Blick ins Buch

Jugendbücher

Bronsteins Kinder

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Über das Buch

Diese Ausgabe der »Suhrkamp BasisBibliothek – Arbeitstexte für Schule und Studium« stellt eine kleine Besonderheit dar, denn sie bietet nicht nur Jurek Beckers Roman Bronsteins Kinder , sondern im Anhang auch ein ausführliches Interview mit dem Autor zu seinem Leben, Schreiben und Werk sowie zum historisch-politischen Hintergrund und zu den Themenkomplexen von Bronsteins Kinder. Ergänzt wird diese Edition durch einen Kommentar, der alle für das Verständnis erforderlichen Informationen enthält: die Entstehungs- und Textgeschichte, Selbstaussagen des Autors, die Rezeptions- und Deutungsgeschichte, Literaturhinweise sowie Wort- und Sacherläuterungen. Die Schreibweise des Kommentars entspricht den neuen Rechtschreibregeln.

Editionen (8)

ISBN9783518188965
VerlagSuhrkamp
Erscheinungsdatum22.07.09
Seitenzahl349

Rezensionen & Bewertungen

12 Bewertungen

4 Rezensionen

3,6

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  • semjon
    semjon

    73 Follower

    5,0

    Darf einer, der mit dreißig Jahren geschlagen wurde, mit sechzig zurückschlagen? Ist man als Sohn eines Opfer des Faschismus auch ein Opfer? Bis zu welchem Lebensalter darf man sich noch als Vollwaise bezeichnen, wenn die Eltern nicht mehr leben? Dies sind nur einige der vielen Fragen, die sich der 19jährige Hans Bronstein zwischen den beiden Sommern 1973 und 1974 stellt. Hans lebt mit seinem Vater in Ost-Berlin. Sie sind Juden, er macht gerade sein Abitur, der Vater ein ehemaliger KZ-Häftling, die Mutter früh verstorben und Hans ältere Schwester mit einer psychischen Erkrankung dauerhaft in einer stationären Einrichtung. Eines Tages entdeckt Hans, dass der Vater mit zwei weiteren Freunden seiner jüdischen Gemeinde einen ehemaliger KZ- Aufseher in Bronsteins Waldhaus gefangen halten und ihn regelmäßig brutal zu verhören. Hans überrascht die Männer bei ihrem Verhör und daraufhin bricht das labile Verhältnisse zwischen Vater und Sohn endgültig. Das ist die Handlungsebene im Sommer 1973. Auf der zweiten Zeitebene genau ein Jahr später erfährt man bereits gleich im ersten Satz, dass Vater Bronstein plötzlich verstarb und Hans bei den Eltern seiner Freundin Martha eine Bleibe gefunden hat. Ich fand die ständigen Perspektivwechsel sehr gelungen. Hans stellt nicht nur die wesentlichen Fragen zu Schuld und Vergebung, sondern beantwortet sie auch für sich. Neben der Thematisierung der Verarbeitung der Familienvergangenheit ist es auch ein Buch über das Älterwerden, das Erwachsenwerden, der schwierigen Findung der Selbstverantwortung und ein Buch über Liebe und Hass. Ich hatte keine große Erwartungen an den Roman, obwohl ich Jurek Becker aus Jugendzeiten noch gut in Erinnerung hatte. Irgendwann fiel mir die alte Suhrkamp-Ausgabe mal in einem öffentlichen Bücherschrank in die Hände und ich musste sie alleine schon wegen der farbigen Cover-Gestaltung zu meiner bestehenden Sammlung mit nach Hause nehmen. Der Roman war überraschend gut geschrieben, hatte einen tollen Spannungsbogen bis zum Ende und ließ der Phantasie aufgrund der wenigen offenen Punkte am Ende auch noch Platz zur Entfaltung. Ich kann nichts gegen das Buch aussetzen und daher bekommt es auch die volle Sternenzahl.

    23. Feb. 2024

  • semjon.pfalz
    semjon.pfalz

    38 Follower

    5,0

    Darf einer, der mit dreißig Jahren geschlagen wurde, mit sechzig zurückschlagen? Ist man als Sohn eines Opfer des Faschismus auch ein Opfer? Bis zu welchem Lebensalter darf man sich noch als Vollwaise bezeichnen, wenn die Eltern nicht mehr leben? Dies sind nur einige der vielen Fragen, die sich der 19jährige Hans Bronstein zwischen den beiden Sommern 1973 und 1974 stellt. Hans lebt mit seinem Vater in Ost-Berlin. Sie sind Juden, er macht gerade sein Abitur, der Vater ein ehemaliger KZ-Häftling, die Mutter früh verstorben und Hans ältere Schwester mit einer psychischen Erkrankung dauerhaft in einer stationären Einrichtung. Eines Tages entdeckt Hans, dass der Vater mit zwei weiteren Freunden seiner jüdischen Gemeinde einen ehemaliger KZ- Aufseher in Bronsteins Waldhaus gefangen halten und ihn regelmäßig brutal zu verhören. Hans überrascht die Männer bei ihrem Verhör und daraufhin bricht das labile Verhältnisse zwischen Vater und Sohn endgültig. Das ist die Handlungsebene im Sommer 1973. Auf der zweiten Zeitebene genau ein Jahr später erfährt man bereits gleich im ersten Satz, dass Vater Bronstein plötzlich verstarb und Hans bei den Eltern seiner Freundin Martha eine Bleibe gefunden hat. Ich fand die ständigen Perspektivwechsel sehr gelungen. Hans stellt nicht nur die wesentlichen Fragen zu Schuld und Vergebung, sondern beantwortet sie auch für sich. Neben der Thematisierung der Verarbeitung der Familienvergangenheit ist es auch ein Buch über das Älterwerden, das Erwachsenwerden, der schwierigen Findung der Selbstverantwortung und ein Buch über Liebe und Hass. Ich hatte keine große Erwartungen an den Roman, obwohl ich Jurek Becker aus Jugendzeiten noch gut in Erinnerung hatte. Irgendwann fiel mir die alte Suhrkamp-Ausgabe mal in einem öffentlichen Bücherschrank in die Hände und ich musste sie alleine schon wegen der farbigen Cover-Gestaltung zu meiner bestehenden Sammlung mit nach Hause nehmen. Der Roman war überraschend gut geschrieben, hatte einen tollen Spannungsbogen bis zum Ende und ließ der Phantasie aufgrund der wenigen offenen Punkte am Ende auch noch Platz zur Entfaltung. Ich kann nichts gegen das Buch aussetzen und daher bekommt es auch die volle Sternenzahl.

