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Er begann zu begreifen, dass Ideal und Wirklichkeit zwar auseinanderklafften, aber nach Möglichkeit wollte er Handlungen vermeiden, bei denen er harmlosen Menschen Schaden zufügte. "Insofern kann es Ihnen doch nur recht sein, eine riskante Operation durchzuführen." Könnte man so sagen. Wenn er riskante Operationen durchführte, die die Ausschaltung von Objekten aus dem Milieu zum Ziel hatte, dann verminderte das sein Schuldgefühl. Ein Bösewicht bringt einen anderen Bösewicht um die Ecke. - Zitat, Seite 23 Die Originalausgabe erschien 2017 unter dem Titel Ax bei Kodokawa. Dieser Geschichte haftet etwas kafkaeskes an, wer jedoch einen Thriller des Formats von "Bullet Train" erwartet, dem großen Erfolg des japanischen Autoren, wird enttäuscht werden. Wie die klassischen Dramen, ist auch dieser Roman in fünf Akte unterteilt: Axt, Stachel, Kreide, Exit und Finale. Kotaro Isaka hat seine Geschichte sehr clever durchkomponiert und wartet mit Szenen auf, die von einem absurden und doch manchmal so menschlichen Humor geprägt sind. Obwohl die Sprache des Autoren klar und einfach ist, erscheint das Schreiben keineswegs simpel. Es ist von einer überraschenden Intertextualität geprägt, wobei Szenen aus einem Stück von Shakespeare ebenso natürlich eingefügt werden wie japanische Volksmärchen. Vordergründig geht es hier um den geplanten Ausstieg des Auftragmörders Kabuto, der zu Hause den braven Familienvater gibt und sich liebevoll um Frau und Sohn kümmert. Aber das Spagat zwischen zwei völlig gegensätzlichen Existenzen, die unser Protagonist hier vereint, wird immer stärker zur Zerreißprobe, denn eigentlich will Kabuto nur eins sein: ein guter Vater. Aber was gehört zu einer würdigen Vaterrolle dazu - kann Kabuto auch hier zum Profi werden? Doch keine Sorge: sentimental wird diese Geschichte nicht. Oder vielleicht nur ein ganz kleines bißchen. Durch die klare Struktur und die smarte Erzählweise schreiten wir schnell voran - und auf dem Weg zum Finale hält der Autor so manche Überraschung bereit. Dieser Roman fällt sicher nicht in die Kategorie des typischen Thrillers, wer dies erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht. Aber wer sich gerne auf eine Geschichte mit eher subtiler Spannung, ungewöhnlichem Humor und ein wenig Herz einlassen möchte, ist hier gut bedient. FAZIT Der rasante Stil von "Bullet Train", der durch seinen satirischen und sozialkritischen Tonfall zu einem schockierend guten Leseerlebnis für mich wurde, blieb mir nachhaltig im Gedächtnis. Auch wenn mich das nachfolgende "Rache"- Buch nicht wirklich überzeugte, wollte ich dem Autoren mit "Der Profi" noch eine Chance geben - und habe es nicht bereut. Meine Lieblingsszene im Buch ist diese, in der Kabuto - vorbereitet durch Videos aus dem Internet - den Hornissen im eigenen Garten zuleibe rückt. Ausgestattet mit Giftspray und mit selbstgebastelter Schutzkleidung (inklusive Motorradhelm) stellt er sich todesmutig der heimischen Plage ... Und eine Lebensweisheit, die Kabutos Frau dem gemeinsamen Sohn auf den Weg gibt, ist auch nicht zu verachten: "Tu, was du kannst, und was nicht klappt, liegt nicht in deiner Hand." - Zitat, Seite 244 Unbedingte Leseempfehlung.
22. März 2026
Er begann zu begreifen, dass Ideal und Wirklichkeit zwar auseinanderklafften, aber nach Möglichkeit wollte er Handlungen vermeiden, bei denen er harmlosen Menschen Schaden zufügte. "Insofern kann es Ihnen doch nur recht sein, eine riskante Operation durchzuführen." Könnte man so sagen. Wenn er riskante Operationen durchführte, die die Ausschaltung von Objekten aus dem Milieu zum Ziel hatte, dann verminderte das sein Schuldgefühl. Ein Bösewicht bringt einen anderen Bösewicht um die Ecke. - Zitat, Seite 23 Die Originalausgabe erschien 2017 unter dem Titel Ax bei Kodokawa. Dieser Geschichte haftet etwas kafkaeskes an, wer jedoch einen Thriller des Formats von "Bullet Train" erwartet, dem großen Erfolg des japanischen Autoren, wird enttäuscht werden. Wie die klassischen Dramen, ist auch dieser Roman in fünf Akte unterteilt: Axt, Stachel, Kreide, Exit und Finale. Kotaro Isaka hat seine Geschichte sehr clever durchkomponiert und wartet mit Szenen auf, die von einem absurden und doch manchmal so menschlichen Humor geprägt sind. Obwohl die Sprache des Autoren klar und einfach ist, erscheint das Schreiben keineswegs simpel. Es ist von einer überraschenden Intertextualität geprägt, wobei Szenen aus einem Stück von Shakespeare ebenso natürlich eingefügt werden wie japanische Volksmärchen. Vordergründig geht es hier um den geplanten Ausstieg des Auftragmörders Kabuto, der zu Hause den braven Familienvater gibt und sich liebevoll um Frau und Sohn kümmert. Aber das Spagat zwischen zwei völlig gegensätzlichen Existenzen, die unser Protagonist hier vereint, wird immer stärker zur Zerreißprobe, denn eigentlich will Kabuto nur eins sein: ein guter Vater. Aber was gehört zu einer würdigen Vaterrolle dazu - kann Kabuto auch hier zum Profi werden? Doch keine Sorge: sentimental wird diese Geschichte nicht. Oder vielleicht nur ein ganz kleines bißchen. Durch die klare Struktur und die smarte Erzählweise schreiten wir schnell voran - und auf dem Weg zum Finale hält der Autor so manche Überraschung bereit. Dieser Roman fällt sicher nicht in die Kategorie des typischen Thrillers, wer dies erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht. Aber wer sich gerne auf eine Geschichte mit eher subtiler Spannung, ungewöhnlichem Humor und ein wenig Herz einlassen möchte, ist hier gut bedient. FAZIT Der rasante Stil von "Bullet Train", der durch seinen satirischen und sozialkritischen Tonfall zu einem schockierend guten Leseerlebnis für mich wurde, blieb mir nachhaltig im Gedächtnis. Auch wenn mich das nachfolgende "Rache"- Buch nicht wirklich überzeugte, wollte ich dem Autoren mit "Der Profi" noch eine Chance geben - und habe es nicht bereut. Meine Lieblingsszene im Buch ist diese, in der Kabuto - vorbereitet durch Videos aus dem Internet - den Hornissen im eigenen Garten zuleibe rückt. Ausgestattet mit Giftspray und mit selbstgebastelter Schutzkleidung (inklusive Motorradhelm) stellt er sich todesmutig der heimischen Plage ... Und eine Lebensweisheit, die Kabutos Frau dem gemeinsamen Sohn auf den Weg gibt, ist auch nicht zu verachten: "Tu, was du kannst, und was nicht klappt, liegt nicht in deiner Hand." - Zitat, Seite 244 Unbedingte Leseempfehlung.
22. März 2026







