Josef Knecht steigt in der Ordensprovinz Kastalien zum Magister Ludi auf, dem höchsten Priester des sakralen Glasperlenspiels. Der Orden idealisiert die vollkommene Selbstaufgabe des Einzelnen für den Dienst an der Gemeinschaft. Doch bald schon stößt Knecht an die Grenzen seiner dienenden Selbstverwirklichung und bricht auf...
Das "Glasperlenspiel" ist ein Spiel mit sämtlichen Inhalten und Werten unserer Kultur, es spielt mit ihnen, wie etwa in den Blütezeiten der Künste ein Maler mit den Farben seiner Palette gespielt haben mag.
Die skizzierte Idee einer universellen Formelsprache, in der Musik und mathematische Strukturen zu einer Einheit verschmelzen war mir persönlich zu abgefahren 😵💫
9. Juni 2026
2,0
Die skizzierte Idee einer universellen Formelsprache, in der Musik und mathematische Strukturen zu einer Einheit verschmelzen war mir persönlich zu abgefahren 😵💫
Ein Grund, warum ich gebrauchte Bücher so gern habe ist, dass oft Notizen und Bemerkungen, manchmal sogar kleine Zeichnungen oder Aufkleber der Vorbesitzerin im Buch zu finden sind. So auch in meiner Ausgabe des Glasperlenspiels. Auf der Rückseite des Buchrückens hat eine Person einen kurzen Brief an eine Freundin geschrieben, der sie dieses Buch anscheinend geschenkt hat und in dem sie kurz darlegt, welche Stellen sie gerne mochte und wie das Glasperlenspiel so beschaffen ist. Sie schreibt: "Das Glasperlenspiel ist schon ein besonderes Buch" und das könnte richtiger nicht ausgedrückt sein. Auf den ersten Blick ist es eine einfache Autobiographie des kastalischen Gelehrten Josef Knecht aber schon ein Blick auf den vollständigen Titel verspricht mehr als das: "Versuch einer Lebensbeschreibung des Magister Ludi Josef Knecht samt Knechts hinterlassenen Schriften" Hermann Hesse hat hier nicht nur einen fiktiven Gelehrten geschaffen, sondern liefert uns gleich einige seiner Werke mit, die uns Einblick in sein Leben, in sein Denken geben. Vor allem einige der Gedichte finde ich sehr lesenswert, aber dazu vielleicht später mehr.
An erster Stelle steht die eigentliche Biographie Knechts, die von einem nicht namentlich genannten Chronisten verfasst wurde. Sie beginnt in seiner Schulzeit, in der er noch zu Hause lebte und führt uns schnell an Josefs Seite in die Welt Kastaliens ein. Kastalien ist ein fiktiver, geistlicher aber nicht kirchlicher Staat, der die absolute Bildungselite in dieser Welt beherbergt, fördert und hütet. Josef findet sich dort schnell ein und glänzt selbst unter seinen gleichgesinnten, es wird viel über Philosophie, Musik und Wissenschaften mit geistlichem Fokus geredet, was ich sehr genossen habe und mich selbst zum aktiven Nachdenken angeregt hat. Besonders die Begegnungen mit dem Magister Musicae haben mich jedes Mal aufs neue bezaubert.
Leider ließ alles positive nach, als sich die Erzählung der Mitte näherte, gleich nach der Ernennung Josefs zum Magister Ludi. Viel was passierte interessierte mich nicht mehr, ich musste mich richtig bemühen, um Dinge zu finden, über die ich nachdenken konnte und spannend war es auch nicht grade. Ich war gelangweilt und überlegte ein paar Mal, ob ich das Buch nicht einfach abbrechen solle, wenn es mir keinen Spaß macht und mich nicht packt aber da dachte ich wieder an die Vorbesitzerin, denn sie pries vor allem das Kapitel "Rundschreiben" an, welches sich im letzten viertel befindet, also biss ich mich durch.
Das Rundschreiben Knechts fühlte sich für mich, ganz gleich ihm selbst, wie eine Erlösung an. Die Tristesse verschwand, wenn auch nicht ganz und es wurde wieder über interessante Dinge, nun jedoch eher aus den Themenbereichen Pädagogik und Psychologie geredet, weil Josef dahingehend sein Interesse geändert hat. Eine Sache störte mich jedoch an dieser Entwicklung, nämlich Josef selbst, der mir allzu selbstsicher und Messias-artig vorkam, wenn er so von psychischen Krankheiten und Erziehung redete. Mir ist klar, dass er der Auserwählte ist und das ist ja nicht schlimm - ich mag viele Geschichten, die einen auserwählten als Protagonisten haben -, aber für mich war es hier einfach uninteressant und zu einlinienartig erzählt.
