Blick ins Buch

Humor

Es hätte mir genauso

3,6(10)
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Über das Buch

Man stelle sich vor: Jemand gibt eine Dinnerparty, man unterhält sich gepflegt über Gott und die Welt, und zwischen Hauptgang und Dessert steht einer der Gäste auf und geht kurz nach oben. Und kommt nicht wieder. Hat sich im Gästezimmer eingeschlossen. Auf Tage, Wochen, Monate …

Zu einer Dinnerparty bringt der Freund eines Freundes einen Fremden mit, Miles Garth. Man unterhält sich, wird angenehm betrunken, die Diskussionen werden lebhafter, und manchmal schrammen sie auch kurz am Streit vorbei. Man kennt das. Miles fügt sich einigermaßen in die Runde ein, auch wenn er als Vegetarier, der nicht trinkt und manchmal allzu offen spricht, irgendwie anders ist. Doch dann steht Miles mitten unter dem Essen auf, schließt sich im Gästezimmer ein und ist fortan nicht mehr dazu zu bewegen, wieder herauszukommen. Das kennt man eher nicht. Und es ist überdies ganz schön peinlich, zumal der ungebetene Dauergast bald überregionale Prominenz erlangt und sich um das Haus in Greenwich eine Miles-Fangemeinde schart, inklusive Protestbannern und Merchandising. Währenddessen versuchen vier Personen das Rätsel um Miles zu lösen: Anna, die vor dreißig Jahren mit Miles durch Europa reiste; Mark, der Miles zur Party mitgebracht hat; May, eine alte, demente Frau, deren Verbindung zu Miles sehr überraschend ist (und sehr zu Herzen geht); und die neunjährige Brooke, die vor Wissbegierde strotzt und Wortspiele über alles liebt.

Ali Smith erzählt diese aberwitzige Geschichte, die eigentlich jedem hätte genauso passieren können, mit unvergleichlichem Wortwitz und rasantem Charme. Ihr Roman ist eine umwerfende Satire über die Brüchigkeit gesellschaftlicher Konventionen – und wie wenig es nur braucht, um die geheiligte Ordnung unseres bürgerlichen Lebens gehörig durcheinanderzubringen.

Editionen (3)

ISBN9783641199661
VerlagLuchterhand
Erscheinungsdatum28.04.16
Seitenzahl320

Rezensionen & Bewertungen

10 Bewertungen

2 Rezensionen

3,6

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  • sabschwb
    sabschwb

    13 Follower

    3,0

    Ali Smiths "Es hätte mir genauso" hat mich gleichermaßen fasziniert und erschöpft. Die Grundidee des Romans – ein Mann schließt sich während einer Dinnerparty in einem Gästezimmer ein und bleibt dort – eröffnet viele spannende Gedankenräume über Gesellschaft, Einsamkeit und die Sehnsucht, aus allen Erwartungen auszusteigen. Besonders die Figur Mark fand ich dabei deutlich interessanter als Miles selbst, der eher eine Projektionsfläche bleibt. Was mich wirklich begeistert hat, waren die kleinen poetischen Einsprengsel im Text. Manche dieser fast gedichtartigen Passagen hatten eine große Schönheit und Tiefe. Von mir aus hätte das ganze Buch nur daraus bestehen können. Diese sprachlichen Momente erinnerten mich daran, wie stark Literatur sein kann, wenn sie Atmosphäre und Gefühl verdichtet. Zitat: "Jede Knospe, die je entsteht, ist wert, dass altes Laub zugrunde geht. Ein Schöpfen ist's mit Messers Stahl, fühllos, fühlend, lebend allemal." Gleichzeitig war mir Ali Smiths Stil auf Dauer zu viel. Fast jeder Absatz ist voller Sprachspiele, Anspielungen und intellektueller Wendungen. Ich mag anspruchsvolle Literatur und lasse mich gern herausfordern – aber hier fehlten mir Ruhe und Lesefluss. Während mich etwa Herta Müllers "Atemschaukel" trotz seiner sprachlichen Dichte emotional getragen hat, fühlte sich "Es hätte mir genauso" irgendwann eher anstrengend als bereichernd an. Ich verstehe sehr gut, warum viele Leser Ali Smith lieben. Für mich blieb am Ende aber vor allem der Eindruck eines literarisch beeindruckenden Buches, das mich mehr zum Denken gebracht als wirklich berührt hat. ⭐️⭐️⭐️

    9. Mai 2026

  • Unknown User
    Unknown User

    1 Follower

    5,0

    It’s more a 4,5 stars book. Great to read, lot of twists and turns. Exiting episodes that’ll keep you up on your toes until you know how they end. Nearly every chapter ends with a small open end kinda cliffhanger. Very well done. I found a small logical issue … Vera has no mobile phone and it comes up quite a lot that others suggest that she gets one but she never does. But than there is this one time when it comes to her Ex-boyfriend and then there it is: She tells that she annoyed him with calls and texts

    9. Aug. 2023

Autorin / Autor

Über Ali Smith

Ali Smith wurde 1962 in Inverness in Schottland geboren und lebt in Cambridge. Sie hat mehrere Romane und Erzählbände veröffentlicht und zahlreiche Preise erhalten. Sie ist Mitglied der Royal Society of Literature und wurde 2015 zum Commander of the Order of the British Empire ernannt. Ihr Roman »Beides sein« wurde 2014 ausgezeichnet mit dem Costa Novel Award, dem Saltire Society Literary Book of the Year Award, dem Goldsmiths Prize und 2015 mit dem Baileys Women’s Prize for Fiction. Mit »Herbst« kam die Autorin 2017 zum vierten Mal auf die Shortlist des Man Booker Prize sowie auf Platz 6 der SWR-Bestenliste, für »Sommer« erhielt sie den George Orwell Prize. 2022 wurde Ali Smith mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur ausgezeichnet. Zuletzt erschien bei Luchterhand der Roman »Gefährten«.

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