Die schönste Version
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Beschreibung
Buchinformationen
Merkmale
3 Bewertungen
Stimmung
Hauptfigur(en)
Handlungsgeschwindigkeit
Schreibstil
Beiträge
Schonungslos und erschreckend real. Ein Buch, das wütend macht und trotzdem nicht loslässt.
Ich habe Die schönste Version als Hörbuch gehört. Es war kein leichtes Hören. Es war hart, stellenweise brutal ehrlich und genau deshalb so unfassbar gut. Die Geschichte wird aus Jellas Sicht erzählt und springt zwischen Vergangenheit und Gegenwart. In der Vergangenheit erleben wir sie als Jugendliche. Dieses Aufwachsen, die ersten Erfahrungen mit Jungs, dieses Denken, gefallen zu müssen. Und in der Gegenwart sehen wir, wo das hinführt. Diese Beziehung, das Zusammenziehen, dieses sich immer mehr verlieren. Bis es irgendwann eskaliert. Und genau dieser Weg dahin ist das, was so weh tut. Diese beiden Ebenen zeigen so klar, dass sowas nicht plötzlich passiert. Es entwickelt sich. Langsam. Was mich komplett fertig gemacht hat, war, wie real sich das alles anfühlt. Dieses Anpassen, dieses Gefühl, gefallen zu müssen. Ich habe mich in vielen Momenten als Frau wiedererkannt. Gerade dieses Denken zwischen 14 und 18. Man glaubt, man muss so sein. Und das Buch zeigt das so ehrlich, dass es weh tut. Besonders die Szenen rund um Grenzüberschreitungen waren heftig. Dieses „Ich habe doch nein gesagt“ und trotzdem wird es umgedreht. Dieses sich selbst die Schuld geben danach. Ich war beim Hören so oft einfach nur wütend 😡 Weil es genau so passiert und die Scham muss endlich umgekehrt werden. Und dann diese Dynamik. Erst aufmerksam, liebevoll, fast perfekt. Und dann Schritt für Schritt Kontrolle, Manipulation und Schuldgefühle. Alles wird so gedreht, dass sie denkt, sie sei das Problem. Und genau darin verliert sie sich immer mehr. Der Schreibstil ist direkt, teilweise derb, fast roh. Daran musste ich mich erst gewöhnen, aber genau das passt perfekt zur Geschichte. Es fühlt sich an, als würde man direkt in ihrem Kopf sein. Und trotz allem gibt es diese kleinen Momente. Freundschaft, Familie, dieses kurze Gefühl von Freiheit. Das war wichtig. Das Ende mochte ich sehr. Diese kleine To-do-Liste, dieses vorsichtige Zurück zu sich selbst. Für mich ein unglaublich starkes Debüt, das weh tut, wütend macht und trotzdem komplett fesselt. Und genau deshalb bekommt es von mir fünf Sterne 😥✨

Wow! So detaillierte Einblicke in eine toxische Beziehung voller Gewalt, Eifersucht und der gegenseitigen Auslieferung der Gefühle füreinander hallen immer noch nach. Ruth-Maria Thomas hat mit ihrem Debütroman einen Blick geschaffen, der in dem Mikrokosmos der ostdeutschen Kleinstadt und den wenigen Charakteren der Geschichte mit so viel Brutalität, expliziter Sprache und psychologischerTiefe daherkommt, dass man das Buch förmlich verschlingt. Man dringt so tief in die Beziehung zwischen Jella und Yannick, aber auch zwischen Jella und ihren Freundinnen und Eltern ein, dass man diese Szenen leicht vor Augen hat und sich hineinversetzen kann. Die Schilderungen über eine Beziehung, die aus Hass und Anziehung zugleich besteht, passt einfach unfassbar gut in den aktuellen Zeitgeist und legt den Finger in die Wunde unentdeckter (sexualisierter) Gewalt in Beziehungen, gerade gegenüber Frauen. Der gesamtgesellschaftliche Kontext des Buches kommt in der Geschichte nicht so sehr zum Tragen, wie er es außerhalb der Seiten ist. Es wird ein Thema beleuchtet, dass auf den unbeleuchteten Straßen Europas und der ganzen Welt im Dunkeln verschwindet - genau so wie hinter den IKEA-Vorhängen von Low-Budget eingerichteten Wohnung bis hin zur Villa in Blankenese. Wir müssen alle viel mehr Verständnis für die Menschen in unserem Leben aufbringen und Gewalt aufs schärfste verurteilen, dieses Buch ist ein Meisterstück dieser Lehre aus der richtigen Perspektive.
Ostdeutsche Kleinstadt und Jella und Yannick , und die erste große Liebe und, was daraus geworden ist. Ich würde es sogar als Buch für die Schule ab Kl.10-12 empfehlen. Weil es deutlich zeigt, was es bedeutet, als Mädchen/ Frau aufzuwachsen. Ja, mit all den derben, brutalen, gewaltsamen , direkten Worten und Bildern, die Ruth- Maria Thomas hier verwendet, um uns das gemeinsame Leben von Jella und Jannick zu zeigen. Alles aus der Sicht von Jella. Mich hat das sehr berührt und viele Gedanken, ähnliche Erlebnisse,Situationen habe ich genau so wahrgenommen. Zum Glück für mich, ist es nie so eskaliert.
Wir erleben in chronologischer Reihenfolge, von demTag an, an dem die Beziehung ( heute sagt man toxisch) eskaliert und Yella von ihrem Freund gewürgt wird. Ihre ganzen Gefühle( Angst, Scham, Hilflosigkeit,Zweifel, Schuld..)- bis zum Tag ihrer Entscheidung, wie es weitergeht. Und dann sind da immer wieder Rückblicke, die Yellas aufwachsen /Elternhaus und ihre Jugend ohne Jannick zeigen, bis zu ihrer Beziehung/ ihr gemeinsames Leben. Das es ein Debütroman ist- unglaublich für mich.
" Ich will es ihr ja sagen, will ihr alles sagen, will nicht wieder nichts sagen, allein sein damit, wegrennen in meinen Laufschuhen. Ich will es teilen dieses Mal, eine Hand in meiner, und die Gedanken aus meinem Kopf holen, in die Welt setzen, ihnen Raum geben, sie real werden lassen. Aber dann wäre es ausgesprochen, und.. da. Richtig da."
Was war das für ein Buch! Und das meine ich wirklich positiv. Anfangs war ich nicht so begeistert, doch irgendwann hat es mich sowas von gepackt. Inhalt: Da es ja auch im Klappentext steht, kann ich wohl schon vorwegnehmen, dass es um eine toxische und durchaus gewaltvolle Beziehung geht. Doch dabei bleibt es nicht, es geht in diesem Buch auch um viel mehr: Selbstbestimmung, Sexualität, Kindheits- und Jugenderfahrungen, sexuelle Übergriffe und der Umgang dieses, Ungerechtigkeiten in solchen Fällen, psychische Gesundheit, Victim Blaming... Und das macht die ganze Geschichte nun mal hoch aktuell. Die Autorin hat um die ganze Story am Anfang und Ende einen sehr eindrucksvollen Rahmen gespannt, sodass man anfangs schon Ausschnitte der Eskalation und die nachfolgende Begegnung mit der Polizei an die Hand bekommt. Schon allein vom Aufbau ist die Geschichte nur gelungen. Einige Szenen, darunter Sexszenen oder Gewaltszenen, sind wirklich unverblümt geschrieben worden und es wurde einfach so detailliert alles niedergeschrieben, dass man als Leser Teil ist. Und da wird einem ganz anders, wenn man die Gewalt wirklich fühlen kann. Schreibstil: Wie man schon am Zitat erkennen kann, ist auch der besonders. Vielleicht etwas komplex zu lesen. Beim Hören war er eher vorteilhaft, da die Sprache sehr klar war. Und das ist auch noch ein Punkt: Die Sprache war klar und fast schon sachlich und einfach berichtend. Das Urteilen bleibt dem Leser, doch die Autorin tut es durch ihre Figur Hella eigentlich nicht. Dafür man selbst als Leser umso mehr. Außerdem könnte es für den ein oder anderen etwas zu ehrlich und fast schon vulgär werden. Doch wenn man das Buch deshalb nicht liest, verpasst man was. Charaktere: Hella ist sehr vielschichtig. Besonders spannend finde ich auch, dass man aufzeigt bekommt, dass es nicht das typische Opfer gibt. Es ist keine Schwarz-Weiß- Geschichte. Die Beziehung ist komplex. Das war alles wirklich unfassbar gut umgesetzt. Alles daran war top. Leider muss ich aber sagen, dass ich bereits nach so 3 Wochen wieder viel der Story nicht mehr direkt vor meinem inneren Auge habe. Sehr schade, etwas davon zu vergessen. Kurzes Chapeau auch noch an die Hörbuchsprecherin, ich könnte mir keine bessere für diese Geschichte erdenken. 5/5 Sternen 🌟🌟🌟🌟🌟

Sie haben recht, all die positiven Stimmen. Das hier ist ein verdammt gutes Buch. Es ist aber auch ein Buch, das direkt mit der geballten Faust in den Magen schlägt. Es schmerzt, bringt einen fast zum Erbrechen und ich spüre die Faust Stunden später, ach Tage später, noch nach. So gründlich und fein erzählt Ruth-Maria Thomas, wie Jella von Anfang an nicht gut zu sich selbst war. Wie sie in jungen Jahren ihre Weiblichkeit entdeckt und zu wenig auf sich und ihre eigenen Bedürfnisse achtet, sondern alles dafür tut um Jungs bzw. Männern zu gefallen. Wie Mädchenzeitschriften ihr Ratschläge geben wie sie sich zu verhalten hat, um einen Jungen an sich zu binden und sie selbst zum Objekt macht. Es war hart für mich, diesen Lebensabschnitt von Jella zu lesen, da ich sehr gut nachempfinden konnte, wie stark die Gesellschaft uns prägt und wie sehr man sich verstellt, um zu gefallen oder Dinge tut, die Frau nicht tun möchte, aber aus einer Angst heraus über sich ergehen lässt. Und dann erlebe ich wie Jella und Yannick sich finden. Es sich gut anfühlt, richtig anfühlt, voller Schmetterlinge im Bauch und Respekt füreinander und irgendwie merk ich doch von Anfang an, irgendwas ist auch hier nicht richtig. Yannick hat eine sehr einvernehmende Art und Jella verstellt sich „aus Liebe“ für ihn. Aggressionen die sich aufstauen, Wut die ausbricht und Gewalt die überhandnimmt. Sehr gut find ich den sprachlichen Wechsel zwischen Derbheit und Weichheit, Ruhe und Unruhe, Panik und Gelassenheit - hat mich durchatmen lassen. Auch die Zeitsprünge zwischen jetzt und den Erinnerungen an die Jugend und den Beginn der Beziehung zu Yannick, haben mich die ganze schwere Kost leichter verdauen lassen, auch wenn ich sagen muss, ich verdaue immer noch. Das wird definitiv nicht mein letztes Buch der Autorin sein, ich hoffe es kommen noch einige nach. S.49 „Es war ein bisschen anstrengend zu lesen, alte Sprache und sehr umständlich, aber das Mädchen, das dort auf die Reise ging, hatte die gleichen Gefühle, Ängste und Träume wie die Mädchen in den pinken Herzbüchern, auch wenn sie diese in langen verschachtelten Sätzen dachte. Es erstaunte mich: fast hundert Jahre Abstand und doch alles gleich“ S.67 „Weißt du, warum ich in Wahrheit immer Kondome dabeihabe?, sagte Linh zu mir, als wir uns beide nach dem Kino in mein Bett quetschten. Ihr Atem roch nach Pfefferminz, und ich fragte: Warum? Falls ich mal vergewaltigt werde, kann ich den Vergewaltiger immer noch anbetteln, dass er ein Kondom nimmt.“ S.75/76 „Sagte mir, es sei doch klar, dass er schneller ranging, schließlich war er älter, und na ja, außerdem ein Typ, die können sich nicht so gut beherrschen, er steht halt auf mich, sagte ich mir, wow, er steht auf mich, also reiß dich zusammen, du hast hier gerade ein Date am Start! Tom öffnete seine Hose, schob meine Hand hinein und zog meine Finger auseinander. Ich spürte etwas Warmes, Straffes, fühlte mich unwohl dabei und ließ es geschehen.“ S.199 „Und als Yannick dann sagte, ja, okay, wer läuft auch nachts so draußen rum…Da wurde mir wie Winter mit Dunkel und Kälte, und ich bekam Schweißperlen im Nacken, dachte seit langer Zeit an dieses eine Weihnachten zurück, mein Paillettenkleid war damals sehr kurz.“
Die Beziehung von Jella und Yannick ist von Anfang an toxisch, auch wenn beide es zunächst für Wolke 7 halten. Yannick, Anfang 30, Künstler, nach ein paar Jahren in München zurückgekehrt in die Lausitzer Heimat, hat eine sehr manipulative Art, seinen Willen durchzusetzen. Jella, 10 Jahre jünger ,Studentin, die von Bafög lebt, auf der Suche nach Zärtlichkeit und Anerkennung, ist eine People Pleaserin, die es nicht schafft, sich abzugrenzen. Beide hatten in ihrem Aufwachsen keine positiven Rollenbilder für funktionierende Beziehungen. Aber nicht nur Yannick leidet an mangelnder Impulskontrolle, auch in Jella brodelt ein Vulkan, sie versucht verzweifelt, sich ihren Freiraum und ihre Würde zurück zu erobern, kriegt es aber nicht anders hin, als in passiv-aggressiven Aktionen und unvermittelten Wutausbrüchen, in denen sie Yannick herabwürdigt. Sehr fein beschreibt Ruth-Maria Thomas die Abwärtsspirale, in der sich Jella und Yannick befinden. Neben dem Thema "häusliche Gewalt" geht es in diesem Buch aber auch um Klassismus, Erwartungen von Eltern an ihre Kinder und die Arroganz der Wessis in Ostdeutschland. Mit teilweise roher und direkter, aber zugleich lyrischer Sprache beschreibt die Autorin hier ein Thema, das zu selten richtig benannt und dessen Ursachen zu selten thematisiert werden. Der Roman ist mit einer Wucht geschrieben , die einen umhaut, aber auch so richtig mitnimmt.