Ungeachtet meiner Meinung zu Knecht gefiel mir die Erzählung aber, besonders der Aufbau der Geschichte, mit dem schwachen mittleren Teil und das, obwohl ich grade erst schrieb, dass er mich fast bezwang denn für mich ist es die perfekte Darstellung von Knechts Innenleben: Mit Antreten seines Magistrats fühlt er sich eingezwängt, hat immer weniger Zeit für eigene Studien und Reisen, nicht einmal für einfache Wanderungen oder eigene Gedanken. Alles richtet sich auf das Magistrat und das spürt auch der Leser, dem sehr wenig geboten wird, was über die stumpfe Wiedergabe der Geschehnisse hinaus geht und unter diesem Gesichtspunkt finde ich das Buch genial, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob dies von Hesse gewollt war oder allein meine Interpretation ist.
Eine weitere Sache, die mir gut gefallen hat, obwohl ich zugeben muss nicht ganz durch das Thema durchgeblickt zu haben ist der dauerhaft thematisierte Konflikt zwischen geistlicher und weltlicher Gesellschaft. Dieser Konflikt wird vor allem in den Diskussionen zwischen Knecht und Plinio Designori thematisiert, die mir sehr gut gefallen haben und von denen ich mir gewünscht hätte, dass sie stärker ausgeführt worden wären. Ich mag, dass sehr viel von den angesprochenen Punkten sehr auf die Realität anzuwenden sind, wie, dass hochgebildete Menschen in einer ganz anderen Welt als weniger/normal gebildete leben, was Verständnis und Kommunikation angeht. Dieses Problem findet vor allem in Schulen nach wie vor statt, in denen nicht darauf geachtet wird, ob ein Schüler von Haus aus überhaupt dazu in der Lage ist eine bestimmte Problemstellung zu verstehen, sondern der Unterricht einfach für alle gleich gestaltet bleibt.
Zuletzt noch ein paar Worte zu den Anhängen: Ich denke jedem Leser wird aufgefallen sein, dass das Glasperlenspiel sozusagen nach einer Blaupause geschrieben wurde, nämlich dem "Stufen" Gedicht. Ich mag, dass es so ist, auch wenn Knecht selbst mir ein bisschen zu häufig tatsächlich von eben jenen Stufen geredet hat. Für mich war das fast schon kitschig. Ein weiterer Favorit meinerseits ist das Gedicht "Ein Traum", weil ich glaube, dass auch dieses im Haupttext abgebildet wird, wenn auch nicht so offensichtlich, nämlich als Knecht nach dem Ablegen seines Amtes im Haus der Designoris eintrifft und die Bibliothek begutachtet. Zu den Lebensläufen habe ich nicht so viel zu sagen. Ich fand sie nicht allzu interessant und auch wieder recht kitschig zu lesen, aber fand die Idee einen Lebenslauf in eine andere Zeit und Kultur zu versetzen ganz interessant.
4. Apr. 2024
3,0
Ein Grund, warum ich gebrauchte Bücher so gern habe ist, dass oft Notizen und Bemerkungen, manchmal sogar kleine Zeichnungen oder Aufkleber der Vorbesitzerin im Buch zu finden sind. So auch in meiner Ausgabe des Glasperlenspiels. Auf der Rückseite des Buchrückens hat eine Person einen kurzen Brief an eine Freundin geschrieben, der sie dieses Buch anscheinend geschenkt hat und in dem sie kurz darlegt, welche Stellen sie gerne mochte und wie das Glasperlenspiel so beschaffen ist. Sie schreibt: "Das Glasperlenspiel ist schon ein besonderes Buch" und das könnte richtiger nicht ausgedrückt sein. Auf den ersten Blick ist es eine einfache Autobiographie des kastalischen Gelehrten Josef Knecht aber schon ein Blick auf den vollständigen Titel verspricht mehr als das: "Versuch einer Lebensbeschreibung des Magister Ludi Josef Knecht samt Knechts hinterlassenen Schriften" Hermann Hesse hat hier nicht nur einen fiktiven Gelehrten geschaffen, sondern liefert uns gleich einige seiner Werke mit, die uns Einblick in sein Leben, in sein Denken geben. Vor allem einige der Gedichte finde ich sehr lesenswert, aber dazu vielleicht später mehr.
