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Elli Kolb hat für mich ein besonderes Talent im Erschaffen von unvergleichlichen Freund*innen-Universen. Schon bei ihrem ersten Roman „9 Grad“ kam in mir der Wunsch auf, ein Teil dieses Universums der jungen Erwachsenen zu sein, und so ging es mir nun auch mit „Das Leuchten des Himmels an dunklen Tagen“. Bezaubernd, wie Elli Kolb es schafft, Freundschaften so zu erzählen, dass man alle Facetten davon nachempfinden kann und Ehrlichkeit ganz groß gelebt wird. „Das Leuchten des Himmels an dunklen Tagen“ erzählt die Geschichte von Romy. Als Romys Großvater Egon im Sterben liegt, kommt sie ins Straucheln. Sie lebt seit dem zehnten Lebensjahr bei ihrem Opa, da ihre alleinerziehende Mutter sich weiterbilden wollte. Egon war ihr eine große Stütze in ihrem Leben. Als der Großvater dann verstirbt, gerät sie in eine Art Abgrund und verliert etwas ihren Halt. Auf einer Party lernt sie Jakob kennen und durch ihn scheint sie langsam einen Weg aus dem Abgrund zu finden. Doch die Zeit mit ihm ist begrenzt. Aber auch die kranke Taube, die ihr begegnet und die sie zur Pflege mit nach Hause nimmt, unterstützt sie dabei, einen Zugang zu ihren Gefühlen zu finden. So nähert sie sich der Trauer um ihren Großvater, da Egon ebenfalls ein großer Taubenliebhaber war. Erst mal möchte ich die kluge Lösung der Triggerwarnung loben. Vorne erwähnt, hinten beschrieben, so kann man selbst entscheiden, ob man die ganzen Warnungen lesen möchte. Und ich fand diese Warnungen sehr hilfreich, denn viele Beschreibungen, die zum Thema Abschiednehmen und Trauer erzählt werden, konnte ich zu 100 % nachempfinden. Worte, die einem im Kopf stecken bleiben, den Tod, den man „überspielt“, Panik, die einen ergreift, und das Sich-Öffnen gegenüber „Fremden“ waren für mich sehr nachvollziehbare Verhaltensweisen einer trauernden Person. Auch die Freundesgruppe um Romy fand ich wieder sehr gut dargestellt. Freund*innen mit Ecken und Kanten, Wahrheiten, die ausgesprochen werden, Eifersucht, die aufkommt, und doch auch immer eine Zärtlichkeit, die zu spüren ist. Die Erzählungen zu den Tauben waren für mich Neuland. Ich habe tatsächlich viel über Tauben neu dazugelernt und habe gemerkt, wie ich dadurch in der Realität auf die Füße und den Gang der Tauben in meiner Stadt achte. Doch leider hab ich das Zusammenspiel dieser zwei Geschichten nicht ganz nachfühlen können. So war mir Romys emotionale Ebene sehr nah und ich wäre gerne tiefer darin abgetaucht. Ich glaube, verstanden zu haben, welche Bilder mir durch die Genesung der Taube vermittelt wurden, aber leider haben sie mich emotional nicht so gepackt. Ich hab dieses Buch wirklich schnell durchgelesen, deswegen glaub ich, dass all die Leser*innen, die eine starke Verbindung zu Tieren aufbauen können, damit große Freude haben werden. S.35 „Aber irgendwie fühlte ich gar nichts, als ich mich so durchklickte, und ich fragte mich, ob es eine spezifisch moderne Form von Einsamkeit war, am Leben von so vielen Menschen teilhaben zu können, ohne wirklich an irgendeinem anderen Leben teilzuhaben.“ S.50 „Egon hätte diese Taube mitgenommen, dachte ich. So viel hatte er mir beigebracht: Aufgeplusterte Tauben am Boden, vor allem aufgeplusterte Tauben am Boden nach Einbruch der Dunkelheit, hatten ein ernsthaftes Problem.“ S.74 „Aber meine Mutter schwieg und knetete ihre Hände. Die Sonne schien in ihre Augen, sodass ich den hellen gelben Ring um ihre Iris sah, denselben Ring, den Egon auch hatte. Ich selbst hatte braune Augen wie mein Vater, und plötzlich fand ich die Vorstellung gruselig, wie viele Mensch vor mir hatten leben müssen, damit am Ende ich dabei rauskommen konnte….“ S.192 „Für mich war das aber gerade das Tolle an Tauben - dass eben immer eine da war, irgendwo. Ich konnte überall etwas finden, was ich liebte, ich war nie ganz allein, irgendwo war immer eine Taube.“
