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Menschenkenntnis

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Über das Buch

Editionen (9)

ISBN9788027385201
Verlage-artnow
Erscheinungsdatum24.05.23
Seitenzahl172

Rezensionen & Bewertungen

9 Bewertungen

2 Rezensionen

3,9

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  • joshundyuumi
    joshundyuumi

    67 Follower

    4,0

    Alfred Adlers Werk „Menschenkenntnis“ ist ein faszinierender Einblick in die Individualpsychologie und bietet bis heute wertvolle Ansätze, um das menschliche Verhalten und die Dynamiken zwischen Individuum und Gesellschaft besser zu verstehen. Das Buch widmet sich intensiv zentralen Begriffen wie dem Minderwertigkeitsgefühl, dem Streben nach Macht und Geltung sowie dem elementaren Gemeinschaftsgefühl. Adler schlüsselt sehr präzise auf, wie sich charakterliche Ausprägungen äußern und wie diese teils als Abwehr- oder Angriffsmechanismen gegen die Umwelt gerichtet sind. Besonders spannend ist dabei die systematische Aufarbeitung in den einzelnen Kapiteln: Charakterzüge und Ausdrucksformen: Das Buch beschreibt detailliert, wie sich der Charakter im Verhalten zeigt – sei es durch Zurückgezogenheit, Angst, Zaghaftigkeit oder gar ungezähmte Triebe. Auch komplexere Ausdrucksformen wie Prinzipienreiterei, Unterwürfigkeit, Überheblichkeit, Religiosität oder die Neigung, sich als „Pechvogel“ zu inszenieren, werden psychologisch durchleuchtet. Die Dynamik der Affekte: Sehr klar strukturiert Adler die menschlichen Emotionen in trennende Affekte (wie Zorn, Trauer, Ekel und Angst) und verbindende Affekte (wie Freude, Mitleid und Scham), was dem Leser hilft, die soziale Wirkung von Emotionen besser einzuordnen. Fazit & Kritikpunkt: Das Buch hält genau das, was der Titel verspricht: Es hilft dem Leser nachdrücklich dabei, seine Mitmenschen und letztlich auch sich selbst besser zu verstehen. Es zeigt auf, wie die Lebenslinie eines Menschen verläuft und wie man lernt, diese zu lesen. Einen kleinen Abzug gibt es jedoch für die Stringenz seiner Theorie: Der Ansatz, dass ausnahmslos alles in der frühesten Kindheit begründet liegt und dort seinen unumstößlichen Anfang nimmt, wirkt an einigen Stellen etwas zu dogmatisch. Menschliche Entwicklung ist oft dynamischer und vielschichtiger, als dass sie sich rein auf die ersten Lebensjahre reduzieren lässt. Dennoch ist „Menschenkenntnis“ ein absolut empfehlenswertes und bereicherndes Werk für jeden, der tief in die psychologischen Hintergründe menschlichen Handelns eintauchen möchte.

    20. Mai 2026

  • yalda
    yalda

    13 Follower

    3,5

    3,7/ 5 ⭐⭐⭐ Mit Menschenkenntnis hat Alfred Adler ein Werk geschaffen, das mich vor allem vor dem Hintergrund seiner Entstehungszeit beeindruckt hat. Viele seiner Gedanken wirken erstaunlich modern und haben bis heute Einfluss auf psychologische Ansätze (einige wirken allerdings etwas überhol). Besonders interessant fand ich seine zentrale These, dass unsere Kindheit einen maßgeblichen Einfluss auf unsere Persönlichkeit, unsere Glaubenssätze und unser späteres Erleben als Erwachsene hat. Gleichzeitig wirkt Adler an einigen Stellen sehr dogmatisch. So vertritt er die Ansicht, dass Charakterzüge ausschließlich durch Erziehung und Entwicklung entstehen, dem würde ich nicht zustimmen. Ich habe mich an manchen Stellen auch extra informiert, wie der heute Wissensstand zu gewissen Aussagen ist. Aus heutiger Sicht wissen wir, dass Persönlichkeit sowohl durch Erfahrungen als auch durch angeborene Veranlagungen geprägt wird - was Adler komplett abbgelehnt hat. Ähnlich kritisch sehe ich seine Überlegungen zur Geschwisterreihenfolge, die teilweise sehr schablonenhaft wirken und wissenschaftlich heute nur begrenzt gestützt werden. Erstgeborene sind so, zweitgeborene so, und die Geschlechterkonstellation beeinflusst es ebenso. Das empfand ich sehr vereinfacht. Auch seine Annahme, dass Minderwertigkeitsgefühle der zentrale Treiber menschlichen Handelns sind, erscheint mir zu vereinfacht. Zwar halte ich seine Beobachtung für plausibel, dass Menschen dazugehören und sich als wertvoll erleben möchten, doch aus heutiger Sicht spielen viele weitere Bedürfnisse wie Sicherheit, Bindung, Autonomie oder Sinn eine wichtige Rolle. Besonders spannend fand ich die Kapitel über verschiedene Charaktereigenschaften. Dabei habe ich mich selbst ebenso wie Menschen aus meinem Umfeld an vielen Stellen wiedererkannt. Interessant war auch, dass Adler Verhaltensweisen beschreibt, die man heute teilweise mit Begriffen wie Narzissmus erklären würde, lange bevor diese Konzepte in ihrer heutigen Form verbreitet waren. Pluspunkte gab es für die progressive Anschauung des Rollenbildes zwischen Frau und Mann - Adler war für seine Zeit jemand, dem ich feministische Ansicht zuschreiben würde. Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Nicht alle Thesen haben den Test der Zeit überstanden, aber viele seiner Grundgedanken wirken auch heute noch relevant. Gerade deshalb ist Menschenkenntnis für mich ein spannender Einblick in die Ursprünge moderner psychologischer Denkweisen.

    26. Juni 2026

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