An erster Stelle steht die eigentliche Biographie Knechts, die von einem nicht namentlich genannten Chronisten verfasst wurde. Sie beginnt in seiner Schulzeit, in der er noch zu Hause lebte und führt uns schnell an Josefs Seite in die Welt Kastaliens ein. Kastalien ist ein fiktiver, geistlicher aber nicht kirchlicher Staat, der die absolute Bildungselite in dieser Welt beherbergt, fördert und hütet. Josef findet sich dort schnell ein und glänzt selbst unter seinen gleichgesinnten, es wird viel über Philosophie, Musik und Wissenschaften mit geistlichem Fokus geredet, was ich sehr genossen habe und mich selbst zum aktiven Nachdenken angeregt hat. Besonders die Begegnungen mit dem Magister Musicae haben mich jedes Mal aufs neue bezaubert.
Leider ließ alles positive nach, als sich die Erzählung der Mitte näherte, gleich nach der Ernennung Josefs zum Magister Ludi. Viel was passierte interessierte mich nicht mehr, ich musste mich richtig bemühen, um Dinge zu finden, über die ich nachdenken konnte und spannend war es auch nicht grade. Ich war gelangweilt und überlegte ein paar Mal, ob ich das Buch nicht einfach abbrechen solle, wenn es mir keinen Spaß macht und mich nicht packt aber da dachte ich wieder an die Vorbesitzerin, denn sie pries vor allem das Kapitel "Rundschreiben" an, welches sich im letzten viertel befindet, also biss ich mich durch.
Das Rundschreiben Knechts fühlte sich für mich, ganz gleich ihm selbst, wie eine Erlösung an. Die Tristesse verschwand, wenn auch nicht ganz und es wurde wieder über interessante Dinge, nun jedoch eher aus den Themenbereichen Pädagogik und Psychologie geredet, weil Josef dahingehend sein Interesse geändert hat. Eine Sache störte mich jedoch an dieser Entwicklung, nämlich Josef selbst, der mir allzu selbstsicher und Messias-artig vorkam, wenn er so von psychischen Krankheiten und Erziehung redete. Mir ist klar, dass er der Auserwählte ist und das ist ja nicht schlimm - ich mag viele Geschichten, die einen auserwählten als Protagonisten haben -, aber für mich war es hier einfach uninteressant und zu einlinienartig erzählt.
Ungeachtet meiner Meinung zu Knecht gefiel mir die Erzählung aber, besonders der Aufbau der Geschichte, mit dem schwachen mittleren Teil und das, obwohl ich grade erst schrieb, dass er mich fast bezwang denn für mich ist es die perfekte Darstellung von Knechts Innenleben: Mit Antreten seines Magistrats fühlt er sich eingezwängt, hat immer weniger Zeit für eigene Studien und Reisen, nicht einmal für einfache Wanderungen oder eigene Gedanken. Alles richtet sich auf das Magistrat und das spürt auch der Leser, dem sehr wenig geboten wird, was über die stumpfe Wiedergabe der Geschehnisse hinaus geht und unter diesem Gesichtspunkt finde ich das Buch genial, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob dies von Hesse gewollt war oder allein meine Interpretation ist.
Eine weitere Sache, die mir gut gefallen hat, obwohl ich zugeben muss nicht ganz durch das Thema durchgeblickt zu haben ist der dauerhaft thematisierte Konflikt zwischen geistlicher und weltlicher Gesellschaft. Dieser Konflikt wird vor allem in den Diskussionen zwischen Knecht und Plinio Designori thematisiert, die mir sehr gut gefallen haben und von denen ich mir gewünscht hätte, dass sie stärker ausgeführt worden wären. Ich mag, dass sehr viel von den angesprochenen Punkten sehr auf die Realität anzuwenden sind, wie, dass hochgebildete Menschen in einer ganz anderen Welt als weniger/normal gebildete leben, was Verständnis und Kommunikation angeht. Dieses Problem findet vor allem in Schulen nach wie vor statt, in denen nicht darauf geachtet wird, ob ein Schüler von Haus aus überhaupt dazu in der Lage ist eine bestimmte Problemstellung zu verstehen, sondern der Unterricht einfach für alle gleich gestaltet bleibt.
Zuletzt noch ein paar Worte zu den Anhängen: Ich denke jedem Leser wird aufgefallen sein, dass das Glasperlenspiel sozusagen nach einer Blaupause geschrieben wurde, nämlich dem "Stufen" Gedicht. Ich mag, dass es so ist, auch wenn Knecht selbst mir ein bisschen zu häufig tatsächlich von eben jenen Stufen geredet hat. Für mich war das fast schon kitschig. Ein weiterer Favorit meinerseits ist das Gedicht "Ein Traum", weil ich glaube, dass auch dieses im Haupttext abgebildet wird, wenn auch nicht so offensichtlich, nämlich als Knecht nach dem Ablegen seines Amtes im Haus der Designoris eintrifft und die Bibliothek begutachtet. Zu den Lebensläufen habe ich nicht so viel zu sagen. Ich fand sie nicht allzu interessant und auch wieder recht kitschig zu lesen, aber fand die Idee einen Lebenslauf in eine andere Zeit und Kultur zu versetzen ganz interessant.
