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Psychologie der Massen

3,6(102)
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Deutsch
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Über das Buch

Le Bons Werk über die Psychologie der Massen ist das Gründungswerk der modernen Massenpsychologie, Medienpsychologie und Werbepsychologie. Einleitend schreibt Le Bon: Die organisierten Massen haben zu allen Zeiten eine wichtige Rolle im Völkerleben gespielt, niemals aber in solchem Maße wie heute. Die unbewusste Wirksamkeit der Massen, die an die Stelle der bewussten Tatkraft der einzelnen tritt, bildet ein wesentliches Kennzeichen der Gegenwart. Ich habe versucht, das schwierige Problem der Massen in streng wissenschaftlicher Weise zu behandeln, also methodisch und unbekümmert um Meinungen, Theorien und Doktrinen. Die Psychologie der Massen erschien 1895. Sigmund Freud setzt sich in seinen massenpsychologischen Studien intensiv mit Le Bons Psychologie der Massen auseinander und nennt Le Bons Psychologie der Massen eine glänzend vorgetragene Schilderung der Massenseele. Die negativen Erscheinungen des Massenverhaltens sind gemäß Le Bon vor allem dem Vorherrschen des Unbewussten zuzuschreiben. Der Einzelne verliere in der Masse seine Kritikfähigkeit und verhalte sich vorwiegend affektiv. Durch die Psychologie der Masse sei der Einzelne leichtgläubiger und unterliege der psychischen Ansteckung, also der Verbreitung der gleichen Gefühlslage unter allen Zugehörigen der Masse. Somit sei die Masse von Führern leicht zu lenken. Aus heutiger Sicht liest sich Le Bons Psychologie der Massen wie eine strukturpsychologische Analyse des Hitlerismus und der faschistischen Gesellschaft. Hitler benutzte Le Bons Massenpsychologie als Handhabung zur Suggestion für seine Willkürherrschaft. Auch massenpsychologische Phänomene weit außerhalb der Politik sind Le Bons Analyse zugänglich. Die von Le Bon beschriebene psychologische Ansteckung bei verminderter Urteilsfähigkeit des Einzelnen spielt auch bei Börsenhypes eine Rolle.

Editionen (23)

ISBN9783744819879
VerlagBoD – Books on Demand
Erscheinungsdatum12.05.17
Seitenzahl188

Rezensionen & Bewertungen

102 Bewertungen

20 Rezensionen

3,6

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  • edik777
    edik777

    140 Follower

    4,0

    Verständlich erklärt, warum Menschen in der Menge anders handeln

    Psychologie der Massen“ von Gustav Le Bon hat mich überrascht es ist wie eine Art Blick hinter die Kulissen menschlicher Dynamik. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, eine präzise Anleitung in der Hand zu halten, wie sich Menschen in der Gruppe beeinflussen lassen, beunruhigend klar und faszinierend. Besonders als jemand ohne tiefes Vorwissen oder besser gesagt als Psychologie Leihe, empfand ich die Gedanken erstaunlich verständlich und greifbar. Ich konnte mir gut vorstellen, wie gerade Staatsführer oder Machthaber diese Einsichten nutzen, um Massen gezielt zu lenken.

