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Großes Historienkino
"Ihr mögt euch im Reich Neapel ein Lehen angeeignet haben, aber ihr werdet niemals seine Menschen für euch gewinnen." Ildefonso Falcones liefert uns mit "Das Monument der Hoffnung" den dritten Band seiner historischen Romanreihe der Familie Estanyol, der allerdings - wie auch schon Band 2 - auch als Einzelband gut zu lesen ist. In diesem dritten Buch begeben wir uns ins Neapel des 15. Jahrhunderts. Die Renaissance steht schon bereit, um das Mittelalter abzulösen. Arnau Estanyol ist der Enkel des gleichnamigen berühmten Baumeisters, der die Kathedrale Santa Maria del Mar in Barcelona gebaut hat, und der Sohn von Admiral Bernat Estanyol. Arnau steht in der Gunst von König Alfons V. und führt dessen Heer bei der Eroberung Neapels an. Natürlich steigert das Arnaus Ruhm und nicht selten sucht König Alfons seinen Rat. Doch so ein Aufstieg bringt auch eine Menge Neider und Feinde hervor. Vor allem seinem Halbbruder Gaspar Destorrent ist Arnau ein Dorn im Auge und er lässt nichts unversucht, um Arnau zu vernichten. Als Arnau Neapel im Dienste des Königs für längere Zeit verlässt, nutzt Gaspar seine Chance. Zwar konnte er Sofia, sein eigentliches Ziel, nicht für seine Rache benutzen, aber dafür bekam er Marina, Arnaus Mündel in die Finger. Ein Akt, der das Leben der Familie Estanyol über einen langen Zeitraum beherrscht. "Und wir Frauen sind ohne Männer doch gar nichts. Außer einer Ehegemahlin können wir nur Hure oder Nonne werden, also triff deine Wahl." Falcones nimmt uns mit in eine spannende Zeit Italiens, in der das Land in Herzogtümer, Republiken, Königreiche und einen Kirchenstaat aufgeteilt war und ein Teil des Landes noch zu Österreich gehörte. Eine Zeit in der unzählige Kriege und Eroberungsfeldzüge das Leben beherrschten. Es geht um Krieg, Verrat, jede Menge Intrigen, Macht und Manipulation, die Kluft zwischen Adel und einfachem Volk, aber auch um Liebe, den Zusammenhalt der Familie und darum seine Wurzeln nicht zu vergessen. Einen besonderen Augenmerk legt Falcones in diesem Buch auf die Frauen jener Zeit, die in den Augen der Gesellschaft bzw. der Männer absolut wertlos waren und lediglich ein Mittel zum Zweck waren. Frauen galten als unfähig allein zu leben, als dem Mann unterlegen und gar als Ausgeburt des Teufels, da sie Männer verführten. Diese schlechte Meinung über Frauen wurde in erster Linie von der Kirche propagiert und vorangetrieben. Und so waren die Frauen aller Arten von Schikanen und Misshandlungen ausgesetzt, welche von der Kirche und der Rechtssprechung absolut legitimiert waren. "Weib, die Kirche sagt klar und deutlich, dass ihr Frauen unfähig seid und den Schutz und Verstand eines Mannes nötig habt." Ein weiteres großes Thema mit dem sich Falcones hier auseinandersetzt ist die Homosexualität, die damals noch als Sodomie bezeichnet wurde. Lange Zeit war es normal, dass Männer mit Männern verkehrten, bis es die Kirche störte. Männer, die wegen Sodomie angezeigt wurden, verloren alles - ihr Hab und Gut, ihre Titel, alles. Selbstverständlich galt das nicht für Herrscher. Und so nahm sich König Alfons V. selbst seinen Pagen Gabriele Correale zum Lustknaben. "Die Kirche verbreitete landauf, landab Angst und Schrecken, drohte den Gläubigen auf Erden mit schweren Strafen, mit dem Gefängnis und im Jenseits mit dem ewigen Höllenfeuer. All das blühte jenen, die auch nur ein klein wenig von den strengen moralischen Vorgaben abwichen, durch die ihre Freiheit eingeschränkt und ihre Leidenschaft unterdrückt wurde." Falcones Schreibstil ist sehr ausschweifend, was sicherlich nicht jeder mag. Neben all den historischen Begebenheiten legt er - anders als andere Autoren - sein Hauptaugenmerk auf die Menschen in dieser Geschichte. Er schreibt sehr charakterbasiert und setzt sich mit den inneren wie auch äußeren Kämpfen seiner Figuren auseinander. Wie erfahren was diese bewegt und vorantreibt. Ich mochte Arnau besonders gerne: er ist absolut loyal seinem König gegenüber, hat ein immenses Ehrgefühl und ein hohes Pflichtbewusst. Was ihn für sein Leben als Heerführer jedoch auszeichnet, wird ihm im privaten zum Verhängnis. Denn sein gegebenes Wort und seine Loyalität zum König, stehen über seiner Familie. Und so schadet Arnau eher seiner Familie, als sein Wort zu brechen. Zum Glück lernt auch Arnau im Laufe seines Lebens dazu - wenn auch spät.

