bekommt davon einiges ab, vor allem weil der Vater spürt, welchen Einfluss er auf Ouse hat. Es entsteht ein regelrechtes Ringen darum, wer über Ouses Zukunft bestimmt. Ich muss sagen, der Schreibstil war okay. Es gab Momente, da fand ich ihn wirklich passend und schön, aber stellenweise war er mir zu ausschweifend und überladen. Vor allem ab der Mitte hat sich die Geschichte für mich ziemlich gezogen. Auch wenn hier einige ernste Themen wie Suizidgedanken, toxische Vater-Sohn Beziehungen und Gewalt vorkommen, wurden viele Dinge für mich etwas zu lakonisch behandelt. Außerdem fand ich es schwierig, dass gefühlt jeder im Umfeld des Vaters sein Verhalten gegenüber Ouse akzeptiert -mit der Begründung, dass er trauert und früher nicht so gewesen sei. Das mag eine Erklärung sein, aber für mich keine Entschuldigung. Zwar wird das am Ende noch einmal aufgegriffen, die Auflösung blieb für meinen Geschmack aber recht oberflächlich. Was mir dagegen wirklich gut gefallen hat, war die Atmosphäre der Insel. Ich konnte förmlich spüren, wie die Wellen gegen den Leuchtturm schlagen. Auch die fantastischen Elemente mochte ich sehr gern. Vor allem die Gespräche zwischen Ouse und dem Geist von Robert Louis Stevenson fügen sich richtig gut in die Geschichte ein und geben ihr etwas Eigenes. Es hat mich nicht komplett überzeugt, aber ich kann es dennoch empfehlen. Vor allem, wenn man atmosphärische Bücher mit einem sehr ausschweifenden, poetischen Schreibstil mag. *unbezahlte Werbung – Rezensionsexemplar

5

Sternebewertung fiktiv

Als ich den Roman das erste Mal gesehen habe, hatte ich ehrlich gesagt eine komplett andere Vorstellung davon, was mich erwartet. Klar, man liest den Klappentext, man sieht das Cover, aber mit dieser Tiefe, dieser poetischen Sprache und dieser ruhigen Intensität habe ich tatsächlich nicht gerechnet. Im Nachhinein ergibt der Schreibstil aber total Sinn, wenn man weiß, dass Michael Pedersen ursprünglich aus der Poesie kommt. Genau das spürt man auf jeder einzelnen Seite. Und bevor man überhaupt mit dem Lesen beginnt, muss ich wirklich sagen, wie unglaublich schön diese Ausgabe gestaltet ist. Der Dumont Verlag hat sich hier unfassbar viel Mühe gegeben. Dieses Cover wirkt fast wie ein Gemälde. Der Leuchtturm, das Meer, die Wolken, dieses Blau, alles daran zieht einen direkt in die Geschichte hinein. Die Handlung spielt auf einer kleinen schottischen Insel namens Muckle Flugga. Schon dieser Schauplatz hat für mich sofort eine ganz besondere Atmosphäre geschaffen. Rau, windig, einsam und gleichzeitig wunderschön. Dort lebt Ouse gemeinsam mit seinem Vater in einem Leuchtturm. Die Mutter ist bereits verstorben und beide Männer tragen diese Trauer auf völlig unterschiedliche Weise mit sich herum. Der Vater hat mich ehrlich gesagt oft wütend gemacht. Er steckt so tief in seinem Verlust fest, dass Alkohol und Aggression immer mehr Raum einnehmen. Diese Einsamkeit auf der Insel wirkt dadurch noch bedrückender. Ouse dagegen war für mich eine unglaublich besondere Figur. Wissbegierig, sensibel, kreativ und irgendwie voller Sehnsucht nach einem anderen Leben, ohne genau zu wissen, wie dieses aussehen könnte. Dann taucht Firth auf, ein Ornithologe aus Edinburgh, der sich auf der Insel einmietet. Und genau ab diesem Zeitpunkt verändert sich die Geschichte langsam. Zwischen Ouse und Firth entwickelt sich eine intensive Freundschaft, die für Ouse plötzlich eine neue Welt öffnet. Zum ersten Mal scheint da jemand zu sein, der ihm zeigt, dass es außerhalb dieser Insel vielleicht doch noch mehr geben könnte. Was mir besonders gefallen hat, waren die Landschaftsbeschreibungen. Dieses Meer, das ständige Rauschen, die Gischt, der Wind, Michael Pedersen erschafft eine Atmosphäre, die man beim Lesen richtig spürt. Alles wirkt ruhig und gleichzeitig emotional aufgeladen. Über lange Strecken passiert eigentlich gar nicht viel und trotzdem war ich komplett gefesselt. Die Geschichte spielt sich mehr auf der Charakterebene der zwei Hauptfiguren ab. Gerade weil der Schreibstil so atmosphärisch ist. Der Roman erzählt viel über Einsamkeit, Verlust, Selbstakzeptanz, Freundschaft und familiäre Bindungen. Aber eben nicht laut oder dramatisch, sondern sehr leise und poetisch. Genau das mochte ich so daran. Ich weiß, dass Nature Writing oder ruhige literarische Romane für viele schnell langweilig wirken können, weil keine riesigen Wendungen passieren. Aber mich hat dieses Buch wirklich komplett abgeholt. Gerade diese Ruhe, diese Melancholie und diese besondere Sprache haben die Geschichte für mich so stark gemacht. Für mich definitiv eines dieser Bücher, die weniger von Handlung leben, sondern von Atmosphäre und Gefühl.

