Gentlemen

Gentlemen

Hardcover
3.616

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Beschreibung

»Man kann ziemlich viele Dinge im Leben allein tun. Aber um begehrt zu werden, braucht man einen anderen Menschen.«

Marieke und Vik sind seit Ewigkeiten zusammen, verstehen sich blind und kümmern sich liebevoll um ihre beiden Töchter. Nur im Bett herrscht Flaute; Vik scheint jedes Interesse an Sex verloren zu haben. Marieke hofft, dass ein Umzug aufs Land neuen Schwung in ihre Ehe bringen wird. Doch während Vik und die Kinder auf dem alten Bauernhof aufblühen, droht sie selbst zu verkümmern. Heimlich klickt sie sich durch Sex-Anzeigen im Internet. Einen Mann für Sex zu bezahlen, ist immer noch besser als eine Affäre, oder? Nach einigen missglückten Treffen lernt Marieke schließlich Rocco kennen, mit dem sie ihre Lust ganz neu entdeckt. Doch die Grenze zwischen reinem Geschäft und echten Gefühlen verschwimmt schnell ...

»Ein raffinierter und vielschichtiger Roman über Sinnlichkeit und Begehren, der lange nachhallt.«
Bazarow

Buchinformationen

Haupt-Genre
Romane
Sub-Genre
Zeitgenössische Romane
Format
Hardcover
Seitenzahl
384
Preis
25.70 €

Autorenbeschreibung

Patricia Jozef (geb. 1975) hat Malerei und Philosophie studiert und ist immer auf der Suche nach neuen Geschichten. Ihr Debüt-Roman "Glorie" (2017) stand auf der Shortlist des ANV Debutantenprijs und erhielt begeisterte Kritiken. Sie unterrichtet Niederländisch als Zweitsprache und genießt es, im Unterricht täglich die unterschiedlichsten Leben an sich vorbeiziehen zu sehen.