Fast ein Jahr ist es jetzt her, dass ich dieses Buch beendet habe. Ursprünglich stand "Das Glasperlenspiel" auf der Liste mit Werken für meine Bachelorarbeit, es stellte sich aber schon bald heraus, dass dieses Buch so gar nicht da rein passt. Als ich deswegen die Anweisung bekam, diese Liste zu kürzen, war dieser Text der erste, den ich wegstrich.
Nun stellt ihr euch sicher die Frage, warum ich so lange darauf gewartet habe, diesen Text zu rezensieren? Ganz einfach: Ich konnte mit diesem Buch einfach gar nichts anfangen. Und wenn das bei Klassikern vorkommt, dann überlege ich mir immer lieber zweimal, ob ich das Buch rezensieren soll oder doch lieber nicht. Jetzt habe ich mich aber doch dafür entschieden, der Vollständigkeit halber. Hesse gehört zu den Autoren, die meiner Meinung nach total überbewertet werden. Bitte versteht mich nicht falsch: Ich weiß, dass viele Leute Hesse sehr gerne mögen und seine Texte für wertvoll halten und auch ich finde nicht jeden seiner Texte schlecht. "Unterm Rad" war zum Beispiel eine der spannendsten Klassenlektüren, die ich in meiner Schulkarriere gelesen habe. Aber wenn ich für den Kanon verantwortlich wäre, dann hätte Hesse eine viel geringere Bedeutung. Mein Problem mit ihm ist nämlich Folgendes: Er schafft es einfach nicht, Spannung zu erzeugen. Sein Schreibstil plätschert einfach so dahin und es passiert einfach nichts. Gar nichts. Und selbst wenn in ihren Texten nichts passiert, schaffen es manche Autor:innen noch mit ihrem Schreibstil, genug Spannung zu erzeugen, damit ich dabei bleibe. In "Warten auf Godot" gibt es ja auch keine besondere Handlung und trotzdem habe ich das Drama innerhalb kürzester Zeit durchgesuchtet. Hesse hat das zumindest hier nicht geschafft. Und deswegen war mir auch nach mehreren hundert Seiten noch egal, was denn jetzt mit seiner Hauptfigur und seiner Welt passiert.
Seine Hauptfigur war für mich das nächste Problem. Der Typ ist so unglaublich blass beschrieben! Er hat keine Ecken und Kanten, nichts, was ihn besonders macht. Ja, er ist belesener als seine Altersgenossen und intelligenter, aber er hat keine Fehler, keine Tiefe, nichts. Der Typ ist ein Heiliger und ihr wisst alle, was ich von Buchfiguren dieser Art halte. Er existiert einfach nur, lernt, wird erwachsen und wird Meister des "Glasperlenspiels", das in meiner Vorstellung das langweiligste Spiel aller Zeiten sein muss, was unter anderem daran liegt, dass Hesse es nicht schafft, mir zu erklären, was es denn damit eigentlich auf sich hat und warum es für die Menschen dieser Welt eine so große Bedeutung hat. Es tut mir leid, dass ich diesen Text so harsch beurteilen muss, aber mir gibt dieser Text einfach nichts.
Mein Fazit? Hat es meiner Meinung nach nicht verdient, auch heute noch so gefeiert zu werden. Mich konnte dieser Text zumindest nicht überzeugen.
27. Dez. 2023
2,0
Fast ein Jahr ist es jetzt her, dass ich dieses Buch beendet habe. Ursprünglich stand "Das Glasperlenspiel" auf der Liste mit Werken für meine Bachelorarbeit, es stellte sich aber schon bald heraus, dass dieses Buch so gar nicht da rein passt. Als ich deswegen die Anweisung bekam, diese Liste zu kürzen, war dieser Text der erste, den ich wegstrich.