3.5

DER LETZTE LEUCHTTURM Michael Pedersen ET: 18.03.26 Ouse wächst auf der Insel Muckle Flugga auf, der nördlichsten der Shetlandinseln. Das Leben dort ist isoliert, hart und vom Wetter bestimmt – meist stürmisch und nass. Doch nicht nur die äußeren Umstände prägen den jungen Mann, sondern vor allem sein gewalttätiger und jähzorniger Vater. Seit dem Tod der Mutter hat er sich verändert. Wirklich empathisch war er wohl nie, doch vielleicht gab es früher noch Spuren von Wärme – heute sind auch diese verschwunden. Der Vater lebt in starren, patriarchalen Strukturen. Er ist der „Mann“ auf der Insel, der Macher, und ohne ihn würde der letzte nicht automatisch betriebene Leuchtturm nicht leuchten. Sein Sohn ist ihm zu weich, zu sensibel – Eigenschaften, die er der Mutter zuschreibt. Nur wenn der Whisky seine Gedanken benebelt, erlaubt er sich einen flüchtigen Blick zurück. Ansonsten prägt er Ouse immer wieder ein, wie gefährlich das Meer ist – und dass er eines Tages selbst den Leuchtturm übernehmen wird. Alles verändert sich, als der Schriftsteller Firth aus Edinburgh das kleine Haus auf der Insel mietet. Lebensmüde und rastlos trifft er auf Ouse, und zwischen den beiden entsteht nach und nach eine vorsichtige, zarte Verbindung. Sie verbringen immer mehr Zeit miteinander – und bringen damit Bewegung in eine Welt, die zuvor festgefahren schien. Was aus dieser Annäherung wird, müsst ihr selbst herausfinden. Ja, ihr lieben Bookies, der Einstieg war für mich ziemlich sperrig. Ehrlich gesagt hatte ich das Buch schon zur Seite gelegt. Aber die liebe Elvira hat mich dazu gebracht, ihm noch eine Chance zu geben – und das war genau richtig. Dieses Buch lebt vor allem von seiner Sprache. Was mir anfangs zu viel und zu poetisch war, wurde mit der Zeit zu etwas fast Musikalischem. Die Bilder sind unglaublich stark – egal ob Landschaft, Meer oder Figuren. Die Nähe zum Wasser, die Rauheit der Natur spiegeln sich in jedem Satz wider und verleihen der Geschichte eine ganz eigene, besondere Atmosphäre. Anders, vielleicht ein wenig exzentrisch – aber genau das macht es aus. Fazit: Ein atmosphärisches, bildgewaltiges und nachdenkliches Buch mit einer außergewöhnlichen Sprache – perfekt für alle, die sich auf etwas Eigenwilliges einlassen möchten. 3½/5

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5

Der an sich zweifelnde und immer wieder mit Gedankenspielen um seinen Suizid ringende Schriftsteller Firth reist als Feriengast auf eine kleine Leuchtturminsel. Sie heisst Muckle Flugga, eine im Norden gelegene Insel der Shetlands. Er beabsichtigt seinem Leben nun dort ein Ende zu setzen. Doch es kommt völlig anders als geplant. Die aufkeimende Freundschaft mit Ouse, dem Sohn des Gastgebers und Leuchtturmwärters der Insel verändert alles. Das Wetter dort ist rau und wild. Tosende Stürme und Wellen sowie viele einsame Stunden begleiten den Alltag, denen alle Lebewesen der Insel, Mensch und Tier ausgesetzt sind. Ouse ist ein sensibler junger Mann , der seit dem Tod der Mutter unter den oft gewalttätigen Launen und Handlungen seines Vaters leidet. Sein Trost und imaginärer Freund ist der Geist des Schriftstellers Robert Louis Stevenson, mit dem er Zwiegespräche in seinem Atelier führt. Er verbringt dort viel Zeit mit dem Stricken von Pullovern , dem Weben von Teppichen. Das Entwerfen von neuen Mustern in seinem geliebten Skizzenbüchern gehört zu seinen liebsten Tätigkeiten. Zusätzlich sorgt er für das leibliche Wohl auf der abgeschiedenen Insel für seinen Vater und die Feriengäste. Als Firth und Ouse sich näher kennenlernen, entwickelt sich eine enge und harmonische Freundschaft zwischen den beiden jungen Männern. Der hartherzige, in patriarchalen Strukturen denkende Vater versucht diese zarte Freundschaft mit Gewalt und zorniger Bösartigkeit zu verhindern. Sein Sohn erscheint ihm zu weich und sensibel , stellt sich nicht den harten Anforderungen des Berufes eines Leuchtturmwärters. Firth, der Schriftsteller und malende Vogelkundler wird vom Vater laufend vor Ouse der Lächerlichkeit und einer naiven Unfähigkeit in allen Lebenssituationen preisgegeben. Doch Firth hält dagegen und erzählt Ouse heimlich vom möglichen, freiem Leben in Edinborough als freischaffender Künstler. Und wir begegnen der jungen Figgie. Sie stellt mit Ihrem Boot und Fahrten zur Insel sowie den Proviantlieferungen den Kontakt zur Aussenwelt her und klärt Firth über die Vergangenheit der kleinen Leuchtturmwärter - Familie auf. Das Lesen des Buches mit seinen außerordentlich, schönen, feinsinnigen Sätzen war ein Lesefest für mich, welches ich auf jeder Seite langsam und dafür umso ausgiebiger genossen habe. Zauberhafte, bildgewaltige Satz - und Wortkombinationen haben mich begeistert und ich danke dem Autor und dem deutschen Übersetzer Stephan Kleiner ganz herzlich für diese herrlichen, poetischen Anregungen und Begriffe. Die stimmige, einsam gelegene Atmosphäre der rauen See wurde ebenso gut transformiert wie die empathischen Gedanken und Gefühle der beiden Protagonisten zueinander. FÜNF ***** STERNE für diese grossartige Lektüre.

