Blick ins Buch

Jugendbücher

Immer diese Herzscheiße

4,3(16)
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Über das Buch

Die 15-jährige Sarah lebt im Stuttgarter Hallschlag. Da wo niemand sein will. Da wo man nie rauskommt, egal wie sehr man sich anstrengt. Ihr Berufswunsch: Hartz IV. Ihre Hobbies: klauen, trinken, Spaß haben. Zukunft: völlig egal. Jemand wie sie hat sowieso keine Chance. Dann wird sie beim Dealen erwischt und ihr Lehrer stellt ihr ein Ultimatum: Entweder sie macht bei einem Theaterprojekt mit oder sie fliegt von der Schule. Widerwillig wagt sich Sarah in eine ihr völlig fremde Welt. Doch als sie Paul kennenlernt, wird ihr klar, dass es vielleicht doch ein paar Dinge gibt, für die es sich zu kämpfen lohnt.

Editionen (1)

ISBN9783473478514
VerlagRavensburger Verlag GmbH
Erscheinungsdatum23.08.17
Seitenzahl320

Rezensionen & Bewertungen

16 Bewertungen

5 Rezensionen

4,3

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  • 4,5

    Ungeschönt, nahbar und echt. Ich habe mich sehr auf diese Geschichte gefreut, da ich bereits ein Buch der Autorin gelesen hatte und es sehr gerne mochte. Dieses Mal hatte ich es zwar mit einem ganz anderen Genre zu tun, aber es war genauso eindringlich und wirkungsvoll wie ihre Dystopie - Vielleicht sogar noch mehr. Jedenfalls konnte mich diese Geschichte innerhalb weniger Seiten voll und ganz in ihren Bann ziehen und fesseln. Sowohl die Charaktere als auch die hier angesprochenen Themen erschienen mir mehr als vielversprechend und gehaltvoll. Nana Rademacher präsentiert uns hier eine harte und raue Lebensrealität, vielfältige sowie nahbare Charaktere mit Stärken und Schwächen, die auch mal Fehler machen und falsche Entscheidungen treffen, und eine Vielzahl an aufrüttelnden und bewegenden Themen. Thematisch ist dieses Buch wirklich stark, vielschichtig und überraschend tiefgründig. Sensible und teilweise sehr komplexe Inhalte werden hier der Zielgruppe angemessen heruntergebrochen, ohne dabei verfälscht oder beschönigt zu werden. Die Darstellungen der Autorin sind anschaulich, ehrlich und greifbar. Sie sagt mit wenigen Worten sehr viel (aus). Ihre Beschreibungen haben sich für mich durchweg natürlich angefühlt - Ich konnte sie glauben, wodurch sie beim Lesen umso mehr in mir ausgelöst haben. Der Erzählstil greift auf einiges vor, ohne Details zu nennen, was zusätzliche Spannung in die Geschichte bringt. Ich wollte wissen, was passiert, und wurde damit umso mehr zum Weiterlesen angehalten. Ich wollte die Charaktere wachsen sehen. Die Geschichte wird aus der Sicht der 15-jährigen Sarah erzählt, die mir aufgrund ihres Verhaltens zwar nicht immer sympathisch war, dafür aber umso authentischer erschien. Denn Sarah macht nicht nicht immer alles richtig, sondern trifft auch mal falsche Entscheidungen oder stößt andere vor den Kopf, was sie für mich zu einer durch und durch menschlichen sowie glaubwürdigen Protagonistin machte. Ich konnte ihre Handlungen häufig nicht verstehen und hätte selbst niemals so gehandelt, aber das macht schließlich auch Sinn und ist damit keine Schwäche des Buches, sondern vielmehr eine Stärke. Generell haben sich die Charaktere für mich hier sehr menschlich und real angefühlt. Die Autorin deckt mit ihrer Figurenkonstellation verschiedene Bildungsschichten und soziale Status ab, was ihr in meinen Augen gut gelungen ist - Sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Manche Figuren blieben hier zwar auch recht blass, aber das ist wohl der Kürze der Geschichte geschuldet und tut dieser auch keinen allzu großen Abbruch. Die zwischenmenschlichen Beziehungen spielen hier eine große Rolle, auch wenn sie nicht immer wortwörtlich und direkt herausgestellt werden. Sie sind vielfältig und nicht immer gleichermaßen leicht zu durchblicken, was nur authentisch ist. Manchmal muss man eben auch ein bisschen zwischen den Zeilen lesen. Die Autorin stellt die Beziehungen ihrer Charaktere ungeschönt und natürlich dar, wodurch sich diese für mich umso wahrhaftiger und nahbarer anfühlten. Die Liebesgeschichte ist hier in meinen Augen fast schon nebensächlich, aber das war für mich auch völlig okay. Dieses Buch ist so viel mehr als das und mir hat beim Lesen nichts gefehlt. Allerdings hätten die Gefühle der Protagonistin für mich stellenweise durchaus noch etwas detaillierter und ausschweifender beschrieben werden können. Das hätte dieser Geschichte nochmal mehr emotionale Tiefe verleihen können - Und damit spiele ich nicht nur auf die Liebesbeziehung an, sondern auf Sarah's Gefühlswelt im Gesamten. Sprachlich ist dieses Buch ebenfalls sehr besonders. Die Autorin verwendet sowohl Umgangssprache als auch jugendsprachliche Begriffe, was sehr gut zu dieser Geschichte passt und ihre Botschaft unterstreicht. Für mich war der Schreibstil zwar zunächst etwas ungewohnt, aber das Buch hat sich für mich trotzdem flüssig lesen lassen und wirkte so herrlich ungezwungen und natürlich. Rechtschreib- und Grammatikfehler wurden hier sehr bewusst gesetzt, um die Unterschiede im Bildungsgrad der einzelnen Figuren zu verdeutlichen, was ich sehr mutig und gelungen finde. Zusätzlich variiert die Autorin bei manchen Sätzen und Worten mit der Schriftgröße sowie fett gedruckten Buchstaben, was spezifische Inhalte hervorhebt und damit die Aussagekraft und Wirkung der Geschichte verstärkt. Besonders gut gefallen hat mir noch, dass es hier keine übertriebenen oder unrealistischen Charakterentwicklungen gibt, sondern sich alles auf einer authentischen und nachvollziehbaren Ebene bewegt. Nana Rademacher erzählt die Dinge wie sie sind und das ist wundervoll. 4,5/ 5 Sterne ⭐️

