Blick ins Buch

Ein schwaches Herz

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Über das Buch

Editionen (2)

ISBN9788027254774
VerlagMusaicum Books
Erscheinungsdatum08.05.19
Seitenzahl36

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  • ibn.nerway114
    ibn.nerway114

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    „Ich habe jetzt ein so süßes Gefühl im Herzen, so leicht ist mir zumute…”

    Mit diesen Worten beschreibt Wássja Schúmkoff den Höhepunkt seines Glücks. Frisch verlobt, voller Pläne, überzeugt, dass sein Glück „keine Chimäre” sei, sondern Wirklichkeit. Gerade in diesem Satz liegt aber schon die ganze Tragödie verborgen, denn es ist genau dieses übervolle Herz, das ihn am Ende zerbricht. Dostojewski seziert hier mit einer fast unheimlichen Präzision einen Menschen, der nicht am Leid, sondern am Übermaß des Guten zugrunde geht. An Dankbarkeit, die er nie zurückzahlen zu können glaubt, und an einer Pflicht, der er sich nicht gewachsen fühlt. Wer einmal das Gefühl kannte, einer Güte gegenüberzustehen, die man nicht erwidern kann, der erkennt in Wássja etwas Wahres wieder. Und doch ist es gerade diese Schwäche des Herzens, die mich nachdenklich macht. Wássjas Dankbarkeit und sein Pflichtgefühl richten sich vollständig auf das Irdische aus, auf seinen Wohltäter, auf seine Braut, auf seine Arbeit. Es fehlt ihm ein höherer Bezug, jener Anker, der allein ein Herz wirklich tragen kann. Sein Unglück ist im Kern das Unglück eines Menschen, der nicht weiß, dass ein Mensch niemals über sein Vermögen hinaus belastet wird, und dass es eine Zuflucht gibt, die größer ist als jede Pflicht. Wo ein gläubiger Mensch in der Überforderung Ruhe findet, kennt Wássja keine Tür, an die er klopfen könnte, sondern nur den Wahnsinn als Flucht. Dostojewski stellt die Diagnose vollkommen richtig, doch die Welt, die er zeichnet, kennt kein Heilmittel. Es ist eine Welt ohne Maß und ohne ein Jenseits, das dem Leiden Sinn verleiht. Deshalb endet das Buch nicht in Erlösung, sondern in einer Verzweiflung, die selbst auf den Freund Arkádij übergreift. Es ist keine Erzählung, die mich gedanklich in die Irre führen will, wie es bei anderen Werken der Fall war. Sie verkündet keine falsche Lehre. Sie zeigt vielmehr, fast ungewollt, wie verloren ein Herz ist, das seinen Frieden nicht bei seinem Schöpfer sucht. Als literarisches Zeugnis menschlicher Fragilität ist sie wertvoll, gerade weil sie die Leere dessen offenbart, der ohne Halt durchs Leben geht. 7/10 „… die da glauben und deren Herzen im Gedenken Allahs Ruhe finden. Wahrlich, im Gedenken Allahs finden die Herzen Ruhe.” (Sure Ar-Raʿd, 13:28)

    16. Juni 2026

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