Intensive Geschichte
Die Geschichte beschreibt eindringlich wie toxisch Jellas und Yannicks Liebe ist. Mit derber Sprache gelingt es der Autorin, kein Schwarz-Weiß-Bild zu zeichnen, sondern verschiedene Facetten der gewaltvollen Beziehung zu zeigen. Mir ging es manchmal zu schnell, dass Situationen gekippt sind und ich mich unerwartet mit schweren Situationen auseinandersetzen musste. Das damit erzeugte Unbehagen ist wahrscheinlich beabsichtigt.
„Mir fällt auf einmal das Schlucken schwer. Ich lasse mich ins eiskalte Wasser fallen, und in der Sekunde, in der mein Kopf unter dem Wasser ist, ist mir klar, dass es nicht geht, dass das wirklich nicht in Ordnung ist, dass meine Mutter mich in ihrem Bauch getragen hat und dann ein Mann kommt und seine Hände an meinen Hals legt, als wäre es sein Recht, als hätte er irgendeine Befugnis, über mein Leben zu bestimmen.“
*Triggerwarnung* Ein wirklich unverschöntes Buch über den Umgang mit häuslicher Gewalt, toxischer Beziehungskonstrukte und die eigene Wahrnehmung über einen selber im Laufe der Jahre. Dieses Buch ist definitiv einzigartig. Die Art und Weise wie vulgär alles geschrieben ist, als wenn es direkt an eine beste Freundin gerichtet ist. Es werden die Beziehungen im Laufe der Jahre von der Protagonistin Jella durchleuchtet. Man kann sich sehr gut in sie hineinversetzen und es gibt einen tollen Einblick, weshalb sie handelt und denkt, wie sie es eben macht. Es beschreibt auch das gigantische Gedankenkarussell, welches einem begegnet, wenn einem so etwas furchtbares widerfährt. Das ständige Schwanken von „so schlimm war es nicht“ bis hin zu „das war das Schlimmste was eine Person machen kann“ „Und dann. Danach. Das Abtun, als wäre nichts gewesen. Als würdest du übertreiben. Dann wirst du selber unsicher, zweifelst, bekommst das Gefühl, dass du deiner eigenen Angst nicht mehr vertrauen kannst. Und dann. Wischst auch du es weg, als wäre es nichts, nur ein Teil des Streits, keine lebensbedrohliche Situation, die dich verfolgt, bis in deine Träume. […] Das ist das, was mich am meisten fertigmacht. Der Verrat an mir selbst.“ Ein Buch welches Mut macht, für sich selber einzustehen, egal welche Hürden der eigene Kopf einem in den Weg stellt. Nur leider ein abruptes Ende. Dies hätte ich mir ausführlicher gewünscht.
„Die schönste Version“ ist ein hartes, ehrliches und sehr wichtiges Buch. Es zeigt auf erschütternde Weise, wie eine zunächst glückliche Beziehung, Schritt für Schritt in etwas Zerstörerisches kippt - bis zur Eskalation und ihren Folgen. Am Anfang musste ich mich etwas an den direkten, stellenweise recht derben Schreibstil gewöhnen, doch im Laufe des Buchs merkte ich wie gut er zu der Geschichte passt. Ein Buch das aufrüttelt und einen zum Nachdenken bringt. Keine leichte Kost, aber definitiv lesenswert.
"Wir beschlossen, dass wir von nun an am Projekt Geilheit arbeiten müssten, mit dem Ziel, unverzichtbar, nein: unentbehrlich für Männer zu werden." "Konnte Rippen ertasten und fühlen, wie alles atmete. Das war mir alles so unvertraut geworden, ich war so lange so weit weg von mir selbst gewesen, dass ich fast vergessen habe, dass ich da war." "Ich beobachtete mich dabei, wie ich jeden meiner Schritte kontrollierte, um die zu bleiben, in die er sich verliebt hatte, und merkte, wie meine Muskeln verspannten." Die Studentin Jella ist aufgewachsen in einem Plattenbau, die Eltern haben sich getrennt, sie ist bei ihrem Vater geblieben. Sie erlebt eine ganz normale Kindheit, in ihren Jugendjahren versucht sie sich zu finden, provoziert teilweise, lebt ihre Sexualität aus und muss dabei auch schlechte Erfahrungen machen, die sie prägen und verändern. Zufällig lernt sie den Künstler Yannick kennen, sie verlieben sich, ziehen in eine gemeinsame Wohnung und planen ihre Zukunft. Alles scheint perfekt, doch es entwickelt sich ganz langsam eine toxische Beziehung zwischen den beiden, immer wieder kommt es zu verbalen und körperlichen Auseinandersetzungen, bis Jella eines Tages zu ihrem Vater flüchtet. In einer brutal ehrlichen und deutlichen, teilweise schon derben Sprache entwickelt sich sehr schnell ein Sog. Als Kontrast dazu werden die Gefühle und Gedanken von Jella ganz leise und fein beschrieben. Das Buch lässt sich sehr leicht lesen, das Gelesene lässt sich allerdings nicht so leicht verarbeiten, passiert es doch so oder ähnlich in vielen Beziehungen. Für mich auf jeden Fall eine Leseempfehlung ⭐ für alle, die das Thema häusliche Gewalt aushalten können
Eine Geschichte über das Erwachsen werden und Gewalt in Beziehungen, gefühlt sehr nah an der Wirklichkeit.
Das Buch hatte eine einfachen Schreibstil, der auf mich trotzdem auch poetisch gewirkt hat. Ich denke, dass viele (Frauen) in dem Buch mindestens einzelne Situationen oder Gedanken finden, die sie selber so oder so ähnlich erlebt haben. Oder sich sogar selber in der Geschichte erkennen. Das Buch erzählt in einer Rahmengeschichte wie die Protagonistin, nachdem ihr Freund sie geschlagen hat, mit der Situation umgeht. Parallel dazu erfährt man in Rückblicken wie sie aufwächst und wie es zu der Situation gekommen ist. Denn kommt es wirklich aus dem Nichts zu Gewalt in einer Beziehung? Oder gab es doch Anzeichen? Ein gut geschriebenes Buch über ein wichtiges Thema, das fast nebenbei die Erfahrungen von jungen Frauen aufrollt und darstellt. Dabei ist es schonungslos, ehrlich und macht deutlich, dass für die Betroffenen selbst (zunächst) Vieles nicht so klar und eindeutig erscheint. Für mich empfehlenswert.

Über das Verlieren – und Wiederfinden – des Selbst
Ein stilles, aber eindringliches Buch über eine toxische Beziehung – und darüber, wie leicht man sich selbst verlieren kann, wenn man gefallen will. Jella ist eine Figur, die nicht laut rebelliert, sondern sich anpasst, versucht, richtig zu sein – für jemanden, der sie systematisch kleinmacht. Genau das macht sie so greifbar. Denn viele von uns kennen solche Dynamiken, solche Typen, die ihre Spuren hinterlassen, ohne dass man es direkt merkt. Ruth-Maria Thomas schreibt ohne Pathos, ohne Überdramatisierung – und genau das macht den Text so ehrlich. Es ist keine Geschichte, die auf Schockmomente setzt, sondern eine, in der man sich stellenweise wiederfindet. Das Hörbuch entfaltet dabei eine besondere Stärke: Die Erzählstimme passt hervorragend zur Atmosphäre der Geschichte, ruhig, klar, nah an der Figur. Ich bin froh über das Ende – und dass Jellas Weg so erzählt wurde, wie er erzählt wurde.
Ehrlich und real
Ich brauchte ein paar Seiten, um rein zu kommen und mich daran zu gewöhnen, dass bei der wörtlichen Rede die Satzzeichen fehlen. Aber letztendlich war ich dann schnell drin in Jellas und Yannicks Geschichte von einer so extrem toxischen Beziehung. Die detaillierten Beschreibungen gaben mir das Gefühl, mit im Raum zu sein, wenn Jella und Yannick stritten. Es war nicht schwer, sich während des Lesens die Szenen bildlich vorzustellen. Eine gemütliche Strandlektüre ist das jedenfalls nicht.
In dem Buch geht es um eine junge Frau, ihre Beziehung und die Frage, wie viel man von sich selbst aufgibt, um geliebt zu werden. Themen wie Abhängigkeit, Macht und Selbstwahrnehmung spielen dabei eine große Rolle. Ich fand das Buch richtig gut, sehr intensiv und manchmal schwer zu ertragen. Der Schreibstil hat mir super gefallen.. sehr direkt, ehrlich und es wird nichts beschönigt. Ich habe es als Hörbuch gehört, und die Sprecherin war mega. „Der Wald hinter uns dunkel, über uns Mond, alles silberfarben, alles todesschön. Wenn du ein Moment wärst, Jella, dann wärst du dieser, flüstert Yannik, und ich muss lachen, sage: Ach, du spinnst! Kann aber nicht aufhören zu lächeln, weil es mir so gefällt.“ „Wer bist du eigentlich?, frage ich mein blasses, mit Dampf verhangenes Spiegelbild. Was willst du?“
Bedeutend und wichtig 💜
Mein 1. Buch in 2026 und es hat mich nicht enttäuscht. Ich hatte nur vom Lesen des Klappentextes eine deutlich andere und leichtere Story erwartet. Direkt im ersten Kapitel stellte sich allerdings heraus, dass es um viel wichtigere und bedeutendere Themen gehen würde. ❤️🩹 (Spoiler folgend) Das Buch behandelt häusliche Gewalt, toxische Männlichkeit und Manipulation. Es ist real und schonungslos ehrlich geschrieben. Es gibt viele Rückblicke, die sehr gut helfen, die Protagonistin Jella zu verstehen. Was mir besonders gut gefallen hat ist, dass Jella nicht als die perfekte Person geschrieben ist, sondern auch ihre Fehler macht. Allerdings artet es bei ihr nie so sehr aus, wie bei ihrem (Ex)-Partner, der sie beinahe erwürgt hätte. Was eben auch der entscheidende Unterschied zwischen den beiden ist. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Am Ende wurde ich auch echt emotional, da es so unfair ist, wie viele Menschen tagtäglich solche Situationen aushalten müssen. 🥺 Ein bestimmter Satz am Ende des Buches ist für mich besonders herausgestochen. Die Protagonistin Jella ist sich nämlich lange nicht sicher, ob sie ihren Ex anzeigen soll, oder ob es vielleicht gar nicht so schlimm gewesen ist. Sie vertraut sich dann ihrer Freundin an und diese fragt sie: „Was würdest du mir denn raten, wenn ich an deiner Stelle wäre?“ Wirklich ein großartiges Buch. So kann das Lesejahr beginnen. 🤍
Highlight 💥🌸
Männer haben immer Recht. Was sie sagen ist automatisch richtig, intelligent und witzig. Deshalb ist es für Jella nur logisch, ihr Leben darauf auszurichten, diesen Männern zu gefallen. Sich nur durch deren Augen zu sehen. Keine Grenzen zu setzen, bei allem mitzumachen und eigene Bedenken zu ignorieren. In ihrer Zeit mit Yannik gerät ihre Einstellung irgendwann ins Wanken. Die vermeintlich perfekte Beziehung kippt und ihr wird rückblickend klar, dass sie eigentlich nie gut war, dass keine ihrer Beziehungen je gut war. Es ist schön und schmerzhaft ihr langsam beim Begreifen zuzusehen. Mir hat das Buch richtig gut gefallen. Es wird mir noch lange im Kopf bleiben und ich kann es sehr empfehlen.