Beiträge

11
Alle
4

Wie lange kann eine Beziehung funktionieren, wenn Liebe bleibt, aber das Begehren verschwindet? Und was passiert, wenn man irgendwann beginnt, sich nach etwas zu sehnen, das im eigenen Leben keinen Platz mehr zu haben scheint? Genau an diesem Punkt setzt Patricia Jozefs Roman »Gentlemen« an. Im Mittelpunkt steht Marieke, die seit ihrer Jugend mit Vik zusammen ist. Gemeinsam haben sie zwei Töchter, sind eingespielt im gemeinsamen Alltag. Von außen betrachtet wirkt ihr Leben beinahe perfekt, doch hinter dieser Vertrautheit liegt eine wachsende Leere, die immer schwerer zu ignorieren ist. Der Umzug aufs Land soll wie ein Neuanfang wirken: ein altes Bauernhaus, mehr Ruhe, mehr gemeinsames Leben. Doch während Vik in diesem neuen Alltag aufgeht, scheint Marieke darin zunehmend zu verschwinden. Die Distanz zwischen ihnen wird größer, Gespräche oberflächlicher und das, was ihr fehlt, lässt sich irgendwann nicht mehr verdrängen. Aus dieser Sehnsucht heraus beginnt sie schließlich, sich heimlich mit Männern zu treffen, die körperliche Nähe gegen Bezahlung anbieten. Zunächst versucht sie, diese Begegnungen klar von ihrem eigentlichen Leben zu trennen. Kein Betrug im klassischen Sinn: keine Gefühle, nur eine Dienstleistung. Doch als sie Rocco kennenlernt, geraten diese Grenzen zunehmend ins Wanken. Was »Gentlemen« für mich so spannend gemacht hat, ist, dass der Roman seine eigentlichen Konflikte nicht laut erzählt. Zwischen Marieke und Vik gibt es keine großen Eskalationen, keine dramatischen Szenen, an denen plötzlich alles zerbricht. Stattdessen beschreibt Patricia Jozef dieses langsame Verrutschen einer Beziehung. Dieses Gefühl, gemeinsam ein Leben zu führen und sich darin trotzdem immer fremder zu werden. Gerade deshalb empfand ich auch den ruhigeren Beginn weniger als Schwäche, sondern eher als Teil dessen, was der Roman erzählen möchte. Die Leere in Mariekes Leben entsteht nicht plötzlich. Sie zieht sich langsam durch ihren Alltag, durch Gespräche, die an der Oberfläche bleiben, durch Berührungen, die ausbleiben, durch das ständige Gefühl, innerlich irgendwo festzustecken. Dieses schleichende Verstummen zwischen ihr und Vik fand ich stellenweise fast unangenehmer als jeden großen Beziehungskonflikt. Besonders gelungen fand ich auch, wie konsequent der Roman bei Mariekes Perspektive bleibt. Ihre Sehnsucht nach Nähe wirkt nie überzeichnet oder künstlich dramatisch, sondern erstaunlich nachvollziehbar. Patricia Jozef beobachtet sehr genau, was passiert, wenn Nähe innerhalb einer Beziehung langsam verloren geht. Dadurch verschiebt sich der Fokus weg von der Frage, ob Marieke „richtig“ oder „falsch“ handelt, hin zu ihrer inneren Zerrissenheit. Immer wieder geht es dabei weniger um Sex selbst als um etwas viel Grundsätzlicheres: darum, von jemandem angesehen zu werden und sich im Blick eines anderen überhaupt noch lebendig zu fühlen. Gerade dieses schmerzhafte Gefühl, zwar geliebt, aber längst nicht mehr begehrt zu werden, zieht sich spürbar durch den gesamten Roman. Eindrücklich fand ich dabei vor allem, wie widersprüchlich Mariekes Gedanken und Gefühle bleiben dürfen. Zwischen Schuld, Sehnsucht, Unsicherheit und dem Wunsch nach Selbstbestimmung entsteht eine emotionale Spannung, die ihre Entscheidungen nicht immer sympathisch, aber durchgehend menschlich und glaubwürdig wirken lässt. Auch die Entwicklung mit Rocco fand ich gerade deshalb so interessant, weil der Roman daraus keine romantische Fantasie macht. Zwischen den beiden bleibt immer etwas Uneindeutiges bestehen. Man spürt ständig diese Unsicherheit darüber, was gespielt ist, was echt sein könnte und ob sich diese beiden Dinge überhaupt klar voneinander trennen lassen. Genau daraus entsteht diese eigentümliche Spannung, die sich immer weiter verdichtet. Gleichzeitig erlaubt sich der Roman immer wieder Momente, die fast ein wenig unangenehm oder absurd wirken. Gerade in Mariekes Begegnungen mit den Escorts entsteht häufig dieses seltsame Gefühl zwischen Fremdscham, Spannung und Komik, bei dem man als Leser:in gleichzeitig wegschauen und unbedingt weiterlesen möchte. Solche Momente haben den Roman für mich so lebendig gemacht, weil sie die Figuren nie geschniegelt oder perfekt erscheinen lassen. Alles wirkt oft ein bisschen roh, impulsiv und emotional unaufgeräumt. Überhaupt bewegt sich der Roman permanent zwischen Gegensätzen. Da ist dieses ruhige Leben auf dem Land, das eigentlich Entschleunigung verspricht, gleichzeitig aber immer bedrückender wirkt. Und daneben stehen die nächtlichen Begegnungen in der Stadt: Hotelzimmer, Bars, fremde Räume, Nähe zwischen Menschen, die sich eigentlich gar nicht kennen. Marieke scheint sich zwischen diesen Welten ständig zu bewegen, ohne irgendwo wirklich anzukommen. Sehr schön fand ich außerdem, wie sich dieser innere Konflikt sogar im Cover widerspiegelt. Der Blick auf die Frau darauf verändert sich fast mit jeder Betrachtung. Mal wirkt sie hingebungsvoll und selbstvergessen, im nächsten Moment erschöpft, traurig oder beinahe verloren. Genau dieses Kippen zwischen Selbstermächtigung und Verlorenheit zieht sich durch den gesamten Roman. »Gentlemen« war für mich am Ende ein ziemlich wilder Ritt und ganz anders, als ich anfangs erwartet hatte. Der Roman erzählt tabulos, klug und erstaunlich einfühlsam von weiblichem Begehren, Einsamkeit innerhalb einer Beziehung und dem Wunsch, gesehen und begehrt zu werden, ohne dabei jemals kitschig zu wirken. Gleichzeitig bleibt der Ton angenehm locker, stellenweise fast trocken-komisch, sodass man beim Lesen immer wieder zwischen Schmunzeln, Fremdscham und ehrlichem Unbehagen schwankt. Das Ende ließ mich zwar mit ein paar offenen Fragen zurück, trotzdem bleibt »Gentlemen« für mich vor allem wegen seiner ungewöhnlichen Perspektive, seiner emotionalen Widersprüchlichkeit und dieser leicht fiebrigen Stimmung noch lange im Kopf.