    4. Nov. 2024

  • j.o.s.i.28
    j.o.s.i.28

    2 Follower

    5,0

    Ein super schönes Buch, dass wichtige Themen für Jugendliche anspricht. Drogen, Liebe,... Hat mich echt berührt!

    8. Apr. 2023

  • immie
    immie

    6 Follower

    5,0

    Sarah (15) lebt dort, wo keiner leben will, doch nur die wenigsten rauskommen. Sie geht zwar ab und an zur Schule, wie ihre Freunde, doch sinnvoll erscheint es ihr nicht. Schließlich steht jetzt schon fest, dass ihre Zukunft aus Hartz IV besteht. Doch steht es wirklich fest? Sarah hat da nämlich diesen einen Lehrer, der fest davon überzeugt ist, dass mehr in ihr steckt und dass sie etwas erreichen kann, wenn sie sich bemüht. Also teilt er, nachdem er sie bei einer Straftat erwischt hat, keinen Schulverweis aus, sondern verdonnert sie, seinem Sohn bei einem Theaterstück zu helfen. Dort lernt Sarah zum ersten Mal junge Menschen kennen, die ganz andere Zukunftsperspektiven haben. Und dort trifft sie auch auf Paul, der so ganz anders ist als die Jungs, die sie bisher kannte. Wird sich Sarahs Leben jetzt ändern? Wird sie Verantwortung für ihr Leben und ihre Zukunft übernehmen? "Immer diese Herzscheiße" von Nana Rademacher ist - auch wenn mich der Titel anderes vermuten ließ – kein Liebesroman. Stattdessen handelt er von Sarah und ihrer Geschichte, in der sie sich fast nebenbei das erste Mal so richtig verliebt. Geschrieben im Stil, im dem eine 15-jährige Hauptschülerin spricht, macht er dem Leser bewusst, wie verzwickt das Leben für einen Teenager sein kann, der kein sicheres Zuhause und kaum eine Zukunftsperspektive hat. Zudem arbeitet die Autorin mit Stilmitteln wie Schriftgröße und –dicke, die das Lesen des Textes abwechslungsreich und interessanter machen. Auch wenn Sarah es mit ihrer abweisenden Haltung zu Allem dem Leser nicht leichtmacht, sie von Anfang zu mögen, wächst sie einem doch irgendwie mit ihrer Art ans Herz. Gefallen hat mir das Buch aber auch deswegen besonders gut, weil es eine andere Sicht auf das Leben der Jugend in Deutschland war, als ich es bisher kannte. Als Mutter zweier Jugendlicher, die von allen Seiten Liebe und Unterstützung erfahren, vergisst man oft, dass es nicht allen so geht. Ein Hoch an dieser Stelle auf Sarahs Großeltern, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten versuchen, ihr und auch schon ihrem Bruder wenigstens ein halbwegs sicheres Zuhause zu geben. Mein Fazit: Eine tolle Geschichte, die mich mitgerissen hat und mir jede Menge Denkanstöße gegeben hat.

    21. Feb. 2023

3 von 5 Rezensionen

Autorin / Autor

Über Nana Rademacher

Nana Rademacher, geboren 1966, studierte Sozialpädagogik in Bielefeld und arbeitete danach beim NDR in Hamburg als Regieassistentin und Lektorin. Seit 2001 ist sie für den Südwestrundfunk in den Redaktionen Hörspiel, Feuilleton und Musik tätig und lebt derzeit als freie Autorin in Stuttgart.

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