„Die schönste Version“ erzählt in ungeschönten Worten, wie eine glückliche Beziehung langsam in eine toxische Abhängigkeit kippt. Die Protagonistin hat mich dabei immer wieder abgestoßen und fasziniert zugleich – ihre widersprüchliche Entwicklung wirkt schmerzhaft authentisch. Trotz meiner zeitweisen Abneigung habe ich das Buch beendet und es nicht bereut.
Eher nicht mein Ding…
Ich hab dem Buch so entgegen gefiebert, weil ich von der Beschreibung her gedacht habe, dass es total was für nicht ist… aber der Schreibstil der Autorin hat mir persönlich überhaupt nicht gefallen, die ganze Art des Erzählens eigentlich. Zudem fand ich die Protagonisten total unsympathisch und naja, ich hab es beendet (aber beim Putzen als Hörbuch dann, sonst hätte ich es sicher abgebrochen…)
Toxische Beziehungen
Oft ist es doch so, dass man denkt, es wird schon wieder. Es war nicht so schlimm. Man ist selbst schuld daran. In diesem Buch geht es um eine toxische Beziehung, die in den eigenen 4 Wänden ausgelebt wird und nach außen hin eher perfekt wirkt. Es geht um die eigene Veränderung, die eine Frau auf sich nimmt, um dem Partner gerecht zu werden, obwohl man das vielleicht garnicht will. Und es geht darum, irgendwie da wieder rauszufinden. Wo sind die Grenzen? Wann erkennt man, dass die schon lange überschritten wurden? Ich fand das Thema wichtig. Die Geschichte wurde sehr ehrlich dargestellt. So ist das bestimmt schon sehr oft auf dieser Welt geschehen. Allerdings hat mir der Schreibstil nicht gefallen. Zu abgehakt. Die Kapitel sind recht kurz gehalten. Das war positiv. Zeitsprünge mag ich sehr, allerdings war das in dem Buch eher unnötig.
Ein Buch bei dem die Meinungen stark auseinandergehen. Ich habe das Buch bereits vor 3 Tagen beendet und was soll ich sagen. Es hat mich lange sprachlos zurückgelassen.
Handlung: Das Buch erzählt die Geschichte über die erste Liebe von Jella und Yannick. Sie wollen alles richtig machen und trotzdem passieren sehr viele negative Dinge. Welche davon sind zu verzeihen oder welche Geschehnisse sind gefährlich? Fazit: Ich hätte mir eine Triggerwarnung gewünscht! Wie oben schon angeschnitten hat mich das Buch nach dem Beenden mehrere Tage sprachlos zurückgelassen. Ich war auch ehrlich verstört und habe schon während des Lesens oft mit dem Kopf schütteln müssen. Der Schreibstil ist sicherlich extra so gewählt, aber mir hat er leider garnicht gefallen. Ich fand die Beschreibungen viel zu vulgär und manchmal wiederum abgehakt. Zudem konnte ich persönlich mit der Protagonistin nicht warm werden. Ich mochte ihren Charakter nicht und bei ihren Taten oder Gedanken, die beschrieben wurden habe ich auch öfter mit offenem Mund dagesessen. Ja es ist ein extremes Buch und es behandelt krasse Themen und ich denke, dass die Schriftstellerin bestimmt wohl überlegt auch hier eine solche Schärfe in ihre Zeilen legt, aber mir persönlich war es zu viel. Gerade deshalb hätte ich mir vorher eine Triggerwarnung gewünscht. Ich bleibe hier mit gespaltenen Gefühlen und einer Sprachlosigkeit zurück.
⭐️⭐️⭐️⭐️,5
In ihrem Debütroman erzählt Ruth-Maria Thomas die Geschichte von Jella, die in einer ostdeutschen Kleinstadt der 2010er Jahre aufwächst und ihre erste große Liebe mit Yannick erlebt. Die Beziehung entwickelt sich jedoch zunehmend toxisch, geprägt von Abhängigkeiten und Übergriffen. Der Autorin gelingt es, die Komplexität solcher Beziehungen eindringlich darzustellen und die feinen Grautöne zwischen Liebe und Gewalt herauszuarbeiten. Der Roman überzeugt durch die authentische Schilderung der inneren Konflikte der Protagonistin. Die Autorin beleuchtet die gesellschaftlichen Bedingungen, die zu solchen Dynamiken führen, ohne dabei zu moralisieren. Dies ermöglicht es, sich selbst intensiv mit den Themen Identität, Selbstwert und Emanzipation auseinanderzusetzen. Ein kraftvolles und bewegendes Buch, das lange nachhallt und zum Nachdenken anregt.
Wow - dieses Buch hat mir echt mitgenommen!
Ich kann noch gar nicht in Worte fassen, was das Buch mit mir gemacht hat. Ich fand es bedrückend, ernüchternd, realistisch - und zum Glück gar nicht plakativ! Es ist so toll geschrieben, wie ambivalent Menschen in missbrauchenden Beziehungen sind, wie klar sich im Rückblick die ersten Signale zeigen, wie schwer die Loslösung ist - aber auch, dass es nicht um Schuld i.S. von „Du hast aber auch!“ geht. Körperliche Gewalt ist niemals gerechtfertigt. Punkt.

Auch ein paar Tage später noch schwer in Worte zu fassen!
Das Buch war auf jeden Fall sehr intensiv und man sollte sich ggf. die Triggerwarnungen ansehen. Als 90er Kind habe ich mich zum Teil erschreckend oft in den Zeilen wieder gefunden, ausgenommen der Gewalt. Trotz dieser Intensität und ungewöhnlichem Schreibstil klare Leseempfehlung!
Lesehighlight
Jella wächst zwischen ständigen Zeitsprüngen als Kind der 90er Jahre von einer Jugendlichen zu einer jungen Studentin heran. Auf ihrem Weg trifft sie auf zahlreiche junge Männer, mit denen sie etwas hat und die patriarchalische Verhaltensmuster zeigen. Jella bleibt trotzdem gesellig und unternehmungslustig. Die schlechten Erfahrungen mit Männern kann sie noch nicht explizit als solche verbuchen. Sie ist fasziniert im Positiven wie im Negativen. Dann kommt sie mit Yannick zusammen. In das anfängliche Verliebtsein und schnelle Zusammenziehen tröpfeln nach und nach ebenfalls patriarchalische Verhaltensmuster Yannicks mit ein, bis hin zu einem Vorfall, der alles verändert… Ruth-Maria Thomas bringt ein wichtiges Thema aufs Tableau: physische und psychische Gewalt von Männern gegen Frauen. Ihr Roman ist im wahrsten Sinne gewöhnungsbedürftig. Jella ist eine höchst ambivalente Figur, die ich erstmal zu fassen kriegen musste. Einerseits stört sie die an ihr verübte Gewalt der Männer, andererseits ist sie auch fasziniert und provoziert diese teilweise sogar herauf. Jella bekommt lange keine Resonanz auf ihre Erfahrungen, weder von Freundinnen noch von ihren getrennten Eltern. Sie holt sich die Resonanz aber auch nicht aktiv. Dadurch (und wohl auch durch fehlende Aufklärung) reflektiert sie ihre Erlebnisse erst viel zu spät. Das ist wohl leider authentisch und genau hierin besteht das Geniale, Lehrreiche und Exemplarische an der Hauptfigur Jella. Des Weiteren musste ich mich an die drastische, vulgäre Darstellung von Gewalt und Sex/Körperlichkeit gewöhnen. Dieser Stil war aber letztendlich notwendig, um die Gesamtproblematik der sich Thomas annimmt unmittelbar und greifbar darzustellen. Ein unglaublich starker lehrreicher Roman, der unbedingt, von vor allem jungen Leserinnen und LESERN , gelesen werden sollte. Aus meiner Sicht ein sehr wichtiger feministischer Beitrag, weil er so authentisch und trotzdem ausdifferenziert ist. Und trotzdem: Das Buch ist sehr schwer auszuhalten (TW) und verlangt viel leser*innenseitiges Mitdenken.
„…also reiß dich mal zusammen, das war doch nichts. Wird schon wieder werden.“
Wie viele Menschen haben diesen Satz schon gesagt? Gehört? Gefühle, Wahrnehmungen und überschrittene Grenzen damit heruntergespielt. Die Antwort ist vermutlich erschütternd. Jella sagt diesen Satz. Zu sich selbst. Zwar nur einmal wörtlich im Roman, aber doch indirekt immer wieder. Sie spielt Grenzüberschreitungen, Übergriffe, Gewalt herunter. Gibt sich vielleicht sogar noch selbst die Schuld. Wenn man liest, was Jella sich gefallen lässt, von fremden Männern, Freunden und zuletzt ihrem Partner, möchte man sie am liebsten schütteln und anschreien: Wach auf! Renn! Es ist erschreckend, wie sich die „Toleranzgrenze“ dessen, was man als normal empfindet, immer mehr verschiebt. Abstumpft. Man sich irgendwann in einer Dynamik wiederfindet, die alles andere als „eine romantische Beziehung“ ist. Und das ohne es überhaupt bemerkt zu haben. Ruth-Maria Thomas schreibt einen sehr einfühlsamen, aber gleichzeitig harten Roman über häusliche Gewalt und die Sozialisation einer Frau, die in den 2000er Jahren erwachsen wird und ihren Wertekompass auf dem damals gesellschaftlich üblichen Schweigen und Über sich ergehen lassen aufbaut. Derbe und zarte Worte wechseln sich ab. Dabei bleibt nichts einseitig, sondern die Beziehung zwischen Jella und Yannick wird so komplex, kompliziert und ambivalent dargestellt, wie vergleichbare reale Beziehungen ebenfalls sein können. Aber das Wichtigste: Die Autorin benennt übergriffiges Verhalten, häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt als das, was es ist. Und das ist so wichtig. Denn der erste Schritt dagegen anzukämpfen ist, es überhaupt zu erkennen und zu benennen. Ein wirklich hervorragendes Buch, das mich betroffen, nachdenklich, wütend und traurig gemacht hat. Und mir in vielerlei Hinsicht auch weiter die Augen geöffnet hat. Ich empfehle es jedem, der das Thema aushalten kann.
„Weißt du, warum ich in Wahrheit immer Kondome dabeihabe? (…) Falls ich mal vergewaltigt werde, kann ich den Vergewaltiger immer noch anbetteln, dass er ein Kondom nimmt."