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3.5

"Man kann ziemlich viele Dinge im Leben allein tun. Aber um begehrt zu werden, braucht man einen anderen Menschen." [S.117] Vik und Marieke sind seit ihrer Jugend ein Paar mittlerweile stolze Eltern von Zwillingsmädchen, die sie ordentlich auf Trab halten. Die rosarote Brille der Verliebtheit haben sie abgelegt und im Alltag ist längst Gewohnheit eingezogen. Auch wenn sie durch persönliche Interessen noch miteinander verbunden sind und das Leben als Eltern gemeinsam stemmen, fehlt besonders Marieke der S3x mit ihrem Mann, denn im Bett herrscht schon seit Jahren Flaute und dies liegt nicht an ihrl. Auch ein Umzug aufs Land kann ihre Probleme nicht lösen. Während Vik darin aufgeht Töpferkurse zu geben und sich in Gartengestaltung und Haussanierung etc. versucht, wird Marieke immer frustrierter und so entschließt sie sich, einen Escortmann zu kontaktieren, der ihre körperlichen Bedürfnisse befriedigt. Rocco ist schließlich der auserwählte Gigolo. Aus einem Treffen werden mehrere, Grenzen werden überschritten, es wird ausprobiert und experimentiert und Marieke erfindet sich neu und wieder zu sich selbst. ... Ganz ehrlich, niemand war mir sympathisch und so richtig mochte ich auch den hölzernen Schreibstil nicht, auch wenn die Idee hinter der Geschichte mich direkt angesprochen hat. Es war doch interessant, dass hier mal die Frau diejenige war, die bedürfnisorientiert S3x gegen Geld eingefordert hat, allerdings hat mir die Beschreibung der Umsetzung überhaupt gar nicht gefallen und auch den Escortmann fand ich mehr als grenzwertig, distanzlos und übergriffig. Da zumindest anfänglich keinerlei Gefühle im Spiel waren, war es nicht romantisch, okay, aber mir kam das Ganze regelrecht primitiv und animalisch rüber und das war nicht unbedingt das, was ich lesen wollte. Die Ausdrucksweise hat mir hierbei gar nicht gefallen, von den Praktiken mal ganz abgesehen. Anstatt auszubrechen und sich körperlich neu zu finden und zu (er)leben, was sicherlich wichtig für Mariekes Entwicklung war, wäre aktive Kommunikation mit ihrem Ehemann vielleicht auch ein Mittel der Wahl gewesen, über das man im Voraus an ihrer Stelle mal hätte nachdenken können. Das Verhältnis zu Vik empfand ich bis zuletzt als abgekühlt und distanziert. Deswegen konnte mich auch das dann rasche Ende nicht wirklich überzeugen. Zwar wurde seitens Vik eine Erklärung geliefert, warum es sich so entwickelte wie es war, aber wie zuvor bereits geschrieben, hätte man das viel früher thematisieren können. Für mich war die Story einem Unfall gleich. Ich mochte es nicht wirklich gern, aber ich konnte auch nicht nicht weiterlesen. Wird mir auf jeden Fall im Gedächtnis bleiben.

