Und jetzt queer!
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Beschreibung
Drei Autor:innen zeigen uns, wie vielfältig Literatur sein kann – jenseits des klassischen Kanons.
Lesen öffnet uns die Welt. In guten Geschichten erfahren wir etwas über uns selbst und die vielfältigen Formen des Lebens. Literatur kann eine Behausung sein, eine offene Frage, ein Möglichkeitsraum außerhalb des eigenen Alltags. Warum zeigt uns der klassische Kanon dann trotzdem nur einen kleinen Teil der Welt? Warum wird uns in Schule und Feuilleton oft eine Norm vermittelt, die es weder in der Welt noch in der Literatur gibt? Warum spiegelt sich die Vielfalt queerer Identitäten und Lebenswelten so wenig in der Wahrnehmung von Literatur? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Bianca Braunshofer, Marlon Brand und Tobi Schiller schon lange. In ihrem Buch befassen sie sich intensiv mit queerer Literatur und zeigen, dass sie schon immer Teil der Literaturgeschichte gewesen ist. Ihr Lesen und Schreiben ist eine Einladung, die ganze Vielfalt des Lesens zu erkennen.
Mit Glossar und vielen Lektüretipps – von Chinelo Okparanta bis Stefan Zweig, von Torrey Peters bis Audre Lorde, von Sappho bis Kim de l’Horizon.
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Bianca-Maria Braunshofer ist Co-Gründerin der queer-feministischen Buchhandlung o*books. Als Sozialpädagogin und Germanistin gibt sie Workshops zu Feminismus und Queerness in Verbindung mit Literatur mit ihrer Therapiehündin Gigi. Die beiden wohnen in Wien
Beiträge
Ich bin zwar mit anderen Erwartungen an dieses Buch gegangen, aber es war trotzdem keine Enttäuschung. Wer mehr über die Geschichte queerer Literatur wissen und dabei den ein oder anderen Tipp abstauben möchte, ist hier goldrichtig. Die einzelnen Essays, die auch quer und unabhängig voneinander gelesen werden können, sind zugänglich geschrieben und enthalten viel Wissenswertes. Womit ich nicht in dem Ausmaß gerechnet habe, ist der Fokus auf die aktuelle politische Lage, auch in anderen Ländern, auf banned books und auf Diskriminierung früher und heute. Ich wollte mich intensiv mit queerer Literatur auseinandersetzen und nicht in Depressionen versinken... aber ich verstehe auch, dass es vielleicht nötig ist, das alles so umfangreich zu benennen. Besonders gefallen haben mir die Abschnitte zu Kinder- und Jugendliteratur sowie Fantasy und Sci-Fi. Letzteres ist eben genau meins und ich finde, da hätte man noch so viel mehr sagen und empfehlen können. Leider liegt der Fokus stattdessen etwas zu sehr auf Klassikern und Literary Fiction - zwei Genres mit denen ich nicht so viel anfangen kann. Man bekommt auch den Eindruck, dass die Autor*innen da nicht so ganz aus ihrer akademischen Haut können. Komplett gefehlt haben dafür queerer Horror und Romance. Dabei gibt es da so viel, vor allem im englischsprachigen Raum! Und zumindest bei Romance kriegt man dann auch das so viel gewünschte Happy End, das ist da nämlich Standard. Ich lese seit über 10 Jahren viel queer und darf mir ein Sternchen in mein Heft eintragen: ich kannte die meisten der erwähnten Bücher und Autor*innen. Trotzdem habe ich bei der literarischen Weltreise noch was gelernt und musste mir Leerstellen eingestehen. Alles in allem ein wirklich wichtiges und gutes Buch, auch wenn ich mir persönlich einen anderen Fokus gewünscht hätte. Aber das ist einfach Geschmackssache.
