Blick ins Buch
Der Spurensucher
Über das Buch
Zu dem Lebenswerk, mit dem der Nobelpreisträger die literarische Welt seit der Öffnung des Eisernen Vorhangs überrascht hat, gehört die Erzählung "Der Spurensucher". Sie entstand, als Imre Kertész 1962 von Budapest nach Buchenwald fuhr, um geistig endgültig über jenes Konzentrationslager zu siegen, aus dem er 17 Jahre zuvor als Halbwüchsiger von den Amerikanern befreit worden war.
Die Titelfigur, auch der «Abgesandte» genannt, will von Weimar nach Buchenwald fahren und führt zuvor ein Gespräch mit dem DDR-Intellektuellen Hermann. Sein Auftrag wird ebensowenig erläutert wie die offenkundig übergeordnete Instanz, in deren Namen der Besuch erfolgt. Mit inquisitorischer Härte und Finesse geht der Spurensucher zu Werk, er erhebt keinerlei konkrete Vorwürfe, läßt indes auch keinen Zweifel daran, daß er Hermann trotz seiner offensichtlichen antifaschistischen Gesinnung durchaus zum Kreis der Verdächtigen zählt.In Buchenwald erkennt er die Aussichtslosigkeit seines Unternehmens. Das Lager ist weitgehend verschwunden, fast alle Spuren, so scheint es ihm, sind absichtsvoll und gründlich getilgt. Erst als er wieder in der Stadt ist, wird ihm bewußt, daß die Veränderung, die ihn zunächst schockiert hatte, bedeutungslos ist, denn die Dinge bewahren nichts, sie "legen über nichts Rechenschaft ab."
Editionen (1)
Autorin / Autor
Über Imre Kertész
Imre Kertész, 1929 im Budapest geboren, wurde 1944 nach Auschwitz deportiert und 1945 in Buchenwald befreit. Nach seiner Rückkehr arbeitete er als freier Schriftsteller und Übersetzer. Seinen Ruhm begründete der erst spät zu Erfolg gekommene Roman eines Schicksallosen. 2002 erhielt Imre Kertész den Literatur-Nobelpreis.
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