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Der Untertan

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Über das Buch

Mit der Besprechung von Kurt Tucholsky Diederich Hessling ist ein katzbuckelnder obrigkeitshöriger Opportunist, ganz so, wie es ihn zur wilhelminischen Zeit massenweise gab. Schon in der Jugend zeigt er sich feige und ohne jegliche Courage. Ob als Student, als Familienoberhaupt oder (schließlich sogar) als Fabrikbesitzer, immer zeigt er sich als kriecherischer Mann ohne Charakter. Er nutzt und verehrt die Macht aufgrund eigener Schwäche und ist damit jederzeit das passende Rädchen im Obrigkeitsstaat. Sein einziges Prinzip ist das der grenzenlosen Kaiserverehrung und der Huldigung eines deutschen Nationalismus. Er sieht das deutsche Kaiserreich unter Wilhelm Zwo als absolute Weltmacht. Auch dieses prophetische Buch landete bei den Nazis auf dem Scheiterhaufen. Kurt Tucholsky, dessen bekannte Rezension hier ebenfalls veröffentlich ist, lobte Manns Werk als ein „Herbarium des deutschen Mannes“, in dem er (der Mann) sich zeigt, in seiner „Sucht, zu befehlen und zu gehorchen.“ Der typische Deutsche Mann seiner Zeit dachte nur in Gewaltstrukturen: Gewalt von oben oder Gewalt nach unten. Für Tucholsky war Hessling nur ein „Herrscherchen“ ISBN 978-3-96281-824-1 (Mobi) ISBN 978-3-96281-823-4 (Epub) ISBN 978-3-96281-825-8 (PDF) ISBN 978-3-96281-826-5 (Print) Null Papier Verlag www.null-papier.de

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ISBN9783962818265
VerlagNull Papier Verlag
Erscheinungsdatum14.07.25
Seitenzahl556

Rezensionen & Bewertungen

106 Bewertungen

14 Rezensionen

3,2

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  • seitenoscar
    seitenoscar

    134 Follower

    4,0

    📝 „Wie wohl man sich fühlte bei geteilter Verantwortlichkeit und einem Selbstbewusstsein, dass kollektiv war!“ (S.15) 📝 „Die Macht, die über uns hingeht und deren Hufe wir küssen! Die über Hunger, Trotz und Hohn hingeht! Gegen die wir nichts können, weil wir sie alle lieben.“ (S.64) 📝 „Sie verführte ihn nicht mehr zu Träumereien vor Bildern, seit er einmal an einem Wurstgeschäft angehalten und ihr erklärt hatte, das sei für ihn der schönste Kunstgenuss.“ (S.86) 📝 „Ein Durchschnittsmensch mit gewöhnlichen Verstand, abhängig von Umgebung und Gelegenheit, mutlos, solange hier die Dinge schlecht für ihn standen, und von großem Selbstbewusstsein, sobald sie sich gewendet hatten.“ (S.237) 📖 Diederich tritt einer schlagenden Verbindung bei und findet seine Stärke im Bierkonsum und dem Verschwinden in der Gemeinschaft. Beflügelt durch die Liebe zu Agnes, fällt er durch diese Gefühle auch auf den Boden der Selbstzweifel. In seiner Heimatstadt Netzig sucht er nun nach Anerkennung durch die einflussreichen Herren der Stadt, ohne dabei einen Hehl aus seiner nationalen Monarchie-begeisterten Gesinnung zu machen. Im weiteren Verlauf droht diese Gesinnung sein einziger Antrieb zu werden. Dem egoistischen Diederich werden Plädoyers auf seine kaiserlich nationale Gesinnung, auch vor Gericht, enorm wichtig. Er versucht die Errichtung eines Kaiser-Denkmals durchzusetzen, um die Entstehung eines Säuglings-/Waisenheims zu verhindern. 💭 Das Buch war für mich eine harte Nuss - eine sehr langwierige Lektüre. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass für mich kein Spannungsbogen entsandt oder ich zwischenzeitlich immer wieder Pause von dem Frauen unterdrückenden politischen Heißsporn Diederich Heßling brauchte. Das soll das Werk von Heinrich Mann nicht schmälern. Im Gegenteil: Ich finde es super, wenn ein/e Autor/in es schafft, mir komplett andere Denkweisen zu eröffnen - gerade weil ich die Beweggründe Diederichs für engstirnig und radikal halte. Ich finde es beeindruckend, wie detailliert Heinrich Mann die Handlungen oder Aussagen der Figuren zu Papier bringt und somit deren Charakter beschreibt. Zeichnet Heinrich Mann noch zu Beginn das Bild eines emotionalen jungen Mannes, der auf der Suche nach der Liebe ist, kreisen Heßlings Gedanken im weiteren Verlauf fast ausnahmslos um den Kaiser. Ein heute noch aktuelles, warnendes Buch - ein Appell an die Freiheit, Vernunft und Demokratie. Ich kann es nur empfehlen.

    5. Feb. 2025

  • hansdampf
    hansdampf

    199 Follower

    5,0

    Ein intriganter opportunistischer Aufsteiger intrigiert, kriecht und steigt in der Kaiserzeit (Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert) auf. Erstaunlich hellsichtige Analyse des Menschentyps, der die Voraussetzung war, dass Deutschland und Österreich in die Katastrophe des ersten Weltkrieg schlittern konnten.

    Für diesen Roman hätte Heinrich Mann durchaus den Nobelpreis verdient. Aber dann wäre sein kleiner Bruder Thomas noch eifersüchtiger auf ihn gewesen.

    14. Mai 2024

  • jochenstein81
    jochenstein81

    71 Follower

    4,0

    Ein Klassiker, den man gelesen haben muss

    ...endlich ist das Buch durch... Zeitweise doch etwas langatmig, das Ende dann wieder sehr humorvoll. Mein erster Mann, aber "Professor Unrat" wartet schon...

    8. Mai 2024

3 von 14 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Heinrich Mann

Luiz Heinrich Mann (27.03.1871–11.03.1950) war ein deutscher Schriftsteller aus der Familie Mann. Er war der ältere Bruder von Thomas Mann. Seine Erzählkunst war vom französischen Roman des 19. Jahrhunderts geprägt. Sein erzählerisches Werk steht neben einer ebenso reichen Betätigung als Essayist und Publizist. Als früher Gegner der Nationalsozialisten wurde er bereits 1933 mit Sanktionen belegt. Mann stand auf der ersten Ausbürgerungsliste des Deutschen Reichs von 1933, er befand sich dort in illusterer Gemeinschaft mit Lion Feuchtwanger, Alfred Kerr, Kurt Tucholsky und Philipp Scheidemann. Mann emigrierte nach Frankreich und später in die USA, wo er er zahlreiche Arbeiten, darunter viele antifaschistische Texte, verfasste.

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