3.5

Atmosphärisch, mit Luft nach oben

Willkommen auf Muckle Flugga, eine Insel der Shetlands, auf der nur der Leuchtturmwärter mit seinem Sohn leben. Nach dem Tod der Ehefrau und Mutter, ist nichts mehr wie es war für die Zwei. Neuen Schwung bringt der exzentrische Autor auf die Insel, der sich auf der Gästehütte einmietet. Der Einstieg in dieses Buch ist mir mehr als leicht gefallen. Das Setting ist rau und stürmisch, die Protagonisten schon gleich zu Beginn schrullig charmant. Leider hat sich meine anfängliche Euphorie irgendwann in ins Gegenteil verkehrt. Die Geschichte hat ab einem bestimmten Zeitpunkt für mich an Intensität verloren und ist sogar ein wenig in den Hintergrund gerutscht. Irgendwie sind die Protagonisten gemeinsam mit mir auf der Stelle getreten. Auch zu ihnen fehlte mir auf gewisse Weise der Zugang. Das Buch liest sich sehr schön, aber auch sehr langsam. Durch den doch recht anspruchsvollen Schreibstil, der an manchen Stellen sehr poetisch wirkt, wurde ich im Lesefluss leider oft ausgebremst. Ich mag es ja eigentlich, wenn eine Geschichte ruhig erzählt wird, hier musste ich doch zeitweise mehr Geduld aufbringen, als ich dachte. Der Autor hat eine wortgewaltige Art zu erzählen und das hat mich sehr beeindruckt. Auch die Naturbeschreibungen waren für mich ein ganz großer Pluspunkt dieses Romans. Ich konnte mich darin total verlieren und schwelgen. Trotzdem habe ich im späteren Verlauf nur schwer Zugang zu der Geschichte bekommen, was mir unheimlich leid tat. Ich hätte dieses ruhige und atmosphärische Buch, dessen Protagonisten mit ihren ganz eigenen Geistern zu kämpfen haben, so so gerne geliebt. Eine Leseempfehlung für all diejenigen, die ruhige Geschichten mit einem komplexen Schreibstil, die raue Natur und eigenwillige Protagonisten mögen.

Atmosphärisch,  mit Luft nach oben
5

Auf der schottischen Insel Muckle Flugga leben der Leuchtturmwärter und sein Sohn Ouse. Abgeschieden und isoliert vom Rest der Welt, fristen sie ein recht tristes Dasein und kommen über den Verlust der Mutter nicht hinweg. Ab und zu verirrt sich ein Vogelbeobachter zu ihnen auf die Insel. Sie fallen aber nicht weiter auf, sind ruhig und genügsam. Als der melancholische Schriftsteller Firth bei ihnen landet bringt er die Welt von Ouse ordentlich durcheinander. Sie freunden sich an und Ouse beginnt davon zu träumen, dass dieses Leben vielleicht noch mehr bietet als Muckle Flugga. Michael Pedersen gelingt es, uns in die raue und mystische Insel Muckle Flugga zu entführen. Einmal angekommen, möchte man gar nicht mehr weg. Der Schreibstil ist sehr poetisch und anspruchsvoll. Man muss sich schon Zeit nehmen zum Lesen und auch den Kopf frei haben. Die Atmosphäre ist wunderbar eingefangen. Die windumtoste Insel, das raue Meer, einfach großartig. Bei schönen Naturbeschreibungen bin ich ja immer dabei. Auch die Tierwelt wurde so lebendig beschrieben. Da hätte ich auch gern mit beobachtet. Die Story begrenzt sich hauptsächlich auf drei Protagonisten. Der zarte, verträumte Ouse, der eigentlich nie von dieser Insel gehen kann. Sein Wunsch nach Freiheit, doch dann die Loyalität zum Vater, mit der er sein eigenes Gefängnis schafft. Dann der traurige, sensible Firth, der es schafft Ouse aus seiner Einsamkeit zu holen. Der Star in diesem Roman war für mich allerdings der Vater. Seine grantelige, ruppige Art ist erstmal abschreckend aber er ist so herrlich geradeaus und direkt. Das mochte ich sehr gern. Er hatte schon herrliche Sprüche drauf. Und tief drin ist er ein sehr einsamer Mann, der Angst hat seinen Sohn zu verlieren. Ihr seht, ich bin sehr angetan. Keine Klischees, ich liebe es! Ein wunderbar atmosphärisches Buch mit einem zarten, poetischen Schreibstil, das es verdient mit voller Aufmerksamkeit gelesen zu werden. Ich möchte es euch sehr ans Herz legen.

