Blick ins Buch

Historische Romane

Stalingrad

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Über das Buch

Es gibt Bücher, die liest man nicht zur Unterhaltung – man erleidet sie. Theodor Plieviers „Stalingrad“ ist ein solches Werk. Geschrieben im Jahr 1945, noch während der Rauch über den Trümmern Europas hing, ist dieser Roman kein Heldenepos, sondern eine radikale Inventur des menschlichen Zerfalls. Plievier verzichtet auf die falsche Romantik des Soldatenlebens. Er führt uns direkt in den Kessel, in die Kälte und den Hunger, dorthin, wo Ideologien vor der nackten Angst versagen. Seine Sprache ist ein Dokument des Schreckens, das den Leser packt und nicht mehr loslässt. Es ist die Stimme derer, die in den namenlosen Massengräbern der Geschichte verschwunden sind. In einer Zeit, in der das ferne Echo des Krieges wieder lauter zu werden scheint, bleibt „Stalingrad“ ein unentbehrlicher Mahner. Es fordert uns auf, hinzusehen, wo andere wegsehen, und die bittere Wahrheit über den Krieg als das zu begreifen, was er ist: die totale Vernichtung des Menschlichen.

Editionen (7)

ISBN9783565314676
Verlagepubli
Erscheinungsdatum11.03.26
Seitenzahl444

Rezensionen & Bewertungen

2 Bewertungen

1 Rezensionen

4,5

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  • wildeskopfkino
    wildeskopfkino

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    4,5

    Kein Held, nur Mensch – und das Grauen dazwischen

    Stalingrad ist kein Roman, der gelesen werden will – es ist ein Buch, das sich aufdrängt, das atemlos macht und lange nachwirkt. Schon nach wenigen Seiten liegt eine Schwere in der Luft, die nicht mehr weicht. Theodor Plievier schreibt nicht über den Krieg, er stößt mich mitten hinein, ohne Schutz, ohne Abstand, ohne Trost. Zwischen Schützengräben, Hunger, Kälte und wachsender Verzweiflung entfaltet sich ein erbarmungsloser Sog. Der Oberst Vilshofen und der Unteroffizier Gnotke stehen für unterschiedliche Blickwinkel, doch beide verlieren Schritt für Schritt das, was man Haltung, Stolz oder Glauben nennen könnte. Beim Lesen wächst das Gefühl, dass hier nicht einzelne Schicksale beschrieben werden, sondern ein kollektiver Absturz. Der Krieg frisst alles: Körper, Gedanken, Sprache, Moral. Besonders erschütternd ist die Nüchternheit, mit der Plievier Grauen schildert. Keine pathetischen Ausbrüche, keine Heldenposen, keine Erlösung. Gerade diese Sachlichkeit trifft mich mit voller Wucht. Immer wieder musste das Buch zur Seite gelegt werden, nicht aus Langeweile, sondern weil bestimmte Szenen kaum auszuhalten sind. Die Kälte in Stalingrad scheint bis heute durch die Seiten zu ziehen. Was bleibt, ist eine tiefe Erschöpfung und gleichzeitig Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass dieser Roman existiert und sich jeder Verklärung des Krieges widersetzt. Stalingrad ist unbequem, fordernd und gnadenlos ehrlich – und genau deshalb so notwendig. Ein literarisches Mahnmal, das nicht altern darf und das mich stiller, wacher und nachdenklicher zurücklässt.

    Kein Held, nur Mensch – und das Grauen dazwischen

    11. Jan. 2026

Autorin / Autor

Über Theodor Plievier

Theodor Plievier war einer der wuchtigsten Chronisten des 20. Jahrhunderts, ein Mann, dessen literarische Stimme nicht in den Studierzimmern der Gelehrten, sondern in den Maschinenräumen der Schiffe und den Schützengräben der Weltgeschichte geformt wurde. Geboren 1892 im Berliner Arbeiterviertel Wedding, war Plievier Zeit seines Lebens ein Getriebener zwischen den Ideologien und Kontinenten. Sein Weg führte ihn früh hinaus in die Welt; als Seemann bereiste er Südamerika und lebte als Vagabund, bevor ihn der Erste Weltkrieg als Matrosen der kaiserlichen Marine verschluckte. Diese Erfahrungen mündeten 1930 in seinem ersten großen Erfolg „Des Kaisers Kulis“, einem radikalen Antikriegsroman, der die Meuterei der Matrosen und das Elend der einfachen Soldaten ungeschönt darstellte.

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