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Romane

Der Mann ohne Eigenschaften

3,3(18)
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Über das Buch

Wolfram Berger liest: Der Mann ohne Eigenschaften von Robert Musil. Hörbuch auf 4 MP3-CDs. „Der unterhaltsamste, witzigste,verständlichste und lehrreichste Roman, der mir je untergekommen war.“ Michael Scharang in der Zeit Als Robert Musil den Roman 1926 in der „literarischen Welt“ erstmals öffentlich erwähnte, sollte er noch „Die Zwillingsschwester“ heißen, doch als „Mann ohne Eigenschaften“ wurde er zu dem Jahrhundertroman der deutschen Literatur, dem „ersten großen literarischen Kaleidoskop des 20. Jahrhunderts“ (Frankfurter Rundschau). Er ist eine „satirisch-subversive Diagnose ‚Kakaniens‘, des untergehenden Landes voller ‚Eigenschaften‘, die es schon nicht mehr so recht gab – und auch nicht mehr geben soll … Sein programmatischer Nonkonformismus, die Herausforderung, die im enormen Umfang wie in der faszinierenden Dichte liegt, hat ihn zum hoch aufragenden Probierfelsen gemacht, von dem aus sich vieles wie Flachland ausnimmt“ (Die Welt). Musil setzte sich über die konventionelle Trennung von Erzählung und Philosophie hinweg und erfand „als Form des Kampfes um die Wahrheit“ die für ihn charakteristische Synthese aus Essay, Erzählprosa, objektiver Sachlichkeit und intelligentem Spott. Seine „Wort-Equilibristik“ (Die Zeit) und „glühende Metaphorik“ (Die Welt), mit der er „Beiträge zur geistigen Bewältigung der Welt geben“ wollte, haben ihre suggestive Wirkung bis heute bewahrt. Musils Plan war so gewaltig, dass 1932 nach 23 Jahren intensiver Arbeit am Roman erst zwei Bände erschienen waren. Der Tod traf ihn während der Arbeit an einem der schönsten Kapitel, „Atemzüge eines Sommertags“, während der Morgengymnastik. Erst 1978 erschien die mit 2.180 Seiten vollständigste Textversion, die alle Entwürfe berücksichtigt, die Musil in den Roman integrieren wollte. Zugegeben, dieser „Mann ohne Eigenschaften“ ist ein schwieriges, manchmal sogar sperriges Werk. Aber gerade deswegen soll ihm über den Umweg des Hörens ein neuer Zugang verschafft werden. Wolfram Berger hat einen Sprechstil entwickelt, bei dem man - frei nach Kleist - die „langsame Verfertigung der Gedanken“ beim Aussprechen hören und nachvollziehen kann. Über den Sprecher: Wolfram Berger hat viele Talente und Gesuchter: Er ist in Graz geboren, war im Ensemble von Claus Peymann in Stuttgart und Bochum, Hauptdarsteller in Filmen wie „Der Gehülfe“ (nach Robert Walser), in Fernsehfilmen wie der legendären „Alpensaga“ (Peter Turrini) oder auch als Schweizer „Eurocop“. Er ist nicht nur durch sein österreichisches Timbre prädestiniert für die Rolle des Allein-Erzählers in Musils „Mann ohne Eigenschaften“. Seit dem 5. Januar 2004 läuft im Hessischen Rundfunk „das audio-literarische Großunterfangen“ (Frankfurter Allgemeine) der vollständigen Lesung von Musils „Mann ohne Eigenschaften“. Das Mammutwerk der Weltliteratur wird erstmals im Rundfunk komplett gesendet. Die erste Sequenz, das erste und zweite Buch des Romans (mit allen 1.041 eng bedruckten Seiten), wird über Monate in 79 Folgen von Montag bis Freitag, jeweils von 14h30 bis 15h auf hr2 ausgestrahlt. Die weiteren von Musil abgeschlossenen Bücher und Kapitel des Romans sind in Vorbereitung und werden ab 2005 gesendet. Sie werden parallel bei Zweitausendeins als Hörbuch erscheinen.

Editionen (20)

ISBN9783861506522
VerlagZweitausendeins
Erscheinungsdatum31.12.06

Rezensionen & Bewertungen

18 Bewertungen

4 Rezensionen

3,3

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  • nancyspencer
    nancyspencer

    42 Follower

    4,0

    Dieses Buch ist kein Spaziergang, sondern eine Bergbesteigung.