3.5

Die Geschichte des Romans spielt hauptsächlich auf der schottischen Insel Muckle Flugga und liegt im äußersten Norden von Shetland - gelegen mitten zwischen Färöer Inseln, der westlichen Norwegenküste und den britischen Inseln. Muckle Flugga, das ist der Übergang von Atlantik zu Nordsee. Es ist der brachiale Wechsel von Wetter, es ist eine eindrucksvolle Artenvielfalt von Tieren, es ist fast die vollständige Abwesenheit von Menschen. Der letzte Leuchtturm von Muckle Flugga spendet inmitten seiner Lage richtungsweisendes Licht, überlebensnotwendig für vorbeiziehende Schiffe, damit diese nicht an den steilen und scharfen Felsen der Insel auflaufen und zerbrechen. Dieser Leuchtturm wird in Pedersens Roman von einem Leuchtturmwärter und seinem Sohn Ouse bewohnt. Beide sind in die Notwendigkeit der Abläufe der Insel verstrickt und bestreiten ihr Leben darum. Neben diesen beiden Hauptcharakteren treffen wir auch auf Figgie, sie bringt Waren vom Festland auf Muckle Flugga und zurück und ist geprägt von einem tiefen Altruismus gegenüber Ouse und seinem Vater. Komplettiert werden sie durch den jungen Erwachsenen Firth, ein sich selbst als gescheitert ansehender Edinburgher Künstler, der sich auf Muckle Flugga einmietet, um dort seinem letzten Wunsch nachzugehen, einen Basstölpel zu zeichnen, um dann aus dem Leben scheiden zu können. Die Personenbeschreibungen werden gleich noch ausführlicher, der Roman lebt von den Beziehungen zwischen den Charakteren. Dicht im Sinne einer Handlungsvielfalt ist der Roman nicht, vielmehr wird er durch die außerordentlichen Beschreibungen der Charaktere bestimmt und entfaltet da seine Tiefe. Vorweg, Pedersen hat einen sehr poetisch anmutenden Debütroman verfasst, der sprachlich schön ist, aber wahrscheinlich dadurch nicht für jeden geeignet ist. Es ist eine sich langsam aufbauende Geschichte rund um die Zukunft des 19-jährigen Ouse. Die Geschichte ist wie eine Social Media-Detox-Kur: Man muss sich darauf einlassen. Dafür wird man mit einer Tiefe von Persönlichkeiten belohnt, die entweder mitten im Leben stehen und gerade vor wegweisenden Lebensentscheidungen stehen. Personenbeschreibungen: Ouse’ Vater ist Erbe einer sich über Generationen hinweg ziehenden Leuchtturmwärter Muckle Fluggas, in dem er seine Lebensaufgabe sieht. Aufgewachsen in prekären Verhältnissen von Wrackplünderern erfuhr er in seinem Elternhaus Zurückweisung und Gewalt. Der Tod von Ouse’ Mutter und eben seiner Frau hat sich so intensiv in sein Wesen eingeschrieben, dass er stets von Gefühlsausbrüchen begleitet wird. Er ist einsam und von tiefen Widersprüchen durchzogen. Er verspürt eine wohlwollende Liebe und Verpflichtung gegenüber Ouse - kann und will diese aber nicht zeigen, sondern ergibt sich seinen Ausbrüchen und somit auch der Gewalt. Ouse ist für ihn das Erbe der den Seefahrenden Hoffnung spendenden Leuchtturmwärter. Firth ist ein junger, aus Edinburgh stammender Künstler und Schriftsteller, der für sein Broterwerb zielgerichtete Anwerbeangebote für Künstler*innenausbildung unterbreitet. Pessimistisch, selbst sabotierend und dem Trott der Stadt unterworfen. Träume verfolgt er nicht mehr, er sucht Erlösung, ein Ende, und begibt sich auf den Weg nach Muckle Flugga. Dort trifft er auf Ouse, der für ihn alles symbolisiert, was er je sein wollte, dem er sich hingibt, in dessen Idee er sich verliebt und deswegen Abstand von seinem Todeswunsch nimmt. Er hat eine neue Berufung für sich gefunden: Ouse’ Potential zur Verwirklichung bringen, ihn zu pushen, ihn davon zu überzeugen, dass ihm in Edinburgh die Welt offen stehe. Dafür verbündet er sich mit Figgie. Und Ouse? Ouse ist ein zarter junger Erwachsener, der von der Welt träumt. Er unterstützt seinen Vater, kümmert sich um Care-Arbeit, verschlingt die Bücher seiner verstorbenen Mutter. Er schreibt, skizziert, häkelt und strickt und unterhält sich beständig mit dem Autor Robert Louis Stevenson, der ihm immer als Geist erscheint. Er begehrt ein anderes Leben, aber fühlt sich seinem Leben auf Muckle Flugga verpflichtet. Interpretation und Fazit: Pedersen beschreibt seine Charaktere sprachlich mit einer Tiefe und Finesse, der ich schon länger nicht mehr begegnet bin. Vermeintlich könnte man eine lose Geschichte eines Jungen Ouse herauslesen, der nach der großen, weiten Welt strebt. Das würde dem Roman aber nicht gerecht werden. Vater und Firth stehen sich in ihren Ansichten und Rollenbilder so konträr gegenüber, dass sie um Ouse als ihre Idee der Verwirklichung streiten, ringen und kämpfen. Beide wollen für sich gewinnen. Er wird zu einer Projektionsfläche verschiedener Männlichkeitsbilder, er wird durchweg objektifiziert. Ouse stellt sich dem aber entgegen. Seine persönliche Geschichte ist auch eine Geschichte der Emanzipierung aus den auf ihn einbrechenden Erwartungen. Er erlangt durch seine Begegnungen und Erfahrungen eigenständig seinen subjektiven Charakter zurück, kennt dennoch die Tragweite und Sprengkraft seiner letztendlich zu treffenden Entscheidung. Gleichzeitig bricht er in Vater und Firth Wesenszüge auf und positioniert sich in deren Beziehung immer wieder neu. „Der letzte Leuchtturm“ ist ein ambitionierter Debütroman von Michael Pedersen, der durch seine Protagonisten und deren Persönlichkeiten strahlt. Die Authentizität in der Darstellung lässt die Charaktere lebendig werden. Die männlichen Charaktere sind omnipräsent, jedoch sollten die nicht-männlichen Charaktere mit besonderer Sorgfalt gelesen werden. Sie bilden die permanente Kritik an den patriarchalen Strukturen und hätten meiner Meinung nach eine größere Bühne verdient. Nichtsdestotrotz habe ich den Roman gern gelesen. Für mein inneres Küstenkind war der raue Wind und die salzige Meeresluft immer zu spüren.