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4

Eine frustrierte Ehefrau bezahlt für Sex

Marieke und Vik sind seit ihrer Jugend ein Paar und haben zwei Zwillingsmädchen. Sie vertreten die gleichen Werte, haben die gleichen politischen Ansichten und tauschen sogar untereinander die Bekleidung. Alles könnte perfekt sein, aber im Ehebett herrscht Flaute. Vik weist Marieke immer wieder ab, die zunehmend frustrierter wird. Als die Familie dann aufs Land zieht, verliert sich Marieke immer mehr selbst und sie beschliesst, einen Gigolo für besondere Dienste zu bezahlen. Aber kann sie Sex wirklich von Gefühlen trennen? "Gentleman" ist eine moderne Geschichte, die viele Aspekte (leider auch widerliche) hat. Ich fand es sehr spannend, dass die Autorin einen weiblichen Chrakter geschaffen hat, der sich Rechte nimmt, die meist nur Männern vorbehalten sind. Die hier dargestellte weibliche Sexualität ist grenzwertig und sicherlich Geschmackssache. Viel interessanter war, dass Marieke den Gigolo nicht nur für seine Dienste benutzt hat, sondern auch um sich selbst zu finden. Der Roman hat mich herausgefordert und zum Nachdenken gebracht. Dennoch waren einige Szenen, die ich schlicht ekelhaft fand und die nichts mit Spice zu tun hatten. Auch auf die gezogenen Parallelen zu brunftigen Tierwelt hätte ich verzichten können. Einiges war für mich auch unverständlich, z.B. warum die Protagonistin Geld aus der mehr als knappen Familienkasse nimmt, um den Typen zu bezahlen. Vik war für mich zunächst ein kleines Weichei, der sich im Laufe des Romans aber immer besser entwickekt hat und letztendlich ein würdiger Antagonist zu Marieke war. Alles in allem war das ein mitreißender, vielleicht auch ein wenig feministischer und provokanter Roman.

3.5

Puh, das war ein wilder Ritt, ihr habt es ein bisschen in der Story verfolgen können. Da kamen Passagen auf mich zu, die ich so absolut gar nicht erwartet habe. • Das Thema, dass eine Frau einen Mann dafür bezahlt, um endlich wieder ihre Lust ausleben zu können und vor allem warum es überhaupt soweit kam, das fand ich wirklich spannend. Und deshalb wollte ich diesen Roman unbedingt lesen. Ich wollte wissen, welchen Grund Vik hatte, keine Intimitäten mehr mit seiner Frau teilen zu wollen. Ich weiß, nach den Storys erwartet ihr jetzt eher einen Verriss aber ich muss euch enttäuschen, denn trotz dieser, nennen wir es mal Kuriositäten die Rocco uns da als Gigolo aufgetischt hat, hat die Geschichte ihren eigenen Sog. Und das hätte ich nicht erwartet, denn zugegebenermaßen waren mir alle, wirklich alle, auch die Kinder, total unsympathisch. Aber ich wollte die Abwärtsspirale, die offensichtlich und ohne Umschweife auf einen zu rast, verstehen. Als Leser fühlt man sich ein wenig wie ein Voyeur, wir schauen Marieke sehr oft nicht nur über die Schulter sondern auch zwischen die Beine. Wir erleben mit ihr mehrere Treffen mit Rocco dem „Gentleman“ und ich für meinen Teil wollte ihr sehr oft sagen: Mach endlich deine Augen auf, er nutzt dich aus. Du bezahlst ihn für eine sexuelle Dienstleistung aber mit und mit übt er Macht aus und will seine Fantasien befriedigt sehen. Er überschreitet Grenzen auf ihre Kosten. Es mag sein, dass sie hinterher für sich etwas daraus mitnehmen konnte, glaubwürdig kam das leider nicht rüber, eher unterwürfig. Denn sie hatte viel zu schnell Gefühle zugelassen und alles durch eine rosarote Brille gesehen und mit sich machen lassen. Das Ende hat mich nicht zufriedengestellt, auch wenn ich jetzt weiß was Phase war, wurde mir das viel zu schnell abgehandelt. Der Roman wird definitiv nicht für jeden was sein, er ist explizit und direkt aber wenn man sich drauf einlässt, hat man wirklich interessante Lesestunden. „Hätten sie doch darüber reden sollen? Manchmal lassen Worte Wunden nur stärker bluten.“