Literatur war immer vielfältiger, als der Kanon uns glauben machen möchte. Ich selbst lese dieses Buch aus einer Position heraus, die mir wichtig erscheint transparent zu machen: Ich bin eine heterosexuelle, weiße cis Frau. Queere Erfahrungen sind nicht meine eigenen. Gerade deshalb war meine Motivation, dieses Buch als Rezensionsexemplar anzufragen, der Wunsch, eine bessere Ally zu sein. Literatur ist für mich ein zentraler Ort, an dem gesellschaftliche Perspektiven sichtbar werden und auch ein Ort, an dem ich lernen kann, über meinen eigenen Erfahrungshorizont hinauszublicken. Beim Lesen wurde für mich besonders deutlich, wie eng feministische und queere Kämpfe miteinander verwoben sind – gesellschaftspolitisch ebenso wie literarisch. Wer sich mit feministischer Literaturgeschichte beschäftigt hat, erkennt schnell vertraute Muster: Sichtbarkeit muss immer wieder erkämpft werden, Perspektiven werden marginalisiert, der Kanon präsentiert sich als vermeintlich neutral, obwohl er historisch gewachsen und von Machtverhältnissen geprägt ist. Gerade deshalb hat die Lektüre meinen Blick auf intersektionalen Feminismus noch einmal geschärft. Feminismus, der unterschiedliche Formen von Marginalisierung zusammendenkt – auch queere Perspektiven und marginalisierte Männlichkeiten – erscheint nach diesem Buch nicht nur sinnvoll, sondern notwendig. Bemerkenswert ist dabei vor allem die Art, wie Braunshofer, Brand und Schiller ihr Wissen vermitteln. Und jetzt queer! ist ein Sachbuch, das sich nicht wie ein klassisches Sachbuch liest. Zwischen literaturhistorischen Einordnungen und kulturpolitischen Überlegungen finden sich immer wieder persönliche Perspektiven der Autorinnen. Gerade diese Momente machen das Buch besonders zugänglich. Besonders beeindruckt hat mich zudem die sprachliche Qualität des Buches. Komplexe, teilweise vermeintlich abstrakte Themen werden hier so erklärt, dass sie sowohl für wissenschaftlich interessierte Leser*innen als auch für Einsteiger*innen verständlich bleiben. Diese Balance ist alles andere als selbstverständlich. Es braucht ein großes erzählerisches und didaktisches Talent, um Sachtexte so zu schreiben, dass sie gleichermaßen zugänglich und inhaltlich fundiert sind und genau dieses Talent besitzen die drei Autor*innen. Und schließlich muss ich auch die visuelle Gestaltung hervorheben. Die Illustrationen von El Boom, sind schlicht beeindruckend. Sie geben dem Buch eine zusätzliche ästhetische Ebene und unterstreichen die Vielfalt und Lebendigkeit der Themen, mit denen sich das Buch beschäftigt.
Klein aber fein
Vielen Dank an NetGalley für das Renzensionsexemplar! Ich durfte eine E-Book Fassung von „Und Jetzt Queer!“ lesen. Dieses kleine aber feine Buch hat wirklich mega viele gute Leseempfehlungen — intersektional, aus verschiedensten Genres, mit Blick auf queere Literaturgeschichte. Richtig viele Bücher kannte ich noch nicht! Meine Leseliste ist wirklich exponentiell gewachsen. Außerdem fand ich die Illustrationen süß. Der Schreibstil war für eine Verschränkung von Non-Fiction und Hierarchie-brechendem queeren Ansatz wirklich angemessen. Auf mich persönlich wirkt so etwas oft auf Zwang locker, so auf „how do you do fellow kids?“, aber ich verstehe definitiv wieso sich hierfür entschieden wurde. Mein einziges echtes Manko betrifft das Einleitungskapitel. Es ist die Frage nach der Zielgruppe: Sind es Queers auf der Suche nach neuem Lesestoff? Uneducated straight people? Für die einen ist die lange Einleitung mit Definitionen von den basic Begriffen sicherlich überflüssig, und für die letzteren tun die vielen Ausschweifungen über in-fighting in der queeren Community nichts zur Sache. Ich vermute, dass man wahrscheinlich einfach versucht hat, es allen recht zu machen; das ließ den Anfang aber leider etwas schwammig und insecure wirken.