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5

💔 Was für ein großartiges Stück Literatur. Schäumend wie die wilde See und zart wie ein Straußenkücken, voller poetischer Wortgebilde, und doch niemals überfrachtet. Ich war angekommen auf Muckle Flugga. 💔 „Auf der Insel Muckle Flugga steht einer der beeindruckendsten Leuchttürme dieses oder sonst irgendeines Planeten. Seine ungestüme Perle aus Licht vermag Schiffe - und die Menschen darauf - ungeachtet von Sturm, Wind und Hagel in die Sicherheit zu geleiten. (…)“ „Der letzte Leuchtturm“ lebt und atmet durch zwei Dinge. Zum einen der rauen Schönheit der Insel, zum anderen den Protagonisten, die auf der Insel leben, sei es nur vorübergehend oder dauerhaft. Und natürlich vom allgegenwärtigen Meer, welches das Leben aller bestimmt. Es ist eine Geschichte über Lebensabschnitte, über der Frage, ob Glück wirklich gleichbedeutend mit der Aufgabe ist, die schon Generationen verrichtet haben und ob man nicht seinem eigenen Schicksal folgen sollte. Ob man für andere lebt oder für sich selbst. Diese Fragen bewegen mich und rühren in mir. Firth, ein junger Autor, will nicht mehr leben, er will einfach, dass alles endet. Doch zuvor will er noch den Worten seines Großvaters folgen und von Edinburgh auf die Shettlands reisen, um die Schönheit Muckle Fluggas zu bestaunen. Ouse ist der Sohn des verschlossenen Leuchtturmwärters, der irgendwann den Dienst an den Schiffen und Menschen von seinem Vater übernehmen soll - er lernt das Handwerk. Sein Vater gestattet ihm ein Zubrot - die Kunst. Er zeichnet, entwirft Strickmuster und verkauft die Ware auf den Märkten - und findet darin seine eigentliche Erfüllung. Als Firth und Ouse aufeinandertreffen, ist es für mich vergleichbar mit einer Naturgewalt. Sie sind zwei vollkommen konträre Persönlichkeiten. Firth mit seinem Dandygehabe und seiner Art, andere für sich einzunehmen, als Schutzschild, um seine eigentliche Persönlichkeit zu verstecken. Ouse, der es vor allem seinem Vater, der sich nach dem Tod seiner Mutter verändert hat, recht machen, keine Gewalt, physischer oder psychischer Natur provozieren möchte, aber doch so ganz anders ist, wenn sein Vater durch Abwesenheit glänzt. Firth erkennt schnell, dass sein Talent auf der Insel vergeudet wäre. Ouse muss eine Entscheidung treffen - und diese Entscheidungsfindung war so spannend für mich wie ein Krimi! Ich bin so gerne in die tiefgründige Mikrosoziologie der kleinen Insel eingetaucht. Der Roman fußt nicht auf Action und rasantem Tempo, eher auf den unterschiedlichen Perspektiven und Monologen der einzelnen Figuren - was für mich fabelhaft funktioniert hat. Mit der verbalen Auseinandersetzung keimte auch die Frage nach der Heimat und nach dem Ende von Lebensabschnitten auf. Getragen wie auf einem monumentalen Podest wird der Roman durch seine poetische Sprache. Ich habe in jeder einzelnen Zeile gespürt, dass Michael Pedersen aus der Lyrik stammt, der Stil war außergewöhnlich, staunenswert und trotzdem passend für die Geschichte und für das stürmische Meer. Ich habe mich geärgert, dass ich keine Post It’s zur Hand hatte. Jede Zeile hätte einen Marker verdient. Durch Pedersens Stil schimmert immer wieder der fantastische Realismus hindurch, sei es durch Ouse‘ besten imaginärem Freund, durch Träume, die in die Realität greifen oder durch blitzende Nächte im Leuchtturm. Was für ein großartiges, eigenwilliges, stürmisches Stück Literatur. Ich habe jede Zeile geliebt. Für mich ein Highlight. Großartig und feinfühlig übersetzt von Stephan Kleiner.

