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Romane

Heimweh im Paradies

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Über das Buch

»Wie kann man über Thomas Mann heute schreiben? So: geistreich, komisch und mit lässigem Ernst.« SAŠA STANIŠIĆ Atmosphärisch dicht erzählt Martin Mittelmeier von den Hoffnungen, Begegnungen und Zweifeln des Nobelpreisträgers Thomas Mann, der mit fast siebzig Jahren unter der kalifornischen Sonne seine Werte hinterfragen musste. Los Angeles in den 1940er-Jahren. Hier sind sie gestrandet, die im Deutschland der Nationalsozialisten keine Heimat mehr haben oder haben wollen: Arnold Schönberg, Theodor W. Adorno, Lion Feuchtwanger, Bertolt Brecht, Helene Weigel, Max Horkheimer, Vicki Baum, Hanns Eisler, Franz und Alma Werfel – und allen voran: Thomas Mann, der Jahrhundertschriftsteller. Bei Drinks tauschen sie sich intellektuell, künstlerisch und politisch aus, doch die paradiesische Umgebung bildet einen seltsamen Kontrast zu den bedrückenden Nachrichten aus Europa. Denn das Leben hier in Pacific Palisades kreist vor allem um die Frage nach der in der deutschen Kultur und Sprache verwurzelten Identität, die mehr und mehr gefährdet scheint. Was kann Kunst, deutsche Kunst angesichts des Schreckens sein? Thomas Mann sucht nach Antworten, sendet Radioansprachen an »Deutsche Hörer« und spürt in ›Doktor Faustus‹ den Wurzeln des Nationalsozialismus nach. »Die Sonne von Südkalifornien gibt für Martin Mittelmeier die ideale Beleuchtung ab, um mit großer Leichtigkeit die schweren Fragen von Kunst und Politik zu stellen.« PHILIPP FELSCH

Editionen (3)

ISBN9783755810865
VerlagDuMont Buchverlag
Erscheinungsdatum11.03.25
Seitenzahl192

Rezensionen & Bewertungen

25 Bewertungen

6 Rezensionen

3,6

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  • lustaufbuch
    lustaufbuch

    225 Follower

    4,0

    »Zuhause ist, wo er schreiben kann.«

    Martin Mittermeier nimmt uns mit auf eine Reise ins amerikanische Exil Thomas Manns. Genauer gesagt von 1938 bis zu seiner Rückkehr nach Europa. Wie lebt man im Exil, so fernab der eigentlichen Heimat, umgeben von einer ganz anderen Kultur? Konnte Thomas Mann sich mit diesen Umständen arrangieren und seinem gewohnten Schreibrhythmus nachgehen? Immerhin haben sich einige befreundete Schriftsteller und andere bekannte Persönlichkeiten in unmittelbarer Umgebung niedergelassen; Kontakte auf geistiger Augenhöhe waren somit allemal geboten! In Mittelmeiers Buch begegnet man auch anderen Schriftstellern wie Franz Werfel, Alfred Döblin, Lion Feuchtwanger oder Bertolt Brecht. Dementsprechend liegt der Schwerpunkt zwar auf Thomas Mann – vom Autor als König der Emigranten bezeichnet –, dennoch wird das Leben im amerikanischen Exil grundsätzlich beschrieben und beschränkt sich nicht nur auf ihn. Sie alle haben ihre Heimat verloren und mal mehr und mal weniger eine neue gefunden, doch bedrücken die allgegenwärtigen Auswirkungen des Dritten Reichs alle. Auch als der Krieg nun vorbei war, wusste er, dass er nie wieder dauerhaft nach Deutschland zurückkehren wird. So fand er seine letzte Stätte in der benachbarten Schweiz, die ihm schon zu Beginn seines Exils, ein Zuhause war: »Deutschland hat er ja in sich, das äußere erträgt er nicht.« Natürlich finden auch die Werke, an denen Mann zur jeweiligen Zeit aktuell geschriebene hat, Erwähnung. Es geht u.a. über den vierten Band der Joseph-Tetralogie, den „Erwählten“, aber besonders um den „Doktor Faustus“ und sein diesbezügliches Verhältnis zu Adorno und Schönberg. Zu Beginn empfand ich das Buch manchmal zu langatmig und zu abschweifend, doch je mehr ich las, desto besser gefiel es mir, auch wenn es von einer sprunghaften Dynamik bestimmt wurde. Zwischen mal humorvollen und dann wieder ernsteren Abschnitten wechselnd, erzählt Martin Mittelmeier eine punktuelle biografische Annäherung Thomas Manns, ausgehend von seinen amerikanischen Jahren.

