Blick ins Buch

Romane

Kreutzersonate

3,1(12)
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Über das Buch

»Wie soll man denn aber mit einem Menschen zusammenleben, wenn keine Liebe da ist?« ereiferte sich die Dame, sichtbar bemüht, ihre Anschauungen, die sie anscheinend für sehr neu hielt, in Worte zu kleiden. »Früher legte man darauf nicht so viel Gewicht«, sagte der Alte in eindringlichem Tone. »Erst in neuerer Zeit ist das Mode geworden. Sobald etwas vorfällt, sagt die Frau gleich: ,Ich verlasse dich.' Auch bei den Bauern ist das jetzt so üblich geworden. ,Da,' sagt die Frau, ,hier sind deine Hemden und Hosen, ich geh zum Wanjka, der hat schönere Locken als du.' Da hilft kein Reden. Ein Weib muß vor allem durch Furcht im Zaum gehalten werden.« Der Handlungsgehilfe sah erst den Advokaten, darauf die Dame, dann mich an und bezwang sein Lächeln, um die Worte des Kaufmanns zu bespötteln oder gutzuheißen, je nachdem, wie wir sie aufnehmen würden. »Was für eine Furcht meinen Sie?« fragte die Dame. »Die Furcht, die die Frau vor ihrem Manne haben soll. Diese Furcht meine ich.« »Nun Väterchen, diese Zeiten dürften doch ein für allemal vorüber sein«, entgegnete die Dame mit einem gewissen Ingrimm.

Editionen (6)

ISBN9783961505555
Verlagidb
Erscheinungsdatum07.02.17
Seitenzahl159

Rezensionen & Bewertungen

12 Bewertungen

4 Rezensionen

3,1

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  • zarko
    zarko

    53 Follower

    3,0

    Wem die Rezension zu lang ist, findet am Ende ein Fazit. Meine Rezension: Tolstois "Die Kreutzer-Sonate" ist ein Werk, das sich unmissverständlich mit den dunklen Seiten menschlicher Beziehungen auseinandersetzt – und dabei den Leser zum Nachdenken (und Widerspruch) herausfordert. Das Buch beeindruckt in erster Linie durch seine sprachliche Kraft und die radikale Intensität, mit der es die Gedankenwelt des Protagonisten offenlegt. Die subjektive Erzählweise erzeugt eine bedrückende Atmosphäre, die einen förmlich in den Wahnsinn der Figur hineinzieht. Auch künstlerisch ist das Werk stellenweise wirklich verblüffend, mit einer Dichte und Präzision, die den Leser immer wieder innehalten lässt. Doch abseits dieser Qualitäten stößt man schnell auf eine Reihe von moralischen und psychologischen Thesen, die sowohl schockieren als auch zum Widerspruch anregen. Während man beim Lesen das Gefühl hat, den eigenen Verstand bis zum Äußersten zu beanspruchen, ruft Tolstois Sicht auf Liebe, Ehe und Sexualität sowohl Empörung als auch Zustimmung hervor. An vielen Stellen möchte man laut ausrufen: "Das ist wahr!" oder "Das ist unsinnig!" Es sind genau diese extremen Aussagen, die das Werk so provokant machen. Fazit: Tolstois "Die Kreutzer-Sonate" ist ein sprachlich meisterhaftes Werk, das den Leser mit seiner emotionalen Intensität mitreißt. Es regt zum Nachdenken an, fordert heraus und bleibt durch seine provokanten Ansichten unvergesslich. Trotzdem bleibt es für mich inhaltlich streitbar – aus dieser Mischung von Faszination und Widerstand ziehe ich 3 von 5 Sternen.

    4. Feb. 2025

  • knigaljub
    knigaljub

    68 Follower

    1,0

    Erst langweiliges moralinsaures Gejammer, dann zwar fesselnder, aber viel zu einseitig und mysogyn.

    4. Nov. 2022

  • kingofmusic
    kingofmusic

    224 Follower

    4,0

    Auch ein Klassiker darf fragwürdigen Inhalts sein Nun, Leo – was hast Du zu deiner Verteidigung zu sagen? Da schreibst du ein Jahrhundertwerk á la „Anna Karenina“ und veröffentlichst dann Jahre später die diskussionswürdige „Kreutzersonate“??? Nun gut, man muss einem der größten Literaten Russlands auch mal einen kleinen (literarischen) Fauxpas durchgehen lassen. Und ganz so negativ, wie die einleitende Übertreibung suggerieren könnte, ist die „Kreutzersonate“ nun auch wieder nicht *g*. Nicht umsonst gilt sie ja als Klassiker und wurde jetzt in einem fröhlichen Grünton (im Nachhinein wird mir klar, warum Grün als Farbe des Einbands gewählt wurde *g*) in der Reihe „Penguin Edition“ in der Übersetzung von Olga Radetzkaja neu veröffentlicht. Und doch... Der Ich-Erzähler trifft auf einer Bahnreise quer durch Russland auf einige Frauen und Männer, die sich in einem angeregten Gespräch über Liebe und ihre „Auswirkungen“ unterhalten. Dann fängt Gutsbesitzer Posdnyschew an, seine Geschichte zu erzählen und die geneigte Leserschaft reibt sich verwundert die Augen: was bitteschön passiert hier gerade? Ist es der gleiche Autor, der Jahre zuvor eine der tragischsten Liebesgeschichten der jüngeren Literatur veröffentlicht hat und jetzt einen auf Moralapostel macht? Tolstoi legt Posdnyschew einige gewagte Thesen über die Versklavung der Frau, Enthaltsamkeit etc. in den Mund, die den geneigten Leser zunächst mit offenen Augen sprachlos werden lässt. Doch im Nachgang bzw. –wort finden sich Erklärungen zu den teilweise fragwürdigen Äußerungen; so hat Tolstoi vor der „Kreutzersonate“ eine Zäsur durchlebt, die ihn in eine recht orthodoxe Richtung „driften“ ließ – davon zeugt auch seine im Nachwort zitierte „Beichte“ von 1882. Ob und was die geneigte Leserschaft von diesen verschriftlichten Thesen hält – nun, dass muss jede*r für sich entscheiden. Posdnyschew ist ein von krankhafter Eifersucht Besessener, der in allem, was seine Frau und ein befreundeter Musiker unternehmen, Anzeichen der Untreue sieht. Diese Eifersucht steigert sich in ihrem (seinen) Wahn bis zum dramatischen Finale... Möge der Inhalt der „Kreutzersonate“ moralisch nicht (immer) einwandfrei und darum überaus diskussionswürdig sein – sprachlich ist die Novelle ein Meisterwerk. Die heraufbeschworenen Stimmungen und Bilder, die Tolstoi bravourös formuliert hat, wirken nach und lassen mich (mit etwas Abstand) meine Bewertung von knappen 3,5 auf durchaus verdiente (mit steigender Tendenz) 4 Sterne erhöhen. ©kingofmusic

    1. Dez. 2023

3 von 4 Rezensionen

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