Blick ins Buch

Romane

Grand Tour oder die Nacht der Grossen Complication

3,8(6)
Nicht lieferbarKostenloser Versand
Jetzt kaufen

Über das Buch

Zarter Flugschatten Wir betreten die Bahnhöfe: fast immer in der Stadtmitte gelegen, an ihren Vorderseiten kolossal den großen Boulevards geöffnet, Einfallstore in eine Welt aus Fahrplänen und Destinationen. Wir betreten die Bahnhöfe, an irgendeinem Ort, stehen vor der Pariser Gare de l'Est, unser Blick wandert über die Front, wir erheben uns, passieren die hundert Jahre alten Figurinen des Verkehrs und des modernen Fortschritts, setzen uns kurz auf einen der Vorsprünge, von deren Höhe aus die scheinbar chaotische Bewegung des Kommens und Gehens der Reisenden eine Ordnung erhält, eine Logik des Austauschs und des freien Fließens, die, je höher wir steigen, desto geschmeidiger und natürlicher erscheint, wie auch die Stränge der Schienen, die undurchschaubar und wahllos wirken, solange man sich auf gleicher Höhe mit ihnen befindet. Doch jetzt, in diesem Augenblick, da wir den Bahnhof Milano Centrale endgültig überblicken und die klassische Anordnung seiner kolossalen Treppenhäuser begriffen haben, wenden wir uns wieder nach Norden und ermessen bewundernd den Strauß von Richtungen und Verzweigungen, die sich uns darbieten. Es ist ganz egal, welchem der Schienenstränge wir folgen: Sie führen fort, verzweigen sich immer weiter und weiter, bis sie in der selbstbewußt aufragenden Südostseite des Genfer Hauptbahnhofs enden, in der theatralischen Kulisse des Bahnhofs von Straßburg, in Genuas orientalischer Phantasmagorie mit ihrer kleinen, spitzen Kuppel und den in die Felsen gebauten Bahnsteigen, die langgestreckten, kühlen Höhlen gleichen. Wir umschweben das zierliche, in den Stadtverkehr gesenkte Portal des Hauptbahnhofs Kopenhagen, Helsinkis schweigende Wächter, die riesigen Granitfiguren, die gewaltige leuchtende Kugeln in die nordische Nacht hineinhalten, spüren die Hektik von Santa Maria Novella in Florenz oder die atemberaubende Weitläufigkeit von Wien West, um schließlich auf den Gedanken zu kommen, uns irgendwo im Inneren der Bahnhöfe niederzulassen und den Flug zu unterbrechen. Dort allerdings, auf den Stahlträgern, den Säulen und den gegen alle Schwere in lichten Bögen geschwungenen eisernen Balustraden, wimmelt es von spitzen Stacheln und von hinterhältigen Drähten, die uns Stromschläge versetzen. Man duldet uns nicht, man vertreibt uns, kaum daß wir uns irgendwo niedergelassen haben. Also durchqueren wir ruhelos die Hallen, fliegen zwischen den Ausgängen hin und her, sammeln uns auf den Vorplätzen, schwärmen auf, und manchmal lassen wir uns in die ruhigen Winkel voller Zigarettenstummel und Abfall treiben, in denen wir plötzlich alleine sind, und für uns. Eine einzelne. Eine unter vielen. Da ist sie. Gehen Sie auf Grand Tour

Editionen (5)

ISBN9783821808970
VerlagEichborn
Erscheinungsdatum28.02.02
Seitenzahl680

Rezensionen & Bewertungen

6 Bewertungen

3 Rezensionen

3,8

Tippen zum Filtern

  • fredybader1966
    fredybader1966

    278 Follower

    2,0

    Nicht mein Ding, zu wenig Action. Aber durch gebissen bis zum Schluss

    21. Dez. 2024

  • 5,0

    Für alle, die das Reisen lieben!

    Ich fand das Buch richtig gut – vor allem, wie Kopetzky das Gefühl vom Unterwegssein beschreibt. Diese Mischung aus Freiheit und Zufall hat mich echt abgeholt. Wer gerne reist, wird sich da auf jeden Fall wiederfinden. Der Stil ist richtig schön zu lesen, mit viel Liebe zum Detail, und die Story ist ziemlich vielschichtig. Es laufen mehrere Handlungen nebeneinander, aber das macht es gerade spannend. Besonders das Ende hat mir nochmal richtig gut gefallen – es rundet die ganze Reise perfekt ab. Außerdem erfährt man viel über Nachtzüge – ein super interessantes Thema, das im Buch einen tollen, besonderen Einblick bekommt. Für mich ein echtes Highlight!

    6. Mai 2025

  • verleseratte
    verleseratte

    19 Follower

    3,5

    «Grand Tour oder die Nacht der Großen Complication». Die Fantasie des Autors ist überbordend. Manchmal wäre weniger mehr gewesen. Aber auch wenn ich mich an einigen Stellen durchbeißen musste, habe ich „Grand Tour“ insgesamt gerne gelesen. _____

    Leo (Leonard) Pardell, 28, Student in Berlin, verdingt sich in München bei der „Companie“ als Schlafwagenschaffner. Zuvor ist er einem Betrug aufgesessen: Weder der gebuchte und teuer bezahlte Sprachkurs noch die dazugehörige Sprachschule in Buenos Aires oder der Flug dorthin existieren. Was nun? Da kommt ihm die „Companie“ gerade recht. Ganz andere Probleme hat der stinkreiche, dem Dauersuff verfallene Friedrich Baron von Reichenhausen. Auf der verzweifelten Suche nach einer wertvollen Uhr, der „Ziffer à Grande Complication 1924“, einem Meisterwerk der Uhrmacherkunst, erlebt er eine wahre Odyssee – und erkennt am Ende, in seinem ersten nüchternen Moment seit Jahren, was seine Gier aus ihm gemacht hat. Pardell wiederum, der nach anfänglichen Schwierigkeiten in seinem Leben als Schlafwagenschaffner aufblüht, lernt auf seinen intereuropäischen Reisen witzige, bisweilen skurrile Typen kennen, gerät in absurde Situationen und wird unwissentlich in eine lebensgefährliche Intrige rund um Drogenhandel hineingezogen. Doch damit nicht genug: In dem 736 Seiten starken Roman von Steffen Kopetzky passiert noch weit mehr. Allerdings beschleicht einen das Gefühl, dass hier an einigen Stellen zu viel gewollt ist. Weniger wäre mehr gewesen oder "kill your darlings". Die Fantasie des Autors ist einfach überbordend – zuweilen verliert er sich in bis ins kleinste Detail gehende Beschreibungen, deren Relevanz sich nicht immer erschließt. Das bremst die Handlung aus, nimmt ihr das Tempo und lässt sie streckenweise zäh wirken. Im letzten Viertel zieht Kopetzky sein Tempo deutlich an. Es macht große Freude zu verfolgen, wie er sein Finale aufbaut und den Schluss zelebriert. Auch wenn ich mich an einigen Stellen durchbeißen musste, habe ich „Grand Tour“ insgesamt gerne gelesen.

    «Grand Tour oder die Nacht der Großen Complication». 
Die Fantasie des Autors ist überbordend. Manchmal wäre weniger mehr gewesen. Aber auch wenn ich mich an einigen Stellen durchbeißen musste, habe ich „Grand Tour“ insgesamt gerne gelesen.

_____

    23. März 2026

Lesen ist schöner mit der READO App.

Bücher entdecken, tracken, gemeinsam lesen.

Bibliothek

Behalte den Überblick