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Der Debütroman einer deutschen Literaturnobelpreisträgerin und dann sind die beliebtesten Reviews hier auf Goodreads alle auf Arabisch. Das fand ich doch im ersten Moment sehr seltsam, aber was soll ich mich über Andere wundern. Ich selbst hatte bis zu diesem Zeitpunkt auch noch nie etwas von Herta Müller gelesen, wobei dies am fehlenden Interesse an ihren Themen lag. Mein Wunsch, mehr osteuropäische Literatur zu lesen, ließ mich zu Niederungen in der Stadtbücherei greifen. Die Lesefreude bei diesem Buch war nicht besonders hoch. Ja, ich hätte es beinahe sogar abgebrochen, wenn es nicht so kurz gewesen wäre, und ich mich daher zum Weiterlesen trieb. Ich hatte keine besonderen Erwartungen an die Lektüre, aber einen niveauvollen Schreibstil hatte ich schon erwartet bei ihrem Rückblick auf die Kindheit bei den Banat Schwaben in Rumänien. Stattdessen bekam ich aber eine Erzählung geboten, die bewusst auf jegliches Schöne, Emotionale oder Verklärte, ja eigentlich sogar auf das Anklagende verzichtete. Vielmehr ist es eine Beschreibung von Sachverhalten aus der Kindheit aus der Sicht des Kindes Herta Müller. Und ein Kind schreibt und denkt nun mal nicht wohlformuliert, sondern sagt direkt heraus, was es sieht und denkt. Ich war schon darauf und dran, einen Verriss im Kopf zu formulieren, während ich das Buch las. Was soll diese primitive Sprache, diese auf das Wesentliche reduzierten Sätze, diese Wiederholungen? Nach dem Beenden musste ich erstmal das Gelesene auf mich wirken lassen und mit etwas Abstand gebe ich dann doch 3 Sterne, denn eins muss man dem Buch lassen: Es ist sehr eindrücklich. Es ist eine Abrechnung mit der dörflichen Strukturen und mit der lieblosen Familie, in der sie aufwuchs. Es ist nicht schön, aber es ist sehr kunstvoll und vor allem äußerst konsequent wie sie diesen Stil über das ganze Buch hinweg beibehält. Es gibt viele Autobiografien über das arme Leben auf dem Land, die Entbehrungen und die Konventionen, aber alle diese anderen Bücher lassen dem Leser oft auch das Positive an der dörflichen Heimat erscheinen. Darauf verzichtet Herta Müller. Sie lässt ihre Bilder sprechen, die voller Blut, Kot, Kotze, Schläge, Dreck und Gedärme sind. Wenn ein Kind einen Schmetterling zerdrückt, dann erzählt es nun mal, wie sich die weißen Innereien aus dem Körper drücken. Poesie ist in diesem Fall unangebracht. Vielleicht war es ein schwieriger Einstieg, mit den Niederungen anzufangen, um die Autorin kennen zu lernen. Ich will mich nicht abschrecken lassen und sehe mit Interesse auf die weiteren Bücher von Frau Müller. Insbesondere bin ich gespannt, wie sich die Sprache in den anderen Büchern von den Niederungen abhebt.
23. Feb. 2024
Der Debütroman einer deutschen Literaturnobelpreisträgerin und dann sind die beliebtesten Reviews hier auf Goodreads alle auf Arabisch. Das fand ich doch im ersten Moment sehr seltsam, aber was soll ich mich über Andere wundern. Ich selbst hatte bis zu diesem Zeitpunkt auch noch nie etwas von Herta Müller gelesen, wobei dies am fehlenden Interesse an ihren Themen lag. Mein Wunsch, mehr osteuropäische Literatur zu lesen, ließ mich zu Niederungen in der Stadtbücherei greifen. Die Lesefreude bei diesem Buch war nicht besonders hoch. Ja, ich hätte es beinahe sogar abgebrochen, wenn es nicht so kurz gewesen wäre, und ich mich daher zum Weiterlesen trieb. Ich hatte keine besonderen Erwartungen an die Lektüre, aber einen niveauvollen Schreibstil hatte ich schon erwartet bei ihrem Rückblick auf die Kindheit bei den Banat Schwaben in Rumänien. Stattdessen bekam ich aber eine Erzählung geboten, die bewusst auf jegliches Schöne, Emotionale oder Verklärte, ja eigentlich sogar auf das Anklagende verzichtete. Vielmehr ist es eine Beschreibung von Sachverhalten aus der Kindheit aus der Sicht des Kindes Herta Müller. Und ein Kind schreibt und denkt nun mal nicht wohlformuliert, sondern sagt direkt heraus, was es sieht und denkt. Ich war schon darauf und dran, einen Verriss im Kopf zu formulieren, während ich das Buch las. Was soll diese primitive Sprache, diese auf das Wesentliche reduzierten Sätze, diese Wiederholungen? Nach dem Beenden musste ich erstmal das Gelesene auf mich wirken lassen und mit etwas Abstand gebe ich dann doch 3 Sterne, denn eins muss man dem Buch lassen: Es ist sehr eindrücklich. Es ist eine Abrechnung mit der dörflichen Strukturen und mit der lieblosen Familie, in der sie aufwuchs. Es ist nicht schön, aber es ist sehr kunstvoll und vor allem äußerst konsequent wie sie diesen Stil über das ganze Buch hinweg beibehält. Es gibt viele Autobiografien über das arme Leben auf dem Land, die Entbehrungen und die Konventionen, aber alle diese anderen Bücher lassen dem Leser oft auch das Positive an der dörflichen Heimat erscheinen. Darauf verzichtet Herta Müller. Sie lässt ihre Bilder sprechen, die voller Blut, Kot, Kotze, Schläge, Dreck und Gedärme sind. Wenn ein Kind einen Schmetterling zerdrückt, dann erzählt es nun mal, wie sich die weißen Innereien aus dem Körper drücken. Poesie ist in diesem Fall unangebracht. Vielleicht war es ein schwieriger Einstieg, mit den Niederungen anzufangen, um die Autorin kennen zu lernen. Ich will mich nicht abschrecken lassen und sehe mit Interesse auf die weiteren Bücher von Frau Müller. Insbesondere bin ich gespannt, wie sich die Sprache in den anderen Büchern von den Niederungen abhebt.
23. Feb. 2024






