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Wie alle Bücher ist auch das vorliegende Buch von dem Begehren angetrieben, etwas überleben zu lassen, Vergangenes zu vergegenwärtigen, Vergessenes zu beschwören, Verstummtes zu Wort kommen zu lassen und Versäumtes zu betrauern. Nichts kann im Schreiben zurückgeholt, aber alles erfahrbar machen. - Zitat, Vorwort der Autorin, Seite 26 Judith Schalansky, 1980 in Greifswald geboren, lebt als Schriftstellerin, Herausgeberin und Buchgestalterin in Berlin. Ihr Werk wurde bereits mehrfach ausgezeichnet und ihr Roman "Der Hals der Giraffe" wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Auch der vorliegende Titel wurde 2018 ausgezeichnet und zwar mit dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis. In diesem Buch finden sich zu den erdachten Geschichten der Autorin jeweils vorangestellt eine Abbildung z.B. auf Seite 100 "Der Knabe in Blau", ein Gemälde von Thomas Gainsborough und ein erklärender Text auf der gegenüberliegenden Seite, dem sich dann die Erzählung "Manhattan" anschließt. Nicht immer ist die Verbindung zwischen Abbildung und Geschichte ganz klar ersichtlich und auch in Stil und Perspektive sorgt die Autorin für Abwechslung. Leider sind die Abbildungen in der Taschenausgabe sehr dunkel, fast schwarz. Vielleicht ist dies ein Kunstgriff, um auf die Vergänglichkeit der Gegenstände hinzuweisen. In ihren Ausführungen zeigt sich Judith Schalansky bewusst souverän, bereits in ihrem Vorwort wirft sie Ansichten und Einsichten wie Fakten aufs Papier. In ihren Texten kann sie scheinbar garnicht genug Metaphern und oppulente Sprachbilder verwenden, die der überbordenden Dramatik ihres Schreibens gerecht werden. Als Beispiel sei hier ein Ausschnitt aus "Hafen von Greifswald" (Seite 184) genannt, wo "Grasmücken aus frisch behaupten Heckengehölzern hinter den Wogen hochgewachsener Brennnesseln plappern". Und als die Ich-Erzählerin den echoartigen Ruf eines Kuckucks erwidert, "faucht er wie eine Katze, fliegt von Baum, um seinen Rivalen ausfindig zu machen." Sprachlich angenehm zurückgenommen und inhaltlich sehr interessant ist dagegen die Geschichte "DDR", die wohl auf einer Kindheitserinnerung beruht, mit der Abbildung "Palast der Republik". FAZIT Die Lektüre wurde mir von einem Leser empfohlen, der das Buch mit einem euphorischen Gefühl zu entdecken begann. Ob die Begeisterung anhielt, ist mir leider nicht bekannt, mich lässt das Buch etwas zwiegespalten zurück. Einerseits ist da diese große Dramatik und aufgesetzte Souveränität der Autorin, die mir überhaupt nicht gefällt, aber dann mischen sich auf wieder zartere Töne zwischen die harten Anschläge aufs Leseohr, die mich versöhnlich und sogar neugierig stimmen. Eine klare Leseempfehlung ist dies nicht, aber vielleicht ist dieses Buch für den einen oder anderen einen Versuch wert!
22. Juni 2025
Wie alle Bücher ist auch das vorliegende Buch von dem Begehren angetrieben, etwas überleben zu lassen, Vergangenes zu vergegenwärtigen, Vergessenes zu beschwören, Verstummtes zu Wort kommen zu lassen und Versäumtes zu betrauern. Nichts kann im Schreiben zurückgeholt, aber alles erfahrbar machen. - Zitat, Vorwort der Autorin, Seite 26 Judith Schalansky, 1980 in Greifswald geboren, lebt als Schriftstellerin, Herausgeberin und Buchgestalterin in Berlin. Ihr Werk wurde bereits mehrfach ausgezeichnet und ihr Roman "Der Hals der Giraffe" wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Auch der vorliegende Titel wurde 2018 ausgezeichnet und zwar mit dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis. In diesem Buch finden sich zu den erdachten Geschichten der Autorin jeweils vorangestellt eine Abbildung z.B. auf Seite 100 "Der Knabe in Blau", ein Gemälde von Thomas Gainsborough und ein erklärender Text auf der gegenüberliegenden Seite, dem sich dann die Erzählung "Manhattan" anschließt. Nicht immer ist die Verbindung zwischen Abbildung und Geschichte ganz klar ersichtlich und auch in Stil und Perspektive sorgt die Autorin für Abwechslung. Leider sind die Abbildungen in der Taschenausgabe sehr dunkel, fast schwarz. Vielleicht ist dies ein Kunstgriff, um auf die Vergänglichkeit der Gegenstände hinzuweisen. In ihren Ausführungen zeigt sich Judith Schalansky bewusst souverän, bereits in ihrem Vorwort wirft sie Ansichten und Einsichten wie Fakten aufs Papier. In ihren Texten kann sie scheinbar garnicht genug Metaphern und oppulente Sprachbilder verwenden, die der überbordenden Dramatik ihres Schreibens gerecht werden. Als Beispiel sei hier ein Ausschnitt aus "Hafen von Greifswald" (Seite 184) genannt, wo "Grasmücken aus frisch behaupten Heckengehölzern hinter den Wogen hochgewachsener Brennnesseln plappern". Und als die Ich-Erzählerin den echoartigen Ruf eines Kuckucks erwidert, "faucht er wie eine Katze, fliegt von Baum, um seinen Rivalen ausfindig zu machen." Sprachlich angenehm zurückgenommen und inhaltlich sehr interessant ist dagegen die Geschichte "DDR", die wohl auf einer Kindheitserinnerung beruht, mit der Abbildung "Palast der Republik". FAZIT Die Lektüre wurde mir von einem Leser empfohlen, der das Buch mit einem euphorischen Gefühl zu entdecken begann. Ob die Begeisterung anhielt, ist mir leider nicht bekannt, mich lässt das Buch etwas zwiegespalten zurück. Einerseits ist da diese große Dramatik und aufgesetzte Souveränität der Autorin, die mir überhaupt nicht gefällt, aber dann mischen sich auf wieder zartere Töne zwischen die harten Anschläge aufs Leseohr, die mich versöhnlich und sogar neugierig stimmen. Eine klare Leseempfehlung ist dies nicht, aber vielleicht ist dieses Buch für den einen oder anderen einen Versuch wert!
22. Juni 2025