Nun stellt ihr euch sicher die Frage, warum ich so lange darauf gewartet habe, diesen Text zu rezensieren? Ganz einfach: Ich konnte mit diesem Buch einfach gar nichts anfangen. Und wenn das bei Klassikern vorkommt, dann überlege ich mir immer lieber zweimal, ob ich das Buch rezensieren soll oder doch lieber nicht. Jetzt habe ich mich aber doch dafür entschieden, der Vollständigkeit halber. Hesse gehört zu den Autoren, die meiner Meinung nach total überbewertet werden. Bitte versteht mich nicht falsch: Ich weiß, dass viele Leute Hesse sehr gerne mögen und seine Texte für wertvoll halten und auch ich finde nicht jeden seiner Texte schlecht. "Unterm Rad" war zum Beispiel eine der spannendsten Klassenlektüren, die ich in meiner Schulkarriere gelesen habe. Aber wenn ich für den Kanon verantwortlich wäre, dann hätte Hesse eine viel geringere Bedeutung. Mein Problem mit ihm ist nämlich Folgendes: Er schafft es einfach nicht, Spannung zu erzeugen. Sein Schreibstil plätschert einfach so dahin und es passiert einfach nichts. Gar nichts. Und selbst wenn in ihren Texten nichts passiert, schaffen es manche Autor:innen noch mit ihrem Schreibstil, genug Spannung zu erzeugen, damit ich dabei bleibe. In "Warten auf Godot" gibt es ja auch keine besondere Handlung und trotzdem habe ich das Drama innerhalb kürzester Zeit durchgesuchtet. Hesse hat das zumindest hier nicht geschafft. Und deswegen war mir auch nach mehreren hundert Seiten noch egal, was denn jetzt mit seiner Hauptfigur und seiner Welt passiert.
Seine Hauptfigur war für mich das nächste Problem. Der Typ ist so unglaublich blass beschrieben! Er hat keine Ecken und Kanten, nichts, was ihn besonders macht. Ja, er ist belesener als seine Altersgenossen und intelligenter, aber er hat keine Fehler, keine Tiefe, nichts. Der Typ ist ein Heiliger und ihr wisst alle, was ich von Buchfiguren dieser Art halte. Er existiert einfach nur, lernt, wird erwachsen und wird Meister des "Glasperlenspiels", das in meiner Vorstellung das langweiligste Spiel aller Zeiten sein muss, was unter anderem daran liegt, dass Hesse es nicht schafft, mir zu erklären, was es denn damit eigentlich auf sich hat und warum es für die Menschen dieser Welt eine so große Bedeutung hat. Es tut mir leid, dass ich diesen Text so harsch beurteilen muss, aber mir gibt dieser Text einfach nichts.
Mein Fazit? Hat es meiner Meinung nach nicht verdient, auch heute noch so gefeiert zu werden. Mich konnte dieser Text zumindest nicht überzeugen.
27. Dez. 2023
3 von 5 Rezensionen
Autorin / Autor
Über Hermann Hesse
Hermann Hesse wurde am 2. Juli 1877 in Calw als Sohn des baltischen Missionars Johannes Hesse und seiner Frau Marie, der Tochter eines württembergischen Indologen, geboren. Für die Theologenlaufbahn bestimmt, flüchtete er im Alter von 14 Jahren aus dem Klosterseminar Maulbronn, weil er 'entweder Dichter oder gar nichts' werden wollte. Nach einem Selbstmordversuch wurde er in eine Nervenheilanstalt verbracht. Eine kurze Gymnasialzeit in Cannstatt schloß er mit der Mittleren Reife ab und absolvierte ein Praktikum in einer Calwer Turmuhrenfabrik. Nach einer Buchhändlerlehre in Tübingen und Basel schrieb er u. a. seinen ersten Roman "Peter Camenzind" (1904), dessen Erfolg es ihm erlaubte zu heiraten und sich als freier Schriftsteller am Bodensee niederzulassen. 1912 verließ Hermann Hesse Deutschland und zog mit seiner Familie nach Bern.Er wurde 1915 der Deutschen Gesandtschaft in Bern zugeteilt, wo er die Bücherzentrale für Deutsche Kriegsgefangene aufbaute, welche in ausländischen Lagern internierte Soldaten bis 1919 mit Lektüre versorgte. Im Mai 1919 übersiedelte er nach Montagnola/Tessin in die Casa Camuzzi, die er bis 1931 bewohnte und danach ein ihm auf Lebzeiten zur Verfügung gestelltes Haus bezog. Im Tessin schrieb er seine berühmtesten Werke: 1919 "Demian", 1922 "Siddhartha", 1927 "Der Steppenwolf", 1930 "Narziß und Goldmund" und ab 1931 "Das Glasperlenspiel". Für sein literarisches Werk wurde er 1946 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Am 9. August 1962 starb Hermann Hesse in Montagnola.