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Romane

Ruhige Zeiten

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Über das Buch

Leale, die Maniküre, arbeitet seit über dreißig Jahren im kleinen Friseursalon von Sajtschik. Nach dessen Tod bricht ihre Welt auseinander, nicht das erste Mal. »Der Krieg hat uns die Familie und die Verwandten genommen, und die Zeit, die vergeht, nimmt uns die Nachbarn und die Freunde.« Die Tage der Trauer lassen Erinnerungen in ihr aufsteigen – Erinnerungen an die Menschen, die ihr Leben waren und sind: den geliebten Sajtschik, seinen von ihr weniger geliebten Freund Mordechai, der Leale nach dem Krieg aus Polen nach Israel brachte, den einzigen Sohn Etan und viele andere. So tritt die Welt ihres Tel Aviver Viertels lebensvoll vor Augen, in dem sich nach dem Krieg Menschen von »dort«, Überlebende der Shoah, wiederfanden, ein neues Leben begannen, soweit das eben möglich war.

Lizzie Doron erzählt mit erhellendem Witz und großer menschlicher Wärme vom fragilen Balanceakt des »Dennoch«, der die Geschichten all dieser Menschen prägt. Sajtschiks Friseursalon ist der Ort, an dem all jene, die sonst Zuflucht im Schweigen suchen, plötzlich zu erzählen beginnen – denn wo sonst als beim Friseur spricht man, wenn nicht von sich, dann wenigstens von den anderen.

Editionen (3)

ISBN9783633542185
VerlagJüdischer Verlag
Erscheinungsdatum18.07.05
Seitenzahl175

Rezensionen & Bewertungen

7 Bewertungen

1 Rezensionen

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  • henvondra
    henvondra

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    4,0

    In Leales kleinem Tel Aviver Kosmos, rund um den Friseursalon in dem sie arbeitet, leben viele auf den ersten Blick sehr skurrile Menschen. Sie alle haben etwas gemeinsam: Sie haben die Shoah überlebt. Sie haben durch die Shoah viel verloren: Familie, Heimat, Erinnerungen. In Israel, in Tel Aviv, in Sajtschiks Friseursalon suchen sie Zuflucht und geben sich Nähe. Doch gibt es so etwas wie ein neues Leben? Lizzie Doron verleiht der älteren Dame Leale, die auf ihr Leben und das der anderen Shoah-Überlebenden in ihrem Viertel zurückblickt, eine unglaublich traurige, schmerzerfüllte Stimme. Und dennoch findet sich zwischen den Zeilen so viel kleines Glück, so viel Festhalten am Leben und so viel fesselnde Poesie. Ich konnte „Ruhige Zeiten“ nur schwer aus der Hand legen. Es hat mich traurig und glücklich gemacht. Auch jetzt nach der Beendigung des Buches verbleibe ich noch in dieser ambivalenten Stimmung. Gibt es ein besseres Zeichen für ein Buch? Ein wertvolles schmales Büchlein, welches in der heutigen Zeit helfen kann, die empfindliche Identität der Israelis zu verstehen.

    21. Nov. 2023

Autorin / Autor

Über Lizzie Doron

Lizzie Doron, geboren 1953, lebt in Tel Aviv. 2003 wurde ihr Roman Ruhige Zeiten mit dem von Yad Vashem vergebenen Buchman-Preis ausgezeichnet. 2007 erhielt sie den Jeanette Schocken Preis - Bremerhavener Bürgerpreis für Literatur. In der Begründung der Jury heißt es: »Lizzie Doron ist eine israelische Schriftstellerin, die jenen eine Stimme gibt, die sie selber nicht erheben, die jenen Raum verschafft, den sie sich selber nicht nehmen könnten. Sie schreibt über Menschen, die von ‚dort’ kommen, die den Holocaust überlebten und nun zu leben versuchen. In Israel. Fremd, schweigend, versehrt – und stets ihre Würde wahrend. Mit großer Behutsamkeit nähert die Autorin sich ihren Figuren und mit großem Respekt wahrt sie Distanz.«

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