Puh, leider die für viele erschreckende Wahrheit über das „Frau werden“, völlig authentisch und ehrlich geschrieben. Es ist wirklich traurig, wie vielen Mädchen und Frauen es scheinbar gleich geht, auf wie vieles wir achten „müssen“ und „sollen“, an wie vielen wir „selbst schuld sind“, weil unsere Klamotten zu „aufreizend“ seien. Dieses Buch hat meine innere Feministin schreien lassen und so viel Mitleid und Wut ausgelöst. Es waren so viele wichtige Erfahrungen und tolle Zitate in diesem Buch, dass ich es jeder Frau und vor allem jedem Mann empfehlen möchte. So viel falsches passiert im verborgenen und wir sollten viel mehr auf unsere Mitmädels und uns aufpassen. Ein starkes Buch für starke Nerven. ❤️🩹

Yannick und Jella sind ein Paar. Sie sind beide wohl der Innbegriff von Toxizität. Erschreckend ist, wie beide Personen miteinander umgehen. Und wie sie oft versuchen, den ungesunden Umgang miteinander zu romantisieren. Bis es zu einem Zwischenfall kommt, der einen der Beiden dazu bringt, aus dieser Beziehung auszubrechen. Wir erfahren davon schon ganz zu Beginn dieses Buches und gehen nach und nach durch die Beziehung mit Yannick und Jella. Wobei wir hier nur Jellas Perspektive erfahren und aus ihrer Sicht lesen. Die wörtliche Rede ist in dem Buch nicht extra gekennzeichnet. Dies soll sicherlich eine Distanz schaffen. Trotzdem habe ich persönlich alle Emotionen mitgefühlt und war überhaupt nicht distanziert. Gerade als Frau kamen mir so einige Gedankengänge erschreckend bekannt vor. Gerade, wenn es darum geht, dass Jella um jeden Preis gefallen will, ihre eigene Meinung unterdrückt oder sie revidiert, wenn sie merkt, sie kommt nicht gut an. Ruth-Maria Thomas nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie schreibt klar und einfach. Manchmal in lyrischer Form, manchmal werden Sätze einfach unbeendet gelassen. Sie zeigt Symptomatiken auf und überlässt es dem/der Leser:in die Ursachen zu ergründen. Häufig liegt das aggressive Verhalten/ die Unsicherheiten der Hauptcharaktere an fehlenden Vorbildern, der Entfremdung zu deren Eltern, fehlender Wertschätzung und Liebe; an zu wenig, zu falscher Kommunikation. Vieles kann, wird und soll besser nicht ausgesprochen werden. Hauptursache sind immer noch patriarchale Strukturen, denen man sich nur schwer entziehen kann. Für mich war dieses Buch häufig schmerzhaft. Ich konnte es nicht schnell lesen. Ganz oft hat es Beklemmung und Wiedererkennen ausgelöst. Es wäre noch wichtig zu erwähnen, dass die Handlung Anfang 2000 spielt. Und es ist absolut wichtig, dass ein Umdenken stattfindet und bisher bereits stattgefunden hat. Gerade junge Frauen dürfen und müssen sich äußern. Müssen sich nicht abgeklärt und kühl geben, um zu gefallen. Dürfen ihre Meinung bestimmt äußern. Müssen sich positionieren. Und ihr Umfeld sollte dem mit Respekt begegnen. Mir hat das Buch gefallen. Für mich wäre es jedoch noch interessanter gewesen, hätten wir auch aus Yannicks Perspektive lesen können. Daher den einen Punkt Abzug.
Atemlos durch ihr Leben
Das Buch liest / hört sich, wie ein atemloser Bericht: Jella hetzt nahezu durch ihre Geschichte, wie um die angestauten Gefühle – die Wut, die Ohnmacht, die Scham – schnell schnell, endlich (!) rauszulassen. Die Darstellung von toxischen Beziehungen, die fast selbstverständliche Hintenanstellung der Hauptfigur hinter den Männern, die Belächelung des Ostens: Das Alles wird in einem präzisen Ton, der oft unangenehm hart ist, beschrieben. Ich habe so oft ungläubig mit dem Kopf geschüttelt und auch ein, zweimal leicht angeekelt den Mund verzogen. Ein harter, schneller Roman, aber ich bin froh, ihn gelesen (bzw. gehört) zu haben.
Die Geschichte muss man erstmal sacken lassen und sich durch den Kopf gehen lassen. Die Geschichte fängt an wie Jella nach ein Angriff von ihren Freund aus der Wohnung stürmt. Nach und nach erwahren wir mehr aus Jellas Leben. Zwischen Kindheit und Jugend und das Erwachsenwerden gibt es eine Menge. Viele Emotionen, Manipulationen, Grenzüberschreitungen,Denkmuster ,toxische Beziehungen bis hin zu häuslicher Gewalt. All das sind keine einfache Themen. Der Schreibstil ist nicht für jeden was und mir war es hin und wieder etwas zuviel hin und her gesprunge. Trotzdem ein wichtiges Thema, den " dass ihm trotzdem nicht das Recht gab, mir den Atem zu nehmen, die Hände an meinem Hals zu legen ,zuzudrücken"
Warum bleibst du?
Ein bewegendes Portrait über eine Frau in einer toxischen Beziehung und ihr Weg, der dorthin führte. Jella und Yannick, wirken nach außen wie ein Traumpaar, doch wenn sich zu Hause die Türen schließen, ist es eher die Hölle, als der Himmel. Warum es so vielen Frauen nach psychischen und körperlichen Übergriffen so schwer fällt, sich aus dieser Beziehung zu lösen, stellt der Roman meisterhaft dar. Das manipuliert werden von Anfang an, die Ängste die geschürt werden, das Gefühl zu viel zu sein oder nicht zu reichen und das alles verbunden mit einer emotionalen Abhängigkeit, die immer wieder durch schöne Phasen aufrechterhalten wird. Denn es ist in den meisten Fällen eben nicht die ganze Zeit die Hölle auf Erden, immer wieder gibt es die schönen Momente, die schönste Version des Partners. Und genau das wird hier unfassbar gut beschrieben. Was der Roman auslöst, ist viel Wut. Wut auf die toxische Beziehung, die Grenzen die nicht eingehalten werden, die Machtlosigkeit und die Stille, die immer noch über dem Thema der häuslichen Gewalt liegt. Und genau hier hilft er aber auch: er gibt den Betroffenen eine Stimme, hilft die Gedankengänge zu verstehen und zeigt, wo Freunde, Familie aber auch Außenstehende ansetzen und helfen können. Seltsam fremd erschien mir Jella trotzdem. Vielleicht weil ich nie diese Art von Selbstzweifeln hatte und dafür nach dem Lesen noch dankbarer bin. Aber auch, weil sie vielen eigenen Gefühlen kühl und fast anteilnahmlos gegenüber tritt. Und doch bewegt es so sehr, sich ins Gedächtnis zu rufen, wie viele Frauen in so einer Gewaltspirale festhängen, dort wo man sich eigentlich am sichersten fühlen sollte: zu Hause. Ein wichtiger Roman, der den harten Kampf um das Wiedererlangen des eigenen Selbstwertes und der Selbstbestimmung grandios zeichnet.
Autsch - das ging richtig an die Substanz. Gefiel mir so so gut. Eine Protagonistin, die sicher alles andere als auf den Mund gefallen ist und sich trotzdem durch Männer extrem verunsichern lässt. Hat sich sehr real angefühlt und wird mir sicher sehr lange nicht mehr aus dem Kopf gehen. Lieblingzitat: "Unser Herbst war bis in den November hinein ein Jahrhundertsommer."
Sollte jede/r mal gelesen haben!!!
Bei diesem Buch weiß ich ehrlich gesagt nicht, wo ich anfangen soll… Es hat mich so sehr mitgerissen und berührt. Aber auch unglaublich wütend gemacht. Vor allem als Frau kann man sich einfach sehr gut in die Protagonistin hineinversetzen. Es kam mir so vor, als wäre sie wirklich eine reale Person und keine fiktive Figur in einem Roman. Aber das liegt wahrscheinlich daran, dass solche Fälle leider nicht selten sind und tagtäglich wirklich passieren… Der Schreibstil hat mir auch sehr gut gefallen, war mal was anderes und saugt einen direkt in die Story. Ein wirklich starkes Debüt!
Schockierend aber auch schockierend gut
Dieses Buch ist keine leichte Kost aber es spiegelt die Welt, der sich junge Frauen heute stellen müssen, unfassbar gut wieder. Es erzählt sehr nachvollziehbar wie unscheinbare patriarchale Strukturen auch heute noch junge Mädchen (und Jungs) prägen und welche Konsequenzen das haben kann. Dieses Buch hat für sehr viel Gesprächsstoff in unserem Buchclub gesorgt und uns letztlich einander näher gebracht. Es hat uns dazu bewegt, offener über unsere eigenen Traumata, Gewalterfahrungen und generell über Gefühle zu sprechen. Absolute Leseempfehlung und relevant wie nie! Inhalt: Wir verfolgen die Beziehung von Jella und Yannick die so schön sein sollte aber zu einer Achterbahnfahrt wird und schließlich auf den Polizeirevier endet (was gleichzeitig der Bucheinstieg ist). Auch erfahren wir wie Jellas Kindheit ausgesehen hat und welche Erlebnisse sie nachhaltig geprägt haben. TW: sexualisierte und häusliche Gewalt "Mir wird heiß. Mein Magen krampft sich zusammen. Direkt über meinem Magen liegt mein Hals, der brennt. Mein Körper besteht nur noch aus meinem Magen und meinem Hals. Zwei klopfende Punkte, die brennen, die stechen, die ziehen, gezogen haben, die mich auf diese Polizeiwache gezogen haben. Das bin ich meinem Körper schuldig, diesen Punkten, dass ich ihnen nachgebe, dass ich mich ziehen lasse. Dass ich jetzt eingreife. Da eingreife, wo er reingegriffen hat. Reingeschlagen hat. Reingedrückt hat. In meine Magenwürde. Und in meine Halswürde. In meine Körperwürde. Meine Alleswürde. [...]"
Was für ein Buch! „Die schönste Version“ist trotz des schweren Themas unglaublich schön geschrieben – ich hätte es in einem Rutsch durchlesen können. Doch tatsächlich musste ich es immer wieder beiseitelegen und zwischendurch etwas Leichteres lesen, weil es mich so oft wütend und traurig gemacht hat. Ein Buch, das wirklich jeder – und ich meine JEDER – lesen sollte. Ein absolutes Highlight!
Ein Buch mit so aktuellem Inhalt, auf das nicht häufig genug aufmerksam gemacht werden kann: toxische Beziehungen, häusliche Gewalt. So häufig passiert es und so selten wird darüber gesprochen. Lest dieses Buch, wenn ihr aushalten könnt, mit welcher Wucht die Autorin die Geschichte erzählt. Es hallt nach und wird mich noch eine Weile beschäftigen.
Ruth-Maria Thomas schreibt mit einer sprachlichen Präzision, die schneidet wie Glas. Ein schmerzhafter, wichtiger, aufrüttelnder Roman.
Die schönste Version ist kein Wohlfühlroman – es ist ein ungeschöntes Porträt einer jungen Frau auf der Suche nach sich selbst, mitten in einer toxischen Beziehung, die ebenso alltäglich wie erschütternd ist. Im Mittelpunkt steht die Beziehung zwischen Jella und Yannick: eine Geschichte, wie sie viele kennen könnten. Sie begegnen sich, verlieben sich, ziehen zusammen. Es ist ein Prozess des Erwachsenwerdens – mit all seinen Unsicherheiten, Kompromissen, Hoffnungen. Doch was zunächst wie eine typische Coming-of-Age-Liebesgeschichte beginnt, entwickelt sich zu einem beunruhigend realistischen Abbild psychologischer und schließlich auch körperlicher Gewalt. Jella wird nicht in einem einzigen Moment zur Betroffenen, es ist eher ein schleichender Prozess. Thomas beschreibt diesen Weg mit erschütternder Genauigkeit. Die Gewalt beginnt subtil: durch Kontrolle, Manipulation, emotionale Erpressung. Erst später eskaliert es in einem Moment, der kaum auszuhalten ist: Yannicks Hände schnüren Jella die Luft ab. Es ist ein erschütternder, körperlich spürbarer Moment, der das ganze Ausmaß der Eskalation offenbart. Aber die Wurzeln liegen nicht nur in Yannicks toxischem Verhalten, sondern auch in Jellas Vergangenheit – in familiären Dynamiken, in internalisierter Selbstverleugnung, in den Rollenbildern, mit denen junge Frauen groß werden. Thomas zeigt, wie patriarchale Strukturen durch persönliche Lebensgeschichten wirken – ohne Pathos, aber mit viel Kraft. Keine Figur in diesem Buch ist durchweg sympathisch aber „Die schönste Version“ erzählt nicht von Heldinnen und Tätern, sondern von echten Menschen mit Narben, Widersprüchen und Verstrickungen. Ich habe ich mich oft ertappt gefühlt – nicht, weil ich genau dasselbe erlebt habe wie Jella, aber weil mir ähnliche Dynamiken nur allzu vertraut sind. Ich kann das Buch empfehlen wenn man sich mit dieser Ungerechtigkeit auseinandersetzen kann.
Realistisch und hart
Wie ist Jella in die toxische Beziehung zu Yannick geraten und wird sie sich daraus befreien? Ein Blick in ihre Vergangenheit zeigt bereits in ihrer Jugend ein verzerrtes Selbstbild. Sie verbiegt sich, versucht das ihr durch die Gesellschaft auferlegte Bild der perfekten jungen Frau zu verkörpern und verliert sich immer mehr selbst. Der Sprachstil ist recht derbe, aber passend.