4

Gewöhnungsbedürftiger Stil, aber sehr literarisch und tiefgründig

Ich hatte meine liebe Mühe mich an den sehr blumigen, poetischen Schreibstil zu gewöhnen. Nachdem ich aber etwa 80 Seiten bewältigt hatte, ging es. Wir begleiten Ouse und Firth. Ersterer lebt schon sein ganzes Leben lang auf einer Insel mit seinem Vater, dem Leuchtturmwächter und leidet unter dessen Tyrannei seit die Mutter gestorben ist. Firth lebt in Edinbourgh und hat mit dem Leben abgeschlossen. Er begibt sich auf die Insel, um nie wieder zurückzukehren. Die beiden finden im Vater Ouses einen gemeinsamen Feind und finden ineinander einen Freund. Gemeinsam versuchen sie ihrem Schicksal zu entgehen. Eine sehr bild- und emotionsgewaltige Geschichte, die eine sehr eigene Sprache hat. Wir blicken in tiefe Abgründe und utopische Hoffnungen entstehen. Eine interessante Geschichte, die aber auch ihre Längen hat.

4

Tolle Atmosphäre

Vater, Sohn und Leuchtturm – so lässt sich das Leben auf der abgelegenen Insel Muckle Flugga wohl am besten zusammenfassen. Alle drei besitzen dabei ihren ganz eigenen Charakter. Der Vater verkörpert, fast schon klischeehaft, den klassischen Leuchtturmwärter: wortkarg, von harter Schale, und seit dem Tod seiner Frau in sich zurückgezogen. Auch seinem Sohn begegnet er mit Strenge und wenig Wärme. Der Sohn hingegen ist sensibel, naturverbunden und künstlerisch begabt. Er entwirft kunstvolle Muster für Pullover und Schals und hat gelernt, mit seinem Vater und dem abgeschiedenen Leben auf der Insel klarzukommen. Der Leuchtturm selbst, zusammen mit der Insel, wirkt wie ein Bollwerk gegen das aufgewühlte Meer, das hier seine Kraft sammelt, bevor es auf das schottische Festland trifft. Die raue See hat nicht nur das Land, sondern auch seine Bewohner geformt. Dieses geordnete Leben gerät aus dem Gleichgewicht, als Firth, ein lebensmüder Autor, als Hausgast auf die Insel kommt. Sein Aufenthalt stellt nicht nur das Leben der Inselbewohner auf den Kopf, sondern verändert auch ihn selbst auf unerwartete Weise. Die Sprache des Romans ist literarisch und besonders, dabei aber weder anstrengend noch überfordernd. Der Text liest sich fließend und harmonisch, und die Handlung fügt sich perfekt in diese sprachliche Form. Besonders beeindruckt hat mich, wie eindringlich die Atmosphäre eingefangen wird – man kann die Insel, den Wind, das Meer und die Figuren förmlich spüren. Insgesamt ist das Buch eher ruhig und unaufgeregt erzählt, entfaltet aber gerade dadurch eine besondere Tiefe und Wirkung. Vielen Dank an Vorablesen für das Rezensionsexemplar