4

Wenn im Schlafzimmer Stille herrscht und plötzlich alles kippt

Langjährige Beziehung, zwei Kinder, Alltag im Dauerlauf. Klingt vertraut und genau da setzt dieses Buch an. Zwischen Wäschebergen, Familienlogistik und dem Versuch, sich noch als Paar zu fühlen, hängt plötzlich die Stille im Schlafzimmer. Kein Drama, kein Streit, einfach Funkstille. Und genau das fühlt sich unangenehm real an. Marieke wird dabei nicht als verzweifelte Ehefrau gezeichnet, sondern als Frau, die merkt, dass ihr etwas fehlt. Nähe, Lust, gesehen werden. Der Umzug aufs Land soll alles retten, stattdessen blühen alle auf außer ihr. Dieser Kontrast trifft. Während die Familie ankommt, steht sie innerlich im Leerlauf. Das hat Wucht. Dann kippt die Geschichte in eine Richtung, die neugierig macht. Bezahlen statt betrügen. Ein Gedanke, der erstmal schräg wirkt und gleichzeitig erschreckend logisch. Die Treffen sind mal unangenehm, mal absurd, mal überraschend zärtlich. Gerade diese Mischung macht Spaß beim Lesen. Nichts wirkt geschniegelt, vieles fühlt sich roh und ehrlich an. Rocco bringt schließlich Bewegung rein. Nicht nur körperlich, sondern auch emotional. Plötzlich geht es nicht mehr nur um Lust, sondern um Sehnsucht, Freiheit und die Frage, wie viel Ehrlichkeit eine Beziehung aushält. Genau hier packt das Buch am stärksten zu. Locker erzählt, frech im Ton und mit vielen kleinen Beobachtungen aus dem Beziehungsalltag. Man schmunzelt, zuckt zusammen und ertappt sich bei dem Gedanken, dass das alles gar nicht so weit weg ist. Kein Skandalroman, sondern eine ehrliche Geschichte über Nähe, Distanz und den Wunsch, wieder begehrt zu werden.

Wenn im Schlafzimmer Stille herrscht und plötzlich alles kippt
2

Puuuh

Das war irgendwie nicht meins. Am Anfang hatte es mich noch, aber es hat mich sehr schnell einfach verloren.

3

BEWERTUNG 👎👍

„Ist es in Ordnung, wie es ist? Woher weiß man das? Und woher weiß man, ob man im Leben die richtigen Entscheidung trifft? Wie viele Entscheidungen kann man noch treffen, wenn sowieso alles in eine Richtung fließt.“ Seite 23 INHALT Wieder ein Buch über Beziehungen (das zweite in Folge). Dieses hier hat mich allerdings Kraft gekostet. Marieke und Vik entscheiden ein Haus zu kaufen - auf dem Land. Marieke hat die Hoffnung, dass dieser Umzug ein wenig Schwung in die Ehe bringt. Da dies nichts bringt, sucht Marieke den Sex im Netz. Im Buch prallen zwei Welten aufeinander - in der einen Welt das heile Familienleben, und auf der anderen Seiten das wilde, dunkle Kneipen und Sex. „Wenn eine Frau Kinder bekommt, wird sie ab diesem Tag Mama genannt. Hat die Mama gut geschlafen? Die Hebamme. Bringt die Mama morgen bitte eine frische Matschhose mit? Die kita. Der eigene Vorname wird immer unwichtiger. Eine Mama und Mamas.“ Seite 324 EINDRUCK UND FAZIT Ich war unsicher nach den vielen Rezensionen und Textpassagen, die ich im Vorfeld gelesen habe. Zu Beginn des Buches dachte ich noch, hey das kann gut werden. Ab der zweiten Hälfte ging es dann aber heiß her (und mir zu heiß). Schlüpfrige Szenen habe ich großzügig überlesen, so genau beschrieben brauche ich es nicht. Spannend fand ich aber die „Beziehung“ zu Rocco, und habe mich immer gefragt, wie echt die ist. Ist er nur so nett, weil sie ihn gut bezahlt? Mir fiel es schwer, eine Bindung zu Marieke aufzubauen, alle Charaktere blieben mir fremd. Insgesamt ein eher unbequemes Buch, mit einigen interessanten Szenen. Ich glaube, dass es vielen gefallen wird - ich bleibe eher unsicher zurück.