    „Die meisten Menschen sind im Grundverhältnis zu sich selbst Erzähler. […] sie lieben das ordentliche Nacheinander von Tatsachen, […] und fühlen sich durch den Eindruck, dass ihr Leben einen Lauf habe, irgendwie im Chaos geborgen.“ (S. 650) „Was kann ich also für meine Seele tun, die wie ein unaufgelöstes Rätsel in mir wohnt?“ (S. 857) Diese Welt und unser Dasein in ihr, sind ein unaufgelöstes Rätsel, ein wildes Chaos, ein unendliches Fließen, was wir kaum wirklich verstanden haben. Und die kläglichen Versuche Ordnung zu schaffen und die Dinge in den Griff zu kriegen, entlarvt Musil als absurd. Er zeigt uns die völlig verknöcherte Gesellschaft im Österreichischen Kaiserreich kurz vor dem ersten Weltkrieg. Und das auf eine ironische, satirische, wirklich urkomische Weise. Ich habe mehrfach laut gelacht! Aber ja, dieser Roman ist kein cozy read, es ist eher als meißelt man sich durch einen Fels … und entdeckt auf dem Weg immer wieder die schillerndsten Kristalle und Diamanten von Gedanken, Reflexionen oder sprachlichen Bildern. Die Handlung steht nicht im Vordergrund, es ist eher ein philosophischer Ideenroman. Unfassbar dicht und geistreich, ein ordentlicher Knochen für den Intellekt, sehr klug, sehr fein beobachtet. Aber natürlich sprachlich manchmal etwas wuchernd und mit Dialogen, die eher theoretischen Essays oder Vorlesungen gleichen, als lebendigen Gesprächen. Es ist ein Fest für den neugierigen Intellekt, ich habe mir sehr viele tolle Zitate rausgeschrieben, emotional hat es mich jedoch kaum berührt. Und es war auch manchmal mühsam. Aber ich habe es trotzdem genossen und es lässt mich beeindruckt zurück.

    16. Jan. 2026

  • semjon
    semjon

    73 Follower

    3,0

    Dieses sogenannte Jahrhundertwerk kann ich nach über teils meisterlichen, teils öden 1.400 Seiten schwer beurteilen. Robert Musil hat den Geist der Gesellschaft vor dem 1. Weltkrieg in Kakanien (Kaiser- und Königreich Österreich-Ungarn) hervorragend eingefangen. Sprachlich und inhaltlich ist es oft brillant, aber im Grunde ist das Buch eine Zumutung, und mir ist nun klar, warum so viele Leser/innen die Lektüre abbrechen. Als Roman empfinde ich es als eine Katastrophe, größtenteils einlullende Geschwätzigkeit beim Philosophieren über für mich Unsinniges oder Irrelevantes. Aber irgendwie ist es dann auch wieder interessant und lehrreich, so dass ich letztlich erstaunt bin, dass ich den Roman ohne Handlung zu Ende gelesen habe. Das Buch ist vielmehr eine philosophische Essaysammlung. Die vorhandene Rahmenhandlung erinnert an ein ganz loses Korsett. Wäre ich interessierter an philosophischen Ideen und Modellen, hätte ich bestimmt eine größere Lesefreude verspürt. Aber eine seitenlange Abhandlung über die Wirkung und das Vorhandensein der Wirklichkeit stellt für mich schon eine Herausforderung dar: „Wenn es aber Wirklichkeitssinn gibt, (...) dann muss es auch etwas geben, das man Möglichkeitssinn nennen kann. So ließe sich der Möglichkeitssinn geradezu als die Fähigkeit definieren, alles, was ebenso gut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist.“ Wenn ich dann mal einen Abbruch in Erwägung zog, folgten auch wieder Passagen voller österreichischem Sarkasmus und feiner Ironie. Die Hauptfigur Ulrich, der Mann ohne Eigenschaften, will ein Jahr Urlaub vom Leben nehmen und gerät dabei in die Salongesellschaft seiner Cousine, die mit der Konzipierung einer sogenannten Parallelaktion befasst ist. Die Österreicher wollen nämlich zum 70. Thronjubiläum ihres Kaisers eine Veranstaltung initiieren, die die parallel laufende Feiervorbereitung der Deutschen für ihren Kaiser in den Schatten stellen soll. Was dann geschieht, erinnert an moderne Arbeitskreissitzung in Unternehmen, denn es wird viel geredet und wenig gehandelt. Das Werk blieb unvollendet, Robert Musil arbeitete noch an seinem Todestag am Buch. Insofern ist das abrupte Ende erwartungsgemäß unbefriedigend. Bedeutsamkeit und teilweise Brillanz würden für fünf Sterne sprechen, begrenzte Lesefreude aufgrund der unnötigen Länge aber eher für zwei Sterne. Insofern entscheide ich mich für eine durchschnittliche Gesamtbewertung.