Merkmale
3 Bewertungen
Stimmung
Hauptfigur(en)
Handlungsgeschwindigkeit
Schreibstil
Beschreibung
Buchinformationen
Beiträge
Schonungslos und erschreckend real. Ein Buch, das wütend macht und trotzdem nicht loslässt.
Ich habe Die schönste Version als Hörbuch gehört. Es war kein leichtes Hören. Es war hart, stellenweise brutal ehrlich und genau deshalb so unfassbar gut. Die Geschichte wird aus Jellas Sicht erzählt und springt zwischen Vergangenheit und Gegenwart. In der Vergangenheit erleben wir sie als Jugendliche. Dieses Aufwachsen, die ersten Erfahrungen mit Jungs, dieses Denken, gefallen zu müssen. Und in der Gegenwart sehen wir, wo das hinführt. Diese Beziehung, das Zusammenziehen, dieses sich immer mehr verlieren. Bis es irgendwann eskaliert. Und genau dieser Weg dahin ist das, was so weh tut. Diese beiden Ebenen zeigen so klar, dass sowas nicht plötzlich passiert. Es entwickelt sich. Langsam. Was mich komplett fertig gemacht hat, war, wie real sich das alles anfühlt. Dieses Anpassen, dieses Gefühl, gefallen zu müssen. Ich habe mich in vielen Momenten als Frau wiedererkannt. Gerade dieses Denken zwischen 14 und 18. Man glaubt, man muss so sein. Und das Buch zeigt das so ehrlich, dass es weh tut. Besonders die Szenen rund um Grenzüberschreitungen waren heftig. Dieses „Ich habe doch nein gesagt“ und trotzdem wird es umgedreht. Dieses sich selbst die Schuld geben danach. Ich war beim Hören so oft einfach nur wütend 😡 Weil es genau so passiert und die Scham muss endlich umgekehrt werden. Und dann diese Dynamik. Erst aufmerksam, liebevoll, fast perfekt. Und dann Schritt für Schritt Kontrolle, Manipulation und Schuldgefühle. Alles wird so gedreht, dass sie denkt, sie sei das Problem. Und genau darin verliert sie sich immer mehr. Der Schreibstil ist direkt, teilweise derb, fast roh. Daran musste ich mich erst gewöhnen, aber genau das passt perfekt zur Geschichte. Es fühlt sich an, als würde man direkt in ihrem Kopf sein. Und trotz allem gibt es diese kleinen Momente. Freundschaft, Familie, dieses kurze Gefühl von Freiheit. Das war wichtig. Das Ende mochte ich sehr. Diese kleine To-do-Liste, dieses vorsichtige Zurück zu sich selbst. Für mich ein unglaublich starkes Debüt, das weh tut, wütend macht und trotzdem komplett fesselt. Und genau deshalb bekommt es von mir fünf Sterne 😥✨

Wow! So detaillierte Einblicke in eine toxische Beziehung voller Gewalt, Eifersucht und der gegenseitigen Auslieferung der Gefühle füreinander hallen immer noch nach. Ruth-Maria Thomas hat mit ihrem Debütroman einen Blick geschaffen, der in dem Mikrokosmos der ostdeutschen Kleinstadt und den wenigen Charakteren der Geschichte mit so viel Brutalität, expliziter Sprache und psychologischerTiefe daherkommt, dass man das Buch förmlich verschlingt. Man dringt so tief in die Beziehung zwischen Jella und Yannick, aber auch zwischen Jella und ihren Freundinnen und Eltern ein, dass man diese Szenen leicht vor Augen hat und sich hineinversetzen kann. Die Schilderungen über eine Beziehung, die aus Hass und Anziehung zugleich besteht, passt einfach unfassbar gut in den aktuellen Zeitgeist und legt den Finger in die Wunde unentdeckter (sexualisierter) Gewalt in Beziehungen, gerade gegenüber Frauen. Der gesamtgesellschaftliche Kontext des Buches kommt in der Geschichte nicht so sehr zum Tragen, wie er es außerhalb der Seiten ist. Es wird ein Thema beleuchtet, dass auf den unbeleuchteten Straßen Europas und der ganzen Welt im Dunkeln verschwindet - genau so wie hinter den IKEA-Vorhängen von Low-Budget eingerichteten Wohnung bis hin zur Villa in Blankenese. Wir müssen alle viel mehr Verständnis für die Menschen in unserem Leben aufbringen und Gewalt aufs schärfste verurteilen, dieses Buch ist ein Meisterstück dieser Lehre aus der richtigen Perspektive.
Ostdeutsche Kleinstadt und Jella und Yannick , und die erste große Liebe und, was daraus geworden ist. Ich würde es sogar als Buch für die Schule ab Kl.10-12 empfehlen. Weil es deutlich zeigt, was es bedeutet, als Mädchen/ Frau aufzuwachsen. Ja, mit all den derben, brutalen, gewaltsamen , direkten Worten und Bildern, die Ruth- Maria Thomas hier verwendet, um uns das gemeinsame Leben von Jella und Jannick zu zeigen. Alles aus der Sicht von Jella. Mich hat das sehr berührt und viele Gedanken, ähnliche Erlebnisse,Situationen habe ich genau so wahrgenommen. Zum Glück für mich, ist es nie so eskaliert.
Wir erleben in chronologischer Reihenfolge, von demTag an, an dem die Beziehung ( heute sagt man toxisch) eskaliert und Yella von ihrem Freund gewürgt wird. Ihre ganzen Gefühle( Angst, Scham, Hilflosigkeit,Zweifel, Schuld..)- bis zum Tag ihrer Entscheidung, wie es weitergeht. Und dann sind da immer wieder Rückblicke, die Yellas aufwachsen /Elternhaus und ihre Jugend ohne Jannick zeigen, bis zu ihrer Beziehung/ ihr gemeinsames Leben. Das es ein Debütroman ist- unglaublich für mich.
" Ich will es ihr ja sagen, will ihr alles sagen, will nicht wieder nichts sagen, allein sein damit, wegrennen in meinen Laufschuhen. Ich will es teilen dieses Mal, eine Hand in meiner, und die Gedanken aus meinem Kopf holen, in die Welt setzen, ihnen Raum geben, sie real werden lassen. Aber dann wäre es ausgesprochen, und.. da. Richtig da."
Was war das für ein Buch! Und das meine ich wirklich positiv. Anfangs war ich nicht so begeistert, doch irgendwann hat es mich sowas von gepackt. Inhalt: Da es ja auch im Klappentext steht, kann ich wohl schon vorwegnehmen, dass es um eine toxische und durchaus gewaltvolle Beziehung geht. Doch dabei bleibt es nicht, es geht in diesem Buch auch um viel mehr: Selbstbestimmung, Sexualität, Kindheits- und Jugenderfahrungen, sexuelle Übergriffe und der Umgang dieses, Ungerechtigkeiten in solchen Fällen, psychische Gesundheit, Victim Blaming... Und das macht die ganze Geschichte nun mal hoch aktuell. Die Autorin hat um die ganze Story am Anfang und Ende einen sehr eindrucksvollen Rahmen gespannt, sodass man anfangs schon Ausschnitte der Eskalation und die nachfolgende Begegnung mit der Polizei an die Hand bekommt. Schon allein vom Aufbau ist die Geschichte nur gelungen. Einige Szenen, darunter Sexszenen oder Gewaltszenen, sind wirklich unverblümt geschrieben worden und es wurde einfach so detailliert alles niedergeschrieben, dass man als Leser Teil ist. Und da wird einem ganz anders, wenn man die Gewalt wirklich fühlen kann. Schreibstil: Wie man schon am Zitat erkennen kann, ist auch der besonders. Vielleicht etwas komplex zu lesen. Beim Hören war er eher vorteilhaft, da die Sprache sehr klar war. Und das ist auch noch ein Punkt: Die Sprache war klar und fast schon sachlich und einfach berichtend. Das Urteilen bleibt dem Leser, doch die Autorin tut es durch ihre Figur Hella eigentlich nicht. Dafür man selbst als Leser umso mehr. Außerdem könnte es für den ein oder anderen etwas zu ehrlich und fast schon vulgär werden. Doch wenn man das Buch deshalb nicht liest, verpasst man was. Charaktere: Hella ist sehr vielschichtig. Besonders spannend finde ich auch, dass man aufzeigt bekommt, dass es nicht das typische Opfer gibt. Es ist keine Schwarz-Weiß- Geschichte. Die Beziehung ist komplex. Das war alles wirklich unfassbar gut umgesetzt. Alles daran war top. Leider muss ich aber sagen, dass ich bereits nach so 3 Wochen wieder viel der Story nicht mehr direkt vor meinem inneren Auge habe. Sehr schade, etwas davon zu vergessen. Kurzes Chapeau auch noch an die Hörbuchsprecherin, ich könnte mir keine bessere für diese Geschichte erdenken. 5/5 Sternen 🌟🌟🌟🌟🌟

Sie haben recht, all die positiven Stimmen. Das hier ist ein verdammt gutes Buch. Es ist aber auch ein Buch, das direkt mit der geballten Faust in den Magen schlägt. Es schmerzt, bringt einen fast zum Erbrechen und ich spüre die Faust Stunden später, ach Tage später, noch nach. So gründlich und fein erzählt Ruth-Maria Thomas, wie Jella von Anfang an nicht gut zu sich selbst war. Wie sie in jungen Jahren ihre Weiblichkeit entdeckt und zu wenig auf sich und ihre eigenen Bedürfnisse achtet, sondern alles dafür tut um Jungs bzw. Männern zu gefallen. Wie Mädchenzeitschriften ihr Ratschläge geben wie sie sich zu verhalten hat, um einen Jungen an sich zu binden und sie selbst zum Objekt macht. Es war hart für mich, diesen Lebensabschnitt von Jella zu lesen, da ich sehr gut nachempfinden konnte, wie stark die Gesellschaft uns prägt und wie sehr man sich verstellt, um zu gefallen oder Dinge tut, die Frau nicht tun möchte, aber aus einer Angst heraus über sich ergehen lässt. Und dann erlebe ich wie Jella und Yannick sich finden. Es sich gut anfühlt, richtig anfühlt, voller Schmetterlinge im Bauch und Respekt füreinander und irgendwie merk ich doch von Anfang an, irgendwas ist auch hier nicht richtig. Yannick hat eine sehr einvernehmende Art und Jella verstellt sich „aus Liebe“ für ihn. Aggressionen die sich aufstauen, Wut die ausbricht und Gewalt die überhandnimmt. Sehr gut find ich den sprachlichen Wechsel zwischen Derbheit und Weichheit, Ruhe und Unruhe, Panik und Gelassenheit - hat mich durchatmen lassen. Auch die Zeitsprünge zwischen jetzt und den Erinnerungen an die Jugend und den Beginn der Beziehung zu Yannick, haben mich die ganze schwere Kost leichter verdauen lassen, auch wenn ich sagen muss, ich verdaue immer noch. Das wird definitiv nicht mein letztes Buch der Autorin sein, ich hoffe es kommen noch einige nach. S.49 „Es war ein bisschen anstrengend zu lesen, alte Sprache und sehr umständlich, aber das Mädchen, das dort auf die Reise ging, hatte die gleichen Gefühle, Ängste und Träume wie die Mädchen in den pinken Herzbüchern, auch wenn sie diese in langen verschachtelten Sätzen dachte. Es erstaunte mich: fast hundert Jahre Abstand und doch alles gleich“ S.67 „Weißt du, warum ich in Wahrheit immer Kondome dabeihabe?, sagte Linh zu mir, als wir uns beide nach dem Kino in mein Bett quetschten. Ihr Atem roch nach Pfefferminz, und ich fragte: Warum? Falls ich mal vergewaltigt werde, kann ich den Vergewaltiger immer noch anbetteln, dass er ein Kondom nimmt.“ S.75/76 „Sagte mir, es sei doch klar, dass er schneller ranging, schließlich war er älter, und na ja, außerdem ein Typ, die können sich nicht so gut beherrschen, er steht halt auf mich, sagte ich mir, wow, er steht auf mich, also reiß dich zusammen, du hast hier gerade ein Date am Start! Tom öffnete seine Hose, schob meine Hand hinein und zog meine Finger auseinander. Ich spürte etwas Warmes, Straffes, fühlte mich unwohl dabei und ließ es geschehen.“ S.199 „Und als Yannick dann sagte, ja, okay, wer läuft auch nachts so draußen rum…Da wurde mir wie Winter mit Dunkel und Kälte, und ich bekam Schweißperlen im Nacken, dachte seit langer Zeit an dieses eine Weihnachten zurück, mein Paillettenkleid war damals sehr kurz.“
Die Beziehung von Jella und Yannick ist von Anfang an toxisch, auch wenn beide es zunächst für Wolke 7 halten. Yannick, Anfang 30, Künstler, nach ein paar Jahren in München zurückgekehrt in die Lausitzer Heimat, hat eine sehr manipulative Art, seinen Willen durchzusetzen. Jella, 10 Jahre jünger ,Studentin, die von Bafög lebt, auf der Suche nach Zärtlichkeit und Anerkennung, ist eine People Pleaserin, die es nicht schafft, sich abzugrenzen. Beide hatten in ihrem Aufwachsen keine positiven Rollenbilder für funktionierende Beziehungen. Aber nicht nur Yannick leidet an mangelnder Impulskontrolle, auch in Jella brodelt ein Vulkan, sie versucht verzweifelt, sich ihren Freiraum und ihre Würde zurück zu erobern, kriegt es aber nicht anders hin, als in passiv-aggressiven Aktionen und unvermittelten Wutausbrüchen, in denen sie Yannick herabwürdigt. Sehr fein beschreibt Ruth-Maria Thomas die Abwärtsspirale, in der sich Jella und Yannick befinden. Neben dem Thema "häusliche Gewalt" geht es in diesem Buch aber auch um Klassismus, Erwartungen von Eltern an ihre Kinder und die Arroganz der Wessis in Ostdeutschland. Mit teilweise roher und direkter, aber zugleich lyrischer Sprache beschreibt die Autorin hier ein Thema, das zu selten richtig benannt und dessen Ursachen zu selten thematisiert werden. Der Roman ist mit einer Wucht geschrieben , die einen umhaut, aber auch so richtig mitnimmt.