5

Wenn Liebe allein nicht mehr reicht

„Gentlemen“ war für mich ein absolutes Lesehighlight. Im Mittelpunkt steht Marie: Ehefrau, Mutter, scheinbar angekommen im Leben – doch innerlich wächst das Gefühl, nicht mehr gesehen zu werden. Ein Neuanfang auf dem Land soll alles verändern, aber nichts verändert sich. Aus dieser Leere heraus trifft sie eine radikale Entscheidung: Sie nimmt die Dienste eines männlichen Sexarbeiters in Anspruch. Und genau hier wird der Roman besonders spannend. Es geht nicht nur um Sexualität, sondern um Nähe, Aufmerksamkeit und Rollenbilder – und darum, was uns im Alltag oft fehlt. Die Beziehung zwischen Marie und Rocco entwickelt schnell eine eigene Dynamik, die über das Körperliche hinausgeht. Es entsteht eine Mischung aus Sehnsucht, Abhängigkeit und Selbstfindung. Besonders gefallen hat mir, wie differenziert das Thema dargestellt wird – ohne zu werten. Auch die expliziteren Szenen wirken nicht überzogen, sondern tragen zur Entwicklung der Figuren bei. Für mich war das Buch zudem ein echter Page Turner. Ich wollte ständig wissen, wie weit Marie geht – und was das mit ihr macht. Ein vielschichtiger, erfrischender Roman über Beziehungen, Bedürfnisse und die Grauzonen dazwischen.

Wenn Liebe allein nicht mehr reicht
3.5

Intensive Geschichte über die weibliche Sexualität und Selbstfindung

"Wenn der eine und einzige Geliebte zum Familienmitglied wird, zum besten Freund, zum Kumpel. Der alles mit einem teilt. Nur das nicht.“🌟 Marieke und Vik sind seit ihrer Jugend zusammen und haben zwei Kinder. Sie verstehen sich in vielerlei Hinsicht sehr gut, doch im Bett weißt Vik Marieke immer wieder ab, welche dadurch immer frustrierter wird und einen Entschluss fast: Sie möchte einen Escortdienstleister für ihre Belange bezahlen, denn wer bezahlt geht in ihren Augen nicht fremd. Gentlemen ist ein Roman, wo die weibliche Sexualität im Mittelpunkt steht, ein seltener aber interessanter Blickwinkel. Wir begleiten Marieke dabei, wie sie seltsame Männer datet und würde am liebsten mit ihr die Flucht ergreifen. Auch wenn ich ihre Entscheidung keineswegs befürworte, konnte ich ihren Schmerz sowie ihre Frustration nachvollziehen. Den Schreibstil würde ich als nüchtern und abgehakt bezeichnen, was mir aber sehr gut gefallen hat, da es zur Geschichte passte. Was ich nicht erwartet habe, waren die teils expliziten "Spice"-Szenen, die muss man wirklich abkönnen und hätte ich in diesem Umfang nicht gebraucht. Auch wenn es für mich ein paar Ungereimtheiten gab, fand ich es gut, dass gegen Ende auch Vik noch eine Stimme gegeben wurde. Seine Beweggründe waren für mich teils vorhersehbar, aber es war nochmal eine Erleichterung, es bestätigt zu bekommen. Dennoch muss ich gestehen, bin ich mit dem Ende nicht fein, das hätte ich mir doch anders erhofft. Besonders erwähnenswert sind aber nochmal die Einblicke in den männlichen Escortservice, hier kennt man ja doch eher die weibliche Sicht. Wer eine Geschichte sucht, wo die weibliche Sexualität im Vordergrund steht, der bekommt hier eine intensive Geschichte geboten.

