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Kluge humoristische Dekonstruktion der NS-Ideologie mit Ausflug in die Hohlerde. Lesetipp!
Die heutige Buchempfehlung geht besonders an alle, die Iron Sky geliebt haben und die kritisch von Axel Stoll-Videos geprägt wurden (und an alle anderen natürlich auch). Das Gegenstück zu Mondnazis sind bekanntlich die Nazis der Hohlerde. Und Philip Krömer hat mit „Ymir oder aus der Hirnschale der Himmel“ ein derart kluges und humoristisches Buch vorgelegt, dass es möglich ist, über die Absurdität der Nazi-Ideologie herzhaft zu lachen, bei aller Lächerlichkeit nicht die Ernsthaftigkeit des Themas zu vergessen und dabei noch etwas zu lernen. Dabei liegt der Fokus vor allem auf den vielen ideologischen Widersprüchen, allerdings ohne diese als ein „haha sind die Nazis doof“ zu verflachen. Deutlich wird immer wieder die emotionale Überzeugungskraft dieses Denkens, gepaart mit Männlichkeitskult. Der Roman stellt sich als literarische Verarbeitung einer deutschen Expedition direkt vor Beginn des 2. WK dar: Der auktoriale Erzähler war augenscheinlich Teil dieser Expedition und wurde ausgewählt, um diese literarisch zu einem Heldenepos zu schreiben. Denn die drei Männer haben ein großes Ziel: Sie sollen in Island durch eine mysteriöse Höhle ins Innere der Hohlerde gelangen und dort einen erhabenen Stamm ihrer angeblichen arischen Vorfahren entdecken. Die Art des Romanaufbaus lässt sich dabei auch als eine Kritik an Propaganda verstehen, denn was man sich so als eine erfolgreiche heldenhafte Expedition vorstellt und was scheinbar tatsächlich passiert, klafft weit auseinander. Und letztlich adressiert der Erzähler uns Lesende direkt, macht uns also auch zum Teil seines Spiels mit der Erzählung und seiner Selbstdarstellung. „Ymir“ war für mich ein sehr überraschendes Buch, weil der Klappentext relativ wenig verrät. Deshalb bin ich ohne inhaltliche oder ähnliche Erwartungen rangegangen und war anfangs fast etwas frustriert, dass nun auch noch ein weiteres „Freizeitbuch“ meine beruflichen Themen zentriert, ohne dass ich das wusste. Allerdings habe ich „Ymir“ dann an zwei Tagen verschlungen und es wirklich sehr geliebt, weil Krömer es über die Absurdität einfach unglaublich gut schafft, das alles herüberzubringen. Ich habe den Autor letztes Jahr auf einem regionalen Literaturfestival kennengelernt und von seinem Buch bis dato nichts gehört, obwohl das sogar schon auf der Hotlist der unabhängigen Verlage stand. Er bot mir ein Rezensionsexemplar an und ich fand allein das Cover schon spannend. Weil mich auch der Klappentext dann neugierig gemacht hat, auch wenn er wenig verrät, habe ich das Buch mitgenommen und es nicht bereut. Auch im Buch finden sich übrigens diese Illustrationen, die aus einem naturheilkundlichen N*zi-Lehrbuch stammen und der Erzählung auch visuell nochmal mehr Tiefe verleihen.
11. Feb. 2025
Kluge humoristische Dekonstruktion der NS-Ideologie mit Ausflug in die Hohlerde. Lesetipp!
Die heutige Buchempfehlung geht besonders an alle, die Iron Sky geliebt haben und die kritisch von Axel Stoll-Videos geprägt wurden (und an alle anderen natürlich auch). Das Gegenstück zu Mondnazis sind bekanntlich die Nazis der Hohlerde. Und Philip Krömer hat mit „Ymir oder aus der Hirnschale der Himmel“ ein derart kluges und humoristisches Buch vorgelegt, dass es möglich ist, über die Absurdität der Nazi-Ideologie herzhaft zu lachen, bei aller Lächerlichkeit nicht die Ernsthaftigkeit des Themas zu vergessen und dabei noch etwas zu lernen. Dabei liegt der Fokus vor allem auf den vielen ideologischen Widersprüchen, allerdings ohne diese als ein „haha sind die Nazis doof“ zu verflachen. Deutlich wird immer wieder die emotionale Überzeugungskraft dieses Denkens, gepaart mit Männlichkeitskult. Der Roman stellt sich als literarische Verarbeitung einer deutschen Expedition direkt vor Beginn des 2. WK dar: Der auktoriale Erzähler war augenscheinlich Teil dieser Expedition und wurde ausgewählt, um diese literarisch zu einem Heldenepos zu schreiben. Denn die drei Männer haben ein großes Ziel: Sie sollen in Island durch eine mysteriöse Höhle ins Innere der Hohlerde gelangen und dort einen erhabenen Stamm ihrer angeblichen arischen Vorfahren entdecken. Die Art des Romanaufbaus lässt sich dabei auch als eine Kritik an Propaganda verstehen, denn was man sich so als eine erfolgreiche heldenhafte Expedition vorstellt und was scheinbar tatsächlich passiert, klafft weit auseinander. Und letztlich adressiert der Erzähler uns Lesende direkt, macht uns also auch zum Teil seines Spiels mit der Erzählung und seiner Selbstdarstellung. „Ymir“ war für mich ein sehr überraschendes Buch, weil der Klappentext relativ wenig verrät. Deshalb bin ich ohne inhaltliche oder ähnliche Erwartungen rangegangen und war anfangs fast etwas frustriert, dass nun auch noch ein weiteres „Freizeitbuch“ meine beruflichen Themen zentriert, ohne dass ich das wusste. Allerdings habe ich „Ymir“ dann an zwei Tagen verschlungen und es wirklich sehr geliebt, weil Krömer es über die Absurdität einfach unglaublich gut schafft, das alles herüberzubringen. Ich habe den Autor letztes Jahr auf einem regionalen Literaturfestival kennengelernt und von seinem Buch bis dato nichts gehört, obwohl das sogar schon auf der Hotlist der unabhängigen Verlage stand. Er bot mir ein Rezensionsexemplar an und ich fand allein das Cover schon spannend. Weil mich auch der Klappentext dann neugierig gemacht hat, auch wenn er wenig verrät, habe ich das Buch mitgenommen und es nicht bereut. Auch im Buch finden sich übrigens diese Illustrationen, die aus einem naturheilkundlichen N*zi-Lehrbuch stammen und der Erzählung auch visuell nochmal mehr Tiefe verleihen.
11. Feb. 2025