    »Zuhause ist, wo er schreiben kann.«

    11. März 2025

  • kingofmusic
    kingofmusic

    224 Follower

    3,0

    Trockenes Paradies „Große Ereignisse“ oder Jubiläen großer Schriftsteller werden gerne benutzt, um der (meist) schier unübersichtlichen Menge an Literatur zu dieser Person weitere hinzuzufügen. Nerds und Fans stürzen sich drauf. Da kann sich der Verfasser dieser Zeilen nicht von ausschließen… Sei´s drum. In diesem Jahr jährt sich der Geburtstag von Thomas Mann am 6. Juni zum 150. Mal. Es gibt zahlreiche Abhandlungen über sein Werk, seine Familie – ja, selbst über seinen Schreibtisch, der bei jedem Umzug mitmusste, gibt es ein Werk. Und Thomas Mann ist oft umgezogen. So auch – um zum Kern zu kommen – in seiner Zeit im amerikanischen Exil, wo er ab 1938 bis 1952 mit seiner Frau Katia gelebt hat. Von dieser bewegten Zeit (nicht nur für Thomas Mann sondern für die ganze Welt) erzählt Martin Mittelmeier in seinem Buch „Heimweh im Paradies: Thomas Mann in Kalifornien“; erschienen im März 2025 im DuMont Buchverlag. Etliche Begegnungen mit zahlreichen Exilanten haben Einzug gehalten; das Namedropping spare ich mir an dieser Stelle. Die wichtigsten Treffen waren sicherlich die mit Theodor W. Adorno und Arnold Schönberg, die schließlich in der Veröffentlichung von „Doktor Faustus“ münden. Und genau hier liegt (für mich) ein Knackpunkt der vorliegenden Veröffentlichung: es gibt nämlich neben durchaus interessanten Passagen über das Innenleben Thomas Manns oder die ein oder andere witzige Anekdote im amerikanischen Exil des Literaturnobelpreisträgers endlos lange philosophische und musiktheoretische Abhandlungen, die mich als Leser mehr ermüdet haben, als dass sie mich lesend bei der Stange gehalten hätten. Immerhin (das muss ich dem Autor zugutehalten) weiß ich jetzt, dass ich den Roman „Doktor Faustus“ nicht ohne den erläuternden Band „Die Entstehung des Doktor Faustus“ lesen werde, zu dessen Publikation sich Thomas Mann aufgrund eines Streits mit Arnold Schönberg „gezwungen“ sah. Hervorheben muss ich auch ganz klar die von Martin Mittelmeier geleistete Quellenarbeit. Die von ihm benutzten Quellen und dazugehörige Anmerkungen können geneigte Leser:innen über einen QR-Code einsehen, der am Ende des Buches abgedruckt ist. Der Autor hat also bei weitem nicht alles falsch gemacht, nur hat es mich persönlich nicht ganz erreicht. Daher kann ich auch nur eine bedingte Leseempfehlung aussprechen und vergebe 3*. ©kingofmusic

    3. März 2025

  • kingofmusic
    kingofmusic

    224 Follower

    3,5

    Respekt vor der Quellenarbeit des Autors, aber in großen Teilen zu theoretisch und kompliziert. Mehr dazu dann in meiner Rezension.

    2. März 2025

3 von 6 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Martin Mittelmeier

MARTIN MITTELMEIER, 1971 geboren, war 13 Jahre lang Lektor und Programmleiter bei renommierten Publikumsverlagen. Seit 2014 ist er freier Lektor und Autor. Im Jahr 2019 war er Visiting Scholar an der Rutgers University in New Jersey. Bislang erschienen von ihm ›Adorno in Neapel. Wie sich eine Sehnsuchtslandschaft in Philosophie verwandelt‹ (2015), ›Dada. Eine Jahrhundertgeschichte‹ (2016) und ›Freiheit und Finsternis. Wie die Dialektik der Aufklärung zum Jahrhundertbuch wurde‹ (2021).

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