Tolle Atmosphäre
5

💔 Was für ein großartiges Stück Literatur. Schäumend wie die wilde See und zart wie ein Straußenkücken, voller poetischer Wortgebilde, und doch niemals überfrachtet. Ich war angekommen auf Muckle Flugga. 💔 „Auf der Insel Muckle Flugga steht einer der beeindruckendsten Leuchttürme dieses oder sonst irgendeines Planeten. Seine ungestüme Perle aus Licht vermag Schiffe - und die Menschen darauf - ungeachtet von Sturm, Wind und Hagel in die Sicherheit zu geleiten. (…)“ „Der letzte Leuchtturm“ lebt und atmet durch zwei Dinge. Zum einen der rauen Schönheit der Insel, zum anderen den Protagonisten, die auf der Insel leben, sei es nur vorübergehend oder dauerhaft. Und natürlich vom allgegenwärtigen Meer, welches das Leben aller bestimmt. Es ist eine Geschichte über Lebensabschnitte, über der Frage, ob Glück wirklich gleichbedeutend mit der Aufgabe ist, die schon Generationen verrichtet haben und ob man nicht seinem eigenen Schicksal folgen sollte. Ob man für andere lebt oder für sich selbst. Diese Fragen bewegen mich und rühren in mir. Firth, ein junger Autor, will nicht mehr leben, er will einfach, dass alles endet. Doch zuvor will er noch den Worten seines Großvaters folgen und von Edinburgh auf die Shettlands reisen, um die Schönheit Muckle Fluggas zu bestaunen. Ouse ist der Sohn des verschlossenen Leuchtturmwärters, der irgendwann den Dienst an den Schiffen und Menschen von seinem Vater übernehmen soll - er lernt das Handwerk. Sein Vater gestattet ihm ein Zubrot - die Kunst. Er zeichnet, entwirft Strickmuster und verkauft die Ware auf den Märkten - und findet darin seine eigentliche Erfüllung. Als Firth und Ouse aufeinandertreffen, ist es für mich vergleichbar mit einer Naturgewalt. Sie sind zwei vollkommen konträre Persönlichkeiten. Firth mit seinem Dandygehabe und seiner Art, andere für sich einzunehmen, als Schutzschild, um seine eigentliche Persönlichkeit zu verstecken. Ouse, der es vor allem seinem Vater, der sich nach dem Tod seiner Mutter verändert hat, recht machen, keine Gewalt, physischer oder psychischer Natur provozieren möchte, aber doch so ganz anders ist, wenn sein Vater durch Abwesenheit glänzt. Firth erkennt schnell, dass sein Talent auf der Insel vergeudet wäre. Ouse muss eine Entscheidung treffen - und diese Entscheidungsfindung war so spannend für mich wie ein Krimi! Ich bin so gerne in die tiefgründige Mikrosoziologie der kleinen Insel eingetaucht. Der Roman fußt nicht auf Action und rasantem Tempo, eher auf den unterschiedlichen Perspektiven und Monologen der einzelnen Figuren - was für mich fabelhaft funktioniert hat. Mit der verbalen Auseinandersetzung keimte auch die Frage nach der Heimat und nach dem Ende von Lebensabschnitten auf. Getragen wie auf einem monumentalen Podest wird der Roman durch seine poetische Sprache. Ich habe in jeder einzelnen Zeile gespürt, dass Michael Pedersen aus der Lyrik stammt, der Stil war außergewöhnlich, staunenswert und trotzdem passend für die Geschichte und für das stürmische Meer. Ich habe mich geärgert, dass ich keine Post It’s zur Hand hatte. Jede Zeile hätte einen Marker verdient. Durch Pedersens Stil schimmert immer wieder der fantastische Realismus hindurch, sei es durch Ouse‘ besten imaginärem Freund, durch Träume, die in die Realität greifen oder durch blitzende Nächte im Leuchtturm. Was für ein großartiges, eigenwilliges, stürmisches Stück Literatur. Ich habe jede Zeile geliebt. Für mich ein Highlight. Großartig und feinfühlig übersetzt von Stephan Kleiner.

4.5

Ein wundervoll ruhiges, kraftvolles Buch über zwei junge Männer, die sich auf einer einsamen Shetlandinsel kennen lernen und gemeinsam tief in die Gefühlswellen des Lebens tauchen. All das begleitet von dem hartherzigen Vater des Einen, dem nächtlichen Licht des Leuchtturms und dem Geist Robert Louis Stevensons. Eine große Empfehlung für alle die eine ruhige, charaktergeprägte Erzählung mit Tiefgang mögen. Einfach wunderbar. Die ausführliche Rezension folgt auf meinem Instagramaccount seelich_buchliebe