14. Nov. 2025
Elli Kolb hat für mich ein besonderes Talent im Erschaffen von unvergleichlichen Freund*innen-Universen. Schon bei ihrem ersten Roman „9 Grad“ kam in mir der Wunsch auf, ein Teil dieses Universums der jungen Erwachsenen zu sein, und so ging es mir nun auch mit „Das Leuchten des Himmels an dunklen Tagen“. Bezaubernd, wie Elli Kolb es schafft, Freundschaften so zu erzählen, dass man alle Facetten davon nachempfinden kann und Ehrlichkeit ganz groß gelebt wird. „Das Leuchten des Himmels an dunklen Tagen“ erzählt die Geschichte von Romy. Als Romys Großvater Egon im Sterben liegt, kommt sie ins Straucheln. Sie lebt seit dem zehnten Lebensjahr bei ihrem Opa, da ihre alleinerziehende Mutter sich weiterbilden wollte. Egon war ihr eine große Stütze in ihrem Leben. Als der Großvater dann verstirbt, gerät sie in eine Art Abgrund und verliert etwas ihren Halt. Auf einer Party lernt sie Jakob kennen und durch ihn scheint sie langsam einen Weg aus dem Abgrund zu finden. Doch die Zeit mit ihm ist begrenzt. Aber auch die kranke Taube, die ihr begegnet und die sie zur Pflege mit nach Hause nimmt, unterstützt sie dabei, einen Zugang zu ihren Gefühlen zu finden. So nähert sie sich der Trauer um ihren Großvater, da Egon ebenfalls ein großer Taubenliebhaber war. Erst mal möchte ich die kluge Lösung der Triggerwarnung loben. Vorne erwähnt, hinten beschrieben, so kann man selbst entscheiden, ob man die ganzen Warnungen lesen möchte. Und ich fand diese Warnungen sehr hilfreich, denn viele Beschreibungen, die zum Thema Abschiednehmen und Trauer erzählt werden, konnte ich zu 100 % nachempfinden. Worte, die einem im Kopf stecken bleiben, den Tod, den man „überspielt“, Panik, die einen ergreift, und das Sich-Öffnen gegenüber „Fremden“ waren für mich sehr nachvollziehbare Verhaltensweisen einer trauernden Person. Auch die Freundesgruppe um Romy fand ich wieder sehr gut dargestellt. Freund*innen mit Ecken und Kanten, Wahrheiten, die ausgesprochen werden, Eifersucht, die aufkommt, und doch auch immer eine Zärtlichkeit, die zu spüren ist. Die Erzählungen zu den Tauben waren für mich Neuland. Ich habe tatsächlich viel über Tauben neu dazugelernt und habe gemerkt, wie ich dadurch in der Realität auf die Füße und den Gang der Tauben in meiner Stadt achte. Doch leider hab ich das Zusammenspiel dieser zwei Geschichten nicht ganz nachfühlen können. So war mir Romys emotionale Ebene sehr nah und ich wäre gerne tiefer darin abgetaucht. Ich glaube, verstanden zu haben, welche Bilder mir durch die Genesung der Taube vermittelt wurden, aber leider haben sie mich emotional nicht so gepackt. Ich hab dieses Buch wirklich schnell durchgelesen, deswegen glaub ich, dass all die Leser*innen, die eine starke Verbindung zu Tieren aufbauen können, damit große Freude haben werden. S.35 „Aber irgendwie fühlte ich gar nichts, als ich mich so durchklickte, und ich fragte mich, ob es eine spezifisch moderne Form von Einsamkeit war, am Leben von so vielen Menschen teilhaben zu können, ohne wirklich an irgendeinem anderen Leben teilzuhaben.“ S.50 „Egon hätte diese Taube mitgenommen, dachte ich. So viel hatte er mir beigebracht: Aufgeplusterte Tauben am Boden, vor allem aufgeplusterte Tauben am Boden nach Einbruch der Dunkelheit, hatten ein ernsthaftes Problem.“ S.74 „Aber meine Mutter schwieg und knetete ihre Hände. Die Sonne schien in ihre Augen, sodass ich den hellen gelben Ring um ihre Iris sah, denselben Ring, den Egon auch hatte. Ich selbst hatte braune Augen wie mein Vater, und plötzlich fand ich die Vorstellung gruselig, wie viele Mensch vor mir hatten leben müssen, damit am Ende ich dabei rauskommen konnte….“ S.192 „Für mich war das aber gerade das Tolle an Tauben - dass eben immer eine da war, irgendwo. Ich konnte überall etwas finden, was ich liebte, ich war nie ganz allein, irgendwo war immer eine Taube.“
14. Nov. 2025