Intensive Geschichte
Die Geschichte beschreibt eindringlich wie toxisch Jellas und Yannicks Liebe ist. Mit derber Sprache gelingt es der Autorin, kein Schwarz-Weiß-Bild zu zeichnen, sondern verschiedene Facetten der gewaltvollen Beziehung zu zeigen. Mir ging es manchmal zu schnell, dass Situationen gekippt sind und ich mich unerwartet mit schweren Situationen auseinandersetzen musste. Das damit erzeugte Unbehagen ist wahrscheinlich beabsichtigt.
„Mir fällt auf einmal das Schlucken schwer. Ich lasse mich ins eiskalte Wasser fallen, und in der Sekunde, in der mein Kopf unter dem Wasser ist, ist mir klar, dass es nicht geht, dass das wirklich nicht in Ordnung ist, dass meine Mutter mich in ihrem Bauch getragen hat und dann ein Mann kommt und seine Hände an meinen Hals legt, als wäre es sein Recht, als hätte er irgendeine Befugnis, über mein Leben zu bestimmen.“
*Triggerwarnung* Ein wirklich unverschöntes Buch über den Umgang mit häuslicher Gewalt, toxischer Beziehungskonstrukte und die eigene Wahrnehmung über einen selber im Laufe der Jahre. Dieses Buch ist definitiv einzigartig. Die Art und Weise wie vulgär alles geschrieben ist, als wenn es direkt an eine beste Freundin gerichtet ist. Es werden die Beziehungen im Laufe der Jahre von der Protagonistin Jella durchleuchtet. Man kann sich sehr gut in sie hineinversetzen und es gibt einen tollen Einblick, weshalb sie handelt und denkt, wie sie es eben macht. Es beschreibt auch das gigantische Gedankenkarussell, welches einem begegnet, wenn einem so etwas furchtbares widerfährt. Das ständige Schwanken von „so schlimm war es nicht“ bis hin zu „das war das Schlimmste was eine Person machen kann“ „Und dann. Danach. Das Abtun, als wäre nichts gewesen. Als würdest du übertreiben. Dann wirst du selber unsicher, zweifelst, bekommst das Gefühl, dass du deiner eigenen Angst nicht mehr vertrauen kannst. Und dann. Wischst auch du es weg, als wäre es nichts, nur ein Teil des Streits, keine lebensbedrohliche Situation, die dich verfolgt, bis in deine Träume. […] Das ist das, was mich am meisten fertigmacht. Der Verrat an mir selbst.“ Ein Buch welches Mut macht, für sich selber einzustehen, egal welche Hürden der eigene Kopf einem in den Weg stellt. Nur leider ein abruptes Ende. Dies hätte ich mir ausführlicher gewünscht.
„Die schönste Version“ ist ein hartes, ehrliches und sehr wichtiges Buch. Es zeigt auf erschütternde Weise, wie eine zunächst glückliche Beziehung, Schritt für Schritt in etwas Zerstörerisches kippt - bis zur Eskalation und ihren Folgen. Am Anfang musste ich mich etwas an den direkten, stellenweise recht derben Schreibstil gewöhnen, doch im Laufe des Buchs merkte ich wie gut er zu der Geschichte passt. Ein Buch das aufrüttelt und einen zum Nachdenken bringt. Keine leichte Kost, aber definitiv lesenswert.
"Wir beschlossen, dass wir von nun an am Projekt Geilheit arbeiten müssten, mit dem Ziel, unverzichtbar, nein: unentbehrlich für Männer zu werden." "Konnte Rippen ertasten und fühlen, wie alles atmete. Das war mir alles so unvertraut geworden, ich war so lange so weit weg von mir selbst gewesen, dass ich fast vergessen habe, dass ich da war." "Ich beobachtete mich dabei, wie ich jeden meiner Schritte kontrollierte, um die zu bleiben, in die er sich verliebt hatte, und merkte, wie meine Muskeln verspannten." Die Studentin Jella ist aufgewachsen in einem Plattenbau, die Eltern haben sich getrennt, sie ist bei ihrem Vater geblieben. Sie erlebt eine ganz normale Kindheit, in ihren Jugendjahren versucht sie sich zu finden, provoziert teilweise, lebt ihre Sexualität aus und muss dabei auch schlechte Erfahrungen machen, die sie prägen und verändern. Zufällig lernt sie den Künstler Yannick kennen, sie verlieben sich, ziehen in eine gemeinsame Wohnung und planen ihre Zukunft. Alles scheint perfekt, doch es entwickelt sich ganz langsam eine toxische Beziehung zwischen den beiden, immer wieder kommt es zu verbalen und körperlichen Auseinandersetzungen, bis Jella eines Tages zu ihrem Vater flüchtet. In einer brutal ehrlichen und deutlichen, teilweise schon derben Sprache entwickelt sich sehr schnell ein Sog. Als Kontrast dazu werden die Gefühle und Gedanken von Jella ganz leise und fein beschrieben. Das Buch lässt sich sehr leicht lesen, das Gelesene lässt sich allerdings nicht so leicht verarbeiten, passiert es doch so oder ähnlich in vielen Beziehungen. Für mich auf jeden Fall eine Leseempfehlung ⭐ für alle, die das Thema häusliche Gewalt aushalten können
Eine Geschichte über das Erwachsen werden und Gewalt in Beziehungen, gefühlt sehr nah an der Wirklichkeit.
Das Buch hatte eine einfachen Schreibstil, der auf mich trotzdem auch poetisch gewirkt hat. Ich denke, dass viele (Frauen) in dem Buch mindestens einzelne Situationen oder Gedanken finden, die sie selber so oder so ähnlich erlebt haben. Oder sich sogar selber in der Geschichte erkennen. Das Buch erzählt in einer Rahmengeschichte wie die Protagonistin, nachdem ihr Freund sie geschlagen hat, mit der Situation umgeht. Parallel dazu erfährt man in Rückblicken wie sie aufwächst und wie es zu der Situation gekommen ist. Denn kommt es wirklich aus dem Nichts zu Gewalt in einer Beziehung? Oder gab es doch Anzeichen? Ein gut geschriebenes Buch über ein wichtiges Thema, das fast nebenbei die Erfahrungen von jungen Frauen aufrollt und darstellt. Dabei ist es schonungslos, ehrlich und macht deutlich, dass für die Betroffenen selbst (zunächst) Vieles nicht so klar und eindeutig erscheint. Für mich empfehlenswert.

Über das Verlieren – und Wiederfinden – des Selbst
Ein stilles, aber eindringliches Buch über eine toxische Beziehung – und darüber, wie leicht man sich selbst verlieren kann, wenn man gefallen will. Jella ist eine Figur, die nicht laut rebelliert, sondern sich anpasst, versucht, richtig zu sein – für jemanden, der sie systematisch kleinmacht. Genau das macht sie so greifbar. Denn viele von uns kennen solche Dynamiken, solche Typen, die ihre Spuren hinterlassen, ohne dass man es direkt merkt. Ruth-Maria Thomas schreibt ohne Pathos, ohne Überdramatisierung – und genau das macht den Text so ehrlich. Es ist keine Geschichte, die auf Schockmomente setzt, sondern eine, in der man sich stellenweise wiederfindet. Das Hörbuch entfaltet dabei eine besondere Stärke: Die Erzählstimme passt hervorragend zur Atmosphäre der Geschichte, ruhig, klar, nah an der Figur. Ich bin froh über das Ende – und dass Jellas Weg so erzählt wurde, wie er erzählt wurde.
Ehrlich und real
Ich brauchte ein paar Seiten, um rein zu kommen und mich daran zu gewöhnen, dass bei der wörtlichen Rede die Satzzeichen fehlen. Aber letztendlich war ich dann schnell drin in Jellas und Yannicks Geschichte von einer so extrem toxischen Beziehung. Die detaillierten Beschreibungen gaben mir das Gefühl, mit im Raum zu sein, wenn Jella und Yannick stritten. Es war nicht schwer, sich während des Lesens die Szenen bildlich vorzustellen. Eine gemütliche Strandlektüre ist das jedenfalls nicht.
In dem Buch geht es um eine junge Frau, ihre Beziehung und die Frage, wie viel man von sich selbst aufgibt, um geliebt zu werden. Themen wie Abhängigkeit, Macht und Selbstwahrnehmung spielen dabei eine große Rolle. Ich fand das Buch richtig gut, sehr intensiv und manchmal schwer zu ertragen. Der Schreibstil hat mir super gefallen.. sehr direkt, ehrlich und es wird nichts beschönigt. Ich habe es als Hörbuch gehört, und die Sprecherin war mega. „Der Wald hinter uns dunkel, über uns Mond, alles silberfarben, alles todesschön. Wenn du ein Moment wärst, Jella, dann wärst du dieser, flüstert Yannik, und ich muss lachen, sage: Ach, du spinnst! Kann aber nicht aufhören zu lächeln, weil es mir so gefällt.“ „Wer bist du eigentlich?, frage ich mein blasses, mit Dampf verhangenes Spiegelbild. Was willst du?“
Bedeutend und wichtig 💜
Mein 1. Buch in 2026 und es hat mich nicht enttäuscht. Ich hatte nur vom Lesen des Klappentextes eine deutlich andere und leichtere Story erwartet. Direkt im ersten Kapitel stellte sich allerdings heraus, dass es um viel wichtigere und bedeutendere Themen gehen würde. ❤️🩹 (Spoiler folgend) Das Buch behandelt häusliche Gewalt, toxische Männlichkeit und Manipulation. Es ist real und schonungslos ehrlich geschrieben. Es gibt viele Rückblicke, die sehr gut helfen, die Protagonistin Jella zu verstehen. Was mir besonders gut gefallen hat ist, dass Jella nicht als die perfekte Person geschrieben ist, sondern auch ihre Fehler macht. Allerdings artet es bei ihr nie so sehr aus, wie bei ihrem (Ex)-Partner, der sie beinahe erwürgt hätte. Was eben auch der entscheidende Unterschied zwischen den beiden ist. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Am Ende wurde ich auch echt emotional, da es so unfair ist, wie viele Menschen tagtäglich solche Situationen aushalten müssen. 🥺 Ein bestimmter Satz am Ende des Buches ist für mich besonders herausgestochen. Die Protagonistin Jella ist sich nämlich lange nicht sicher, ob sie ihren Ex anzeigen soll, oder ob es vielleicht gar nicht so schlimm gewesen ist. Sie vertraut sich dann ihrer Freundin an und diese fragt sie: „Was würdest du mir denn raten, wenn ich an deiner Stelle wäre?“ Wirklich ein großartiges Buch. So kann das Lesejahr beginnen. 🤍
Highlight 💥🌸
Männer haben immer Recht. Was sie sagen ist automatisch richtig, intelligent und witzig. Deshalb ist es für Jella nur logisch, ihr Leben darauf auszurichten, diesen Männern zu gefallen. Sich nur durch deren Augen zu sehen. Keine Grenzen zu setzen, bei allem mitzumachen und eigene Bedenken zu ignorieren. In ihrer Zeit mit Yannik gerät ihre Einstellung irgendwann ins Wanken. Die vermeintlich perfekte Beziehung kippt und ihr wird rückblickend klar, dass sie eigentlich nie gut war, dass keine ihrer Beziehungen je gut war. Es ist schön und schmerzhaft ihr langsam beim Begreifen zuzusehen. Mir hat das Buch richtig gut gefallen. Es wird mir noch lange im Kopf bleiben und ich kann es sehr empfehlen.