    23. Feb. 2024

  • semjon.pfalz
    semjon.pfalz

    38 Follower

    3,0

    Dieses sogenannte Jahrhundertwerk kann ich nach über teils meisterlichen, teils öden 1.400 Seiten schwer beurteilen. Robert Musil hat den Geist der Gesellschaft vor dem 1. Weltkrieg in Kakanien (Kaiser- und Königreich Österreich-Ungarn) hervorragend eingefangen. Sprachlich und inhaltlich ist es oft brillant, aber im Grunde ist das Buch eine Zumutung, und mir ist nun klar, warum so viele Leser/innen die Lektüre abbrechen. Als Roman empfinde ich es als eine Katastrophe, größtenteils einlullende Geschwätzigkeit beim Philosophieren über für mich Unsinniges oder Irrelevantes. Aber irgendwie ist es dann auch wieder interessant und lehrreich, so dass ich letztlich erstaunt bin, dass ich den Roman ohne Handlung zu Ende gelesen habe. Das Buch ist vielmehr eine philosophische Essaysammlung. Die vorhandene Rahmenhandlung erinnert an ein ganz loses Korsett. Wäre ich interessierter an philosophischen Ideen und Modellen, hätte ich bestimmt eine größere Lesefreude verspürt. Aber eine seitenlange Abhandlung über die Wirkung und das Vorhandensein der Wirklichkeit stellt für mich schon eine Herausforderung dar: „Wenn es aber Wirklichkeitssinn gibt, (...) dann muss es auch etwas geben, das man Möglichkeitssinn nennen kann. So ließe sich der Möglichkeitssinn geradezu als die Fähigkeit definieren, alles, was ebenso gut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist.“ Wenn ich dann mal einen Abbruch in Erwägung zog, folgten auch wieder Passagen voller österreichischem Sarkasmus und feiner Ironie. Die Hauptfigur Ulrich, der Mann ohne Eigenschaften, will ein Jahr Urlaub vom Leben nehmen und gerät dabei in die Salongesellschaft seiner Cousine, die mit der Konzipierung einer sogenannten Parallelaktion befasst ist. Die Österreicher wollen nämlich zum 70. Thronjubiläum ihres Kaisers eine Veranstaltung initiieren, die die parallel laufende Feiervorbereitung der Deutschen für ihren Kaiser in den Schatten stellen soll. Was dann geschieht, erinnert an moderne Arbeitskreissitzung in Unternehmen, denn es wird viel geredet und wenig gehandelt. Das Werk blieb unvollendet, Robert Musil arbeitete noch an seinem Todestag am Buch. Insofern ist das abrupte Ende erwartungsgemäß unbefriedigend. Bedeutsamkeit und teilweise Brillanz würden für fünf Sterne sprechen, begrenzte Lesefreude aufgrund der unnötigen Länge aber eher für zwei Sterne. Insofern entscheide ich mich für eine durchschnittliche Gesamtbewertung.

    14. Apr. 2024

3 von 4 Rezensionen

SocialReads

Seitenbasierte Kommentare

Seite 101%
nancyspencer
nancyspencer10. Nov. 2025

„Sie gehörten ersichtlich einer bevorzugten Gesellschaftsschicht an, waren vornehm in Kleidung, Haltung und in der Art, wie sie miteinander sprachen, trugen die Anfangsbuchstaben ihrer Namen bedeutsam auf ihre Wäsche gestickt, und ebenso […] in der feinen Unterwäsche ihres Bewusstseins, wussten sie, wer sie seien […].“ Grandios! Und so überraschend modern, der Musil!

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