22. Juni 2026
Großes Historienkino
"Ihr mögt euch im Reich Neapel ein Lehen angeeignet haben, aber ihr werdet niemals seine Menschen für euch gewinnen." Ildefonso Falcones liefert uns mit "Das Monument der Hoffnung" den dritten Band seiner historischen Romanreihe der Familie Estanyol, der allerdings - wie auch schon Band 2 - auch als Einzelband gut zu lesen ist. In diesem dritten Buch begeben wir uns ins Neapel des 15. Jahrhunderts. Die Renaissance steht schon bereit, um das Mittelalter abzulösen. Arnau Estanyol ist der Enkel des gleichnamigen berühmten Baumeisters, der die Kathedrale Santa Maria del Mar in Barcelona gebaut hat, und der Sohn von Admiral Bernat Estanyol. Arnau steht in der Gunst von König Alfons V. und führt dessen Heer bei der Eroberung Neapels an. Natürlich steigert das Arnaus Ruhm und nicht selten sucht König Alfons seinen Rat. Doch so ein Aufstieg bringt auch eine Menge Neider und Feinde hervor. Vor allem seinem Halbbruder Gaspar Destorrent ist Arnau ein Dorn im Auge und er lässt nichts unversucht, um Arnau zu vernichten. Als Arnau Neapel im Dienste des Königs für längere Zeit verlässt, nutzt Gaspar seine Chance. Zwar konnte er Sofia, sein eigentliches Ziel, nicht für seine Rache benutzen, aber dafür bekam er Marina, Arnaus Mündel in die Finger. Ein Akt, der das Leben der Familie Estanyol über einen langen Zeitraum beherrscht. "Und wir Frauen sind ohne Männer doch gar nichts. Außer einer Ehegemahlin können wir nur Hure oder Nonne werden, also triff deine Wahl." Falcones nimmt uns mit in eine spannende Zeit Italiens, in der das Land in Herzogtümer, Republiken, Königreiche und einen Kirchenstaat aufgeteilt war und ein Teil des Landes noch zu Österreich gehörte. Eine Zeit in der unzählige Kriege und Eroberungsfeldzüge das Leben beherrschten. Es geht um Krieg, Verrat, jede Menge Intrigen, Macht und Manipulation, die Kluft zwischen Adel und einfachem Volk, aber auch um Liebe, den Zusammenhalt der Familie und darum seine Wurzeln nicht zu vergessen. Einen besonderen Augenmerk legt Falcones in diesem Buch auf die Frauen jener Zeit, die in den Augen der Gesellschaft bzw. der Männer absolut wertlos waren und lediglich ein Mittel zum Zweck waren. Frauen galten als unfähig allein zu leben, als dem Mann unterlegen und gar als Ausgeburt des Teufels, da sie Männer verführten. Diese schlechte Meinung über Frauen wurde in erster Linie von der Kirche propagiert und vorangetrieben. Und so waren die Frauen aller Arten von Schikanen und Misshandlungen ausgesetzt, welche von der Kirche und der Rechtssprechung absolut legitimiert waren. "Weib, die Kirche sagt klar und deutlich, dass ihr Frauen unfähig seid und den Schutz und Verstand eines Mannes nötig habt." Ein weiteres großes Thema mit dem sich Falcones hier auseinandersetzt ist die Homosexualität, die damals noch als Sodomie bezeichnet wurde. Lange Zeit war es normal, dass Männer mit Männern verkehrten, bis es die Kirche störte. Männer, die wegen Sodomie angezeigt wurden, verloren alles - ihr Hab und Gut, ihre Titel, alles. Selbstverständlich galt das nicht für Herrscher. Und so nahm sich König Alfons V. selbst seinen Pagen Gabriele Correale zum Lustknaben. "Die Kirche verbreitete landauf, landab Angst und Schrecken, drohte den Gläubigen auf Erden mit schweren Strafen, mit dem Gefängnis und im Jenseits mit dem ewigen Höllenfeuer. All das blühte jenen, die auch nur ein klein wenig von den strengen moralischen Vorgaben abwichen, durch die ihre Freiheit eingeschränkt und ihre Leidenschaft unterdrückt wurde." Falcones Schreibstil ist sehr ausschweifend, was sicherlich nicht jeder mag. Neben all den historischen Begebenheiten legt er - anders als andere Autoren - sein Hauptaugenmerk auf die Menschen in dieser Geschichte. Er schreibt sehr charakterbasiert und setzt sich mit den inneren wie auch äußeren Kämpfen seiner Figuren auseinander. Wie erfahren was diese bewegt und vorantreibt. Ich mochte Arnau besonders gerne: er ist absolut loyal seinem König gegenüber, hat ein immenses Ehrgefühl und ein hohes Pflichtbewusst. Was ihn für sein Leben als Heerführer jedoch auszeichnet, wird ihm im privaten zum Verhängnis. Denn sein gegebenes Wort und seine Loyalität zum König, stehen über seiner Familie. Und so schadet Arnau eher seiner Familie, als sein Wort zu brechen. Zum Glück lernt auch Arnau im Laufe seines Lebens dazu - wenn auch spät.
22. Juni 2026





