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Romane

Der Großinquisitor

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Über das Buch

Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821-1881) hat mit der Erzählung Der Großinquistor ein literarisches Kleinod geschaffen, das zu den berühmtesten Werken der Weltliteratur gehört: Es ist eine der ungewöhnlichsten Darstellungen einer Begegnung mit dem auferstandenen Christus. Als Teil des Romans Die Brüder Karamasow und als eigenständiger Text hat es über hundert Jahre die Leser der Welt begeistert und zu neuen Inspirationen veranlaßt.
Die neue Übersetzung von Wolfgang Kasack ermöglicht als erste den leichten Vergleich mit den Bibelstellen, die im Text erwähnt werden. Ihre Kenntnis, die Dostojewski bei seinen Lesern vorraussetze, trägt wesentlich zum Verständnis bei, da der Großinquistor in seiner Anklage Christi den biblischen Text verfälscht. Wolfgang Kasacks Nachwort erläutert sowohl religiöse als auch bei politische Ebene der Erzählung und zeigt damit die bleibende Aktualität des Großinquisitors. Von Wolfgang Kasack liegt im insel taschenbucg außerdem vor: Dostojewski. Leben und Werk. Mit Abbildungen (insel taschenbuch 2267)

Editionen (7)

ISBN9783458346401
VerlagInsel Verlag
Erscheinungsdatum02.07.03
Seitenzahl87

Rezensionen & Bewertungen

26 Bewertungen

2 Rezensionen

3,5

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  • henvondra
    henvondra

    79 Follower

    4,0

    „Der Großinquisitator“ ist ein Auszug aus dem Roman „Die Brüder Karamasow“ von Dostjoweski. In dieser kurzen Sequenz erzählt Iwan seinem Bruder Aljoscha eine von ihm erdachte Fantasie. Darin kehrt Jesus Christus in das Sevilla des 16. Jahrhunderts, das Jahrhundert der Inquisition, zurück. Die Menschen erkennen ihn und bringen ihn dazu, Wunder an ihnen zu vollbringen. Als der Kardinal-Großinquisitator das sieht lässt er Jesus festnehmen. Die Menschen lassen den Großinquisitator erfurchtsvoll gewähren. Im Kerker erklärt dieser Jesus, dass in der Menschheit kein Platz mehr für den wahren Jesus ist. Längst hat die katholische Kirche diesen Platz eingenommen und verändert… Die Erzählung liest sich zunächst als Jesus-Kritik. Er habe, so der Kardinal, dem Menschen zu viel Freiheit hinterlassen, was ihn überfordert. Doch schnell wird klar, hier vollführt Dostojewski eine Kritik am Katholizismus und dessen Würdenträgern. Die katholische Kirche habe die, den Menschen überfordernde, Freiheit gegen sie genutzt. Durch Machtergreifung, Machtmissbrauch und Dogmen habe die katholische Kirche die wahren Lehren Jesus aus der Menschheit verdrängt. Deshalb sei Jesus in der Fantasie Iwans gar nicht mehr willkommen. Jesus hört dem Großinquisitator nur zu und zeigt am Ende des langen Monologs lediglich eine Geste der Nächstenliebe: er küsst den Kardinal auf den vertrockneten Mund. In der Zwischenzeit haben sich viele Menschen der westlichen Welt die Freiheit zurückgeholt und die Religion geopfert. Religiös ist Der Großinquisitator also teilweise überholt. ABER: In der modernen Welt sehen wir zunehmend, wie Menschen mit der ihnen zurückgegebenen Freiheit (vor allem des Internets) nicht klarkommen und sich nach einfachen Antworten und starken Autokraten sehnen, die ihnen diese überfordernde Freiheit abnehmen. Nun stellt sich mir die Frage: Wäre Jesus heute vielleicht deutlich willkommener als im 16. Jahrhundert, der Fantasie von Iwan? Und ist der Akt der Nächstenliebe nicht das, was der Menschheit heute wieder so fehlt? Und so ist „Der Großinquisitator“ ein lehrreiches kurzes Stück, in welchem Religionskritik aber vor allem Philosophie steckt. Trotzdem muss ich erst noch das Gesamtwerk lesen, um mir ein wirklich abschließendes Urteil bilden zu können.

    24. Dez. 2025

  • 4,0

    i am too fucking stupid for this book. will probably reread in a few years

    19. Sept. 2022

Autorin / Autor

Über Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Fjodor Michailowitsch Dostojewski wurde am 11. November 1821 in Moskau geboren und starb am 9. Februar 1881 in St. Petersburg. Er entstammte einer verarmten Adelsfamilie, sein Vater war Arzt. Nach dem Tod seiner Mutter 1837 ließ sich Dostojewski mit seinem Bruder Michail in St. Petersburg nieder, wo er von 1838 bis 1843 an der Militärakademie Bauingenieurwesen studierte. 1844 begann er mit den Arbeiten zu seinem 1846 veröffentlichten Erstlingswerk Arme Leute. Dieser Roman machte ihn zusammen mit Der Doppelgänger, der ebenfalls 1846 erschien, schlagartig berühmt. Zu seinem Hauptwerk zählen unter anderem die Romane Schuld und Sühne aus dem Jahr 1866, Der Idiot (1868) und Die Brüder Karamasow (1880). Dostojewski ist ein zentraler Vertreter des Realismus innerhalb der russischen Literatur und gilt neben Lew Nikolajewitsch Tolstoj als bedeutendster russischer Schriftsteller.

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