    14. Apr. 2024

  • jari
    jari

    56 Follower

    4,0

    Inhalt: Vor einem Jahr ist Hans' Vater gestorben. Die Ereignisse, die dazu führten, waren die denkbar merkwürdigsten und treiben den jungen Mann noch immer um. Hans' Leben hat sich seither stark verändert und er kann nicht loslassen. Deshalb erzählt er, was damals 1973 geschehen ist... Meine Meinung: Zu Jurek Beckers "Bronsteins Kinder" habe ich ein zwiegespaltenes Verhältnis. Während mir "Jakob der Lügner" von Anfang an gefiel, hatte ich mit diesem Werk etwas mehr Mühe. Natürlich merkt man auch hier sogleich Beckers erzählerisches Talent. Noch kein Buch, das ich bisher gelesen habe, hat die Nachkriegsgeneration so deutlich dargestellt wie dieses. Hans' Vater hat das Lager überlebt, aber den Sohn interessiert das nicht. Nach 20, 30 Jahren sollte das vergessen sein. Oder nicht? Wie lange dauert es, bis solche Wunden geheilt sind? heilen sie überhaupt jemals? Dies ist das zentrale Thema dieses Werks. Hans und seine zerstörte Beziehung zu seinem Vater. Die Fragen, die aufgeworfen werden. Hans' Schwester Elle, die seit dem Krieg in der Irrenanstalt lebt. Dennoch erwähnt Becker die Geschehnisse des Krieges mit keinem Wort. Auch dieser Schriftsteller geht davon aus, dass der Leser eine gewisse Mündigkeit besitzt und weiss, was während des Zweiten Weltkrieges geschehen ist. Ausserdm zeigt dies auch Hans' Sichtweisen darauf - er geht dem Thema aus dem Weg. An keiner Stelle setzt er sich wirklich mit der Vergangenheit seines Vaters oder seiner Schwester auseinander. Damit schafft Becker eine sehr dichte Stimmung und eine gewisse Faszination. Dadurch ist man fast gezwungen weiterzulesen. Doch genau da setzten meine Kritikpunkte an. Denn becker verlor mich als Leserin nach den aufwühlenden Szenen immer wieder. Die ruhige erzählweise passt zwar dann, wenn etwas Wichtiges geschieht, doch langweilt, sobald Hans beginnt, von seinem momentanen Alltag zu berichten. Diese momente zeigen zwar seine Verlorenheit auf, zu lesen sind sie jedoch ziemlich dröge. Auch der Übergang von Vergangenheit zu Gegenwart ist schlecht geglückt. Es wechselt meist mitten im Text und mehr als einmal wurde mein Lesefluss dadurch gestört. Plötzlich stellt man fest, dass man bisher in der ganz falschen Zeit gewesen war und muss nun blitzschnell umwechseln. Da holpert es beim Lesen ziemlich. Hinzu kommt noch das Ende. Ich gehöre nicht zu jenen, die offene Enden grundsätzlich ablehnen. Teilweise gefällt mir das sogar. Aber hier ist das Ende nicht offen, sondern die Geschichte endet einfach. Praktisch mitten im Satz. Als wäre der Autor während des Schreibens ohnmächtig geworden. Das hat Becker gut inszeniert, denn so bleibt das Buch im Kopf, aber wohl eher auf eine negative Art und Weise. Becker als talentierter Schreiber hätte das bestimmt anders und genauso eindrücklich erledigen können. Fazit: Ein Buch, das sich trotz allem zu lesen lohnt. Ein überaus interessantes Thema, das ganz speziell aufgegriffen wird. An der Umsetzung hapert es teilweise etwas, dennoch würde ich vier von fünf Punkten vergeben, da die starken Szenen wirklich stark und mächtig sind.

    21. Dez. 2024

3 von 4 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Jurek Becker

Jurek Becker wurde am 30. September 1937 in Lodz/Polen geboren und starb am 14. März 1997 in Sieseby/Schleswig-Holstein. Von 1939 bis 1945 wuchs Becker im Ghetto in Lodz auf und wurde später in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Sachsenhausen inhaftiert. 1945 siedelte er in den Ostteil Berlins über, wo er von 1957 bis 1960 Philosophie an der Humboldt-Universität studierte. 1960 wurde Becker aus politischen Gründen vom Studium ausgeschlossen und ging an die Filmhochschule Babelsberg. Becker ist Autor zahlreicher Drehbücher. 1969 wurde sein erster Roman veröffentlicht – Jakob der Lügner wurde weltbekannt. Jurek Beckers Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Adolf-Grimme-Preis in Gold und dem Bundesverdienstkreuz.

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