Die flämische Autorin Patricia Jozef erzählt mit ihrem Roman „Gentlemen“ eine ebenso provokante wie feinfühlige Geschichte über Begehren, Partnerschaft und die Suche nach emotionaler Nähe. Der Roman verbindet eine persönliche Entwicklungsgeschichte mit gesellschaftlichen Fragen über Sexualität, Rollenbilder und Erwartungen. Im Mittelpunkt steht Marieke, die seit ihrer Jugend mit Vik zusammen ist. Die beiden haben sich ein stabiles Leben aufgebaut: zwei Töchter, ein gemeinsamer Alltag und eine tiefe Vertrautheit. Doch die körperliche Intimität ist längst verschwunden. Während Vik scheinbar jedes Interesse an Sex verloren hat, leidet Marieke zunehmend unter der fehlenden Leidenschaft. Der Umzug aufs Land soll einen Neuanfang ermöglichen – doch statt neuer Nähe wächst vor allem Mariekes Gefühl der Isolation. Aus dieser Einsamkeit heraus beginnt sie, heimlich Onlineanzeigen zu durchsuchen und schließlich einen Mann für Sex zu bezahlen. Die Begegnungen verlaufen zunächst enttäuschend, bis sie Rocco beziehungsweise John kennenlernt – einen Sexarbeiter, mit dem sie ihre eigene Lust wiederentdeckt. Was als rein geschäftliche Vereinbarung beginnt, entwickelt sich jedoch bald zu einer emotional komplexen Beziehung, in der die Grenzen zwischen Bedürfnis, Begehren und echten Gefühlen verschwimmen. Jozef gelingt es, dieses heikle Thema mit überraschender Leichtigkeit und zugleich großer psychologischer Tiefe zu erzählen. Der Roman ist weder skandalorientiert noch moralisierend. Stattdessen zeichnet die Autorin ein vielschichtiges Bild einer Frau, die versucht herauszufinden, was sie wirklich braucht. Besonders interessant ist dabei die Umkehr klassischer Rollenbilder: Statt der oft erzählten Geschichte männlicher Untreue rückt hier weibliches Begehren in den Mittelpunkt. Gleichzeitig hinterfragt der Roman gängige Vorstellungen von Sexualität, Treue und Rollenbildern in Beziehungen. Stilistisch überzeugt das Buch durch einen humorvollen, zugänglichen Ton und präzise Beobachtungen des Alltagslebens. Mariekes Gedanken und Unsicherheiten wirken authentisch, wodurch sich Leserinnen und Leser leicht in ihre Lage hineinversetzen können. Die Autorin beschreibt Mariekes innere Konflikte – zwischen Loyalität, Sehnsucht und Schuldgefühl – sehr glaubwürdig. Dabei vermeidet sie einfache moralische Urteile und lässt Raum für Ambivalenz. Besonders stark ist das Buch dort, wo es die universelle Sehnsucht nach Zärtlichkeit und Begehrtwerden sichtbar macht. Die zentrale Erkenntnis des Romans klingt in einem der prägnantesten Sätze an: Man kann vieles im Leben allein tun – aber um begehrt zu werden, braucht es einen anderen Menschen. „Gentlemen“ ist damit weit mehr als eine Geschichte über sexuelles Erwachen. Es ist ein nachdenklicher Roman über Nähe, Einsamkeit und die Suche nach emotionaler und körperlicher Erfüllung – erzählt mit Feingefühl, Humor und einem Gespür für die Ambivalenzen moderner Beziehungen. Eine Geschichte, die sowohl unterhält als auch zum Nachdenken über Liebe, Sexualität und gesellschaftliche Erwartungen anregt. Aus dem Niederländischen von Dania Schüürmann.

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3

Für dieses Buch muss man wirklich Pornografie mögen und einige Fehler verzeihen. Anfänglich ist der Schreibstil gewöhnungsbedürftig aber wird nach und nach besser. Dennoch ist dieses Buch nicht für jeden geeignet. Das muss man wirklich mögen.

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