„Die schönste Version“ erzählt in ungeschönten Worten, wie eine glückliche Beziehung langsam in eine toxische Abhängigkeit kippt. Die Protagonistin hat mich dabei immer wieder abgestoßen und fasziniert zugleich – ihre widersprüchliche Entwicklung wirkt schmerzhaft authentisch. Trotz meiner zeitweisen Abneigung habe ich das Buch beendet und es nicht bereut.
Eher nicht mein Ding…
Ich hab dem Buch so entgegen gefiebert, weil ich von der Beschreibung her gedacht habe, dass es total was für nicht ist… aber der Schreibstil der Autorin hat mir persönlich überhaupt nicht gefallen, die ganze Art des Erzählens eigentlich. Zudem fand ich die Protagonisten total unsympathisch und naja, ich hab es beendet (aber beim Putzen als Hörbuch dann, sonst hätte ich es sicher abgebrochen…)
Toxische Beziehungen
Oft ist es doch so, dass man denkt, es wird schon wieder. Es war nicht so schlimm. Man ist selbst schuld daran. In diesem Buch geht es um eine toxische Beziehung, die in den eigenen 4 Wänden ausgelebt wird und nach außen hin eher perfekt wirkt. Es geht um die eigene Veränderung, die eine Frau auf sich nimmt, um dem Partner gerecht zu werden, obwohl man das vielleicht garnicht will. Und es geht darum, irgendwie da wieder rauszufinden. Wo sind die Grenzen? Wann erkennt man, dass die schon lange überschritten wurden? Ich fand das Thema wichtig. Die Geschichte wurde sehr ehrlich dargestellt. So ist das bestimmt schon sehr oft auf dieser Welt geschehen. Allerdings hat mir der Schreibstil nicht gefallen. Zu abgehakt. Die Kapitel sind recht kurz gehalten. Das war positiv. Zeitsprünge mag ich sehr, allerdings war das in dem Buch eher unnötig.
Ein Buch bei dem die Meinungen stark auseinandergehen. Ich habe das Buch bereits vor 3 Tagen beendet und was soll ich sagen. Es hat mich lange sprachlos zurückgelassen.
Handlung: Das Buch erzählt die Geschichte über die erste Liebe von Jella und Yannick. Sie wollen alles richtig machen und trotzdem passieren sehr viele negative Dinge. Welche davon sind zu verzeihen oder welche Geschehnisse sind gefährlich? Fazit: Ich hätte mir eine Triggerwarnung gewünscht! Wie oben schon angeschnitten hat mich das Buch nach dem Beenden mehrere Tage sprachlos zurückgelassen. Ich war auch ehrlich verstört und habe schon während des Lesens oft mit dem Kopf schütteln müssen. Der Schreibstil ist sicherlich extra so gewählt, aber mir hat er leider garnicht gefallen. Ich fand die Beschreibungen viel zu vulgär und manchmal wiederum abgehakt. Zudem konnte ich persönlich mit der Protagonistin nicht warm werden. Ich mochte ihren Charakter nicht und bei ihren Taten oder Gedanken, die beschrieben wurden habe ich auch öfter mit offenem Mund dagesessen. Ja es ist ein extremes Buch und es behandelt krasse Themen und ich denke, dass die Schriftstellerin bestimmt wohl überlegt auch hier eine solche Schärfe in ihre Zeilen legt, aber mir persönlich war es zu viel. Gerade deshalb hätte ich mir vorher eine Triggerwarnung gewünscht. Ich bleibe hier mit gespaltenen Gefühlen und einer Sprachlosigkeit zurück.
⭐️⭐️⭐️⭐️,5
In ihrem Debütroman erzählt Ruth-Maria Thomas die Geschichte von Jella, die in einer ostdeutschen Kleinstadt der 2010er Jahre aufwächst und ihre erste große Liebe mit Yannick erlebt. Die Beziehung entwickelt sich jedoch zunehmend toxisch, geprägt von Abhängigkeiten und Übergriffen. Der Autorin gelingt es, die Komplexität solcher Beziehungen eindringlich darzustellen und die feinen Grautöne zwischen Liebe und Gewalt herauszuarbeiten. Der Roman überzeugt durch die authentische Schilderung der inneren Konflikte der Protagonistin. Die Autorin beleuchtet die gesellschaftlichen Bedingungen, die zu solchen Dynamiken führen, ohne dabei zu moralisieren. Dies ermöglicht es, sich selbst intensiv mit den Themen Identität, Selbstwert und Emanzipation auseinanderzusetzen. Ein kraftvolles und bewegendes Buch, das lange nachhallt und zum Nachdenken anregt.
Wow - dieses Buch hat mir echt mitgenommen!
Ich kann noch gar nicht in Worte fassen, was das Buch mit mir gemacht hat. Ich fand es bedrückend, ernüchternd, realistisch - und zum Glück gar nicht plakativ! Es ist so toll geschrieben, wie ambivalent Menschen in missbrauchenden Beziehungen sind, wie klar sich im Rückblick die ersten Signale zeigen, wie schwer die Loslösung ist - aber auch, dass es nicht um Schuld i.S. von „Du hast aber auch!“ geht. Körperliche Gewalt ist niemals gerechtfertigt. Punkt.

Auch ein paar Tage später noch schwer in Worte zu fassen!
Das Buch war auf jeden Fall sehr intensiv und man sollte sich ggf. die Triggerwarnungen ansehen. Als 90er Kind habe ich mich zum Teil erschreckend oft in den Zeilen wieder gefunden, ausgenommen der Gewalt. Trotz dieser Intensität und ungewöhnlichem Schreibstil klare Leseempfehlung!
Lesehighlight
Jella wächst zwischen ständigen Zeitsprüngen als Kind der 90er Jahre von einer Jugendlichen zu einer jungen Studentin heran. Auf ihrem Weg trifft sie auf zahlreiche junge Männer, mit denen sie etwas hat und die patriarchalische Verhaltensmuster zeigen. Jella bleibt trotzdem gesellig und unternehmungslustig. Die schlechten Erfahrungen mit Männern kann sie noch nicht explizit als solche verbuchen. Sie ist fasziniert im Positiven wie im Negativen. Dann kommt sie mit Yannick zusammen. In das anfängliche Verliebtsein und schnelle Zusammenziehen tröpfeln nach und nach ebenfalls patriarchalische Verhaltensmuster Yannicks mit ein, bis hin zu einem Vorfall, der alles verändert… Ruth-Maria Thomas bringt ein wichtiges Thema aufs Tableau: physische und psychische Gewalt von Männern gegen Frauen. Ihr Roman ist im wahrsten Sinne gewöhnungsbedürftig. Jella ist eine höchst ambivalente Figur, die ich erstmal zu fassen kriegen musste. Einerseits stört sie die an ihr verübte Gewalt der Männer, andererseits ist sie auch fasziniert und provoziert diese teilweise sogar herauf. Jella bekommt lange keine Resonanz auf ihre Erfahrungen, weder von Freundinnen noch von ihren getrennten Eltern. Sie holt sich die Resonanz aber auch nicht aktiv. Dadurch (und wohl auch durch fehlende Aufklärung) reflektiert sie ihre Erlebnisse erst viel zu spät. Das ist wohl leider authentisch und genau hierin besteht das Geniale, Lehrreiche und Exemplarische an der Hauptfigur Jella. Des Weiteren musste ich mich an die drastische, vulgäre Darstellung von Gewalt und Sex/Körperlichkeit gewöhnen. Dieser Stil war aber letztendlich notwendig, um die Gesamtproblematik der sich Thomas annimmt unmittelbar und greifbar darzustellen. Ein unglaublich starker lehrreicher Roman, der unbedingt, von vor allem jungen Leserinnen und LESERN , gelesen werden sollte. Aus meiner Sicht ein sehr wichtiger feministischer Beitrag, weil er so authentisch und trotzdem ausdifferenziert ist. Und trotzdem: Das Buch ist sehr schwer auszuhalten (TW) und verlangt viel leser*innenseitiges Mitdenken.
„…also reiß dich mal zusammen, das war doch nichts. Wird schon wieder werden.“
Wie viele Menschen haben diesen Satz schon gesagt? Gehört? Gefühle, Wahrnehmungen und überschrittene Grenzen damit heruntergespielt. Die Antwort ist vermutlich erschütternd. Jella sagt diesen Satz. Zu sich selbst. Zwar nur einmal wörtlich im Roman, aber doch indirekt immer wieder. Sie spielt Grenzüberschreitungen, Übergriffe, Gewalt herunter. Gibt sich vielleicht sogar noch selbst die Schuld. Wenn man liest, was Jella sich gefallen lässt, von fremden Männern, Freunden und zuletzt ihrem Partner, möchte man sie am liebsten schütteln und anschreien: Wach auf! Renn! Es ist erschreckend, wie sich die „Toleranzgrenze“ dessen, was man als normal empfindet, immer mehr verschiebt. Abstumpft. Man sich irgendwann in einer Dynamik wiederfindet, die alles andere als „eine romantische Beziehung“ ist. Und das ohne es überhaupt bemerkt zu haben. Ruth-Maria Thomas schreibt einen sehr einfühlsamen, aber gleichzeitig harten Roman über häusliche Gewalt und die Sozialisation einer Frau, die in den 2000er Jahren erwachsen wird und ihren Wertekompass auf dem damals gesellschaftlich üblichen Schweigen und Über sich ergehen lassen aufbaut. Derbe und zarte Worte wechseln sich ab. Dabei bleibt nichts einseitig, sondern die Beziehung zwischen Jella und Yannick wird so komplex, kompliziert und ambivalent dargestellt, wie vergleichbare reale Beziehungen ebenfalls sein können. Aber das Wichtigste: Die Autorin benennt übergriffiges Verhalten, häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt als das, was es ist. Und das ist so wichtig. Denn der erste Schritt dagegen anzukämpfen ist, es überhaupt zu erkennen und zu benennen. Ein wirklich hervorragendes Buch, das mich betroffen, nachdenklich, wütend und traurig gemacht hat. Und mir in vielerlei Hinsicht auch weiter die Augen geöffnet hat. Ich empfehle es jedem, der das Thema aushalten kann.
„Weißt du, warum ich in Wahrheit immer Kondome dabeihabe? (…) Falls ich mal vergewaltigt werde, kann ich den Vergewaltiger immer noch anbetteln, dass er ein Kondom nimmt."