    Verständlich erklärt, warum Menschen in der Menge anders handeln

    19. Nov. 2025

  • wirr
    wirr

    152 Follower

    Ein sprödes Werk, dass unbedingt historisch einzuordnen ist

    Wie bewertet man so ein Buch? Einerseits sind die Aussagen und Thesen stark veraltet und müssen unbedingt im Kontext der Zeit des Erscheinens (1895) betrachtet werden. Viele Aussagen sind aus heutiger Sicht so dermaßen rassistisch und sexistisch, dass es nicht verwunderlich ist, dass Goebbels und Hitler so viel Begeisterung für dieses Werk aufbringen konnten. Dass sie es aber so wirkungsvoll für eine ganze Propagandamaschinerie nutzen konnten, zeigt - und hier folgt mein andererseits - dass viele der aufgestellten Thesen durchaus nicht von der Hand zu weisen sind, wenn es um die Psychologie der Massen geht. Le Bon war einer der Begründer dieses Forschungszweiges und sein Einfluss ist bis heute erkennbar, da sich einige seiner zentralen Thesen noch erstaunlicher Aktualität erfreuen. Dan Hancox, ein britischer Journalist, bezeichnete LeBon als „proto-fascist“ und ich denke, da kann ich mitgehen. Doch wie es bei historischen Werken (z.B. auch bei Werken von Kant, Rousseau usw.) eben häufig der Fall ist, bringt es wenig Erkenntnis ein Werk rundheraus abzulehnen oder zu verleumden, wenn zwischen all dem was getrost weg kann, weil es glücklicherweise veraltet ist, auch sinnvolles Wissen enthalten ist. Die (stark vereinfachte) Grundthese des Buches lautet, dass der Mensch sich in der Masse anders verhält und das Individuum sich eben dieser in vielen Aspekten unterordnet. Die Masse ist weitaus einfacher zu bewegen und zu manipulieren als der Einzelne. Die aktuelle politische Weltlage, der Erfolg, den populistische Rattenfänger verzeichnen und nicht zuletzt die Abkehr von Faktenwissen unterstreichen die Gültigkeit einiger von Le Bons Thesen. Das finde ich insofern besonders interessant, dass sich der grundlegende Mechanismus menschlichen Verhaltens in der Masse offensichtlich nicht besonders weiterentwickelt hat. Technologisch mag der Fortschritt immens sein, aber gesellschaftlich? Die Lesbarkeit des Buches habe ich als spröde empfunden. Dieser Text ist nichts für nebenbei und zwischendurch, sondern erfordert durchaus geistige Anwesenheit. Ich habe mich außerdem oft gefragt, inwieweit die hier aufgestellten Thesen empirisch untermauert waren. In neuen Veröffentlichungen zum Thema liest man immer wieder, dass Forschung im Bereich der Massenpsychologie sich als eher schwierig erweist. Ich habe einen Kommentar zum Buch gelesen, der es eher als historisches und nicht als wissenschaftliches Werk einordnet und ich denke, dem stimme ich vollumfänglich zu. Ich fand es sehr interessant, dieses Werk zu lesen und kann es daher unter Berücksichtigung der oben genannten Kritikpunkte empfehlen.

    2. Juli 2026

  • karandi
    karandi

    245 Follower

    5,0

    Sollte man gelesenen haben

    Meiner Meinung nach ist dieses Buch ein absolutes Pflichtwerk – eines, das gerne auch in Schulen behandelt werden sollte. Es zeigt eindrücklich, wie das Denken eines Individuums durch die Zugehörigkeit zu einer Masse beeinflusst werden kann. Jeder Mensch weiß, wie wichtig Gemeinschaft ist. Natürlich geht man im Leben auch manchmal eigene Wege – ich würde mich selbst teilweise dazu zählen. Dennoch kann ein Mensch ohne soziale Kontakte psychisch krank werden. Dieses Buch macht jedoch deutlich, was passieren kann, wenn man aufhört, sich über sich selbst zu definieren, und sich nur noch über die Gruppe identifiziert, der man angehört. Viele der bekanntesten und zugleich grausamsten Diktatoren der Geschichte haben sich mit solchen Mechanismen beschäftigt – auch wenn dieses Buch keineswegs als Anleitung gedacht ist, um Massen zu manipulieren. Im Gegenteil: Es zeigt, wie – wie schon der Titel andeutet – die Psychologie innerhalb einer Masse funktioniert. Anhand erschreckender Beispiele, unter anderem aus dem 19. Jahrhundert, wird deutlich, wie Menschen fernab von gesundem Menschenverstand bereit sind, Unschuldige hinrichten zu lassen – und dabei noch glauben, etwas Gutes zu tun. Sie schenken Aussagen Glauben, ohne sie zu hinterfragen, und wählen oft den einfacheren Weg, anstatt kritisch zu prüfen, ob das Geschehen überhaupt gerechtfertigt ist. Eine Passage werde ich nicht vergessen: Es wird beschrieben, wie Frauen Bänke zurechtrücken, um bei einer Hinrichtung besser sehen zu können. In solchen Momenten fehlt jegliches Schuldbewusstsein, weil die Menschen so stark indoktriniert sind, dass sie sich selbst für die „Guten“ halten. Man muss dabei auch an das antike Rom und das Kolosseum denken. Dort war es fast schon eine Familienaktivität, Kämpfe und Hinrichtungen zu beobachten – und danach gemeinsam essen zu gehen. Gleichzeitig sahen sich viele dieser Menschen selbst als moralisch gut. So sehr kann die Wahrnehmung eines Menschen verzerrt werden, wenn die richtigen Einflüsse wirken. Genau hier setzt dieses Buch an: Es regt dazu an, eigene Entscheidungen zu hinterfragen. Gemeinschaft ist wichtig – aber nicht um jeden Preis.

    3. Apr. 2026

3 von 20 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Gustave Le Bon

Gustave Le Bon (1841 bis 1931) war ein französischer Sozialpsychologe. Er gilt als Begründer der Massenpsychologie. Auf ausgedehnten Reisen nach Nordafrika und Indien sammelte Le Bon gesellschaftlichen Beobachtungen, die er später mit seinen Erfahrungen in Frankreich verglich. Er befasste sich systematisch mit der menschlichen Gesellschaft, mit Psychologie und Ethnologie. Seine wissenschaftlichen Studien machten ihn schon zu Lebzeiten zu einem einflussreichen Soziologen. Die Psychologie der Massen verhalf ihm zu weltweiter Berühmtheit.

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