Beschreibung
Drei Autor:innen zeigen uns, wie vielfältig Literatur sein kann – jenseits des klassischen Kanons.
Lesen öffnet uns die Welt. In guten Geschichten erfahren wir etwas über uns selbst und die vielfältigen Formen des Lebens. Literatur kann eine Behausung sein, eine offene Frage, ein Möglichkeitsraum außerhalb des eigenen Alltags. Warum zeigt uns der klassische Kanon dann trotzdem nur einen kleinen Teil der Welt? Warum wird uns in Schule und Feuilleton oft eine Norm vermittelt, die es weder in der Welt noch in der Literatur gibt? Warum spiegelt sich die Vielfalt queerer Identitäten und Lebenswelten so wenig in der Wahrnehmung von Literatur? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Bianca Braunshofer, Marlon Brand und Tobi Schiller schon lange. In ihrem Buch befassen sie sich intensiv mit queerer Literatur und zeigen, dass sie schon immer Teil der Literaturgeschichte gewesen ist. Ihr Lesen und Schreiben ist eine Einladung, die ganze Vielfalt des Lesens zu erkennen.
Mit Glossar und vielen Lektüretipps – von Chinelo Okparanta bis Stefan Zweig, von Torrey Peters bis Audre Lorde, von Sappho bis Kim de l’Horizon.
Buchinformationen
Autorenbeschreibung
Bianca-Maria Braunshofer ist Co-Gründerin der queer-feministischen Buchhandlung o*books. Als Sozialpädagogin und Germanistin gibt sie Workshops zu Feminismus und Queerness in Verbindung mit Literatur mit ihrer Therapiehündin Gigi. Die beiden wohnen in Wien
Beiträge
Ich bin zwar mit anderen Erwartungen an dieses Buch gegangen, aber es war trotzdem keine Enttäuschung. Wer mehr über die Geschichte queerer Literatur wissen und dabei den ein oder anderen Tipp abstauben möchte, ist hier goldrichtig. Die einzelnen Essays, die auch quer und unabhängig voneinander gelesen werden können, sind zugänglich geschrieben und enthalten viel Wissenswertes. Womit ich nicht in dem Ausmaß gerechnet habe, ist der Fokus auf die aktuelle politische Lage, auch in anderen Ländern, auf banned books und auf Diskriminierung früher und heute. Ich wollte mich intensiv mit queerer Literatur auseinandersetzen und nicht in Depressionen versinken... aber ich verstehe auch, dass es vielleicht nötig ist, das alles so umfangreich zu benennen. Besonders gefallen haben mir die Abschnitte zu Kinder- und Jugendliteratur sowie Fantasy und Sci-Fi. Letzteres ist eben genau meins und ich finde, da hätte man noch so viel mehr sagen und empfehlen können. Leider liegt der Fokus stattdessen etwas zu sehr auf Klassikern und Literary Fiction - zwei Genres mit denen ich nicht so viel anfangen kann. Man bekommt auch den Eindruck, dass die Autor*innen da nicht so ganz aus ihrer akademischen Haut können. Komplett gefehlt haben dafür queerer Horror und Romance. Dabei gibt es da so viel, vor allem im englischsprachigen Raum! Und zumindest bei Romance kriegt man dann auch das so viel gewünschte Happy End, das ist da nämlich Standard. Ich lese seit über 10 Jahren viel queer und darf mir ein Sternchen in mein Heft eintragen: ich kannte die meisten der erwähnten Bücher und Autor*innen. Trotzdem habe ich bei der literarischen Weltreise noch was gelernt und musste mir Leerstellen eingestehen. Alles in allem ein wirklich wichtiges und gutes Buch, auch wenn ich mir persönlich einen anderen Fokus gewünscht hätte. Aber das ist einfach Geschmackssache.