Puh, leider die für viele erschreckende Wahrheit über das „Frau werden“, völlig authentisch und ehrlich geschrieben. Es ist wirklich traurig, wie vielen Mädchen und Frauen es scheinbar gleich geht, auf wie vieles wir achten „müssen“ und „sollen“, an wie vielen wir „selbst schuld sind“, weil unsere Klamotten zu „aufreizend“ seien. Dieses Buch hat meine innere Feministin schreien lassen und so viel Mitleid und Wut ausgelöst. Es waren so viele wichtige Erfahrungen und tolle Zitate in diesem Buch, dass ich es jeder Frau und vor allem jedem Mann empfehlen möchte. So viel falsches passiert im verborgenen und wir sollten viel mehr auf unsere Mitmädels und uns aufpassen. Ein starkes Buch für starke Nerven. ❤️🩹

Yannick und Jella sind ein Paar. Sie sind beide wohl der Innbegriff von Toxizität. Erschreckend ist, wie beide Personen miteinander umgehen. Und wie sie oft versuchen, den ungesunden Umgang miteinander zu romantisieren. Bis es zu einem Zwischenfall kommt, der einen der Beiden dazu bringt, aus dieser Beziehung auszubrechen. Wir erfahren davon schon ganz zu Beginn dieses Buches und gehen nach und nach durch die Beziehung mit Yannick und Jella. Wobei wir hier nur Jellas Perspektive erfahren und aus ihrer Sicht lesen. Die wörtliche Rede ist in dem Buch nicht extra gekennzeichnet. Dies soll sicherlich eine Distanz schaffen. Trotzdem habe ich persönlich alle Emotionen mitgefühlt und war überhaupt nicht distanziert. Gerade als Frau kamen mir so einige Gedankengänge erschreckend bekannt vor. Gerade, wenn es darum geht, dass Jella um jeden Preis gefallen will, ihre eigene Meinung unterdrückt oder sie revidiert, wenn sie merkt, sie kommt nicht gut an. Ruth-Maria Thomas nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie schreibt klar und einfach. Manchmal in lyrischer Form, manchmal werden Sätze einfach unbeendet gelassen. Sie zeigt Symptomatiken auf und überlässt es dem/der Leser:in die Ursachen zu ergründen. Häufig liegt das aggressive Verhalten/ die Unsicherheiten der Hauptcharaktere an fehlenden Vorbildern, der Entfremdung zu deren Eltern, fehlender Wertschätzung und Liebe; an zu wenig, zu falscher Kommunikation. Vieles kann, wird und soll besser nicht ausgesprochen werden. Hauptursache sind immer noch patriarchale Strukturen, denen man sich nur schwer entziehen kann. Für mich war dieses Buch häufig schmerzhaft. Ich konnte es nicht schnell lesen. Ganz oft hat es Beklemmung und Wiedererkennen ausgelöst. Es wäre noch wichtig zu erwähnen, dass die Handlung Anfang 2000 spielt. Und es ist absolut wichtig, dass ein Umdenken stattfindet und bisher bereits stattgefunden hat. Gerade junge Frauen dürfen und müssen sich äußern. Müssen sich nicht abgeklärt und kühl geben, um zu gefallen. Dürfen ihre Meinung bestimmt äußern. Müssen sich positionieren. Und ihr Umfeld sollte dem mit Respekt begegnen. Mir hat das Buch gefallen. Für mich wäre es jedoch noch interessanter gewesen, hätten wir auch aus Yannicks Perspektive lesen können. Daher den einen Punkt Abzug.
Atemlos durch ihr Leben
Das Buch liest / hört sich, wie ein atemloser Bericht: Jella hetzt nahezu durch ihre Geschichte, wie um die angestauten Gefühle – die Wut, die Ohnmacht, die Scham – schnell schnell, endlich (!) rauszulassen. Die Darstellung von toxischen Beziehungen, die fast selbstverständliche Hintenanstellung der Hauptfigur hinter den Männern, die Belächelung des Ostens: Das Alles wird in einem präzisen Ton, der oft unangenehm hart ist, beschrieben. Ich habe so oft ungläubig mit dem Kopf geschüttelt und auch ein, zweimal leicht angeekelt den Mund verzogen. Ein harter, schneller Roman, aber ich bin froh, ihn gelesen (bzw. gehört) zu haben.
Die Geschichte muss man erstmal sacken lassen und sich durch den Kopf gehen lassen. Die Geschichte fängt an wie Jella nach ein Angriff von ihren Freund aus der Wohnung stürmt. Nach und nach erwahren wir mehr aus Jellas Leben. Zwischen Kindheit und Jugend und das Erwachsenwerden gibt es eine Menge. Viele Emotionen, Manipulationen, Grenzüberschreitungen,Denkmuster ,toxische Beziehungen bis hin zu häuslicher Gewalt. All das sind keine einfache Themen. Der Schreibstil ist nicht für jeden was und mir war es hin und wieder etwas zuviel hin und her gesprunge. Trotzdem ein wichtiges Thema, den " dass ihm trotzdem nicht das Recht gab, mir den Atem zu nehmen, die Hände an meinem Hals zu legen ,zuzudrücken"
Warum bleibst du?
Ein bewegendes Portrait über eine Frau in einer toxischen Beziehung und ihr Weg, der dorthin führte. Jella und Yannick, wirken nach außen wie ein Traumpaar, doch wenn sich zu Hause die Türen schließen, ist es eher die Hölle, als der Himmel. Warum es so vielen Frauen nach psychischen und körperlichen Übergriffen so schwer fällt, sich aus dieser Beziehung zu lösen, stellt der Roman meisterhaft dar. Das manipuliert werden von Anfang an, die Ängste die geschürt werden, das Gefühl zu viel zu sein oder nicht zu reichen und das alles verbunden mit einer emotionalen Abhängigkeit, die immer wieder durch schöne Phasen aufrechterhalten wird. Denn es ist in den meisten Fällen eben nicht die ganze Zeit die Hölle auf Erden, immer wieder gibt es die schönen Momente, die schönste Version des Partners. Und genau das wird hier unfassbar gut beschrieben. Was der Roman auslöst, ist viel Wut. Wut auf die toxische Beziehung, die Grenzen die nicht eingehalten werden, die Machtlosigkeit und die Stille, die immer noch über dem Thema der häuslichen Gewalt liegt. Und genau hier hilft er aber auch: er gibt den Betroffenen eine Stimme, hilft die Gedankengänge zu verstehen und zeigt, wo Freunde, Familie aber auch Außenstehende ansetzen und helfen können. Seltsam fremd erschien mir Jella trotzdem. Vielleicht weil ich nie diese Art von Selbstzweifeln hatte und dafür nach dem Lesen noch dankbarer bin. Aber auch, weil sie vielen eigenen Gefühlen kühl und fast anteilnahmlos gegenüber tritt. Und doch bewegt es so sehr, sich ins Gedächtnis zu rufen, wie viele Frauen in so einer Gewaltspirale festhängen, dort wo man sich eigentlich am sichersten fühlen sollte: zu Hause. Ein wichtiger Roman, der den harten Kampf um das Wiedererlangen des eigenen Selbstwertes und der Selbstbestimmung grandios zeichnet.
Autsch - das ging richtig an die Substanz. Gefiel mir so so gut. Eine Protagonistin, die sicher alles andere als auf den Mund gefallen ist und sich trotzdem durch Männer extrem verunsichern lässt. Hat sich sehr real angefühlt und wird mir sicher sehr lange nicht mehr aus dem Kopf gehen. Lieblingzitat: "Unser Herbst war bis in den November hinein ein Jahrhundertsommer."
Sollte jede/r mal gelesen haben!!!
Bei diesem Buch weiß ich ehrlich gesagt nicht, wo ich anfangen soll… Es hat mich so sehr mitgerissen und berührt. Aber auch unglaublich wütend gemacht. Vor allem als Frau kann man sich einfach sehr gut in die Protagonistin hineinversetzen. Es kam mir so vor, als wäre sie wirklich eine reale Person und keine fiktive Figur in einem Roman. Aber das liegt wahrscheinlich daran, dass solche Fälle leider nicht selten sind und tagtäglich wirklich passieren… Der Schreibstil hat mir auch sehr gut gefallen, war mal was anderes und saugt einen direkt in die Story. Ein wirklich starkes Debüt!
Schockierend aber auch schockierend gut
Dieses Buch ist keine leichte Kost aber es spiegelt die Welt, der sich junge Frauen heute stellen müssen, unfassbar gut wieder. Es erzählt sehr nachvollziehbar wie unscheinbare patriarchale Strukturen auch heute noch junge Mädchen (und Jungs) prägen und welche Konsequenzen das haben kann. Dieses Buch hat für sehr viel Gesprächsstoff in unserem Buchclub gesorgt und uns letztlich einander näher gebracht. Es hat uns dazu bewegt, offener über unsere eigenen Traumata, Gewalterfahrungen und generell über Gefühle zu sprechen. Absolute Leseempfehlung und relevant wie nie! Inhalt: Wir verfolgen die Beziehung von Jella und Yannick die so schön sein sollte aber zu einer Achterbahnfahrt wird und schließlich auf den Polizeirevier endet (was gleichzeitig der Bucheinstieg ist). Auch erfahren wir wie Jellas Kindheit ausgesehen hat und welche Erlebnisse sie nachhaltig geprägt haben. TW: sexualisierte und häusliche Gewalt "Mir wird heiß. Mein Magen krampft sich zusammen. Direkt über meinem Magen liegt mein Hals, der brennt. Mein Körper besteht nur noch aus meinem Magen und meinem Hals. Zwei klopfende Punkte, die brennen, die stechen, die ziehen, gezogen haben, die mich auf diese Polizeiwache gezogen haben. Das bin ich meinem Körper schuldig, diesen Punkten, dass ich ihnen nachgebe, dass ich mich ziehen lasse. Dass ich jetzt eingreife. Da eingreife, wo er reingegriffen hat. Reingeschlagen hat. Reingedrückt hat. In meine Magenwürde. Und in meine Halswürde. In meine Körperwürde. Meine Alleswürde. [...]"
Was für ein Buch! „Die schönste Version“ist trotz des schweren Themas unglaublich schön geschrieben – ich hätte es in einem Rutsch durchlesen können. Doch tatsächlich musste ich es immer wieder beiseitelegen und zwischendurch etwas Leichteres lesen, weil es mich so oft wütend und traurig gemacht hat. Ein Buch, das wirklich jeder – und ich meine JEDER – lesen sollte. Ein absolutes Highlight!
Ein Buch mit so aktuellem Inhalt, auf das nicht häufig genug aufmerksam gemacht werden kann: toxische Beziehungen, häusliche Gewalt. So häufig passiert es und so selten wird darüber gesprochen. Lest dieses Buch, wenn ihr aushalten könnt, mit welcher Wucht die Autorin die Geschichte erzählt. Es hallt nach und wird mich noch eine Weile beschäftigen.
Ruth-Maria Thomas schreibt mit einer sprachlichen Präzision, die schneidet wie Glas. Ein schmerzhafter, wichtiger, aufrüttelnder Roman.
Die schönste Version ist kein Wohlfühlroman – es ist ein ungeschöntes Porträt einer jungen Frau auf der Suche nach sich selbst, mitten in einer toxischen Beziehung, die ebenso alltäglich wie erschütternd ist. Im Mittelpunkt steht die Beziehung zwischen Jella und Yannick: eine Geschichte, wie sie viele kennen könnten. Sie begegnen sich, verlieben sich, ziehen zusammen. Es ist ein Prozess des Erwachsenwerdens – mit all seinen Unsicherheiten, Kompromissen, Hoffnungen. Doch was zunächst wie eine typische Coming-of-Age-Liebesgeschichte beginnt, entwickelt sich zu einem beunruhigend realistischen Abbild psychologischer und schließlich auch körperlicher Gewalt. Jella wird nicht in einem einzigen Moment zur Betroffenen, es ist eher ein schleichender Prozess. Thomas beschreibt diesen Weg mit erschütternder Genauigkeit. Die Gewalt beginnt subtil: durch Kontrolle, Manipulation, emotionale Erpressung. Erst später eskaliert es in einem Moment, der kaum auszuhalten ist: Yannicks Hände schnüren Jella die Luft ab. Es ist ein erschütternder, körperlich spürbarer Moment, der das ganze Ausmaß der Eskalation offenbart. Aber die Wurzeln liegen nicht nur in Yannicks toxischem Verhalten, sondern auch in Jellas Vergangenheit – in familiären Dynamiken, in internalisierter Selbstverleugnung, in den Rollenbildern, mit denen junge Frauen groß werden. Thomas zeigt, wie patriarchale Strukturen durch persönliche Lebensgeschichten wirken – ohne Pathos, aber mit viel Kraft. Keine Figur in diesem Buch ist durchweg sympathisch aber „Die schönste Version“ erzählt nicht von Heldinnen und Tätern, sondern von echten Menschen mit Narben, Widersprüchen und Verstrickungen. Ich habe ich mich oft ertappt gefühlt – nicht, weil ich genau dasselbe erlebt habe wie Jella, aber weil mir ähnliche Dynamiken nur allzu vertraut sind. Ich kann das Buch empfehlen wenn man sich mit dieser Ungerechtigkeit auseinandersetzen kann.
Realistisch und hart
Wie ist Jella in die toxische Beziehung zu Yannick geraten und wird sie sich daraus befreien? Ein Blick in ihre Vergangenheit zeigt bereits in ihrer Jugend ein verzerrtes Selbstbild. Sie verbiegt sich, versucht das ihr durch die Gesellschaft auferlegte Bild der perfekten jungen Frau zu verkörpern und verliert sich immer mehr selbst. Der Sprachstil ist recht derbe, aber passend.























































