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Romane

Das Mädchen an der Orga Privat

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Über das Buch

Eine junge Frau, die neunzehnjährige Erna Halbe, kommt 1928 aus der Provinz nach Berlin, um eine Arbeitsstelle als Stenotypistin bei der Eisenverwertungs-Gmbh anzutreten. Erst ist sie Außenseiterin, dann, als es darum geht, Solidarität unter den Angestellten herzustellen, dank ihres Gerechtigkeitssinns und ihrer Entschlusskraft Führungsperson. Stehen zuerst persönliche Interessen der Frauen über der Gemeinschaft, halten sie doch gegen die Chefs zusammen, als eine von ihnen entlassen werden soll. Die Sorgen und Nöte in den 20/30er Jahren gleichen denen von heute. Es geht um die erste Liebe zu einem Mann und Familienplanung, um sexuelle Belästigung, um die miserablen Wohnverhältnisse und die Angst vor Arbeitslosigkeit. Die Gesellschaftskritik wird humorvoll in Szene gesetzt. Erna Halbes „Schicksal spiegelt ein Stück Geschichte am Ende der 20er Jahre.“ (I.Ortloff) Braunes Roman gilt „wegen der ungewöhnlichen Stilsicherheit und, bei aller Parteilichkeit, differenzierten Personenzeichnung und Handlungsführung als bedeutendes Beispiel der erzählerischen Neuen Sachlichkeit in der deutschen Literatur.“ schreibt Wikipedia. Das Buch steht in einer Reihe mit Irmgard Keuns berühmten „kunstseidenen Mädchen“.

Editionen (5)

ISBN9783944621067
VerlagReese, Lothar
Erscheinungsdatum24.06.13
Seitenzahl160

Rezensionen & Bewertungen

3 Bewertungen

2 Rezensionen

4,3

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  • lesefruechte
    lesefruechte

    127 Follower

    4,0

    Eine eindrückliche Erzählung von dem letzten Jahr der Goldenen Zwanziger aus der Sicht des Arbeitermilieus und dem Kampf um mehr Selbstbestimmung.

    Ich vertraue wenig Männern, wenn sie Bücher über Frauen schreiben. Besonders wenn diese Männer Anfang des letzten Jahrhunderts geboren wurde. Bei Rudolf Braun kann man jedoch mal eine klitzkleine Ausnahme machen. 1928 in Berlin. Die Geschehnisse? Leider viel zu aktuell. Auf der Suche nach Glück in dem großen (und teuren Berlin) beginnt Erna in einem Unternehmen zu arbeiten. Dort findet sie nicht nur Freundschaften und verliebt sich, sondern schließt sich auch mit ihren Kolleginnen zusammen, um gegen ihren übergriffigen Chef vorzugehen. Es geht um sexuelle Belästigung, Ehe, Machtverhältnisse, Liebschaften und Schwangerschaften und Abtreibung. Themen, die damals wie heute nicht an Aktualität verloren haben. Ich hätte mir gewünscht, dass die jungen Frauen mehr Erfolg haben mit ihrem Streik, dass es ihnen gelingt, eine Änderung, auch wenn sie noch so klitzeklein ist, der Machtstrukturen zu erwirken. Aber die Realität der 1920er ist eine andere. Eine bittere. Eine Realität, in der Frauen aufgrund falsch durchgeführter Abtreibungen sterben, in der Männer die Kontrolle über das Geld haben und ihren Frauen keinen Zugriff darauf gewähren. „Man lernt also Männer kennen, liebt die einen und erträgt die anderen, die Unterschiede sind oftmals gar nicht so groß.“ Dem Autor gelingt ein eindrücklich die Atmosphäre in Berlin einzufangen und zu transportieren. Der Schreibstil ist sehr erzählend und einige Formulierungen sind sehr aus der Zeit gefallen, was angesichts dessen, dass das Buch 1930 erschienen ist, keine Überraschung sein sollte. Auch wenn Rudolf Braun zahlreiche feministische Themen in seinem Buch behandelt, würde ich mich mal soweit aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass man dennoch merkt, dass das Buch von einem Mann im letzten Jahrhundert geschrieben wurde. Ein kleines Beispiel: „Lotte, die langsam mit ihren rundlichen beinen über die Straße schlendert, sieht von hinten sehr appetitlich aus.“ An verschieden Formulierungen wird auch die kommunistische Weltsicht des Autors ersichtlich. Auch wenn man nicht seine politische Haltung teilt und bereit ist, über manch seltsame Beschreibung von Frauen hinwegzusehen, greift zu diesem Buch. Es erzählt eindrücklich von dem letzten Jahr der Goldenen Zwanziger aus der Sicht des Arbeitermilieus und dem Kampf um mehr Selbstbestimmung.

    Eine  eindrückliche Erzählung von dem letzten Jahr der Goldenen Zwanziger aus der Sicht des Arbeitermilieus und dem Kampf um mehr Selbstbestimmung.

    10. Jan. 2025

  • buddenbooks
    buddenbooks

    85 Follower

    4,0

    Metoo aus den 1920ern. Nicht so provokant, wie man es heute gewohnt ist, aber trotz allem beeindruckend. Schade, dass der Autor so jung gestorben ist.

    7. Sept. 2023

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