Blick ins Buch
Der Bär auf dem Försterball
Über das Buch
Lange vor dem Fall der Berliner Mauer wurden Theaterstücke von Peter Hacks - für Kinder wie für Erwachsene - auf allen deutschsprachigen Bühnen gespielt, fanden seine witzigen, hintergründigen, skurrilen Geschichten und Gedichte auch hierzulande ein begeistertes Publikum. Seine unverwechselbare künstlerische Handschrift basiert auf einer ebenso geistreichen wie humorvollen Verbindung von überschäumender Phantasie und distanzermöglichendem, klugem Witz. Hacks, der 1955 in die DDR übersiedelte, gehört zweifellos zu den originellsten deutschsprachigen Dichtern des 20. Jahrhunderts.
Seine Werke wurden 1998 mit dem Sonderpreis des deutschen Jugendliteraturpreises ausgezeichnet.
"Der Bär auf dem Försterball" - Titelgeschichte des ersten Teils - und "Das musikalische Nashorn" stehen paradigmatisch für genussvoll zelebrierte Ironie, den geschliffen formulierten Spott, den hintergründigen Witz - deren Kunstfertigkeit gerade in diesen Kurztexten zur vollen Entfaltung kommt: Ein Nashorn, das es zu großer Meisterschaft in der Kunst gebracht hat, erweist sich als Feigling vor den anrückenden Löwen. Von seinen Artgenossen gedrängt, seine Tapferkeit unter Beweis zu stellen, setzt es auf bemerkenswerte vertrauensbildende Maßnahmen, nämlich die Kunstsinnigkeit der Feinde. Und tatsächlich lassen sich die Haydn-liebenden Löwen - anstatt anzugreifen - zur Serenade einladen. Das Publikum nimmt Platz im Schlamm "und Tränen höchster Lust entflossen, den staunenden Rhinozerossen".
Verkleidet als Förster, amüsiert sich der Bär auf dem Försterball prächtig. Große Reden hält er, führt die Gesellschaft gar zur Höhle, damit alle den Bären jagen. Kaum erkannt, macht er sich davon... –Peter Hacks schlägt Autoritäten und Machtgehabe ein Schnippchen, spottet, parodiert, reimt, lacht und träumt.
Eberhard Esche, langjähriges Ensemblemitglied des Deutschen Theaters in Berlin, bringt die Musikalität, den rhythmischen Klang der Hackschen Sprache überzeugend zur Geltung, er dehnt Worte, hebt die Stimme, wechselt Tempo und Tonhöhe.
Hacks jongliert mit Sprache, Bildern und Sinn. Wo Prosa und Reim, so meisterhaft angesprochen, auf der Zunge zergehen und klangwitzig mit Musik verknüpft werden wie hier, ist das Hören ein Spaß für Jung und Alt!
Editionen (7)
Autorin / Autor
Über Peter Hacks
Peter Hacks wurde 1928 in Breslau geboren. Nach dem Krieg studierte er Soziologie, Philosophie, Literatur- und Theaterwissenschaften in München. Anschließend machte er als freier Schriftsteller die Bekanntschaft namhafter Autoren wie James Krüss, Erich Kästner, Bertholt Brecht und Thomas Mann. Nach ersten Veröffentlichungen siedelte er 1955 nach Ost-Berlin über und wurde Mitglied in Bertolt Brechts Ensemble. 1960 wird er Dramaturg und Hausautor am Deutschen Theater, ab 1963 arbeitet er als freier Schriftsteller. Erfolg feierte er mit seinem Schauspiel "Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe". Es wurde bislang etwa 190-mal auf über 170 deutschsprachigen Bühnen sowie auf fremdsprachigen Bühnen von insgesamt 21 Ländern aufgeführt. Hacks starb 2003 in Berlin.
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