4

"Magisch, sagt der Vater aufgeregt, das war verdammt noch mal magisch. Mein ganzes Leben lang konnt ich keim von so was erzählen. Sogar bei der Mudder habbich mich zurückgehalden, sie war gnadenlos, wenn ich weich wurde. [...] Ich wünschte bloß, ich hätt mehr davon in mir. Und du etwas weniger." Ein Debütroman der mich bewegt hat, der mich zweifeln lies, der mich abgeholt hat, aber der mich auch einfach stehen gelassen hat. Es ist die Geschichte von drei Männern, auf einer der letzten nordlich gelegenen Insel Schottlands. Der Vater, der Sohn und der Gast. Alle drei Männer sind auf sich besonders und eigen. Der Vater ist gewalttätig, einsam, liebevoll, verschlossen. Ouse, der Sohn, ist jung, belesen, emotional, geliebt, besonders. Firth, der Gast, ist dem selbstgewählten Tod entsprungen, liebevoll, hinterlistig, ängstlich. Alle drei Männer leben zusammen, mal einsam mal zusammen, mal zerstritten, mal voller Freude. Einer bleibt für immer, zwei gehen. Ein Roman der auf seine Weise besonders ist, der nachhallen wird und den ich empfehlen kann. Danke an vorablesen und Dumont für das Rezensionsexemplar. Und ein großes Dankeschön an Michael Pedersen, dass ich auf die Reise nach Schottland mitkommen konnte.

4

Ein Buch, das nachwirkt und vor allem durch seine sprachliche Schönheit im Gedächtnis bleibt.

Der letzte Leuchtturm von Michael Pedersen ist ein außergewöhnlicher literarischer Roman, der vor allem durch seine sprachliche Kraft und dichte Atmosphäre besticht. Schon beim ersten Eindruck überzeugt das Buch als hochwertiges Gesamtobjekt – von der liebevollen Gestaltung bis hin zur gelungenen Übersetzung durch Stephan Kleiner, die einen wesentlichen Anteil an der Wirkung des Textes hat. Im Zentrum der Geschichte stehen ein Leuchtturmwärter und sein Sohn Ouse, die nach einem Verlust zurückgezogen auf der abgelegenen Insel Muckle Flugga leben. Ihr ohnehin fragiles Zusammenleben gerät ins Wanken, als mit Firth ein externer Beobachter auf die Insel kommt. Zwischen den Figuren entfaltet sich eine vielschichtige Dynamik aus Nähe und Distanz, geprägt von unausgesprochenen Konflikten, Schuldgefühlen und einer tiefen Einsamkeit. Pedersens Hintergrund als Lyriker ist in jeder Zeile spürbar. Seine Sprache ist poetisch, bildgewaltig und oft von großer Intensität. Naturbeschreibungen – das Meer, der Nebel, die raue Insellandschaft – werden so lebendig geschildert, dass sie fast greifbar erscheinen. Gleichzeitig verleiht er jeder Figur eine eigene Stimme, was besonders in der Darstellung von Ouse gelingt, der mit seiner sensiblen, künstlerischen Art schnell ans Herz wächst. Allerdings fordert der Roman Geduld. Über weite Strecken schreitet die Handlung eher langsam voran, teilweise wirkt sie zäh und ereignisarm. Der Fokus liegt deutlich stärker auf Atmosphäre und Sprache als auf Plot. Gerade zu Beginn kann dies den Zugang erschweren. Erst im letzten Drittel entfaltet die Geschichte eine stärkere Dynamik und emotionale Wucht, die nachhaltig beeindruckt. Thematisch kreist der Roman um Verlust, Familie, verpasste Chancen und die Sehnsucht nach Verbundenheit. Dabei gelingt es Pedersen, eine melancholische, aber zugleich hoffnungsvolle Grundstimmung zu erzeugen. Die Figuren bleiben stellenweise bewusst schemenhaft, was als stilistisches Mittel funktioniert, jedoch nicht alle Leser gleichermaßen emotional erreicht. Insgesamt ist Der letzte Leuchtturm ein literarisch anspruchsvolles Debüt, das weniger durch Handlung als durch Sprache und Atmosphäre überzeugt. Wer Freude an poetischer Prosa hat und bereit ist, sich auf ein entschleunigtes Erzählen einzulassen, wird hier ein intensives Leseerlebnis finden – ein Buch, das nachwirkt und vor allem durch seine sprachliche Schönheit im Gedächtnis bleibt.

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Halt, Stop, Abbruch

Das Buch wirkt auf den ersten Blick sehr ansprechend – Cover und Grundidee machen neugierig und versprechen eine besondere, atmosphärische Geschichte. Auch einzelne Passagen zeigen, dass der Autor sprachlich viel kann, vor allem in Naturbeschreibungen. Im Gesamtbild hat mich der Roman jedoch nicht erreicht. Der sehr poetische, oft überladene Schreibstil macht das Lesen anstrengend und bremst den Lesefluss deutlich aus. Viele Beschreibungen wirken zu lang, während gleichzeitig wenig Handlung entsteht. Dadurch fiel es mir schwer, wirklich in die Geschichte hineinzufinden. Ich habe das Buch nach etwa 130 Seiten abgebrochen, wobei ich die letzten rund 20 Seiten davor nur noch quergelesen habe. Auch bis zu diesem Punkt ist es mir nicht gelungen, einen Zugang zur Geschichte oder zu den Figuren zu finden – sie blieben für mich distanziert und schwer greifbar. Fazit: Ein stilistisch auffälliger Roman mit interessanter Idee, der mich insgesamt aber nicht überzeugen konnte. Eher geeignet für Leserinnen und Leser, die sehr poetische und ruhige Literatur schätzen.

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