Blick ins Buch

Romane

Schlesenburg

3,7(26)
Sofort lieferbarKostenloser Versand
Jetzt kaufen

Über das Buch

"Wie Paul Bokowski uns rauslockt, zum Spielen in den Hof, in die Sehnsüchte und Abgründe der Kindheit, das ist großes Leseglück." Bov Bjerg

Schlesenburg wurde sie genannt, unsere Siedlung am Stadtrand, in der im Sommer 89 die Wohnung der Galówka brannte. Sechzig Familien waren wir, fast allesamt aus Polen. Und plötzlich ging die Angst um, jetzt würden hier bei uns Rumänen oder Russlanddeutsche einziehen. Die halbe Burg schaute mit Abscheu auf das Asylbewerberheim, wo sie alle wohnten, und mit zu viel Stolz darauf, dass man es selber hinter sich gelassen hatte. Es war das Jahr, in dem das neue Mädchen in die Siedlung zog, das Jahr, in dem Darius verschwand, in welchem Mutter nur Konsalik las und ich zu spät begriff, dass Vater mit der ausgebrannten Wohnung seine eigenen Pläne hatte...

„Schlesenburg“ erzählt von Flüchtlingen und ihren Hiergeborenen, von Heimweh und einer neuen Heimat. Ein so warmherziger wie bittersüßer Roman über den Traum von Anpassung und Wohlstand – und die Frage, wo man hingehört, wenn man nicht weiß, wo man hergekommen ist.

Editionen (2)

ISBN9783641279479
Verlagbtb
Erscheinungsdatum14.09.22
Seitenzahl320

Rezensionen & Bewertungen

26 Bewertungen

6 Rezensionen

3,7

Tippen zum Filtern

  • cheap.and.cheerful
    cheap.and.cheerful

    148 Follower

    5,0

    Paul Bokowski hat mit 'Schlesenburg' einen Roman geschrieben, der so oder so ähnlich auch die Geschichte meiner Familie sein könnte. Mit einigen autobiographischen Elementen gespickt, erzählt er wie eine polnische Familie noch vor dem Mauerfall nach Deutschland flüchtet und sich dort, in der Schlesenburg, inmitten von vielen anderen Migrant*innen, ein neues Leben aufbaut. Dieses Leben ist geprägt von Schichtarbeit, der Gemeinschaft in der Schlesenburg, aber auch sehr stark von Assimilation und Scham. Für mich war dieses Buch sehr heilsam, aufgrund der vielen Parallelen zu meinem Leben und speziell dem Leben meiner Eltern und der erweiterten Familie. Doch nicht nur der familiäre Hintergrund, auch andere Themen waren sehr berührend, wie z.B. das Verhältnis der Kinder untereinander oder der Umgang mit Verlusten. Bokowski schreibt sehr bildhaft (siehe das Zitat oben), an manchen Stellen auch humorvoll. In der wörtlichen Rede achtet er darauf, die Sprache authentisch an ihr Umfeld anzupassen - also an ein Umfeld, das in den 80ern/90ern Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit erlebt und internalisiert hat. Mit 'Schlesenburg' hat Bokowski, der vorher humoristische Bücher geschrieben hat, seinen ersten Roman herausgebracht, und ich für meinen Teil hoffe sehr, dass es nicht bei diesem ersten Roman bleiben wird!

    15. Dez. 2024

  • buechermuddi
    buechermuddi

    67 Follower

    5,0

    H I G H L I G H T

    Da ist er also, der erste Roman von Paul Bokowski. Und er ist vollgepackt mit Liebe. Liebe für die eigenen Eltern, die so viel auf sich genommen haben, um ihren Kindern ein besseres Leben im Westen bieten zu können. Liebe für den Mikrokosmos "Schlesenburg", die absurden ungeschriebenen Regeln und jeden einzelnen verschrobenen Bewohner der Burg. Und ganz besonders spürt man die Liebe für die Deutsche Sprache, wo doch die Polnische nicht an die Kinder der Schlesenburg weitergegeben wird. Man muss sich ja anpassen, statt aufzufallen. Vom ersten Kapitel an habe ich mit einem breiten Grinsen im Gesicht im Bett gesessen und die detailverliebten Beschreibungen der Bewohner der Sozialbausiedlung genossen. Habe ganze Passagen immer und immer wieder gelesen, weil es so einen Spaß macht, den Ausschweifungen zu folgen, in der Zeit zu springen und sich dann unverhofft ins Jetzt zurückführen zu lassen. Dieses Buch eignet sich zum weglesen genauso wenig wie zum weglegen. Es braucht all unsere Aufmerksamkeit und wir werden sie ihm gerne geben. Das Vorhaben, besonders schöne Formulierungen mit kleinen Klebezettelchen zu markieren, habe ich schnell aufgegeben - weil es davon einfach zu viele gibt. Es gibt nicht eine Figur, die eindimensional oder farblos bleibt, und ich habe das Gefühl in der Hitze der sommerlichen Burg auf dem Borstein gesessen und den Geruch der verschiedenen Mittagessen in der Nase gehabt zu haben. Zu jeder gelesenen Seite habe ich ein Bild, einen Geruch oder eine Stimme im Kopf, die bleiben werden, weil Bokowski so sie fein beobachten und mit Sprache entstehen lassen kann. Ich weiß, wieviel Zeit und Arbeit in einem Roman stecken und trotzdem hoffe ich auf einen zweiten und dritten. Und freue mich drauf.

    29. Apr. 2023

  • hell.mani.books
    hell.mani.books

    9 Follower

    4,0

    Tolles Roman Debüt! Paul Bokowski verwendet eine tolle Sprache, der man super folgen kann und die eine ganz besondere Art der Beschreibung ausmacht. Auch Details wie das Einbinden polnischer Ausdrücke in das Geschehen machen Spaß, die Geschichte zu lesen. Die Charaktere sind toll geformt und der Plot der Geschichte schön geschrieben, sodass ein eigentlich kurzer Zeitraum mit vielen Seitenästen und Parallelbeobachtungen angereichert ist . Beim ein oder anderen Gedankensprung, vor allem zu Beginn, konnte ich nicht ganz folgen, aber vor allem mit dem Gewöhnen an diesen Schreibstil hat das richtig Spaß gemacht.

    8. Juli 2025

3 von 6 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Paul Bokowski

Paul Bokowski, geboren 1982, gehört zur Speerspitze der Berliner Lesebühnenszene. Der Autor, Vorleser und Geschichtenerzähler lebt seit über zehn Jahren in einem der unbeirrbarsten Problembezirke der bundesdeutschen Hauptstadt. Er ist jüngstes Mitglied der Lesebühne »Brauseboys«, Gründungsmitglied der Literaturveranstaltung »Fuchs & Söhne« sowie festes Redaktionsmitglied der Satirezeitschrift »Salbader«. 2012 erschien sein Überraschungserfolg »Hauptsache nichts mit Menschen«. Der 'Woody Allen des Weddings' entstammt einer deutsch-polnischen Familie und ist in seinem zweiten Leben leidenschaftlicher Backblogger.

Lesen ist schöner mit der READO App.

Bücher entdecken, tracken, gemeinsam lesen.

Bibliothek

Behalte den Überblick