Blick ins Buch

Romane
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Über das Buch

Ernst Weiß' "Nahar" ist eine in der kolonialen Fremde angesiedelte, zugleich symbolisch verdichtete Erzählung über Gewalt, Trieb, Gefangenschaft und die brüchige Grenze zwischen Mensch und Tier. Der Titel verweist auf den Tiger Nahar, dessen Schicksal nicht bloß exotisches Abenteuer liefert, sondern als Spiegel menschlicher Herrschaftsphantasien erscheint. Weiß verbindet präzise Beobachtung, nervöse expressionistische Zuspitzung und eine fast klinische Psychologie; so steht das Buch im Kontext jener mitteleuropäischen Moderne, die Zivilisation als dünne, gefährdete Schicht begreift. Der 1882 in Brünn geborene Ernst Weiß war Arzt, Chirurg und Schiffsarzt, bereiste unter anderem Indien und Ostasien und gehörte zum Umkreis Franz Kafkas. Seine medizinische Erfahrung, seine Sensibilität für Angstzustände, Schuld und körperliche Versehrtheit sowie die Begegnung mit imperialen Machtverhältnissen dürften wesentlich in "Nahar" eingegangen sein. Als jüdischer Autor der Moderne schrieb Weiß aus einer Perspektive existenzieller Bedrohung und moralischer Skepsis. Empfohlen sei "Nahar" Leserinnen und Lesern, die keine bloße Tier- oder Abenteuererzählung erwarten, sondern ein dichtes, irritierendes Prosawerk über Unterwerfung und innere Wildnis. Das Buch belohnt genaue Lektüre durch psychologische Schärfe und beunruhigende Aktualität.

Editionen (2)

ISBN9788028348434
VerlagSharp Ink
Erscheinungsdatum02.12.23
Seitenzahl164

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