Literatur war immer vielfältiger, als der Kanon uns glauben machen möchte. Ich selbst lese dieses Buch aus einer Position heraus, die mir wichtig erscheint transparent zu machen: Ich bin eine heterosexuelle, weiße cis Frau. Queere Erfahrungen sind nicht meine eigenen. Gerade deshalb war meine Motivation, dieses Buch als Rezensionsexemplar anzufragen, der Wunsch, eine bessere Ally zu sein. Literatur ist für mich ein zentraler Ort, an dem gesellschaftliche Perspektiven sichtbar werden und auch ein Ort, an dem ich lernen kann, über meinen eigenen Erfahrungshorizont hinauszublicken. Beim Lesen wurde für mich besonders deutlich, wie eng feministische und queere Kämpfe miteinander verwoben sind – gesellschaftspolitisch ebenso wie literarisch. Wer sich mit feministischer Literaturgeschichte beschäftigt hat, erkennt schnell vertraute Muster: Sichtbarkeit muss immer wieder erkämpft werden, Perspektiven werden marginalisiert, der Kanon präsentiert sich als vermeintlich neutral, obwohl er historisch gewachsen und von Machtverhältnissen geprägt ist. Gerade deshalb hat die Lektüre meinen Blick auf intersektionalen Feminismus noch einmal geschärft. Feminismus, der unterschiedliche Formen von Marginalisierung zusammendenkt – auch queere Perspektiven und marginalisierte Männlichkeiten – erscheint nach diesem Buch nicht nur sinnvoll, sondern notwendig. Bemerkenswert ist dabei vor allem die Art, wie Braunshofer, Brand und Schiller ihr Wissen vermitteln. Und jetzt queer! ist ein Sachbuch, das sich nicht wie ein klassisches Sachbuch liest. Zwischen literaturhistorischen Einordnungen und kulturpolitischen Überlegungen finden sich immer wieder persönliche Perspektiven der Autorinnen. Gerade diese Momente machen das Buch besonders zugänglich. Besonders beeindruckt hat mich zudem die sprachliche Qualität des Buches. Komplexe, teilweise vermeintlich abstrakte Themen werden hier so erklärt, dass sie sowohl für wissenschaftlich interessierte Leser*innen als auch für Einsteiger*innen verständlich bleiben. Diese Balance ist alles andere als selbstverständlich. Es braucht ein großes erzählerisches und didaktisches Talent, um Sachtexte so zu schreiben, dass sie gleichermaßen zugänglich und inhaltlich fundiert sind und genau dieses Talent besitzen die drei Autor*innen. Und schließlich muss ich auch die visuelle Gestaltung hervorheben. Die Illustrationen von El Boom, sind schlicht beeindruckend. Sie geben dem Buch eine zusätzliche ästhetische Ebene und unterstreichen die Vielfalt und Lebendigkeit der Themen, mit denen sich das Buch beschäftigt.
Klein aber fein
Vielen Dank an NetGalley für das Renzensionsexemplar! Ich durfte eine E-Book Fassung von „Und Jetzt Queer!“ lesen. Dieses kleine aber feine Buch hat wirklich mega viele gute Leseempfehlungen — intersektional, aus verschiedensten Genres, mit Blick auf queere Literaturgeschichte. Richtig viele Bücher kannte ich noch nicht! Meine Leseliste ist wirklich exponentiell gewachsen. Außerdem fand ich die Illustrationen süß. Der Schreibstil war für eine Verschränkung von Non-Fiction und Hierarchie-brechendem queeren Ansatz wirklich angemessen. Auf mich persönlich wirkt so etwas oft auf Zwang locker, so auf „how do you do fellow kids?“, aber ich verstehe definitiv wieso sich hierfür entschieden wurde. Mein einziges echtes Manko betrifft das Einleitungskapitel. Es ist die Frage nach der Zielgruppe: Sind es Queers auf der Suche nach neuem Lesestoff? Uneducated straight people? Für die einen ist die lange Einleitung mit Definitionen von den basic Begriffen sicherlich überflüssig, und für die letzteren tun die vielen Ausschweifungen über in-fighting in der queeren Community nichts zur Sache. Ich vermute, dass man wahrscheinlich einfach versucht hat, es allen recht zu machen; das ließ den Anfang aber leider etwas schwammig und insecure wirken.








